Panama – den Bananen auf der Spur

Seit Abfahrt gesamt: 1601 km; 15684 Höhenmeter
Von  Tarcoles/ Costa Rica  nach Panama City:

Die Vermisstenanzeigen können zurückgenommen werden…. wir sind wieder da :-)
Und es gibt 3 Neuigkeiten:
…. es gibt ebene Strecken in Costa Rica und Panama – und wir durften ganze 3 Radtage darauf radeln. Ach war das ein Genuss!!! Ganz erstaunt waren wir dann immer dass wir bereits am frühen Nachmittag oder gar schon zu Mittag unser angestrebtes Tagesziel trotz mehrmaliger Pausen erreicht haben.
…. Am vorletzten Radtag in CR haben wir die 1000 km Marke geknackt !!! Juhu!!!! Für diese 1000 km sind wir knappe 64 Stunden im Sattel gesessen und haben dabei über 10.000 hm absolviert.

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Kann man die „kreative 1000“ erkennen?? ;-)

…. wir sind in Panama City!!!

Aber jetzt mal von Anfang an, bzw…..wo sind wir stehen geblieben….achja….an der Küste CR: es ging weiter Richtung Süden. Die Strecke war landschaftlich eher gleichbleibend: viele KM lange Ölpalmenplantagen oder Wälder. Man fährt wie in einer Art Schneise – kaum ein Blick in die Ferne war möglich. Und wenn doch, dann waren zu unserer linken hohe Berge und zu unserer Rechten zeigte sich kurz das Meer. Für Pausen oder 2. Frühstückszeiten nahmen wir oft eine der Stichstraßen zum Strand – so lässt es sich rasten.


Wir trafen Stacey und Jowrney aus Südkorea – nicht die ersten Reiseradler die wir trafen, aber die ersten mit denen sich ein längeres Gespräch ergab. Sie sind mit Bus, Rad, Flugzeug,… unterwegs und Wwoofen oft weil sie in Südkorea eine Farm haben möchten und sich mit dieser Reise auf der ganzen Welt Ideen holen.

Um unseren angestrebten Rhythmus 5 Tage fahren – 2 Tage ruhen beizubehalten, wären die Ruhetage auf das Surfer-Stranddörfchen Dominical gefallen – wir wussten schon vorher dass es ein Touristendorf ist, aber soooo touristisch.?!?! Dort gab es wirklich kein einziges „normales“ Haus – nur Hostels und Hotels. Also beschlossen wir nur einen Tag zu pausieren und dann weiterzufahren. Das es tatsächlich kein Ort für uns war, bekamen wir dann bestätigt: es kam in der Nacht und auch am Morgen danach zu einer ziemlich heftigen Auseinandersetzung mit einem Barbesitzer von nebenan, der Wolfi auch mehrmals gedroht hat. Wir haben durch den Hinterausgang das Weite gesucht. Diese Begegnung beschäftigte uns den ganzen Tag und wir mussten uns Mühe geben uns von dieser einen Person nicht die ganze Costa Rica Erfahrung vermiesen zu lassen.

 


Ab Palmar Norte war dann der kleine aber feine Seitenstreifen Geschichte. Dafür folgten auf den letzten 100 km zur Grenze ein Fleckerlteppich unter unseren Reifen. Wir wussten bis dahin gar nicht, dass es soviel verschiedene Arten von „Straße“ gibt. Die Übergänge zwischen den einzelnen Schichten waren nicht immer fließend und so holperten wir dahin. Wir sind uns sicher, dass dies eine Teststrecke für eine Asphaltfirma ist – um zu sehen welcher Belag welche Rolleigenschaften bei den Fahrzeugen verursacht und welcher sich wie schnell abnutzt ;-) .
Das tolle am Fahren in Küstennähe ist: das Angebot an Fisch. So kehrten wir täglich bei einem Cevichestand ein (Roher klein geschnittener Fisch in Limettensauce, Koriander und Chili). Que rico!!! Und je südlicher wir kamen umso mehr gefielen uns die authentisch, einfachen Dörfer. Überglücklich darüber wieder individuelle Bäckereien und keine Ketten zu finden: erstere backen nämlich die besten Süßspeisen. Unser Favorit: ein Art süßer Striezel gefüllt mit Käse, Bohnenpaste und Schinken oder aber gefüllt mit Marmelade und Schinken. Ja, das schmeckt auch Nichtschwangeren ;-).

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Wir sind einem Spiel überdrüssig geworden, nämlich eines das wir immer spielen müssen wenn wir zelten: Beamtenmikado – wer sich bewegt verliert. Es entsteht der Verdacht dass jede Bewegung noch mehr Wärme erzeugt. Im Vorfeld haben wir viele Packlisten von anderen Reiseradlern gelesen, aber DAS wichtigste fehlte: ein Handventilator – diesen erträumen wir uns jedes Mal im Zelt herbei, wenn wir in der Seitenlage liegen um dem eventuell doch noch einsetzenden Wind (eh klar – am Rad sitzend bläst er, aber Abends wo man ihn braucht ist Funkstille) möglichst viel Angriffsfläche zu bieten. Also haben wir umgeschwänkt auf schlafen ohne Zelt: in Panama ging das meistens ganz gut da es viel weniger Moskitos gab als in CR.

Und wie ist Panama??? Also gleich mal vorweg…. lieber Janosch…. hier riecht es nicht nach Bananen. Kann es auch gar nicht. Es gibt nämlich keine!!! Zumindest nicht in den normalen Supermärkten und auch die aus CR bekannten Obststände am Straßenrand gab es ganz selten. Tagelang hatten wir daher keinen Zugang zu unserer sonst üblichen täglichen Ration von mindestens 2 Stück – eine Katastrophe für unsere Beine. Einzig und alleine die riiiiiesen Supermärkte, deren Vorbilder eindeutig in den USA liegen, hatten welche. Aber zu denen kamen wir leider nicht täglich, abgesehen davon dass es einem förmlich erschlägt und erschreckt wieviel Angebot es geben kann. Die Verzweiflung war so groß dass wir jetzt sogar wissen dass Kochbananen einigermaßen akzeptabel im Frühstücksmüsli schmecken ;-) .
Ansonsten ist Panama so: man nimmt einen Kochtopf, wirft eine gehörige Portion Wind hinein, eine Prise Staub, vermischt das mit einer laaaangen Baustelle, verfeinert es mit netten Bauarbeitern und garniert es mit einer kostenlosen Hochschaubahnfahrt… fertig ist die Panamericana. Hört sich doch super an, oder??

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Ja Panama ist für die meisten Radler eher ein Durchfahrtsland – so auch für uns. Die Nebenstraßen sind in tlw. schlechtem Zustand und es geht gleich mal gehörig bergauf. Also bleibt kaum eine Alternative als die ca. 500km von der Grenze bis nach Panama City durchzubeißen und auf der Pan zu fahren. Im Nachhinein betrachten fanden wir es aber gar nicht soooo schlimm und sind froh dass wir es geradelt sind und nicht wie oft vorgeschlagen mit dem Bus überbrückt haben. Wir hatten aber auch sehr viel Glück : die oben erwähnte lange Baustelle hat uns 200 km lang wieder 2 eigenen Fahrspuren gebracht. Darauf konnte man sogar in Ruhe sein 2. Frühstück einnehmen.

Der Staub, die Steigungen und der Wind blieben natürlich das Selbe, aber wir brauchten uns zumindest um den Verkehr keine Sorgen zu machen und konnten dadurch auch die Landschaft genießen. Ein Privileg wenn man auf der Pan unterwegs ist. Und die Landschaft ist durchaus schön. Fast stets hatten wir einen Panoramablick auf die wolkenverhangenen Berge. Es ist weiterhin grün, aber nicht mehr so saftig grün wie in Costa Rica. Die Berge selbst sind oft unbewaldet und eher braun, aber auf ihre eigenen Art und Weise schön.


Panama fing bezüglich übernachten gleich mal gut an. Wir übernachteten bei wirklich netten Warmshowerhosts in David und durften, weil wir das Zelt nicht aufbauen wollten, im Waschraum/ Vorraum schlafen. Zwischen zwei Tiefkühltruhen schläft es sich gar nicht mal so schlecht.

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Die restliche Strecke bis Panama City haben wir bei der Feuerwehr geschlafen. Bis auf ein Mal, da gab es keine in der Nähe und so fragten wir in dem Minidorf San Bartólo in einer Art Kneipe nach: kein Problem. Wir durften im Openair-Speisesaal schlafen. Das Dorf war so süß verschlafen – dort jagte der Hahn die Hühner über den „Hauptplatz“ und die Leute kamen abends mit der Taschenlampe um sich beim Minikiosk noch eine Cola zu kaufen.

 

 

 

Die Erfahrungen bei den Bomberos (Feuerwehr) waren durchwegs immer positiv, wenn auch immer ganz anders: angefangen beim Schlafen hinterm Haus und kaum ein Wort wurde mit uns geredet, bis hin zur Haus- und Hofführung inkl. Vorstellung aller Anwesenden, gemeinsames Essen und dass wir einen Kuchen für sie buken. Aber es gibt immer ein Dach über dem Kopf und ein Klo. Duschen ist uns nur vergönnt wenn mal nicht wieder der Schlüssel verschwunden ist ;-) .

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Openair Schlafplatz hinterm Bomberohaus
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Lustige Wischmops der Bomberos
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Essen eingeladen,wir haben gebacken, Dusche, klimatisiert Schlafen können,….besten Bomberos bis jetzt
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Kuchenbacken für die Bomberos

Sonst freuen wir uns über niedrigere Preise in diesem Land, schauen aber ganz wehmütig den köstlichen frischen Fruchtsäften aus Costa Rica hinterher.
Das einzige Hotel dass wir bis Panama City besuchten kam uns leider teuer zu stehen. Wir freuten uns darauf uns durch alle Bäckereien in Santiago durch zu kosten, ins Kino zu gehen und sonst Dinge von unserer Ruhetagetodoliste abzuarbeiten ( es gibt IMMER was zu tun). Ein Punkt war die Post: wir schleppten doch glatt noch Postkarten von Nicaragua mit uns mit. Für 35Cent pro Karte sind sie jetzt angeblich nach Österreich unterwegs. Die Mägen voll mit Süßen ging es retour ins Zimmer. „Wolfi, hast du mein Handy weggeräumt?? Und wo ist die Kamera?? Bitte WO IST DIE KAMERA??“ Genaueres nachschauen ergab, dass auch unsere Notfalldollar gestohlen wurden. 6 Stunden später verließen wir das Art Polizeipräsidium mit einer Anzeige, einem blauen Zeigefinger weil wir mit diesem Unterschreiben mussten und dem schlechten Beigeschmack welch so ein Vorfall hinterlässt. Wir konnten es kaum glauben als um kurz nach Mitternacht die Spurensicherung vor der Türe stand – viel zu holen gab es leider nicht, da unsere Radtaschen keine gute Oberfläche für Fingerabdrücke bieten. Glück im Unglück war, dass während eingebrochen wurde wir Fotos aussortieren wollten, daher hatten wir das Tablett und auch alle Speicherkarten mit. Tags darauf versuchten wir uns abzulenken indem wir einen Ausflug nach San Francisco und Santa Fé unternahmen. In Momenten wo wir köstlichen Honig erwarben oder die älteste Kirche Panamas betrachteten, waren die Gedanken kurzzeitig nicht bei dem Einbruch.

Am ersten Radtag nach den (Un)Ruhetagen fuhren wir 104 km, davon 80 mit Gegenwind, wovon 50km sturmartig waren. Sabrina wäre danach sogar noch weitergefahren – wir glauben dass wir an dem Tag unbewusst all unseren Frust abgeradelt haben.
Es ging also weiter auf der Panamericana. Die Berge wurden niedriger, die vielen Hügel jedoch nicht, welche es zu überqueren galt. Auch nahm der Wind nicht ab, weshalb wir versuchten bereits bei Sonnenaufgang, 6Uhr30 in den Sätteln zu sitzen um zumindest 2 Stunden mäßigen Wind zu haben.
Am vorletzten Abend übernachtete bei der Feuerwehrstation in Charme ein mexikanischer Reiseradler der, nachdem er in Asien unterwegs war, von Ushuaia herauf geradelt ist. Wir haben viel mit ihm geplaudert und der Glückliche hat sein ganzes Wintergepäck schon heimgeschickt und reist nun mit deutlich weniger!!
Die letzten 50 km vor der Hauptstadt kann man sich wirklich sparen. Der Verkehr wurde dichter, die Luft schlechter und der Pannenstreifen immer dreckiger. Dreck bedeutet hierbei einerseits Hausmüll, jedoch auch sehr viele Reste von Reifenplatzern. Die kleinen Drahtstücke die dadurch herumliegen sind des Radlers Erzfeind. Stau – stop and go – Stau – Autos über Autos, mehrere Spuren, … wir hatten wirklich das Gefühl als wären wir montags 7 Uhr auf der Südosttangente unterwegs. Unvorstellbar: Radfahrer auf der Autobahn! Hier in Panama wirst du sogar noch gegrüßt von der Polizei!! Und dann war sie da, so plötzlich wie schon in vielen Berichten gelesen und ebenfalls so emotional auch für uns: La puente de las americas: Die Brücke die Süd- mit Nordamerika verbindet! Ein gewaltiges Bauwerk. Und symbolisch für uns : Südamerika wir kommen: Kolumbien wir sind bald da :-) !

 

Wagemutig überquerten wir die Autobahn um einerseits Fotos zu machen und andererseits um die Räder bis zum Scheitelpunkt der Brücke auf dem Gehweg, der nur auf der linken Seite vorhanden ist, zu schieben. Radeln, bergauf und somit langsam, ohne Seitenstreifen bei dem Verkehr wäre lebensmüde. Wobei das überqueren der Spuren auch nicht viel sicherer war. Wie auch immer…. wir haben es geschafft. Weiter ging es durch nicht so schönen Vororte von Panama City und hinein in den Großstadtdschungel zu unserer Unterkunft. Hier verbringen wir nun viele Ruhetage :-) . Da es bekanntlich ja keine (sichere) Festlandüberquerung von Panama nach Kolumbien gibt, uns der Aufwand mit den Rädern zu fliegen zu mühsam ist, wir die San Blas Inseln sehen wollen und unbedingt im Norden Kolumbiens weiterfahren möchten, nehmen wir am 12. 2. ein Boot. Hierfür ist man 3 Tage auf offener See und weil es zu dieser Jahreszeit ziemlich stürmisch und somit ungemütlich ist, fahren deutlich weniger Boote als sonst. Aber hey, dafür bekommt man eine 90%ige Übelkeitsgarantie dazu. Wir brauchen ein Boot dass unsere Räder gut verladen kann (wenn auch draußen, hierfür werden wir die nächsten Tage eine geeignete Abdeckung suchen damit sie nicht komplett im aggressiven Salzwasser gebadet werden). Daher eben auch der längere Aufenthalt in Panama City, bis wieder ein (geeignetes) Boot abfährt. Wir wissen ihn aber zu überbrücken und strebern seit vorgestern 2 Stunden pro Tag in der Spanischschule!! Juhu!! Und sonst arbeiten wir die Todo-Liste ab: Radputzen, Taschen putzen, Räder warten, ausmisten, Wäsche waschen, Kamera kaufen, Kolumbien einlesen, sightseeing, Blog schreiben :-) , Fotos aussortieren, Bootsübelkeitstabletten kaufen, Kino gehen, fortgehen, …. Mal schauen was wieder unerledigt bleibt (tlw. gibt es ja noch Todo-Dinge die wir in Wien nicht mehr geschafft haben, wie zum Beispiel Zeltstangen einpudern damit sie besser durch den Zeltstoff gleiten – darauf drängt vor allem Sabrina, denn ihr ist nicht ganz wohl bei dem Gedanken mit verdächtig weißem Pulver nach Kolumbien einzureisen ;-) ) ….- langweilig wird uns also sicher nicht. Kommt da nicht noch der Karneval???

 

 

 

P.S.: Tlw. kann man im Blog Erklärungen zu den Bildern (nur) lesen wenn man mit der Maus darauf fährt