Kalte, dünne Luft

San Gil nach Bogotá
KM total: 3126 km
HM total: 35030 hm

Der letzte Eintrag war ja bekanntlich sehr lange ;-) daher wollen wir dieses Mal versuchen mehr die Bilder sprechen zu lassen und nur ein paar Details zur besseren Vorstellung/ zum besseren Verständnis und ein paar Fakten für evtl. andere Radler einzubringen ;-) – mal schauen ob es gelingt ;-) (Die Fotos sind wie imer vergrößerbar wenn man sie anklickt)

In San Gil haben wir dann doch 2 Ruhetage verbracht – das Hotel mit seinem Innenhof hat einfach zum entspannen eingeladen. Aber vor allem musste noch „die Bombe“ / Borojó ausprobiert werden: ein Getränk aus Milch, 4 rohen Wachteleiern inkl. Schale, eine Ampulle Vitamine, die Frucht Borojó, Honig und Alkohol werden im Mixer verquirlt. KÖSTLICH!!!! Der Frucht Borojó sagt man aphrodisierende Wirkung nach. Wir landeten auch im Bett, aber schlafend, denn nach einem Fruchtsalat mit Eis und Käse darüber platzten unsere Bäuche fast und wir fielen in ein Nahrungsmittelkoma ;-)


Wir machten uns mit Tatiana und Rico, den beiden Radlern aus Belgien, auf den Weg nach Belén. Niemand von uns hatte Erfahrung im radeln in Gruppen – aber wir wollten uns eine Chance geben. Der Weg nach Encino führte anfangs an einem Fluss entlang und später in den Bergen mit Kuhweiden und Fernblick à la Austria. Es waren beeindruckende Ausblicke und wir genossen einfach jede Kurve – da konnte man die Piste unter den Reifen leicht vergessen.

In Encino füllten wir noch einmal unsere Mägen und all unsere Wasservorräte auf – kein Dorf mehr für die nächsten zwei Tage und die Besiedlung war fraglich. So fuhren wir hinein in eine Schlucht die immer enger wurde. Von einer Bergwand zur anderen waren es nicht mehr als 100 Meter und tief unter uns rauschte der Fluss dahin. Es wurde allmählich dunkel und wir begannen nach Häusern Ausschau zu halten. Als wir eines erblickten war leider keiner da. Da wir überhaupt nicht wussten wie, wo und wann noch eines kommt und auch sonst keine geraden Flächen zum campen vorhanden waren, schoben wir unsere Räder die steile Zufahrt zum Haus hoch. Prompt kam eine Frau mit einem Pferd den Berg herunter – wenn es nach ihr geht könnten wir bleiben, aber sie muss noch ihren Mann fragen. Dieser kam kurz darauf und wir bekamen auch seine Zusage. Wir durften sogar unter die kalte Tropferldusche und sie räumten einen Raum für uns frei – unsere vier Isomatten passten genau hinein. Zum Abendessen bekamen wir noch Tinto und unser Kocher wurde inspiziert. Es ist schon ein eigenartiges Gefühl wenn wir auf unseren Rädern mehr Besitz mit uns haben als diese Familie zusammen besitzt: zwei Töpfe, eine Kochstelle, 4 Häferl, 4 Matratzen, fertig!

 

 

Nach einem Tinto in der Früh ging es weiter. Immer höher hinauf in der Schlucht schlängelte sich der Weg- Häuser hätte es gelegentlich schon noch welche gegeben. An einer Kreuzung, ca 10 km nach Encino fragten wir nach dem Weg – rechts schaute flacher aus, links ziemlich steil. Natürlich gehörte der Linke uns ;-) ! Jetzt hieß es 50 Meter schieben – 50 Meter strampeln – 50 Meter schieben – 50 Meter strampeln – 100 Meter schieben, weil die 50 Meter radeln zahlen sich nicht aus …. so ging es ca. 4 Kilometer lang. Anstrengend?? Ja !!! Aber DIESE Aussicht. In jeder Kurve blieben wir stehen, in jeder staunten wir noch mehr, in jeder wäre das Foto noch beeindruckender gewesen ;-) .

Zucker und Obstpausen waren natürlich notwendig. Irgendwann wurde der Weg wieder befahrbarer. Der Tag verging und uns ist zwei Mal der Milchmann begegnet und weniger als eine handvoll Mopeds, sonst nichts – Idylle und Ruhe pur!! Hier hat man das Gefühl die Welt gehört einem alleine – man hört nur sein eigenes schnaufen, das knirschen unter den Rädern, vereinzelt Vögel und das war es. Irgendwann war plötzlich für 70 Meter die Straße asphaltiert und es gab Straßenbeleuchtung…komisch…die 4 Häuser werden doch kein Dorf sein?? Wir fragten ob es irgendwo was zu Essen gab – nein, aber in dem Haus mit den vielen Blumen davor gibt es was zu kaufen. Der Besitzer sperrte extra für uns auf und bestaunte uns als Rico und Tatiana zwei Minichipssackerln leerten und wir die Kuchen und Schokiabteilung leeraßen :-) ! Laut seiner Auskunft würden noch 5 Häuser bis zum Gipfel kommen, welcher aber noch gut 800 hm entfernt war ….hmm, den erreichen wir wohl heute nicht mehr.

Wir mussten immer wieder Pausen einlegen weil die Ortliebtaschen von den Beiden mega Probleme machten und sich immer wieder mal fast verabschiedeten – sie fixierten sie sogar schon provisorisch mit Schnüren an den Rädern. Seid dem ist Wolfi nicht mehr ganz so unglücklich, dass wir sie nicht gekauft haben. Wir verstehen einfach nicht was so schwer ist gute, stabile Taschen zu produzieren – vor allem weil beide Firmen mit Langzeitradlern werben und die Produkte ja nicht ganz günstig sind. Tatiana und Sabrina beschlossen nach der Rückkehr DAS perfekte Zelt zu kreieren und die Männer werden DIE perfekten Radtaschen erfinden ;-) . Am frühen Nachmittag erregte ein Haus mit einer großen Wiese unsere Aufmerksamkeit. Rico ging fragen – Wolfi verschwand zum Beeren sammeln ;-) . Eine verlassene alte Schule, der Zuständige wohnt weiter unten – wir entschieden einfach so dort zu campen. Ein Traumplatz mit einer Traumaussicht. Das Wolkenspiel, das sich uns bot war einzigartig. Wir schmissen den Kocher an und machten Tee – auf 3200 Meter Höhe ist es ganz schön frisch wenn man sich nicht bewegt ;-) ! So machten sich auch unsere Schlafsäcke endlich in der Nacht bezahlt.

 

Mit Müsli und frischen Beeren sowie Tee ging es in der Früh los – der Gipfel musste heute bezwungen werden – das Essen wurde knapp ;-) ! Die Luft war merklich dünner – jeder Meter viel schwer – vor allem Tatiana und Sabrina brauchten immer mal wieder Pausen, auch wenn die Steigungen moderat waren. Immer noch kam so gut wie keiner uns auf dem Weg entgegen – Abgeschiedenheit pur. Bei einem der wenigen Häuser stand eine volle Milchkanne heraußen – wir kauften einen halben Liter frische „Gipfelsieger“-milch und fuhren weiter. Innerhalb von 3 Kurven durchfuhren wir 3 Länder. Zuerst die schöne Schweiz, dann eine Landschaft wie wir uns Neuseeland vorstellen, nur um in der nächsten Kurve plötzlich in Mexiko zu fahren.

Kolumbien ist so abwechslungsreich und vielfältig, es verschlägt uns fast die Sprache. Also zumindest Tatiana und Sabrina können nicht mehr reden – liegt wohl an der Höhenluft. Wolfi und Rico plaudern bis zum Gipfel. Dieser ist auf den letzten zwei km endlich ersichtlich – und noch soooo weit entfernt. Noch einmal eine Zuckerpause und auf geht’s. Auf dem Weg hinauf wurde es natürlich immer kälter und so hatte Sabrina die Idee aus der Gipfelmilch den Gipfelkakao zu machen. Dann war er da, nach 2 Tagen ständigem bergauf fahren …. der Pass auf 3800m Höhe. Wir konnten es selbst nicht glauben dass wir auf solch eine Höhe mit unseren Rädern unterwegs sind. Ein Hochgefühl und Stolz durchfuhr uns.Wir zogen uns ein paar Schichten mehr an, bereiteten mit der frischen Milch und Schokoriegeln unseren köstlichen Kakao zu und aßen alles was die Taschen noch hergaben.

Sabrina hatte schon seit 3200m Höhe Kopfweh – so hieß es nach gut einer Stunde am Pass sich wieder auf den Weg hinunter zu machen. Die andere Seite des Berges war karg – ähnlich wie in Bolivien ließen wir uns von den belgischen Weggefährten sagen – und die Stadt Belén war deutlich im Tal zu sehen. Wir rauschten also den Berg hinunter und zogen auch schon bald wieder all unsere zusätzlichen Schichten aus – in Belén erwartete uns eine unerwartete Hitze.

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Wir verdrückten alle eine Hauptspeise mit Suppe und statteten der Bäckerei auch noch einen Besuch ab.Da kreuzten zwei andere Radler unseren Weg, Dean und Dang aus Canada – mit weniger als nur wenig Gepäck. Keine Ahnung wie die beiden das machen, aber die haben gar keine Taschen mit, sondern nur einen Minirucksack und andere kleine Drybags. Sie sind mit ihren Mountainbikes die meiste Zeit auf Abseitspisten unterwegs. Einfach unvorstellbar ;-) . Kurzer Tratsch und wir fuhren zu unserem Warmshower-host nach Duitama. Als wir ihn über unsere Ankunft kontaktieren wollten, hob dieser dann plötzlich nicht mehr ab. Zu unserem Glück hatten wir uns bereits sicherheitshalber seine Adresse notiert. Dort machte der verdutzte Bruder auf und meinte zuerst, es wäre kein Platz für 4 Leute, nur um uns dann kurz darauf zwei eigene Zimmer beziehen zu lassen – sehr großzügig. Wir gingen ausgehungert in einen riesigen Supermarkt – schlechte Idee ;-) . Bereits nach Minuten hing der Einkaufskorb erschreckend schwer an unserem Armen und wir fragten uns wohin mit all dem Zeug am Rad und wer soll das schleppen ;-) . Da die Gipfelerklimmung zu viert so gut geklappt hatte und die Beiden Blut geleckt hatten am Abseits der Hauptstraße zu fahren haben wir beschlossen auch noch die nächsten Tage gemeinsam zu verbringen. Wir wollten an den Lago de Tota gemeinsam campen – Versorgungslage ungewiss, Ruhetage inklusive – also konnten wir ja gar nichts dafür dass wir soviel einkauften ;-) ! Am nächsten Tag fuhren wir mit bis zum Rand gefüllten Taschen und den heiklen Sachen wie Obst und Chips ;-) an den Taschen außen montiert, über Sogamosa und Iza zum Lago de Tota. In Iza machten wir am Kirchenplatz kurz halt – hier bot sich uns ein bekannter Anblick: eine Aneinanderreihung von Lokalen oder Geschäften die alle ein und das selbe Produkt verkauften: hier – um den ganzen Platz verteilt Lokale die alle die gleichen, für dort so bekannten, Nachspeisen verkauften. Wir waren überfordert mit der Auswahl und griffen zu – wie so oft sehen die Süßspeisen leckerer aus als sie dann sind. Der Weg zum Lago de Tota ging von dort an wieder hinauf, hinauf, hinauf. Auf 3200 Höhenmeter konnten wir ihn dann endlich sehen. Bis zum eigentlichen Ziel würden wir es nicht mehr schaffen, da erblickten wir ein Schild mit Campingmöglichkeit. Es ging bergab durch den Wald zum See hinunter nur um dort sehr unfreundlich empfangen zu werden – wir könnten campen für 30000 Pesos (soviel kostet ein Zimmer mit privaten Bad in einem Dorf). Klo und Dusche funktionieren aber nicht. Also schoben wir wieder hoch und fanden schnell ein verlassenes Haus hinter dem wir unbemerkt unsere Zelte aufschlagen konnten und bei einem Lagerfeuer mit Marshmellows Tatianas Geburtstag feiern konnten und den Blick auf den See genossen.

Am nächsten Tag führen wir an duftenden Frühlingszwiebelfeldern und eher reservierten, kühl wirkenden Menschen vorbei, entlang am See zum „Playa Blanca“ – der einzige Strand am See.Wir bezogen dort für 2 Tage Stellung. Im Windschatten unserer Zelte verschanzten wir uns vor dem doch recht starken, kalten Wind. Später trauten wir uns unter die eiskalte Dusche bzw. in den erfrischenden See und erwärmten uns Abends am mühsam gesammelten Feuerholz und genossen unser Feierabend-Bier. Der Andenhochsee liegt auf 3000 Meter Höhe und ist umgeben von Bergen. Ein schöner Anblick um seine Gedanken schweifen zu lassen. Vor Ort gab es ein Restaurant – mit Preisen fast wie in Österreich – gut dass wir soviel zu Essen mit hatten. Sabrina hat tapfer 3 Monate ohne basteln überlebt – jetzt war es so weit, ihre Finger juckten ;-). Die in San Gil gekaufte Wolle und Häkelnadel wurden ausgepackt und eine Hülle für das Essgeschirr wurde in „Windeseile“ gehäkelt. So werden die Finger nach dem Kochen nicht mehr schwarz und das Essen kühlt nicht mehr so schnell aus.

Wolfi hat übrigens einen neuen Spitznamen. Sehr bedenklich dass Tatiana und Rico bereits am zweiten Tag eine Angewohnheit von Wolfi herausfanden ;-) : er verschwindet immer wieder Mal, unbemerkt ;-) . Sie fanden es sehr witzig und tauften ihn „Wally“ – nach einem bekannten „Suchspielbuch / Wimmelbild“ : Where is Wally??

 

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Nach den Tagen am See trennten sich unsere Wege. Tatiana und Rico fuhren zu einem Freund Richtung Norden, wir machten uns auf den Weg nach Bogotá – aber weiterhin ohne Hauptstraße. Der Aufbruch ohne den Beiden war schon eigenartig – wir hatten uns ziemlich schnell an die Gesellschaft der anderen gewöhnt. Bergab über Tota, wo wir leckeren frischen Käse kauften, fuhren wir zurück nach Iza  auf ca. 2600hm um von dort gemütlich in Pesca einzuradeln. Es war das Dorf der kichernden Kindern. Es war gerade Schulschluss und der gesamte Kirchplatz war voller Kinder die alle kicherten als sie uns erblickten – wir empfanden es als befremdlich so „empfangen“ zu werden und entschieden uns dem Verhalten mit einem Lächeln und einem Holá zu begegnen. Wir konzentrierten uns auf unseren Panaderia-besuch :-). Am nächsten Morgen stand wieder eine Passüberquerung an, daher wollten wir noch weiter radeln. Bald darauf begann es wieder bergauf zu gehen. Wir fragten bei einer Schule ob wir zelten dürften, da kam ein Junge hinzu, der uns bereits im Dorf gesehen hatte. Seine Mutter wäre die Zuständige, sie ist gerade nicht da, aber wir dürften sicher. Wir warteten, plauderten mit Männern, die 50kg Säcke Zwiebeln auf Pferden zur Straße karrten und inspizierten die Schule nach Campingmöglichkeiten, als eine Nachbarin meinte, wir sollten ihr 5 Minuten geben, sie würde einen Raum für uns sauber machen. Diese spontane Hilfsbereitschaft der Kolumbianer!! So konnten wir kurz darauf einen leeren Raum bei einer Frau mit zwei Kindern beziehen. Bevor wir kochten und der Junge von nebenan mit strahlenden Augen neben uns saß, tauschten wir noch Sitten und Bräuche über Ostern aus. In Kolumbien sind der Gründonnerstag und der Karfreitag die wichtigsten Tage um Ostern. Dusche oder Kübelwasser gab es dieses Mal keines. Uns macht es nichts. Die Leute hier gehen auch ohne grobe Körperpflege schlafen, also gewöhnen wir uns einfach auch schon einmal daran.
Wie immer mit Tinto gestärkt ging es los. Laut Information von einem Warmshower würde uns der Gipfel auf 3200 Metern erwarten. Wir wussten, dass das nicht möglich ist, da wir bereits auf 3100 schliefen. So zeigte sich dann der windige und kalte höchste Punkt auf 3700 Meter – dieses mal war es viel zu ungemütlich für ein Gipfelgetränk. Die Abfahrt war dann nicht so lustig – die Piste war so schlecht dass wir fast im Schritttempo hinunterfuhren. Da kam uns eine Pause in der kargen aber doch sehr schönen Landschaft ganz recht. Neben dem Guyabazuckerzeug /Pocadillo combinado haben wir unsere zweite Leidenschaft entdeckt: ein Gebäck vom Bäcker und darauf gaaaaaaanz viel Arequipe schmieren ( gekochte Kondensmilch – dulce de leche). Wir verbrauchen ein Päckchen von 250 Gramm in zwei Tagen – Gewichtsverlustprobleme ade ;-) !


In Toca angekommen gabs mal wieder eine süße Stärkung; Teilchen und Limo. Als Sabrina vom Flaschenzurückbringen retour kam fand sie Wolfi so vor (und es wurden noch mehr ;-) ):

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die Kinder sind einfach von der Prozessionsprobe für Ostern abgehauen, inklusive Lehrerin und haben zuerst Wolfi und dann auch Sabrina 1000 Fragen auf einmal und vor allem durcheinander gefragt. Deutschunterricht wollten sie auch gleich haben.
Es ging noch einmal rauf und runter und durch arme Dörfer mit prunkvollen Kirchplätzen hindurch nach Tunja. Dort suchten wir uns zu den Bomberos. Das übliche Procedere– zuerst wird man ausgefragt und dann wird darüber beratschlagt ;-) . Es kommen viele Radler dorthin, aber über unsere Route mit dem ganzen Gepäck waren sie dann doch sehr beeindruckt. Wir wurden auf einen Tinto eingeladen und als wir wieder zu unseren Rädern wollten fanden wir sie auf einem Pickup der Bomberos wieder – sie fuhren uns zur nördlichen Station, denn diese hätte eine warme Dusche und einen Schlafplatz im Inneren für uns. Auch nicht schlecht, sehr fürsorglich. Nach ein paar Minuten Autofahrt fanden wir uns dann im Norden von Tunja im Hallenbad der Bomberos wieder – gut gemeint, aber bei der Luftfeuchtigkeit die dort drinnen herrschte, hätten wir einen Zeltplatz vorgezogen. Wir wurden mit Nudeln und Tinto versorgt und hätten uns sogar am reichlich gefüllten Gemüsekühlschrank bedienen dürfen.

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Tags darauf ging es auf einer Landstraße Richtung Villa de Leyva. Gleich nach dem Frühstück bescherte uns Tunja eine saftige Steigung. Eine Sache die wir nicht leiden können – Stadtausfahrten mit Steigung – man kriecht oder schiebt dahin und wird dabei begafft, darauf kann man gerne verzichten, vor allem in der Früh. Da fiel uns der Abschied nicht schwer. Irgendwann war es dann aber geschafft. Noch ein paar Kilometer sanft bergauf und dann eine kilometerlange Abfahrt.Von knapp 3000 hm auf 2150 ;-)

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Endlich mal auf Asphalt – so erreichten wir schnell die Abzweigung nach Villa de Leyva. Wir stellten unser Räder in einem Hotel unter und fuhren die sechs Kilometer mit dem Bus. Auf ein und die selbe Strecke, hin und zurück, über Hügel, mit dem Rad zu fahren und im kopfsteinpflastrigen Villa de Levya mit unseren Rädern unterwegs zu sein hatten wir keine Lust. Das Dorf war touristisch, wie auch nicht anders zu erwarten. Glatt trafen wir auf Österreicher, die deutsche Dorfkneipe am Hauptplatz und die hohen Preise taten dann ihr übriges – wir sahen uns den Markt an, kehrten kurz in einem guten Kaffeehaus ein (sie hatten fast alle Zubereitungsmethoden die wir auch zu Hause haben) und fuhren wieder retour. Ja der größte Platz Kolumbiens war schon beeindruckend, die Häuser schon schön, aber … naja, wir haben so viele andere entzückende Bergdörfer im Kolonialstil gesehen, da fanden wir jetzt das Aufsehen das um dieses Dorf gemacht wird nicht ganz nachvollziehbar.

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Auf der Weiterfahrt nach Raquira waren wir dann eindeutig unterzuckert. Es war Nachmittag und wir hatten seit dem Frühstück nichts gegessen. So fanden wir uns irgendwann am Straßenrand sitzend und sich gegenseitig ankeifend wieder, zu allem Überfluss schmiss dann auch noch der Wind Sabrinas Rad in den Straßengraben und die vorbeifahrenden Autos bremsten ab um das Schauspiel genau beobachten zu können. Sturköpfig, weil keiner mehr so recht wusste was eigentlich der Grund des Streites war, fuhren wir weiter und kamen im Ort Tinjacá vorbei. Dort aßen wir die köstliche regionale Spezialität ( Arepas mit Mais oder Vollkornmehl) und kauften selbstgemachte Physalismarmelade und lokalen Kaffee ein – danach war die Welt wieder in Ordnung ;-) Schön dass wir beide doch so gleich ticken ;-). Ja…. seit 3 Monate 24 Stunden auf einander zu picken und das längste was wir getrennt waren waren 1 ½ Stunden auf der Polizeistation in Panama…. da kann man schon mal anecken ;-) .
Raquira enttäuschte uns dann doch etwas. Es wurde uns als soooo schön und bunt angepriesen. Stimmt auch, wenn man all den Kram den man dort kaufen konnte als Bunt betrachtet. Jeder Laden hatte mal wieder das selbe. Hier: Tontöpfe, Hängematten, Kühlschrankmagneten, Tassen, …. und damit wurden die schönen Häuserfronten verhangen. Dadurch fanden wir uns gezwungen am nächsten Tag schon um 5Uhr30 aufzustehen um die Häuser noch ohne Touristenkrambehang zu sehen und die bemalten Häuserfassaden bewundern zu können. Um diese Uhrzeit war dann doch auch schon einiges los – die Leute waren auf dem Weg zur Kirche (dort werden die Kirchenglocken noch händisch zum klingen gebracht) und die ersten Mountainbikeradler machten sich für ihre Tagesetappe bereit. Wir finden trotzdem, dass Raquira keinen Abstecher wert ist, außer man hat vor, so wie wir, abseits der Hauptstraße nach Bogotá zu fahren.

Wir fragten nach dem Weg hinaus aus der Stadt – 3 Leute, 5 Meinungen. Wir vertrauten dann der Polizei, schließlich sind sie ja Freund und Helfer, keiner der Wege ist in einer Karte eingezeichnet, aber angeblich ist dieser „más suave“ (leichter) als der andere. Wir werden nie wissen wie der andere Weg gewesen wäre, aber Höhenmeter haben wir natürlich wieder viele gemacht. Ohne geht es scheinbar nicht mehr ;-) . So sahen wir aber zumindest noch die Laguna de Fuquene. Das viele Fahren auf schlechter „Straße“ machte sich bemerkbar – Wolfi hatte einen Platten. Am Ende waren es dann sogar zwei – ein Durchstoß durch den ganzen Schlauch. Kein Wunder bei dem Belag. Das kuriose: Sabrina hatte gerade ein Foto von der Wegbeschaffenheit gemacht als Wolfi den Platten bekam.

 

 

Die „Forstwege“ teilten sich immer auf, sahen oft ident aus und so war es ein Glücksspiel welchen der vielen Wege wir nahmen. Beschilderung sucht man auf solchen Routen vergeblich. Dieser Opi stoppte uns für einen kurzen Plausch, bevor er nach der Uhrzeit fragte und ins Dorf zur Kirche stapfte.

In eine Hochebene ging es dann wenige Kilometer flach neben saftig grünen Wiesen dahin. Später als gedacht fuhren wir in Guachetá ein und stärkten uns mit einer Maissuppe. Die Region ist eine Kohleminengegend und so waren die weiteren Km bis Lenguazaque von Mienen und schwarzen Straßenstaub, sowie Männern mit rußverschmierten Gesichtern auf ihren Mopeds geprägt. Genau 3000 km zeigte der Tacho an als wir vor einer Bäckerei in Lenguazaque . standen, na wenn das mal kein Zufall ist :-) . So war schnell klar, womit wir das Jubiläum feierten.

Obwohl es Hospedajen gab wollten wir weiter. So fragten wir kurz nach der Ortsausfahrt nach einem sicheren Ort zum Campen. Das Ehepaar hatte keine Ahnung, meinte wir sollten im Dorf schlafen, nur um uns als wir wieder losfuhren, zurückzurufen und uns ihn ihrem Vorgarten willkommen zu heißen. Die Kinder waren wie immer entzückt über die Abwechslung. Wir wurden vor dem Hahn gewarnt und es war dann wirklich so: er hatte scheinbar Schlafstörungen. Um 23Uhr30, um 3Uhr und um 5Uhr30 krähte er was das Zeug hält. Mit Mangos und Tinto versorgt und das Zelt so gut wie möglich trocken gewischt ging es weiter. Heute war mehr als nur die Luft draußen bei uns– lag vielleicht daran dass wir abends zuvor nicht gekocht hatten, sondern nur Brot mit Süßkram und Obst gegessen hatten. Auch heute war wieder schieben und ene – mene-muh-und raus bist du – Wegspiel angesagt. Das erste Dorf Cucunubá erreichten wir erst kurz vor Mittag. Dafür überraschte es uns mit seinem schönem Park. Die Weihnachtsbeleuchtung erheitert uns immer noch – fast täglich sehen wir sie irgendwo. Vergessen?? Faulheit??? Absicht??? Wir haben keine Ahnung. Vielleicht verschweindet diese dann nach Ostern.

Am Ortsausgang entdeckten wir dann einen Biobauern – Erdbeerjoghurt wurde eingepackt. Ein erneuter langer Anstieg mit folgender Abfahrt brachte uns zur Laguna de Suesca von wo wir auf einem Nebenweg nach Suesca fuhren. Waschbrettpiste auf feinem Kies mit nervenden Hunden, sowie ständiges auf und ab kostete uns den letzten Nerv. Wolfi hatte an diesem Tag noch dazu mit der Höhe zu kämpfen und so schoben wir mal wieder. Obwohl wir wussten dass es jetzt bergab ging war eine kurze Pause notwendig – wenn nichts mehr geht, geht nichts mehr, auch nicht bergab. Vor allem nicht wenn es schon wieder nur im Schneckentempo ging. So sehr wir auch das abseits fahren lieben und genießen, so sehr würden wir uns beim downhill einen Asphalt herbeisehnen.

Kurz hatten wir überlegt in Sueseca zu bleiben, aber die Aussicht auf einen schönen Campingplatz bei einem See lies uns weiter fahren. So überquerten wir zum ersten Mal die Autobahn – die 1 Minute die wir darüber verbrachten reichte uns schon. Das ständige vorbeirauschen der Busse und LKWs bestätigte uns darin, dass jede Schinderei über die Pisten und Straßen die auf keinen Karten eingezeichnet sind, sich ausgezahlt haben. Hügelig ging es am Lago de Guatavita weiter. ( Alle Lagunen und Lagos waren immer nur kurz als ganzer sehr gut zu sehen – beim Downhill ;-) darum gibt es kein /  kaum Fotos). Ziemlich erschöpft und kurz vor Sonnenuntergang erreichten wir einen Campingplatz kurz nach Guatavita und wurden mit einem Früchtetee des Hauses empfangen. Was für ein schöner Ort. Eine Riesenportion Spaghetti und 1.5 Liter Cola schickten uns in einen friedlichen Schlaf.
Der nächste Tag sollte uns nach Bogota bringen. Da wir wussten, dass unser Zelt somit für Tage nicht benutzt wird, musste das Zelt zum einpacken trocken sein – die Sonne brauchte ihre Zeit. Wir genossen die Zeit mit einem Tee und warmen Müsli und starteten erst um halb Zehn. Wir wissen beide nicht warum wir uns vor dem Anstieg nach Bogotá solche Gedanken machten, wir hatten schon viiiiiiel mehr Höhenmeter an einem Stück gemacht. Vielleicht weil es auf einer Landstraße war und wir somit wieder dem Verkehr ausgesetzt waren, oder weil wir einmal Satellitenaufnahmen der Bergkette gesehen haben die Bogotá umgibt?? Wie auch immer, die Auffahrt war viel leichter als gedacht. Gerade als wir das „Willkommen in Bogota“ Foto gemacht haben begann es zu regnen. Wir stellten uns unter und versorgten uns mit Zucker – die Durchfahrt durch einen 8 Millionen Metropole mit dem Rad bedarf höchster Konzentration. Als der Regen nachließ und wir losfahren wollten entdeckten wir dass Wolfi wieder einen Patschen hat – wieder hinten. Besser jetzt, als auf nassem Asphalt beim Downhill, …. . Es stellt sich heraus, dass sich einer der Schnellklebeflicken gelöst hatte. Mit einem neuem Schlauch – sicher ist sicher – machten wir uns auf den Weg hinab ins Getümmel. Vorher aber gab der Wald den Blick auf die Stadt frei – Häuser wohin das Auge reicht und man sah nie alles auf einmal, da sich die Stadt links und rechts hinter den Berg noch weiter ausbreitete.

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Wir hatten Glück und mussten die meiste Zeit bis zu dem Viertel in dem wir uns eine Unterkunft suchen wollten, nur gerade aus fahren. Aber diese sieben Kilometer reichten, dass Sabrina am Schluss eine heisere Stimme ;-) und Wolfi gefühlte fünf Herzinfarkte hatte. Die Busse fahren wie die Henker, eine wahre Hetzjagt.
Jetzt sind wir also hier. In Bogotá. Über ein Monat sind wir in Kolumbien „darauf hin geradelt“ und haben unsere ersten Andenpässe hinter uns. Schmunzeln mussten wir als wir im Reiseführer lasen, dass der Bus zwei Tage von Bogota nach Cartagena braucht. Wir sind froh über unsere Routenwahl: auf den bis her ca. 1400km in Kolumbien sind wir nur ca. 280km auf der Hauptstraße gefahren. Hier in der Hauptstadt waren wir bereits im Kino, haben schon Einkäufe erledigt (neue Radtasche für Wolfi gibt es leider nicht, der einzige Shop der Vaude-Produkte vertreibt hat nur Minifronttaschen), uns schon erkundigt wie viel ein Päckchen zum heimschicken kosten würde ( das ein oder andere T-Shirt (5 Tage das selbe funktioniert auch gut ohne komische Blicke und rümpfende Nasen zu ernten), Funktionssocken, Kartenspiel, Spanischbuch, … könnten wir getrost heimschicken, ….aber wer weiß….vielleicht brauchen wir es ja doch noch einmal :-) und haben uns ins Touristisch – Einheimische – Biergetümmel geschmissen. Morgen steht die weitere grobe Routenplanung an. Es werden jetzt wohl doch mehr Hauptstraßenkilometer werden, denn sonst müssen wir noch unser Visum verlängern lassen :-) .

Rätsel des Tages! Was hat dieses Verkehrsschild wohl zu bedeuten?? Wir sind auf Vorschläge gespannt ;-)

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Naja…. etwas kürzer als der letzte Eintrag ist er schon geworden :-) Übung macht den Meister…. und wir kreieren einfache ein Sprichwort neu: geteilte Freude ist doppelte Freude ;-)