Adios Flachland ! Bienvenidos Berge !

Cartagena bis San Gil
KM Total: 2583 km
HM Total: 25223 hm

Okay okay, wir geben es zu…. wir landeten nicht wie angenommen bereits nach ein paar Kilometern in den Anden. Kolumbien meinte es für die ersten sieben Radtage bezüglich der Topographie ziemlich gut mit uns – flach bis hügelig ging es von Cartagena über Sincelejo nach Mompox und weiter nach San Martin.


Die Strecke von Cartagena bis Sincelejo wurde von kleinen Dörfern und vielen frischen Fruchtsaftständen am Wegesrand gesäumt – eine willkommene Einladung für einen (oder mehrere) Stops(s). Sabrina wollte aufgrund der langen Radpause die ersten Tage ruhig angehen – Wolfi war motiviert für mehrere Kilometer. Am Ende einigten wir uns in der Mitte: Sabrina sah ein, dass es besser ging als erwartet und Wolfi war geplättet von der Hitze. So hielten wir bereits am frühen Nachmittag in einem kleinen Dorf an und suchten nach einer Schlafmöglichkeit. Die dortige Schule (scheinbar mit „Internat“) konnte uns nicht weiterhelfen – der Chef ist am Wochenende nicht da. Im Dorf verwies man uns zur Kirche, aber auch dort war niemand. Schluss endlich landeten wir bei der Dorfbaseball“stadion“-wärterin und erhielten die Erlaubnis in diesem zu schlafen. Die Idee fanden wir witzig. Wir fragten, ob sie die Toiletten noch für uns aufsperren könnte. Sie verschwand kurz und als sie wiederkam begleitete sie uns zu einem Haus – dort durften wir uns im Hinterhof bei den Ziegen in einem gemauerten 1,5×1 ,5Meter großen Häuschen duschen. Wobei Duschen in einem Ort ohne fließenden Wasser so aussieht, dass man sich aus einer Tonne Wasser schöpft und über den Körper schüttet. Wir waren über die unvorhergesehene Reinigung unseres Körpers erfreut – wobei wir bereits beim abtrocknen wieder schwitzten ;-) . Danach machten wir es uns im Teambereich der Heimmannschaft gemütlich – soweit dass bei der drückende Hitze ging. Daher suchten wir uns im Dorf einen Platz wo zumindest ein bisschen Wind ging und ließen die Zeit verstreichen. Schnell waren wir von Kindern umgeben. Die üblichen Fragen wurden gestellt (aber dazu später mehr). Ein Kerl in unserem Alter kam aus den gegenüberliegenden Minimarkt und zeigte uns voller Stolz einen Teil seines Fanges: einen Aligatorschwanz. So verbrachten wir also, als ein Teil des Dorfes (Wolfi reparierte das Rad eines Mädchen dessen Kette direkt vor uns heraussprang), den Nachmittag. Fast ständig an unserer Seite ein kleiner Junge der Stunden mit uns schwieg und etappenweise auf uns einplauderte egal ob wir was verstanden oder nicht. Alle bewegten sich dort auf Fahrrädern fort, die Leute saßen und standen vor ihren Häusern und quatschten, Kinder rannten herum, … . Kurz vor Sonnenuntergang befanden sich dutzende Kids im Stadion und spielten Fußball…. bis sie unsere Räder entdeckten. Zeitgleich kam „Aligatordundee“ wieder vorbei und lud uns zu sich zum Essen ein. Noch bevor wir sein Angebot annehmen kommten zog er ein weißes Päckchen aus seiner Tasche heraus und bot es Wolfi an – na toll, gleich zu Beginn in Kolumbien und alle Vorurteile werden bestätigt, dachten wir. Leicht geschockt aber doch mit einem Lächeln lehnte Wolfi dankend ab. Worauf er lachte und herzhaft ein kleines Teil von dem Päckchen abbiss. Er drückte eine gelbe Masse heraus …. aaaaaahhhh…. Eier ;-) . Nun wollten wir aber kosten!! Muy rico!!! Während wir aßen erfuhren wir, dass wir da Leguaneier aßen, die ja aufgrund ihrer weichen weißen Schale einfach kurz in viel Salzwasser gekocht und anschließend luftgetrocknet werden. Eine lokale Spezialität die teuer am Straßenrand verkauft wird. Wir schnappten also unsere Räder und führen zu seinem Haus. Auf seiner „Veranda“ bekamen wir Reis und das Aligatorfleisch serviert – sehr köstlich! Etwas verunsichert von den Geschichten des kleinen Jungen der uns den ganzen Nachmittag begleitete (soviel haben wir zumindest verstanden : Randale, böse Jungs, Polizei, wir sollten hier nicht schlafen, ….) fragten wir den Aligator-Herson ob er glaubt, dass es im Stadion sicher sei. Seine Meinung war durchwachsen, aber ohne mit der Wimper zu zucken bot er uns an bei sich im Wohnraum zu schlafen. Da sagten wir natürlich nicht nein. So verbrachten wir den Abend mit seiner Tante, Cousine, Oma, und der kommenden und gehenden wechselnden halben Dorfbevölkerung den Abend auf der Veranda.

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Zu allem Überfluss verbot uns Herson dass wir auf unseren Isomatten schlafen – da könnten wir uns ja gar nicht gut umdrehen, so schmal wären diese. Also nahm er seine Matratze, legte sie in den Wohnraum (dieser wäre noch der kühlste Raum) und er selbst schlief bei Oma im Bett. Eine abendliche Dusche wurde uns empfohlen ;-). Die kleine Notdurft erledigte man einfach irgendwo im Hinterhof gemeinsam mit den Hühnern, für die große Notdurft hätten wir zum Nachbarn gehen können – WC hat er nämlich keines. Die Nachbarschaft war dort so oder so faszinierend. Der eine kaufte vom anderen Eiswürfel, Herson holte für uns Saft von gegenüber, im Haus gingen Leute ein und aus ohne dass jemand von Hersons Familie sich im Haus befand, …keine Ahnung was sie darin machten, aber es war einfach nur schön dort zu sitzen und für eine kurze Zeit ein Teil dieses ganzen Treibens zu sein. Seine Tante erzählte uns unterschiedliche Geschichten, denen wir lauschten. Von Leuten die es „geschafft“ haben und in die USA augewandert sind und von Herson, der bereits Vater von 10 Kindern mit 10 verschiedenen Frauen ist. In der Früh war Herson doch etwas traurig, dass wir schon fuhren, er ließ uns aber nicht ohne einen Tinto und zwei Süßgebäckteilchen ziehen. Wir bedankten uns und hinterließen unsere Karte (eine Visitenkarte, auf der Danke schön / Muchas gracias steht, ein Radfoto von unserer Hochzeit ist und unsere Homepage und E-Mail vermerkt sind) – worauf der Onkel ihm erklären musste wie man eine E-Mail schreibt. Ja, wir sind nun eindeutig in eine andere Welt eingetaucht. Ein paar Kilometer wurden wir noch von ihm am Motorrad begleitet. So herzlich willkommen geheißen in diesem Land fuhren wir weiter, genossen es wieder Vögel zu hören ( in Panama war das eher eine Seltenheit) und die vielen blühenden Bäume zu bestaunen. Im Städtchen San Onofre furhren wir zuerst zum Kirchplatz  – Tintotrinken und die Tintomänner nach einer Unterkunft fragen. So landeteden wir gleich um die Ecke in einer Hosepdaje. Während wir warteten dass die Duschtonne aufgefüllt wurde, umzingelten uns die drei Kinder der Eigentümerin. Fragen über Fragen strömten auf uns ein, die Köpfe wurden über der Kolumbienkarte zusammengesteckt, mit den Fingern wurde eifrig und voller Freude die Karte erkundet und als wir ihnen zeigten wie man im Register nach Orten auf der Karte suchen konnte, war dies ein regelrechtes Spiel für sie nach Orten zu suchen die ihnen ihre Mutter sagte: Orte wo ihre Großeltern lebten, Orte die wir besuchen sollten, …. .
Es war so entzückend diesen wissbegierigen Kindern zuzusehen mit welcher Freude sie dabei waren. Aber auf der anderen Seite auch etwas bedrückend als auch nach mehrmaligen Versuchen des Erklären sie nicht begriffen, dass sie Europa nicht auf der Kolumbienkarte finden werden. Wir versuchten es dann mit der Weltkarte am Handy, aber auch danach hatten wir das Gefühl, dass sie es noch nicht so recht begreifen konnten. Abends war dann natürlich das Kochen mit unserem Benzinkocher ein Highlight. Die Wassermelone als Nachtisch teilten wir natürlich gerne mit ihnen.
In der doch recht großen Stadt Sincelejo wurden wir bei den Bomberos abgewiesen – zu viele Angestellte wären heute hier, es gebe nur eine Dusche und die Transitpolizei könnte Probleme machen. So landeten wir halt in einem Hotel. Wir kauften im Supermarkt für eine Jause ein und setzen uns auf den Kirchplatz. Keine Minute später standen zwei Kinder da und fragten uns Löcher in den Bauch. Schnell wurde auch dieses Mal wieder unser Essen geteilt und wir konnten uns ein Lachen nicht verkneifen als der kleinere der Beiden zum ersten Mal ein Radieschen aß und sich mit der Hand leicht irritiert vor dem Mund Luft zufecherte ;-) .
Die Fragen die uns von Groß und Klein gestellt werden kann man in Kategorien einteilen:
* Woher, wohin, seit wann, bis wann, ….. je nach Bauchgefühl erzählen wir nicht die ganze Wahrheit. Es ist für viele hier wirklich nicht Vorstellbar, dass es außer der USA und Kolumbien sonst noch was gibt, und Distanzen sind so und so unbegreiflich. Deshalb beschränken wir uns oft auf die Version, dass wir für 4 Wochen in Kolumbien mit dem Rad unterwegs sind. Auch das reicht meist aus um Unverständnis auszulösen.
* Ob wir aus der USA sind. Wenn sie begreifen dass wir es nicht sind, gehen sie immer davon aus, dass wir danach in die USA fliegen. Nein… tun wir nicht…. ah, aber wir waren doch sicher schon mal dort, oder??? Nein, waren wir nicht. Aha, aber wir werden sicher mal dorthin fliegen, oder???
* Ob das ein Fahrrad oder ein Motorrad ist. Mittlerweile wundert uns diese Frage nicht mehr. Wir selbst sehen täglich mehrmals eine Fatamorgana wenn wir glauben in der Ferne einen Radreisenden zu erkennen, nur um dann nach ein paar Sekunden enttäuscht festzustellen dass es „nur“ ein bepacktes Moped ist. Die Mopeds hier werden einfach mit allem vollgeladen was geht – so ähnlich sieht dann halt auch unser Rad aus ;-) !
* Oft kommt auch die Frage auf welche Währung wir denn in Österreich hätten. ( Nachdem das Missverständnis mit Australien beseitigt wurde; klappt nicht immer. Oft geben wir einfach auf. Wolfi meint schon wir sollten uns einfach als Schweizer ausgeben, das würde es leichter machen ;-) ).
* Ob wir Kinder hätten? Warum nicht? Wann wir welche planen und wie viele? Warum nur zwei, hier hätte man 6, …. .
* Wenn wir in einer Unterkunft schlafen und uns ausweisen müssen fragen sie immer wieder ob wir Geschwister sein. Schließlich hätten wir ja beide blaue Augen und den selben Nachnamen :-) .

Diese Aufeinandertreffen mit den Leuten würden wir zu gerne irgendwie festhalten und ebenfalls teilen. Auch wenn wir nach einem langen Radtag gerne einfach nur in Ruhe unseren Fruchtsaft genießen wollen, das 10 mal woher, wohin, … dann schon mal kurz nerven kann, sind wir doch über jede Begegnung und Offenheit dankbar und antworten immer gerne und mit viel Geduld ;-) . Es sind diese Momente wo wir uns denken: deswegen haben wir uns also heute den Berg hochgequält, oder deswegen haben wir uns heute also wieder zu Tode geschwitzt …. . Diese Begegnungen sind es warum wir das Rad gewählt haben. Hier in Kolumbien scheint es endlich zu funktionieren – den Kontakt mit den Leuten zu bekommen den wir erhofft haben.

In Sincelejo sind wir dann auch abends ins Kino gegangen. Um weniger als 2 Euro pro Person muss man da hin ;-) . Dieses mal haben wir uns besser beim Kartenkauf angestellt und der Film Zootopia war auch ziemlich lustig.
Der weitere Weg nach Magangue war von zwei Dingen begleitet: einerseits von der Hoffnung, dass aufgrund des massiv gesunken Wasserstandes des Flusses Magdalena den wir mit einer Fähre überqueren müssen, diese trotzdem noch fährt und andererseits von einer ausgedörrten Landschaft so wie wir sie noch nie gesehen haben. ALLES war grau. Die Luft war trocken und extrem heiß ( 45 Grad). Einzig und alleine schaffte es hier und da ein Baum zu blühen – dann aber in seiner vollen Pracht und in einer Farbintensität, dass wir uns fragten wo dieser die Kraft dafür hernahmen. Bei einem kleinen Haus im Nirgendwo machten wir Mittagspause: es gab Fisch mit Suppe und das Besteck war upcycled. Die Besitzerin zeigte uns begeistert wie denn der Baum aussieht aus denen die Holzlöffeln hergestellt werden. Auch hier fragten uns natürlich die Leute wieder Löcher in den Bauch und als die Frage der Währung kam, erinnerten wir uns dass wir ja noch Euros dabei haben. Diese wurden sehr interessiert betrachtet ;-) . Nach dem köstlichen Essen und 2 Liter selbstgemachten Tamarindensaft wünschte Sabrina sich eine Hängematte und schlief bei der Wunschäußerung fast ein. Schwupps stand die Köchin neben ihr und fragte sie ob sie denn schlafen möchte. Keine Sekunde später wurde eine Hängematte aufgehängt: tja, Telepathie funktioniert doch trotz Sprachbarriere!!! Sabrina frönte also einer kleinen Siesta und Wolfi konnte nachdem die Fragen aller Anwesenden beantwortet wurden auch entspannen :-) . Bevor wir weiterfuhren wurden wir noch mit drei selbstgemachten Löffeln beschenkt. Wir freuten uns wie kleine Kinder, scheinbar so sehr, dass die Freude auf die Köchin und ihrer Mutter überschwappte und wir alle um die Wette strahlten. Wir wiederum hinterließen als Dank unsere Karte und lösten entzücken aus als sie erfuhren dass wir auf Hochzeitsreise sind und Wolfi morgen Geburtstag hätte und sie somit mit den Löffeln ihn beschenkt hätten. Überschwänglich wurden wir beglückwünscht und mit Gottes Segen wieder auf die Straße entlassen.

Am nächsten Tag gab es gleich dreimal was zu feiern. Zuerst wurde Wolfi mit einem heimlich am Vortag gekauften Striezel ( gar nicht so einfach was heimlich zu machen ;-) ) und Geburtstagskerzen (die haben doch tatsächlich die Hitze von Cartagena bis hierher überlebt!!!) sowie einem Geburtstagsluftballon und Ständchen aufgeweckt. Am Rande sei zu erwähnen, dass er scheinbar schon sooo alt ist, dass er trotz Unterstützung des  er es nicht schaffte alle Kerzen auf einmal auszupusten :-) . Der Fruchtsaftmann unseres Vertrauens (der des Vorabend -wir statteten ihm zweimal innerhalb einer Stunde einen Besuch ab) war auch schon munter und bereitete uns wieder einen köstliche Batida zu – das sind dann immer gleich Vitaminbomben über einen Liter pro Person! Der zweite Grund zu feiern war die 2000 Km Marke die wir kurz vor dem Hafen bei Magangue erreicht hatten und der dritte Grund, dass die Fähre fuhr. So landeten wir 1 Stunde später etwas nördlich auf der anderen Flussseite und machten uns auf dem flachen Weg nach Mompox. Die Landschaft wurde wieder etwas grüner. Mompox selbst ist eine entzückende Stadt im Kolonialstil. Die Stadt selbst war nicht groß und auf Grund seiner 7 Kirchen, hatten wir das Gefühl, dass an jeder Straßenecke eine Kirche steht. Aufgrund der Hitze tagsüber verkrochen wir uns an unseren Ruhetagen im Zimmer und kamen erst, so wie auch der Rest des Dorfes, zu Sonnenuntergang wieder raus :-) ! Dann lebte das Dorf auf und Essensständen schossen wie Pilze aus dem Boden. So gab es als Geburtstagsessen Straßenstand-Pizza und am nächsten Tag Hotdog und Burger …. nicht dass wir „Heimweh“ nach solchem Essen hätten – aber das ist das Essen welches man abends auf der Straße bekommt. Wir aßen und tranken uns also durch das Dorf und beschlossen den Abend mit einem lokalen Wein, Vino de Corozo, die Frucht der Elefenbeinpalme, Chips und einem deutschen Film. Kein Wunder dass Sabrina Sodbrennen bekam – wir futtern einfach viel zu viel Süßes und leider auch viel zu viel fettiges (da kommt man so gut wie gar nicht drum herum, leider).

 

Die nächsten Radtage brachten uns nach Bucaramanga. Eine Nacht verbrachten wir schwitzend im eigenen kleinen Stadion der Bomberos in El Banco. Daraufhin haben wir uns immer ein Zimmer mit Klimaanlage genommen. Wir trinken mittlerweile jeweils über 6 Liter pro Person nur während dem Fahren (die Liter danach nicht mit eingerechnet) – da wollen wir zumindest in der Nacht nicht mehr schwitzen und einen erholsamen Schlaf finden. Der Hinterreifen von Sabrina befand übrigens dass 2220Km auch eine Zahl für ein Jubiläum wären: und so kam es zum ersten Patschenflicken in praller Sonne weil weit und breit kein Schatten war. Ein Minidraht war der Schuldige. Als wir dann auch gleich Wolfis Rad nach evtl. Eindringlingen untersuchten, entdeckte Wolfi dass einer seiner Getränkehalter angebrochen war, nur um beim Hingreifen ihn auch gleich unmittelbar in der Hand zu halten – gut, in Bucaramanga muss also ein Radgeschäft her.


In Bucaramanga wartete ein Warmshowerhost auf uns, der uns 2 Tagesetappen bevor wir bei ihm eintrafen schrieb, dass die meisten Leute von El Banco den Bus nahmen weil es einfach viel zu heiß sei und die letzten 2 Tage auch noch viel zu anstrengend werden. Den Bus nehmen?? Nein, das wäre zu leicht. So radelten wir in der leicht hügeligen aber immer noch extrem heißen (über 40 Grad hatte es täglich) Gegend dahin. Es wurde zunehmend schwüler und die Luft so diesig, dass wir die immer näher kommenden Berge (Gut und Schlecht zu gleich :-) ) nur verschwommen wahrnehmen konnten.
Dann war es aber soweit – eines unserer Hochzeitslieder wurde wahr: ain`t no mountain high enough, ain’t no valley low enough, ain’t no river wide enough, …. wir befuhren die Ausläufer der Anden! 7 Kammüberquerungen sollten uns von Bucaramanga trennen. Nach 1120 hm am ersten Tag machten wir in El Playon erschöpft aber überglücklich Schluss. Endlich in den Bergen (wir wissen wir werden mal genau das umgekehrte behaupten ;-) ). Leider immer noch sehr diesig, so dass die Sicht auf die verschiedenen Gipfeln versperrt bzw. verschwommen blieb. Aber die schmalen tiefen Täler, die Flüsse, die Kaffee- und Kakaopflanzen am Wegesrand, die Vögel die wir jetzt nicht nur hörten sondern auch zu Gesicht bekamen… sie entschädigten für die Strapazen. Gott sei Dank haben wir den hiesigen Powerriegel gefunden: Zucker, Zucker und nochmal Zucker mit Kondensmilch und Guyaba gepresst zu kleinen Portionen oder als 500gr Brocken zu kaufen. Am letzten Tag waren es dann 1332hm die wir insgesamt hochgeradelt sind. Es war einfach nur tlw. frustrierend weil man sich kilometerlang hochstrampelte, auf die HM die das Tagesetappenziel auch hat, nur um dann wieder tief ins Tal hinunterzufahren. Unser täglich Brot für die nächsten Monate. Aber der Downhill war immer ein Genuss. Vor allem die einzige Möglichkeit etwas abzukühlen, denn bereits nach einer Stunde Fahrt konnten wir unsere Fahrradhandschuhe auswringen, so verschwitzt waren wir. Die Stadteinfahrt nach Bucaramanaga war nicht so toll – erstens weil man ständig vor Augen hatte wie hoch man noch muss (der verarmte Vorort ist in den Hang hineingebaut) und weil der Verkehr logischerweise wieder zunahm. Kurz begleitete uns auch die Motorradpolizei nachdem sie Sabrina gefragt haben ob wir Kolumbianer oder Ausländer wären. Nach Berichten von anderen Radreisenden und auch nach der Sicherherheitswarnung unseres Gastgebers glauben wir, dass es zu unserem Schutz war. Die Einheimischen machten es sich leicht – sie hängten sich an die LKW’s dran und ließen sich hochziehen. Wir trauen uns das mit unseren vollgepackten Eseln nicht. Komplett verschwitzt kamen wir bei Diego in seiner Bäckerei – Das Brot – an. Wir bekamen im dazugehörigen Restaurant ein köstliches vegetarisches Mittagessen spendiert und halfen ihm Nachmittags bei der Auslieferung seines Brotes – also wieder rauf aufs Rad und durch die hügelige Stadt. Aber es machte Spaß und ohne Gepäck war es doch eine Spur leichter (fand zumindest Wolfi, Sabrina war einfach nur k.o. :-) ). Diego wohnt nicht in der Stadt sondern hoch oben am Berg. So hieß es am Abend Räder auf den Bus verladen, einsteigen und 1000 hm sich hoch chauffieren lassen ;-) . Was für eine Wohltat – die Temperaturen auf 1900 hm waren natürlich viel erfrischender. Wir mussten sogar Socken und ein langärmliges Oberteil anziehen und der Schlafsack diente endlich als Decke. Die eiskalte Dusche hatten wir uns täglich während dem radeln herbeigesehnt, jetzt bekamen wir sie. Wir verbrachten unsere Ruhetage bei ihm. Am Ersten fuhren wir nachdem wir ausgeschlafen hatten (sehr verwunderlich, 1.5 Meter neben einer Hauptstraße mit LKW Verkehr und nur durch eine dünne Wand getrennt finden wir selbst hier erholsamen Schlaf – man gewöhnt sich so an ziemlich alles ;-) ) und gefrühstückt hatten zur Bäckerei und halfen beim Brotbacken. Den zweiten Tag verbrachten wir mit nichts tun, essen, schreiben, lesen, …. und die weitere Route planen.


Diego begleitete uns am nächsten Tag hinaus aus der Stadt – was für ein Glück, dadurch haben wir uns mindestens eine Stunde und viel Orientierungsfrust erspart. Nach der Stadtausfahrt bogen wir noch gemeinsam ab Richtung „Land“ und machten halt bei einem Fruchtsaftstand – hier gab es vor allem Fruchtsalat zum trinken – köstlich! Da es Samstag war, waren viele lokale Radfahrer unterwegs und gefühlt jeder einzelne wollte unser Rad begutachten und ein Foto mit uns haben – hat Spaß gemacht die verdutzten Gesichter zu sehen wenn sie einsahen, dass unser Rad keinen Motor hat ;-) .

Ohne Diego ging es dann Richtung Acapulco weiter. Wir wussten dass es in ein paar Kilometern einen Canyon zu durchqueren gab – also viiiiiiele Höhenmeter, daher, und weil Diego uns aufgrund der Hitze abriet direkt beim Canyon zu campen, ließen wir uns viel Zeit in Acapulco und klapperten die 4 Trink – und Essenslokale die es an einer Kreuzung gab mehrmals ab. Als wir abfahrbereit waren verfuhren wir uns aber so gewaltig, dass wir gut eine Stunde aus dem Dorf raus brauchten. Es gibt 3 Wege in Richtung der Straße die nach Zapatoca führt, daher zeigte und empfahl uns jeder einen anderen bzw. meinten diesen oder jenen Weg gäbe es nicht – sehr frustrierend und nervend in einem Dorf ohne befestigten Straßen und mit Steigungen ständig hin und her zu fahren. Irgendwann war sie dann aber gefunden. Wir fuhren also quasi auf einem Ackerweg Richtung der Straße die nach Zapatoca führt. Die Höhenmeter purzelten, es wurde immer wärmer, also machten wir uns daran eine Schlafstätte zu finden. Am ersten Haus wurden wir verwiesen – sie wären selber nur Gast und könnten uns somit nicht helfen. Beim zweiten Haus hätte man uns sehr herzlich empfangen und gerne aufgenommen, leider fuhren sie am Abend zurück in die Stadt. Wir erreichten wider erwartend ein Minidorf (10 Häuser, 3 Kreisler, 1 Fleischer, 2 Essenslokale) und fragten dort nach einer Möglichkeit. In einem der Lokale bot man uns an in einem leeren Abstellraum oder bei den Hühnern im Garten zu schlafen – wir nahmen den Abstellraum. Direkt nebenan spielten Männer die kolumbianische Art von Kegeln – drei Holzklötze die hintereinander stehen, man wirft eine ca. 3 KG schwere Kugel und muss insgesamt 12 Punkte schaffen. Das Bier floss in Strömen, die Stimmung war ausgelassen, Wolfi durfte auch probieren wurde aber dann doch lieber als Glücksbringer für einen der Mitspieler eingesetzt. Wir genossen das „mittendrin statt nur dabei“ sein und tranken auch Bier – alkoholfrei natürlich, sonst würden unsere Beine am nächsten Tag keinen Meter strampeln. Nach dem wir im Hinterhof geduscht haben kehrten wir wieder zu den Spielern retour und merkten, dass immer mehr Leute da waren, und ebenfalls viele Hähne – okay, dann haben wir einen Mann vorhin leider richtig verstanden – in Kolumbien sind Hahnenkämpfe sehr beliebt. So sollten wir also wiedereinmal unser Händchen für laute Schlaftplätze beweisen: bis um 3 Uhr in der Früh fanden die Hahnenkämpfe und das Kegelspiel inklusive musikalischer Untermalung direkt neben unserem Raum statt. Mit der Hitze und einer Katze die durch das offene Fenster auf uns sprang und uns dadurch hochschreckte war der Schlaf nur sehr gering.


Tinto und Müsli in der Früh und auf ging es. 20 Km Hügelland fehlten uns noch bis zum Canyon. Als wir ihn sahen waren wir sprachlos. Gänsehautfealing – wir beide hatten so etwas landschaftlich beeindruckendes noch nie gesehen. Etwas gedämpft wurde das Hochgefühl aber als wir unseren Kopf nach rechts drehten und die Serpentinen auf der anderen Seite sahen – unsere Tagesaufgabe – schluck! Zuerst aber genossen wir die Abfahrt – von 900 auf 320hm hinunter. Bei einem Stop sausten Radfahrer an uns vorbei, grüßten und wir hörten nur : locos, locos, tocamos una foto con los locos….. Verrückte, Verrückte, wir machen ein Foto mit ihnen …. also bremsten sie und fuhren wieder hinauf zu uns. Eine nette Truppe – das übliche Procedere – dieses mal jedoch sogar mit Videoaufnahme :-) . Auf der Brücke die über den Magdalenenfluss führt trafen wir sie wieder – hier wurden Räder getauscht – Wolfi kam in den Genuss ein unbeladenes Mountainbike zu fahren und beide konnten wir, mit etwas Sorge, die Fahrversuche von den Kolumbianern mit unseren Rädern beobachten. Wir konnten uns das Lachen nicht verkneifen, zu witzig waren das Geschlänker, der Gesichtsausdruck und die Ausrufe die sie von sich ließen. Alle hatten wir unseren Spaß dabei, und sie danach einen großen Respekt vor uns :-). Bevor es „die Wand“ hinauf ging trafen wir noch auf 2 Engländer die uns entgegenkamen: er 74, sie 72 Jahre! Alle 5 Jahre kommen sie nach Kolumbien, zum Radfahren, vor allem in den Bergen, und das seit ca. 30 Jahren. Er sprach sogar etwas deutsch – sie hatten sich in Niederalm kennengelernt als er Skilehrer war. Das Gepäck war mehr als nur minimalistisch. Okay, sie schliefen jede Nacht in Hotels und gingen Essen, aber trotzdem. Die Taschen von ihr waren leer!! Sie hatte sie nur drauf weil sie hoffte dadurch von Hunden nicht direkt ins Bein gebissen zu werden! Ein beeindruckendes Paar, wirklich!! Wir bekamen noch die Info dass ein weiteres Radreisepaar nur ein paar Kilometer vor uns ist. Wir schlängelten uns also die Serpentinen hoch und aufgrund der grandiosen Aussicht kamen wir gut und leichter voran als gedacht. Irgendwann stoppte Sabrina aber ein Auto: sie wollte das schon oft auf Radreiseblogs gelesene Radbuschtelefon ausprobieren. Soll heißen: Auto stoppen und dem Fahrer erklären, dass irgendwo weiter vorne auch noch Radler unterwegs sind mit Taschen an den Rädern – er sollte ihnen bitte sagen dass hinter ihnen auch noch welche sind und das heutige Ziel Zapatoca ist. Vielleicht sieht man sich ja. Wir waren gespannt ob es funktioniert. Nach 600 erklommenen Höhenmetern machten wir bei frischem Ziegenkäse und einer großen Portion von unserem Guyabazuckerzeug stop – wir dachten wir hätten das gröbste Geschafft, schließlich waren die sichtbaren Serpentinen zu ende. Dachten wir! Hinter der Kurve hörte die asphaltierte Straße auf, Bröselasphalt began – aber dieser war trotzdem ganz gut zu befahren. Bis Zapatoca sollten es aber dann doch noch mal weitere 700 hm sein und die zogen sich immer an Berghängen dahin. Alles im allen hatten wir also ca. 1500 hm an diesem Tag gemacht, 1300 davon auf einer Strecke von 25 km, ständig nur bergauf. Kurz vor Zapatoca entdeckten wir die Reiseradler erschöpft am Straßenrand – zwei Freunde aus der USA die in Kolumbien gemeinsam radeln, nachdem das Mädls bereits Zentralamerika gemacht hat, aber nach einer Horrorüberfahrt mit dem Boot von Panama nach Kolumbien vor ein paar Monaten das Handtuch warf. Wir gesellten uns zu ihnen, boten ihnen Wasser und Zuckerzeug an und fuhren dann weiter.
Immer öfters stellt sich heraus, dass wir unterschiedlich empfinden: Hat Wolfi einen Durchhänger-Tag findet Sabrina alles super und umgekehrt. Flucht Sabrina beim bergauf fahren, fliegt Wolfi förmlich den Berg hinauf, das macht den Frust dann natürlich noch größer. Am schlimmsten ist es aber wenn wir beide einen schlechten Tag haben, kommt Gott sei Dank selten vor, aber dann geht so gut wie gar nichts. Erkenntnis des Tages: Sabrina fährt scheinbar lieber endlos lang bergauf als dieses abwechselnde Auf -Ab – Auf-Ab Kombinationen und Wolfi bevorzugt es, wenn er zwischendurch mal seine Beine beim Bergabfahren ruhen lassen kann. So kam es, dass Sabrina trotz der Höhenmeter nicht ausgelaugt in Zaptoca ankam. Im Dorf selbst fragten wir einfach bezüglich Herbergssuche um Hilfe und wurden von einem netten Mann durch das Dorf geführt. Wir fanden ein schönes Hotel mit einem Art Balkon auf den Hauptplatz hinaus. Idylisch! Frisch geduscht machten wir uns auf Essenssuche und liefen den Amerikanern über den Weg – sie wurden von einem Dorfbewohner zu unserem Hotel begleitetet „ your friends are here“ – somit wohnten wir Tür an Tür ;-) ! Zapatoca ist ein süßes Dorf. Etwas verschlafen und mit einem angenehmen kühlen Klima. Abends setzen wir uns mit einer Flasche Wein, wieder ein Regionalprodukt, und den beiden Reiseradlern Tracey und Aidan auf den Hauptplatz und tauschten Erfahrungen und Geschichten aus. Das tat gut.


Morgenritual am Hauptplatz, wie immer, danach machten wir uns zu zweit auf nach Bariachara – die beiden Anderen machten einen Tag Pause – er war nach dem gestrigen Tag ziemlich fertig. Uns sollte aber auch schnell das Lachen vergehen. Die nicht asphaltierte Straße wurde zu einer Piste und wir kämpften uns im Schneckentempo den Berg hinunter. Wir brauchten viel länger als wir dachten, auch weil wir immer wieder stoppten um die Landschaft und die Ruhe einzusaugen. Hier fährt kein Bus, kein LKW, vielleicht mal ein Moped oder Auto alle 45 Minuten. Ein Genuss. Ohne erkennbaren Grund stoppte Sabrina und meinte: „Houston, wir haben ein Problem: ich verliebe mich soeben in diese Landschaft.“ Wir hatten am Vortag kurz vor Zapatoca unsere Traumfinca gesehen, sie stand zum Verkauf, Sabrina ärgerte sich, dass wir sie nicht anschauen gegangen sind ;-) . Die Fernsicht war heute auch endlich mal etwas besser. Mit schmerzenden Händen vom Bremsen und Stützen kamen wir in La Fuente an und fragten uns ob wir in einer Filmkulisse gelandet sind. Erstens weil alles so malerisch schön aussah, aber auch weil nichts los war. Wenn einer einen Pups lässt, hört man das sicher noch am Dorfende :-) . Wir fragten nach einer Essensmöglichkeit und genossen im Hinterhof eines Kreislers einen kleinen Snack bei einer netten langen Unterhaltung. Wir erfuhren, dass die beiden Engländer ebenfalls tags zuvor hier waren und im selben „Lokal“ zu Mittag aßen. Die Besitzer fanden das toll, dass wir jetzt auch da sind und fragten uns über Österreich und unsere Anbauprodukte aus. Es war heiß hier unten und wir fuhren über Steine von Faust – bis Fußballgröße weiter. Doppelt mühsam, weil Wolfis Hintertaschen ja seit dem 5. Radtag beschädigt sind (Produktionsfehler) und die Gefahr, dass sie mal wieder unvorhergesehen durch die Lüfte fliegen groß ist. Bis Bogota müssen sie noch durchhalten, dort gibt es einen von zwei Shops mit Vaude Produkten in ganz Südamerika ;-) . Hält uns aber trotzdem nicht ab die Hauptstraßen links liegen zu lassen und abgelegenen Strecken zu wählen. Wie auch immer – wir kämpften heute beide. Vielleicht war es der Wein am Abend (die kleinen Sünden werden bekanntlich sofort bestraft ;-) , vielleicht auch die Hitze oder einfach nur weil alles länger dauerte als gedacht und der downhill wortwörtlich aus kleinen und großen Hills bestand und daher so mühsam war. So machten wir kurz vor Galán noch eine Straßenrandzuckerpause und entschieden, dass wir es für heute bleiben lassen werden– wir hatten beide das Gefühl das wir die 1000 hm die auf der anderen Seite auf uns warteten bei den Bedingungen nicht schaffen würden. So rollten wir in das Bergdorf Galán ein und entspannten mal gemütlich für 1 Stunde am Platz bei Kaffee und Kuchen :-) bevor wir eine Unterkunft bezogen. Abends, bevor wir heimlich unsere Nudeln in der Hospedaje kochten, aßen wir noch eine Empanada- die BESTE !!! Nach ein paar Minuten kam Wolfi dahinter warum wir beide von dieser schon so oft gegessen aber nie wirklich beeindruckenden Köstlichkeit so entzückt waren: es schmeckte nach Schnitzel ;-) !!! Heimatgefühl!!


Dass wir bei unserem Frühstück im Park beäugt werden sind wir schon gewohnt. Also, auf einen neuen Versuch nach Barichara. Zuerst hinunter auf 400 und dann hoch auf 1300hm – juhu! Es war schwül, aber die Steigungen waren okay. So radelten wir genüsslich den Berg hinauf und erfreuten uns an den bunten Vögeln die wir zu Gesicht bekamen. Kurz vor Barichara war er dann wieder da: der geliebte Asphalt. Barichara ist eine bekannte Filmkulisse in Kolumbien – hat einfach malerische Häuser. Uns selbst hat es in El Fuente zwar besser gefallen, aber das Dörfchen kennt halt kaum jemand weil eben „keine Straße“ dorthin führt. Wir stellten unsere Räder in einem Hotel unter und erkundeten das Dorf. Am Dorfplatz tranken wir (mal was neues ;-) ) Kakao und legten Bergsteigereinheiten zurück – diese Bergdöfer sind halt oft in den Hang /Hügel hineingebaut und haben deswegen oft sehr steile Straßen. Die Mittagszeit verbrachten wir mit kleinen Schraubarbeiten am Rad (unsere Pedale knaxen tlw. grrrrrrr) und wurden natürlich wieder von anderen Radlern aufgesucht. Dieses mal mit vielen gut gemeinten Ratschlägen – wir hätten viel zu viel Wasser dabei. Kann gut sein, aber nach unserem Erlebnis auf der Halbinsel Nicoya in CR sind wir gebrandmarkt und führen zusätzlich 3 Liter mit uns – die stets ausgetrunken sind wenn wir den Radtag beenden (obwohl wir bei Kiosken auch oft was kaufen) – also ist es notwendig. Das konnten wir dem ambitionierten Radlern aber aufgrund der Sprachbarriere leider nicht klar machen. Als wir startklar waren kamen dann zwei „Touris“ auf uns zu: ein belgisches Päarchen, das auch mit dem Rad unterwegs ist, das Dorf aber mit dem Bus besuchte, weil ihre Räder in San Gil (unserem Tagesziel) standen (sie fuhren bis jetzt nur Hauptstraßen). Wir tauschten uns aus und verabredeten uns in ihrem Hotel für den Abend. Noch einmal weiter bergauf und dann eine verdiente Abfahrt nach San Gil. Hierbei legten wir beide eine Notbremsung ein, die Bremsen quietschten und eine Frau am Straßenrand lachte – alles nur um am Ananasstand halt zu machen. Sie verkaufte sie direkt aus ihrem Garten heraus. Ein Stück gleich vor Ort verspeist und eine ganze eingepackt ging es nun endlich, schon bei Sonnenuntergang, nach einem weiteren netten Gespräch, nach San Gil. Wir fanden keine gute Unterkunft (alle keine Fenster), schoben die tlw. 45 Grad steilen Straßen rauf und runter (rauf bekam Sabrina immer unaufgefordert Hilfe und rannte somit jubelnd und lachend an Wolfi vorbei). Da die Welt bekanntlich ja extrem klein ist trafen wir dann auf eine Physiotherapeutin mit der Wofli mehrere Kurse gemacht hat. Am Ende sind wir im selben Hotel wie die Belgier gelandet. Pausentage sind angesagt – nach dem vielen Klettern nach 4 Tagen auch gerechtfertigt. Aber vielleicht wird es nur einer – die Stadt ist leider nicht schön – und die beiden Anderen wollen evtl. auch mal abseits fahren (wir haben es ihnen scheinbar durch unsere Erzählungen schmackhaft gemacht) und somit könnten wir versuchen gemeinsam ein Stück zu fahren. Zuerst aber wird ein Schokopopmüsli mit selbstgemachtem leckeren Kaffee (Tinto ist nicht besonders gut, ist einfach nur ein Ritual für uns, schließlich und endlich ist ja einfach nur Löskaffee) im … genau… im Park. Unsere große Tasse voll Kaffee wurde skeptisch beäugt ;-) . Unsere Räder haben seit der Pistenfahrt wieder ihre Farbe gewechselt.Wir empfehlen Radliebhaber das folgende Foto nicht anzusehen ;-) und haben ständig die Worte eines Radmechanikergurus in Wien im Kopf der mal zu Wolfi meinte: „sie wissen schon, dass man ein Rad ganz leicht reinigen kann????“ … ja, der Kette werden wir was gutes Tun, für den Rest zahlt es sich nicht aus, da wir ja weiterhin Piste fahren werden.

 

 

Wer es bis hierher durchgehalten hat mit lesen, Respekt ;-) . Das kommt davon wenn man viel Zeit zwischen zwei Einträgen lässt. Unsere Tage sind lang, wir sind ständig draußen, da kommt einfach viel vor. Es sammelt sich einfach soviel an, und noch viel mehr dass wir nicht ins Netz stellen. Eindrücke die man nicht Festhalten kann, Erlebnisse die nicht in Worte zu fassen sind, Begegnungen die einfach nur in unseren Köpfen gespeichert werden – und trotzdem ist es dann immer soviel was man an zu Hause schicken möchte.