Wenn selbst der 1.Gang nicht mehr hilft

….oder : wenn du glaubst es geht nicht mehr kommt von irgendwo eine Steigung daher ;-)

Monteverde – Nicaragua – Playa Coyote/ Peninsula Nicoya – Tarcoles

Wo beginnen und wie erzählen: die letzte Woche könnte Seiten füllen.
Die „Abfahrt“ von Monteverde war wie erwartend kein Zuckerschlecken – die Ausläufer der Cordillen hatten es in sich: 30 km Piste 3 Stunden reine Fahrzeit – aber diese Landschaft. Nicht nur einmal sind wir stehen geblieben um sie einzusaugen, aufzunehmen und zu genießen. Die Schweiz Costa Ricas – und so sah es auch aus. Hügel und Berge soweit das Auge reicht, von grünen saftigen Wiesen umhüllt, mit grasenden Kühen bestückt und zwischendurch dann auch noch ein Wäldchen! Traumhaft! Umso brutaler war es dann für uns in der sengende Hitze und mit dem Wind im savannenartigen Flachland von Guanacaste zu radeln. Hier hieß es für uns auch – rauf auf die Interamericana. An und für sich kein Vergnügen – auch wenn die LKW’s verhältnismäßig viel Platz lassen. Da sind wir sehr froh dass wir uns Spiegel an die Räder montiert haben – so können wir uns gegenseitig warnen und auf das Gefährt dass von hinten auf uns zurollt einstellen. Wir hatten jedoch zumindest für ca. 50 km das Glück den gesamten „Highway“ für uns zu haben. Der Grund hierfür waren ca. 5 kleine Baustellen – dafür wurde eine gesamte Richtung gesperrt -also 3 Fahrstreifen nur für uns – da rollten sie die Km! Den restlichen Weg bis zur Grenze nach Nicaragua mussten wir uns dann aber einen Fahrstreifen mit allen Fahrzeugen teilen – volle Konzentration und radeln was das Zeug hält. Dafür beherrschen wir jetzt das Windschattenfahren perfekt. Wir haben die Grenze nach Nicaragua erreicht. Ein heilloses Durcheinander. Wolfi wäre fast an seinem Wunsch den Nicaraguasee zu sehen gescheitert: Stempel für die Ausreise von CS erhalten – weiter ins Niemandsland- CR Polizist kontrolliert die Stempeln, alles okay – 5 Meter weiter: Polizist aus Nicaragua kontrolliert „falta, falta“ und deutet auf den Stempel. Nach Minuten war klar was er meint: das „S“ für salida (Ausreise) fehlte in dem Stempel, wie immer das auch passieren konnte. Somit war der Stempel für ihn ungültig. Also wieder retour und neuen Stempel holen. Der selbe Polizist wollte dann 15 Minuten später wissen wieso er jetzt 2 Stempel hat, nein sogar 3 (mit Einreise), das geht ja nicht und der eine ohne S oder E (entrada/Einreise) kann ja alles bedeuten. Da hieß es durchatmen und weitergehen. Gar kein so gutes Gefühl bei der extremst bewaffneten Militärpräsenz an der Grenze! Weiter ging es, mit Blick auf die zwei Vulkane im See Richtung Hafen. Und juhu: das Cola kostete nur 1/3 im Vergleich zu CR – da freuen sich die Radlerbeine!

Wir verbrachten einen Tag auf der Vulkaninseln – genossen die Anblicke der Vulkane, den Blick auf den See hinaus. Der ist so riesig ,dass man das Gefühl hat am Meer zu sein. Wir radelten ohne viel Straßenverkehr auf der Insel umher. Für uns hat sich der Kurztrip (haha – 4 Tage „Umweg“) sehr gelohnt. Wir sind froh, dass wir diesen einzigartigen Anblick des Sees mit den Vulkanen noch erleben durften, bevor hierdurch die großen Dampfer fahren.

Retour in CR zog es uns nun endlich an den Strand. Wir haben uns dank einer Empfehlung für einen sehr abgelegen Strand entschieden. Und abgelegen heißt wieder Piste! Bei gefühlt jedem Haus das wir auf der Strecke sahen füllten wir unseren Wasservorrat nach, bei Minikreislern kehrten wir ein um Colas zu tanken und so überquerten wir die gebirgige Halbinsel um auf den Strand Coyote zu gelangen. Es war tlw. so steil, dass Sabrina nicht einmal mehr schieben konnte. Eine Mikrosekunde lang denkt man dann: warum haben wir nicht den Touristrand im Norden genommen zu dem eine richtige Straße führt?? Aber dann hebt man den Kopf, sieht die Hügel die uns an die Chocolatehills auf den Philippinen erinnern, riecht schon förmlich das Meer und erfreut sich an mehreren Flussdurchfahrungen/schiebungen. Und wenn man dann mit den Füßen im Pazifik steht, dann denkt man schon gar nicht mehr an die Strecke die hinter einem liegt. Den Ort den man erreicht hat schätzt man dann einfach nur umso mehr. Wir haben wild am Strand gecampt und hatten trotzdem etwas Luxuscamping: im Restaurant El Barco, nebenan, dürften wir uns nämlich dankenswerterweise abends duschen und tagsüber unser Wasser auffüllen! Ansonsten war am Strand nicht viel los- für die Leute die man innerhalb einer Stunde auf diesem 2 Km langen Traumstrand sieht braucht man nur eine Hand um sie zu zählen – also paradiesisch. Dafür kamen Ticos (so nennen sich die Costaricaner) mit Macheten und so kam Wolfi endlich zu dem inneren der Kokosnuss – nachdem er es minutenlang versucht hat selbst zu öffnen – sah aus wie das Eichhörnchen bei Ice Age.

Wir genossen unsere 2 Ruhetag und ließen die Eindrücke der letzten Wochen auf uns einwirken. Die Abreise aus dem Paradies war dann der Hammer. Wir haben nicht einmal annähernd das Tagesziel erreicht. 45Km nur Piste, von der übelsten Sorte. Vom Gefühl her haben wir mehr geschoben als wir gefahren sind. Tlw. half sogar nur noch das gemeinsame schieben eines Rades. Bergab ging es auch nur noch im Schritttempo- Schotterpiste. Das Wasser ging uns aus, weit und breit waren keine Häuser. Irgendwann haben wir einen Hirten getroffen, der hat uns dann einen Liter von seinem wenigen Wasser gegeben. Der Sarkasmus verging uns dann irgendwann – tja, so wie die Beine trainiert gehören, gehört auch der Geist trainiert. Aber es half alles nichts – wir mussten weiter. Wir hatten uns aufgrund einer unzureichenden Karte und schlechter Beschilderung auch noch verfahren und sind dadurch zu der schlechten Versorgungslage und weiter ins Gebirge hinein gekommen als geplant. Wenn das so weiter geht dann können werden wir unsere Gänge 2 bis 13 (haben 14) bei Ebay verkaufen. Als die nächste Stadt erreicht war plünderten wir erst einmal die Bäckerei und tranken jeweils einen Liter Cola. So gestärkt fuhren wir noch weitere 20 km auf Asphalt. Da kam dann das Adrenalin von den letzten Stunden durch und ratz-fatz fanden wir einen Ort zum Schlafen. Doch die Quittung kam am nächsten Tag: Beine wie Blei. Aber auch da sammelten wir Kilometer. Wohl weil wir auf der Autobahn fuhren – gekonnt haben wir das Radfahren Verbot Schild ignoriert. Die Polizei die paar Mal an uns vorbeifuhr störte es auch nicht.. Ja, jetzt ist es mal für laaaaange Zeit aus mit einsamen schönen Straßen. Und so campen wir jetzt im Garten einer Familie in einem kleinen Dorf und haben dank Wasserzufuhr unsere eigene kleine Outdoordusche zwischen Papaya- und Sternfruchtbäumen gebaut.

Wir werden immer wieder gefragt ob wir das zu Hause auch professionell machen. Und wenn wir dann erzählen, dass wir nicht einmal dafür trainiert haben, dann kommt großes Staunen. Wir sind uns jetzt aber umso sicherer dass uns NICHTS, aber auch gar nichts auf das hier vorbereiten hätte können. Keine Höhenstraße, kein Großglockner, keine Alpenüberquerung. Am ehesten vielleicht noch eine Mountainbiketour mit vollem Gepäck im Hochsommer um 13 Uhr im Skianzug :-) .

Aber das alles hat nichts mit jammern zu tun, sondern sind Begleiterscheinungen die man halt eben nur am Rad hat. Umso mehr freuen wir uns dass die Wildtierliste die wir von unserem Fahrrad aus machen immer länger wird:
Leguane; Schlangen in diversen Größen und Farben; Affen; Brüllaffen; Papageien; Krokodile;Tukane;  Aras…      eine Bandbreite von Tieren für die CR bekannt ist.