Auf dem Weg zu einem anderen Kontinent

Wir haben die Überfahrt geschafft!! Wir sind heil in Kolumbien angekommen!

Die Tage in Panama City waren ruhe Tage (Tourisachen machen), aber zum grossen Teil doch wieder „unruhe“ Tage mit viel suchen, organisieren, kaufen, recherchieren,… . Ein kurzer Auszug aus unseren radfreien Tagen:

  • der Baecker von nebenan konnte sich das Lachen schon nicht mehr verkneifen als wir bis zu zweimal taeglich bei ihm vorbeikamen und jedesmal mindestens zwei Stueck Suessspeisen kauften.
  • die 14 Stunden Spanischschule waren mehr oder weniger erfolgreich, eher weniger :-( wir hatten einfach kaum bis gar keine Zeit uns auf die Stunden vor- bzw nach zubereiten.
  • Den Karneval haben wir nur am Wochenende mitbekommen – das Highlight wäre am Dienstag gewesen. Aber bereits am Wochenende merkte man worin die Hauptbeschaeftigung des Events bestand: Trinken und Essen. Die Hauptstrasse an der Kueste wurde fuer die Parade gesperrt. Am Rand reiten sich mehrere hundert Meter lang ein Stand nebe den anderen: Bier – Hotdogs – Bier – gegrilltes – Hotdogs – Bier – gegrilltes – gegrilltes – Bier – …. ungefaehr in diesem Rhythmus – ueberall die selbe Auswahl. Die kleine Parade die wir sahen war ganz schoen, aber eben leider nur sehr klein.
  • die Altstadt ist aus der Kolonialzeit – leider zu perfekt restauriert und daher ziemlich kuenstlich wirkend (Fotos gibts nur von den nicht so perfekten Häusern ;-) )
  • 2 Tage waren wir beschaeftigt uns eine neue Kamera zu kaufen. Jetzt haben wir wieder die selbe und hoffen das Beste!
  • weitere Stunden verbrachten wir mit der Suche nach einer geeigneten Abdeckung fuer unsere Raeder am Schiff
  • Stunden von Whatsappkonverenzen mit Schwester und Eltern waren notwendig, da wir aufgrund der in kurzer Zeit hohen Geldausgaben (Schule, Kamera, Hostel) nicht mehr an genug Bargeld kamen, das wir aber brauchten weil die Bootsüberfahrt in Bar zu zahlen war. Sie wiederum korresponiderten dann mit unserer Bank. Am Ende funktionierte doch nichts und irgendwie schon. Zu kompliziert und langweilig um hier zu schildern ;-)
  • Wolfi litt tagelang unter missteriösen Krämpfen in den Oberschenkeln so dass er tlw. nur sich auf Sabrina stützend gehen konnte und alle 200 Meter dehnen musste.
  • Ebenfalls eigenartig war seine grosse Zehe, die seit Tagen eiterte, heftigtst entzunden war und einfach nicht heilen wollte (wissen nicht so recht woher die Wunde kam)  – ein Arztbesuch war notwendig. Jetzt wissen wir dass in Panama für solche Fälle der Orthopäde zuständig ist. Ja wirklich!!! Alle Empfangsdamen im Ärztezentrum waren sich einig dass er der Spezialist für sowas ist. Der Arzt selbst wirkte dann auch nicht irritiert dass wir bei ihm gelandet sind ;-) .
  • wir waren im Kino… und haben uns scheinbar so dumm angestellt beim Karten kaufen, dass die Verkaeuferin uns zweimal darauf hinwies dass der Film in Spanisch ohne Untertitel ist und ob wir sicher sind dass wir diesen sehen moechten ;-) .Er war gut – und ja, wir haben auch was verstanden. Toll war die kulinarische Erfahrung : karamellisiertes und gesalzenes Popcorn in einer Tuete; aber auch die kulutrelle: die Leute im Kino hab viiiiiiel lauter und laenger gelacht als man das je bei uns machen wuerde. Ebenso war oft klatschen, buh Rufe, sowie wie oohhh, aaaaahhhh, uuuuuiiiiihhh, Pfiffe, …. zu hoeren – sehr sympthatisch! Man wird innerhalb von kurzer Zeit angesteckt ;-)
  • Wir haben einen Teil vom Ironman gesehen – wahnsinn was die Leute bei der Hitze leisten, wirklich abnormal!! Hatten hoechsten Respekt und fuehlten uns fehlplatziert am Rand stehend, mit unserer Wasserfalsche in der Hand und ueber die Hitze „jammernd“.

 

Die kurze Etappe nach Porto Belo auf der Karibikseite haben wir in 3 Tage aufgeteilt: 12 Tage Panamacity waren genug, wir wollten wieder los. Noch dazu haben wir schon geahnt dass nach einer langen Pause das fahren wieder anstrengend wird – und so war es dann auch. Die oede und dreckige Landschaft hat ihr uebriges getan. Die Karibik zeigte sich von ihrer nicht so schoenen Seite – Sturm und mehrere heftige Regenschauer begleiteten uns.

Bereits zwei Tage vor der Bootsabfahrt kamen wir in P.B. an und weil wir nicht zwei Naechte in dem schmuddligen Hostel (einziges im Ort) von Captain Jack schlafen wollten, machten wir uns auf die Suche nach einer kleinen feinen Unterkunft, wenn auch nur fuer eine Nacht (Zur Erklaerung: weil wir den Segeltrip ueber Capain Jack Agency gebucht haben ist die Nacht vor der Abfahrt inklusive). Rückblick: am zweiten Radreisetag nach Panama City trafen wir auf Scott, auch ein Radreisenden, der uns in Porto Belo eine kleine Privatunterkunft empfohlen hat, wir sollen einfach bei der Kirche nach „el Black“ fragen und die Leute wüssten schon bescheid. Er hat uns sicher auch den Vornamen von dem Typen gesagt, aber wir und Namensgedächtnis…     Nach einer gefühlten Stunde haben wir dann doch, mit der Hilfe der halben Ortsbevölkerung das richtigen Haus gefunden – Casa Luna Llena. Der Besitzer der Hospedaje, Nelson war gerad nicht zu hause, aber Raul, ein Spanier der seit einem Monat dort wohnt hat uns herein gelassen, alles erklärt und gemeint, das passt schon, der Typ der das Doppelzimmer belegt wollte sowieso heute ausziehen, wir müssen nur ein paar Stunden warten bis es soweit frei und geputzt ist, duschen können wir inzwischen auch schon. EEASY. Gesagt getan. Den restlichen Tag sind wir dann nur mehr durch die Gassen geschlendert,  haben nach süssen Leckereien ausschau gehalten (Wolfi :-)) und haben Pläne geschmiedet wie wir die Überfahrt überleben sollten (hatten echt bissl Schiss was für ein Seegang uns da erwartet).     Historisch betrachtet war Porto Belo einst mal ein wichtiger Hafen der Kolonialzeit um das erbeutete Gold Mittelamerikas nach Spanien zu verschiffen. Deshalb lassen sich auch Ruinen des ehemaligen Forts besuchen, was innerhalb von weniger als einer halben Stunde geschehen war. Der Charm von Porto Belo bleibt zweifelhaft und ist eher am Aufeinanderprallen der Kulturen vorort zu ermessen.

Wir hatten Glueck in Porto Belo am Aschermittwoch anzukommen: an diesem Tag findet dort ein Art „Perchtenlauf“ der anderen Art statt. Es war ein Spektakel, das schon am Nachmittag begann und den Hoehepunkt abends fand, als die „Teufel“ kamen. Der Inhalt des bunten Treibens war die Geschichte von Sklaverei und Aufstaenden zu Zeit der Kolonialisierung. An der Karibikkueste (Porto Belo, Colon,…) leben heute noch viele direkte Nachfahren der ehemaligen Sklaven aus dem heutigen Kongo und werden deshalb heute auch einfach „Kongos“ genannt. Man wusste gar nicht wo man zuerst hinschauen sollte: tanzende Frauen, peitschende Teufel, verkleidete Männer die sich auspeitschen liesen und mit ihren Trillerpfeiffen einen höllen Lärm verurschten,  ein staundendes und raunendes Publikum, …. .

 

So, und wir war sie jetzt die 5 tägige Überfahrt??? Sehr schwer zu sagen: aber am besten wohl eher noch mit einer Hassliebe zu vergleichen!!! Die San Blas Inseln waren wie erwartet ein Paradies. So viele kleine, zum Teil unbewohnte Inseln, manchmal nur mit einer Palme darauf, manchmal mit einem ganzen „Wald“ … wie im Traum. Davor und danach waren jedoch Seetage angesagt und die waren zum Teil schlimmer als vorgestellt und dann  doch harmloser als erwartet. Ein Widerspruch? Nicht ganz. Alle an Bord hatten Bedenken vor den letzten 2 Tagen der Reise, weil man hierbei so weit auf offener See ist dass man kein Festland sieht und der Kaptain gemeint hat, wir haben Chancen auf ein „Windfenster“ von bis  zu 24 Stunden (denn es bliess der Wind noch stärker als zu dieser Zeit üblich). Es kam jedoch ganz anders: die erste Nacht sollte rückblickend betrachtet die schlimmste sein. Nachdem es nach Sonnenuntergang aufgrund der Sicherheit hies :“alle runter von Deck, wir fahren raus aus der sicheren Bucht“ ging es los. Alle brachen in hecktig aus, jeder wollte nur noch in seine Schlafniesche, denn schlagartig schaukelte das Schiff dass ans freie Stehen nicht mehr zu denken war. So lagen alle innerhalb von Minuten und krochen nur raus wenn wieder was hinuntergefallen ist, um es zu sichern (was die ganze Nacht vorkam). Die Wellen waren so hoch und stark, dass Sabrina von der stabilen Seitenlage, über den Rücken, auf die andere Seite und weiter auf Wolfi raufgeschleudert wurde. Wolfi wiederum, der versuchte am Rücken zu liegen wurde mehrfach unter Sabrina drunter“geschossen“ – als würde er auf Eis liegen. Wir versuchten uns in der Minischlafniesche irgendwie mit Händen und Füssen zu verkeilen. Schlaf haben wir nicht wirklich bekommen. Auch, weil es extrem heiss war und es doch so einigen schlecht wurde und man dadurch immer wieder aufgeweckt wurde wenn sich jemand aufs Klo kämpfte. Der 2 Meter lange Weg dorthin war ein Kraftakt von einer Minute: aufsetzen – Ziel anvisieren – nach Haltemöglichkeiten ausschauhalten – versuchen diese zu ergreifen- aufstehen – stehen bleiben – sich beim Nachbarn entschulidigen weil man aufgrund einer Bootsschwankung sich an seinem Kopf festgekrallt hat und nicht am Bettrand – einen Schritt nach vorne machen – erkennen dass er doch zur Seite gegangen ist – einen erneuten Schritt machen – sich wo  festkrallen um die Türe aufzumachen – aufpassen dass sie einem nicht erschlägt – am Türrahmen festhalten – sich ins Klo reinziehen – umdrehen – mit den Beinen am Türrahmen verspreizen – waghalsig nach vorne lehnen um die Türe zu ergreifen, heranzuzerren und zu schliessen – sich aufs Klos setzen und entspannt an eine Wand lehnen. Eine Vorstellung bekommen ?? Bis auf die Stunden die wir vor den wellensicheren Inseln anlegten sah die Fortbewegung nur so aus. Wie wir in der Früh Cornflakes zubereiteten, Kaffe holten bzw generell assen würde hier zu beschreiben die Zeit sprängen. Die Hochseeüberfahrt am Schluss war dann vom Wetter her ziemlich ruhig, dadurch konnten wir alle Segeln hissen und Geschwindigkeit aufbauen – sehr zu unserem Leidwesen, denn das Boot hing für 30 Stunden in einem 45Grad Winkel nach rechts! Da war dann sogar das sitzen anstrengend. Ein Pärchen hatte ihre Niesche auf der rechten Seite: sie befanden sich für diese Zeit in einem U-Boot: ihr Fenster war nämlich unter Wasser! Wolfi hatte die ganze Nacht damit zu kämpfen sich wieder die Matratze „hochzuklettern“ weil er wieder auf Sabrina gerutscht ist welche die ganze Zeit an die Nieschenwand geklebt war.

Weil es aufgrund der Wellen und der Geschwindkeit immer wieder viel Mehrwasser aufs Deck überschwappte war an draussen sitzen nicht zu denken. Also standen wir alle auf der linken Seite des Boots und starten mit erfurcht in die Wellen. Man soll ja den Horizont fixieren damit man nicht Seekrank wird: gute Idee: schwierige Durchführung wenn die Wellen bis zu 5 Meter hoch sind und man selbst an Deck auf einer Höhe von ca. 2 Metern steht!

Aber wir hatten auch riessen Glück… unsere Räder bekamen ein eigenes Bett und wurde bis zur Unbeweglichkeit niedergezurrt. Sabrina ist sich sicher sie hätte die ganzen 5 Tage geheult beim Anblick der Räder draussen. Denn der Plan wäre gewesen dass sie vorne an der Aussenseite des Bootes angebracht werden. Der Captain riet uns davon ab sie einzupacken, weil immer irgendwie Salzwasser hineinkommt, dass dann mit der Sonne unter der Folie die Räder nur aufreibt und dadurch mehr beschädigt. Uns taten die 2 Motorradbesitzer total leid. Ihre Bikes wurden, wie man sich vorstellen kann, 5 Tage lang mit Meerwasser regelrecht geduscht – man konnte den Rost beim wachsen zuschauen!

Apropo duschen…. 6 Tage ohne duschen…. die Haare waren hinüber, die Haut einen gefühlten Zentimeter dicker aufgrund einer Schicht von Sonnencreme, Schweiss und Salzwasser!

Jetzt sind wir in Cartagena und der Boden schwankt nur noch in der Früh ;-) . Eine so wunderschöne Altstadt. Sie ist riessig und man hat das bedürfniss alle Gassen zu sehen, weil jede einfach wunderschön ist. Hier sind die Häuser zwar auch zum Teil renoviert, aber auf eine nicht perfekte Art und deswegen sehr authentisch. Dazwischen dann nichtrenovierte Gebäude, an denen die Farben in abbröckelt, auf denen Bäume wachsen, …. Wir geniessen das kolumbianische Leben: Tinto  ( leichter, gesüsster Kaffe) von einem fliegenden Händler kaufen (ein Mann der bis zu 8 Thermoskannen trägt), sich auf einen Platz setzen und das Treiben beobachten. Aber wie auch schon in Panama haben sie hier, nicht anders zu erwarten, auch ein Müll Problem. In Panama ist eines der grössten Standbeine für die Zukunft der Ökotourismus und trotzdem bekam man sogar auf einem Markt, wo es Tische gab und gemauerte Kücken, sein Essen auf Styroportellern. Hier in Kolumbien ist es mit den Tinotbechern das selbe  – also habe wir uns einfach welche behalten uns lassen sie nur noch auffüllen ;-) .

 

2011 wurde in Bogotá ein Künstler von der Polizei ermordet weil er (illegal) Straßenkunst betrieb (Graffiti). Danach folgten Proteste und Aufrufe zur Solidaritätssprayaktionen. 2013 gab Justin Biber ein Konzert in Bogotá und fuhr danach zu dem Platz an dem der Künstler ermordet wurde und machte dort ebenfalls ein Graffiti – er wurde nett von der Polizei ins Hotel begleitet. Dies führte wieder zu Protesten. Seit dem ist nach einer Antragsstellung das besprühen von Wänden legal – ohne Ansuchen bei der Stadt wird es zumindest geduldet. Wir haben an einer kostenlosen Graffiti-Tour in Cartagena mitgemacht – hier behandeln die Kunstwerke vor allem zwei Themen:

  • Sklaverei, Kolonialisierung, Enteignung des Landes, Ureinwohner Kolumbiens,…
  • die Leute in der Altstadt sind großteils gezwungen ihre Häuser zu verkaufen bzw. zu vermieten, da die Preise hier ansteigen weil das Viertel für jegliche Investoren im Touristenbereich (Hostels, Restaurants,… ) interessant ist.

 

Die Türklopfer an den alten Häusern haben uns so gefallen dass wir euch einfach eine Kollage davon zeigen müssen ;-)

 

 

Wem ist das „täglich grüsst das Murmeltierthema“ in diesem Eintrag aufgefallen?? ;-) Genau: Süsses !!!… ja, wir haben in den letzten 3 Wochen die davor runtergeradelten Kilos wieder erfolgreich raufgefuttert :-)

Morgen radeln wir wieder los. Es wird Zeit ( man erkennt den Radhandschuhabdruck kaum mehr ;-) ). Wir haben aber ziemlichen Respekt! Hatten wir jetzt doch 3 Wochen Pause – wir fangen also vom Gefühl her wieder bei Null an was unsere Ausdauer und Kraft betrifft.  Bereits nach wenigen Kilometern geht es aber schon ab in die Anden! Es erwarten uns über 2000 Km in Kolumbien. Die Vorfreude ist gross. Wir freuen uns auf die Landschaft, auf das selbst sich wieder fortbewegen, auf das totmüde abends in den Schlaf zu fallen, sich von Vögeln aufwecken zu lassen, den Tagesrhythmus dem Sonnenstand anzupassen,  … . Wir hoffen dass uns die heftige Dürre (in Teilen des Landes wird das Wasser bereits rationiert) nicht allzu sehr trifft.

Dem aufmerksamen Leser ist vielleicht aufgefallen dass manche ö oe sind und es kein scharfes s gibt… tja…wir sitzen an einem Standpc im Hostel und schreiben…. unser Tablet befindet sich am Markt und wird dort seid vorgestern repariert – es hat in Porto Belo aus unerklärlichen Gründen den Geist aufgegeben :-( . Wir hoffen dass es trotzdem zu entziffern ist.