Großstadt – Wüste – Kaffeeplantagen – Nebelwald in nur 10 Tagen

Von Bogotá nach San Agustin

Km insgesamt: 3778 km

Gefahrene Zeit: 256 Stunden

HM hinauf insgesamt: 45399 hm

Ab Bogotá gibt es grob zwei Richtungen in die man fahren kann: nach Süden oder in den Südwesten. Südwesten würde bedeuten: Kaffeeregion und Panamericana, Süden ist Wüste und San Agustin (berühmte Kultstätte). Wer uns kennt weiß wie sehr wir Kaffee lieben und trotzdem haben wir uns gegen die Kaffeeregion entschieden. Wir wollen unbedingt die Wüste sehen, sowie San Agustin und dank eines köstlichen Kaffees und einer guten Beratung die wir in Villa de Levya genießen durften, wissen wir, dass auch auf unserer Route die eine oder andere Kaffeebohne wächst ;-) . Die „Offroad“- Möglichkeiten sind auf der südlichen Route auch deutlich mehr, also…..vamanos!!!!!

Sonntags ist der beste Tag um Bogotá mit dem Fahrrad zu verlassen – was für ein Glück für uns – denn da ist, sowie an Feiertagen auch, seit 1974  121km der Straßen von 7 bis 14 Uhr für Autos gesperrt. Man muss sich das mal in Wien vorstellen – da würde so mancher Autofahrer auf die Barrikaden steigen :-) ! In Bogotá wird es aber bereits zur frühen Stunde ausgiebigst genutzt und so sind auch wir schon um 7 auf den Rädern und genießen, dass wir zumindest zu Beginn auf den autofreien Straßen Richtung Autopista fahren können. Auf dieser geht es dann am Seitenstreifen Richtung Süden.

Zwei Steigungen und dann liegen Freude und Leid ganz nahe beieinander: von ca. 2900 hm auf 400 hm hinunter! Auf Asphalt ein heiden Spaß, vor allem weil auf unserer Seite aufgrund des Osterwochenende-Rückreiseverkehr Richtung Bogotá nichts los war. Aber im Hinterkopf war da so eine fieße Stimme: das müsst ihr alles wieder rauf fahren. Ja, so geht es einem wenn man sich im Norden des Landes für den östlichen Teil, also für Bogotá entschieden hat: man muss von der cordillera oriental (östliche Kordillen) hinunter und auf die cordillera central (mittlere K.) wieder rauf. Denn nur so  gehts nach Ecuador :-).

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Wir genossen die „geschenkten“ 60 km Abfahrt trotzdem. Am nächsten Tag war es flach bis leicht hügelig: so war es ein Kinderspiel um 14:30, trotz zwei Essens-Pausen nach 115km zu beschließen dass der Tag ein Ende hat. Auf 400m hat uns die Hitze wieder voll im Griff. Dafür sind die Fruchtstände am Wegesrand wieder da! Die Nächte verbringen wir aufgrund der Hitze in Hospedajen – die sind mit weniger als 8 Euro für zwei Personen und einem Ventilator (sogar mit dem schwitzt man noch) die beste Wahl. Wenn der Ventilator nicht gerade aufgrund eines Stromausfalles seinen Dienst verweigert ;-) .

 

Der Wecker klingelte um 4:50. Heute war der Tag an dem wir in die Wüste fahren wollen und wir wollten die Mittagshitze umgehen. Also waren wir noch vor Sonnenaufgang startklar. Als es aber um 6:30 immer noch dunkel am Himmel war wunderten wir uns. Da entdeckten wir, dass es nur in unserer Richtung dunkel war. Na super! Kurz darauf regnete es auch schon. Wir fuhren in den Regenpausen von Busstation zu Busstation um uns den Unterschlupf mit Mopedfahrern zu teilen wenn es wieder zu schütten begann. Das nächste Dorf lies auf sich warten, aber dort hielten wir Kriesensitzung bei einem Kaokao – bei Regen braucht man in keine Wüste fahren, schon gar nicht auf unbefestigten Straßen. Als wir da saßen und nicht weiter wussten, hielt eine Familie mit ihrem Auto, die gerade auf dem Rückweg nach Bogotá war, an. Sie frühstückten und weil sie von unserer Radreise so begeister waren, luden uns auch auf ein üppiges Frühstück ein. Dass wir bereits gefrühstückt hatten war ihnen egal. Nachdem es eine gute Stunde lang nicht geregnet hat beschlossen wir zumindest mal bis zum „Eingang“ der Wüste zu fahren. Wir setzen zum 2. Mal auf dem Rio Magdalena über – dieses Mal dauerte die Fahrt jedoch nur weniger als 1 Minute. Drüben angekommen begrüßten uns die Moskitos und eine Landschaft aus Reisfelder begleiteten uns. Wir fühlten uns wie nach Asien versetzt. Kolumbien ist übrigens das einzige Land Südamerikas das seinen Reisbedarf fast vollständig aus Eigenanbau deckt.

In La Victoria stärkten wir uns noch mit einem der typisch knallbunten selbstgemachten Eiskreationen mit schiefem Stiel und deckten uns mit leckeren Kokosbrötchen ein. Ein eigenartiges Dorf. Beide Dinge konnten wir nur durch nachfragen finden, da nichts an den Häuserfronten darauf hindeutete, dass etwas verkauft wird.

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Raus aus dem Dorf und rein in die Anfänge der Tatacoawüste. Steppenartig würden wir es nennen, mit vielen Schwiegermutterstuhlkakteen. Die rosa Früchte darin kann man essen, man sollte aber immer eine stecken lassen, sonst stirbt die Pflanze. Der Weg wand sich durch die Landschaft, die Sonne drückte durch die Wolken, aber heiß war es nicht. Es blies sogar ein kühler Wind und für eine Wüste gab es auch ziemlich viel grün – sehr schräg.

 

Aufgrund der vielen Fotomotive brauchten wir ziemlich lange nach Villavieja. Dort genossen wir wieder einen frischen Fruchtsaft und machten uns um 15:30 auf in den Hauptteil der Wüste. Ein steiler Anstieg folgte, welcher, als wir ihn in der Ferne sahen, uns ein hysterisches Lachen entweichen ließ und danach ging es hügelig dahin. Nach wenigen Kilometern änderte sich plötzlich die Landschaft. Groteske Landschaftsformen in rotem Stein wohin das Auge reicht. Sehr beeindruckend. Tlw. sind die Formationen so klein, dass wir uns wie in Minimundus vorkammen. Die grünen Bäume dazu erzeugten einen tollen Kontrast.

Wir suchten nach einem Schlafplatz. Wildcampen wäre möglich gewesen, aber eine Dusche, sowie ein kaltes Bier am Abend war einfach zu verlockend. Wir fanden abgelegen vom Hauptweg einen Platz der sowohl Camping als auch Cabanas anbot. Hier begann dann auch der graue Teil der Wüste.

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Die Sonne ging unter, wir schlugen unser Zelt auf und machten uns dann fertig um ins Observatorium zurückzufahren. Dort fand eine Führung statt und wir konnten den Jupiter, Sirius, … durch ein Fernrohr beobachten. Der Große Wagen steht hier auf dem Kopf ;-) und knapp über dem Horizont. Der spanischen Erklärung konnten wir so einigermaßen folgen, es war ganz interessant. Zurück bei unserem Camp gab es das ersehnte Bier und Müsli – wir waren zu faul zu kochen. Der Sternenhimmel ist hier aufgrund der geringen Lichtverschmutzung sehr gut zu sehen und somit auch die Milchstraße. So saßen wir noch einige Zeit auf einem Hochplatau und genossen das hier und jetzt.

Die Nacht im Zelt war dann der Horror. S**heiß und irgendein Minitier hat sich hineingeschlichen und uns komplett zerfressen. In der Früh ergriffen wir die Flucht da weitere Stechmücken uns das Leben schwer machten. Bei der Rückfahrt zum Hauptweg fuhr Sabrina einen kleinen steilen Erdhügel hoch. Er war zu steil. Bremsen half nichts, das Rad rutschte und rutschte, die Beinen fanden keinen halt, das Rad zu schwer um es bei der Steigung zum Stehen zu bringen und so geschah es: ein langer Schrei und dann der Sturz. Der Schrecken war glücklicherweise das Schlimmste am ganzen. Das Pedal mit seinen Spikes hat an der rechten Wade blutige Spuren hinterlassen, aber sonst war alles okay. Erstversorgt und das Adrenalin wirken lassen, konnten wir nach einiger Zeit weiterfahren. Auch auf den Rückweg nach Villavieja waren wir von der Landschaft angetan. Wir machten in der Stadt Neiva halt und suchten uns eine Unterkunft. Hier konnten wir uns endlich Hemden kaufen. Schon seit längerem nehmen wir es uns vor. Die Sonne ist einfach zu stark, wir sind ihr jeden Tag mehrere Stunden, auch oft über die Mittagszeit ausgesetzt und das schwitzen mit der Sonnencreme ist einfach eklig.

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Von hier würde es auf der Hauptstraße in 3-4 Tagen nach San Agustin gehen, aber wir nahmen wieder einen Abseitsweg der aufgrund der Höhenmeter und der Wegbeschaffenheit wieder länger dauert. Es ging entlang von einem Stausee nach Yaguará. Wir trafen auf Laura und Mikel, zwei Radler aus Spanien. Sie sind seit 17 Monaten von Ushuaia aus unterwegs – Neid!!! Ein längerer Plausch und Austausch und weiter ging es. In Yaqguará wurden wir mit einem Regenschauer und hauseigenen Mangos bei den Bomberos empfangen. Diese sind seit 10 Jahren in einem Restaurant untergebracht und so kam es dass wir open-air, neben dem Backofen geschlafen haben.

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Es ging hügelig los,vorbei an einem Friedhof wo die Toten einen Sonneschirm bekommen,

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hinein in ein kleines grünes Becken umgeben von Bergen und in der schwüle hinauf nach Iquira. Es war schön wieder so nahe bei den Bergen zu sein und in jeder Kurve eine anderes Bild zu bekommen, da war die Wahl für den 2.Frühstückspausenplatz gar nicht so leicht. In Iquira wieder eine Stärkung mit einem frischen Fruchtsaft

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1 Liter Erdbeershake

 

(solange es sie noch gibt ergreifen wir jede Möglichkeit) und es ging weiter hinauf und hinein in die Berge die wir davor aus der Ferne bestaunt hatten.

 

 

Ein junger Mann hielt uns auf und gab uns einen Tip. So landeten wir 2 km danach in einem Haus das Guarapo – Zuckerrohrsaft – herstellt. Der Hausherr meinte es wäre keiner da. Aaaaaaaah!!!! Aber wenn wir warten würden, dann würde er frisch einen machen. Na klar, gerne!!Wir schauten noch kurz der Hausherrin über die Finger wie sie Minibrötchen mit eingearbeiteten Käse herstellte um dann gemeinsam die Presse für den Zuckerrohr zu bedienen. Noch eine Limette vom Baum geerntet und hineingepresst und fertig war das köstliche Getränk. Frischer geht’s wohl wirklich nicht mehr! Auch hier war das Thema „Trockenheit“ Hauptbestandteil unseres Gespräches. Das Klima würde sich ändern, El Niño sein übriges tun, alles wäre grau. Naja – für ihn ist es grau, für uns ist es grün, denn grau war es im Norden von Kolumbien. Alles Ansichtssache, aber dass es für die Bauern hier nicht leicht ist und die Bewirtschaftung schwieriger wird können wir uns gut vorstellen.

So, gestärkt fuhren wir weiter. Keiner von uns beiden sprach ein Wort und trotzdem stand der Mund offen – wir waren beeindruckt und geplättet von der Landschaft. Wir können es nicht oft genug schreiben, aber diese Formen und Variationen sind unglaublich. Oft haben wir schon geglaubt DAS war jetzt der tollste Abschnitt und dann kommt eine Richtungsänderung und wir sind noch begeisterter. Wir fragen uns oft wie viele Formen kann ein Berg / eine Landschaft annehmen??

Die letzten 12km nach Tesalia waren wieder asphaltiert. Wir rollten ein und fragten nach Bomberos. Die Omi meinte ihr Neffe wohnt ein paar Häuser weiter und er ist Bombero, wir sollten ihn fragen. Sie heuerte 10 Kindern auf Rädern an uns zu seinem Haus zu bringen. Ein langes hin und her, wir haben kaum was verstanden, zu verworren die ganze Geschichte und viel zu schnell und kompliziert geredet, aber nach über einer Stunde waren wir dann doch in der Bomberostation, die scheinbar nie besetzt ist, obwohl hier unter den Feuerwehrleute sogar Angestellte gibt und nicht wie sonst gemischt mit Freiwilligen. Über Nacht blieb einer der Männer als Aufpasser und als der Regen in der Früh nachließ machten wir uns auf den Weg nach La Plata, entlang von Bäumen mit „Bart“.

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Nach einem zweiten Frühstück in der kleinen Stadt zog sich der Weg entlang eines Flusses, rauf und runter tiefer hinein in eine Schlucht. Ab hier war der Weg eine Katastrophe – der Lenker hüpfte unkontrolliert und das Rad fuhr wohin es wollte. Wir mussten uns sehr konzentrieren und trotzdem schafften wir es irgendwie diese, sich an Dramatik überbietende Landschaft aufzunehmen.

Uns ereilten immer wieder Regenschauer, die wir meist unter einem grünen Blätterdach versuchten auszuharren, bis dieses auch irgendwann mal undicht wurde. Die Abzweigung nach La Argentina war dann unerwarteterweise asphaltiert. Wir verließen also den Fluss und somit die Schlucht und folgten den Serpentinen den Berg hinauf. Prompt begannen die Kaffeeplantagen und mit ihnen saftige Steigungen. Es regnete wieder. Dieses Mal fanden wir ein Haus wo wir uns unterstellen konnten. Da es schüttete wie aus Schaffeln legten wir einfach „eine Jause ein“. Die Wolkenfetzen hingen in den Bergtälern und wir machten uns bei Nieselregen auf um die letzten HM in Angriff zu nehmen.

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Mit einer steilen Abfahrt und einer darauf folgenden Schiebeeinlage ins Dorf hinein, erreichten wir La Argentina doch später als gedacht. Wir kauften in einem Miniminisupermarkt ein und kamen mit der Kassierin ins Gespräch. Keine 5 Minuten später folgten wir ihrem Sohn auf dem Moped den Weg retour aus dem Dorf hinaus. Das hieß die steile Auffahrt von vorhin hinunter und dieses mal die andere Richtung hinaufschieben. Aber hey…. für eine Einladung auf eine Finca macht man so ziemlich alles. Ein Auto fuhr an uns vorbei „Foto, Foto“ wurde herrausgerufen. Wir lächelten nur und strampelten weiter. Das Auto wendete und hielt auf einer Anhöhe an – wir dieses Mal auch. Eine Familie, deren ca. 18-jährige Tochter nervös auf und ab ging wartete auf uns. Wie aus einem Wasserfall sprudelten die Fragen aus ihr heraus und sie quietschte und hüpfte förmlich bei jeder Antwort die wir ihr gaben. Sie ist fasziniert von Reisenden wie wir es sind, erzählte sie uns. Als sie erfuhr dass wir bis nach Patagonien wollen drehte sie sich zu ihrem Vater um und war plötzlich ein dreijähriges Mädchen vor einem Schaufenster mit Puppen: Papiiiiiiiiii !?!?!??! Eine Mischung aus Flehen, quietschen, Beigeisterung . Sie wollte das Selbe, Radreisen, das merkte man :-) . Wir kamen uns vor wie Popstars die auf einen Grupi trafen. 100 Fotos später fuhren wir die letzten Meter zur Finca. Dort bezogen wir ein eigenes kleines Zimmer und wurden von Ana, einer kleinen quirligen Dame die auf der Finca arbeitetet, herumgeführt. Unsere Tour begann bei einem Lagerraum voller Früchte. Ana gab uns telefonierend Früchte in die Hand und deutete auf Stacheln. Wir dachten, dass wir helfen würden, als wir aus den Pitayas die übrigen Stacheln entfernten, stattdessen waren diese für uns gedacht, zum Mitnehmen. Das Anwesen war ziemlich groß und sie bauten verschiedenes an. So kamen wir endlich in den Genuss Guama zu essen. Riesenschoten.

 

 

Auch hier wurden unsere Arme beladen bis wir nichts mehr tragen konnten, aber ein paar Guavas passten noch oben drauf. Ihrem Vater durften wir beim Kaffeeernten zusehen. Alles Bio. Wir befanden uns im 7. Himmel. Ana hatte ein großes Wissen über alle Früchte, deren Anbauarten und Wirkungsweisen auf den Körper und einen super Humor.

Als wir am nächsten Tag wieder fuhren wünschte sie sich, dass wir mal wieder kommen, dann aber für länger und ihr Gemüse und Obst aus Österreich mitbringen und mit ihr gemeinsam anbauen. Beladen mit den ganzen Vitaminen fuhren wir los, kamen aber nicht weit. In einer Kurve warteten 3 Frauen mit 2 Kindern auf uns. Ob sie ein Foto machen dürften, eine von ihnen würde eine Art Zeitung im Internet haben. Klar, kein Problem. In allen erdenklichen Konstellationen wurde fotografiert und wir bekamen 3 Pfirsiche geschenkt. Schön langsam kamen wir uns vor wie ein Obsttransporter-Wolfis Traum.

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Der Beginn des Tages war hügelig, aber nach der Abfahrt zu einem Fluss war für den restlichen Tag Schluss mit Lustig. Schieben, zu zweit schieben, fahren, schieben, stehen und schnauffen, …. das war für die restlichen 90% des Tages unsere Aufgabe. Aber wir waren mitten drinnen in den Kaffeeplantagen, durchbrochen von roten Bäumen, Bananenpalmen, …. Es war so schön, dass wir wieder einmal den Weg unter uns vergessen konnten.

Wir kamen nur schleichend voran, aber umso länger konnten wir die tiefe Zufriedenheit die uns durchfuhr genießen. Sabrina wollte von Wolfi wissen ob er immer noch bedenken hatte, dass wir nicht in die „Kaffeeregion“ nach Westen gefahren sind: nein, definitiv nicht. Näher und intensiver kann man dem Kaffee nicht mehr sein. Nach einer Schiebepassage blieben wir vor einem Haus stehen und betrachteten die Kaffeemühle im Garten. Hier hat so ziemlich jedes Haus eine eigenen Plastikdachkonstruktion um den Kaffee zu trocknen und ein paar wenige haben auch eine Mühle. Das meiste wird an Sammelstellen verkauft, fast nie wird was für den Eigengebrauch zur Seite gelegt, da wird dann lieber der fertige Tinto aus dem Supermarkt gekauft. Vor diesem Haus saßen zwei Frauen mit einem Baby. Auch mit ihr kamen wir ins Gespräch. Sie würde ihren Kaffee am Markt verkaufen, zur Zeit hat sie aber keinen. Schade. Aber nach ein paar Minuten war es dann doch möglich ein Päckchen zu kaufen. Sie kam aus dem Haus – mit 2 frisch gebrühten Tassen und einem Päckchen. Wir genossen den Kaffee im Schatten ihres Hauses und bekamen das schwarze Gold dann auch noch geschenkt. Wir gaben dafür gerne 2 unserer Pitayas her.

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Im einzigen Miniort den wir heute passiert haben, gab es nichts zu Essen. Es war Mittag und wir hatten Bärenhunger. Bei der dritten Minitienda ( Miniminisupermarkt der ca. 20 Produkte verkauft) bat uns ein hibbeliger Mann herrein (Scheinbar sind die Leute hier in dieser Gegend alle etwas aufgedrehter. :-) ). Wir könnten Zutaten in seinem Laden kaufen und er würde kochen, wir sollten uns entspannen. So einigten wir uns auf Patacones (frittierte Kochbananen) und Eierspeiß. Er rannte auf und ab, fing ständig was anderes an, machte Feuer an drei verschiedenen Kochstellen im Garten und im Haus, redete laut und wirr durcheinander. Wir kannten uns überhaupt nicht mehr aus. Irgendwann stand dann schließlich Wolfi hinterm Herd und kochte zum ersten Mal Patacones. Wir verspeisten unser selbstgemachtes Mal in einer fremden Küche . Bezahlen lies er sich nur die Eier und als wäre das Rad nicht schon beladen genug, bekamen wir noch Limetten und 9 Kochbananen mit ( keine Ahnung was wir mit ihnen machen, aber vielleicht können wir sie ja eintauschen, ablehnen half nämlich nichts).

Nach dem Dorf änderte sich die Landschaft. Die Kaffeeplantagen wichen Kuhweiden nur um nach ein paar Kilometern plötzlich in einem „Dschungel“ zu sein.  So faszinierend!

Wo es so saftig grün ist da muss es auch viel Wasser geben, dieses kommt bekanntlich von oben und so wurden wir wieder eingeregnet.Unser Radcomputer hatte mit den Luftdruckschwankungen so seine mühen und so purzelten die Höhenmeter obwohl wir uns nach oben kämpften. Jacke an, Jacke aus, das Spiel kannten wir schon aus den letzten Tagen. Einen heftigen, langen Schauer saßen wir wieder bei einem leerstehenden Haus aus. Es war schon spät und wir hatten keine Ahnung wie weit wir noch mussten.

Die Angaben von Leuten die wir anhielten waren natürlich sehr unterschiedlich. Aber es half nichts, auch wenn der Himmel nicht verlockend aussah, wir mussten weiter. Dennoch blieben wir stehen als uns Männer von einem Haus zuriefen. Ob wir Zuckerrohrsaft wollen – klar, das gibt Kraft. Tja – es war fermentierter Zuckerrohrsaft, der nach Essig schmeckte. Es waren Indigenas, die Quechua, einer eigene lustig klingenden Sprache sprachen. Sie fanden es sehr lustig, dass Wolfi nicht mehr davon trinken wollte und das nächste Dorf wäre doch sowieso „cercita“ (Verniedlichung / Betonung von cerca : nahe) .

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Weiter ging es bergauf im ?? Regenwald?? Nebelwald?? – konnte das sein? Wir wissen es nicht, aber es sah sehr danach aus. In diesem Nationalpark soll es sogar noch Tapire geben. Der Weg war lehmig und nass, die Steine darin groß, der Himmel dunkel, die Uhrzeit spät, die Orientierung schon lange nicht mehr vorhanden – beste Voraussetzungen für schlechte Stimmung. Die letzten Bissen vom Brot wurden geteilt und endlich ging es bergab. Nach einer gefühlten Ewigkeit und als die Sonne schon unterging erreichten wir ein Dorf – San Roque. Dahin wollten wir, also doch nicht verfahren, Glück gehabt. 35 km waren es heute nur. Vor ein paar Tagen haben wir am Nachmittag gemütlich bei 115km Schluss gemacht und heute sind wir erschöpft von einem drittel der Strecke. Wahnsinn wie ausgebremst man hier werden kann. Bei einer Minitienda fragten wir wo wir schlafen könnten. Einer fuhr mit Wolfi am Moped los und 10 Minuten später fuhren wir gemeinsam mit den Rädern wieder retour – also wieder bergauf. Aber nur ein Stück. Eine Familie hat ein neues Haus neben ihres gebaut aber es ist noch unbewohnt. So zogen wir in den Rohbau ein und durften Küche und Bad in ihrem Haus benutzen. Abends und in der Früh gab es dann auch noch Heißgetränke. Diese Hilfsbereitschaft der letzten Tage beeindruckt uns sehr.

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Es war noch viel mehr ;-)

Es hatte die ganze Nacht heftigst geregnet, so stark dass es sogar durchs Dach auf unseren Schlafsack tropfte – das bemerkten wir jedoch noch rechtzeitig. Mit tiefem Nebel und Niesel fuhren wir in der Früh los, nicht weiter hinunter, nein, sondern noch weiter retour hinauf den Weg von gestern. Wir hatten nämlich am Tag zuvor im Dorf die Empfehlung für eine Finca mit Biokaffee bekommen. Irgendwann war sie dann gefunden, die Finca Simon. Eine christliche Kommune, gegründet von 2 Italienern. Sabrina, eine der Gründerinnen, wirkte etwas überfordert mit unserem Besuch, bereitete uns aber einen endlich mal wieder „richtigen“ Kaffee zu. Simon, der Hauptzuständige war nicht da und sie fand keinen abgepackten Kaffee. Schade! Wie viel wir denn haben hätten wollen?? Naja, nur ein kleines Päckchen. Aso, na das ginge. Sie füllte uns einfach von ihrem Küchenbestand etwas in ein Säckchen und wiedereinmal war keine Widerrede akzeptiert – es war ein Geschenk. Im dichten Nebel, mit einer Sichtweite von meist unter 10 Metern machten wir uns auf den Weg bergab. Die Lehmstraße war ausgewaschen und extrem rutschig aufgrund des Regens.

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In Oporapa hielten wir an einer Kreuzung um Ausschau nach einer Bäckerei zu halten. Da wurden wir in eine Kaffeebohnenankaufsstelle hineingewunken. Ein langes Gespräch mit 2 freundlichen Polizisten und dem aus dem kopfschütteln nicht mehr rauskommenden Geschäftsbesitzer folgte. Hier packten wir die Möglichkeit unsere Räder zu wiegen beim Schopf. Ein „schwerer“ Fehler!!! Nun schüttelte Sabrina den Kopf und kam aus einem Verzweiflungslachanfall inkl. Fluchen nicht mehr raus, Wolfi hat es ganz die Sprache verschlagen. Unsere Räder sind viiiiiiiiiiel schwerer als wir gedacht haben. Gut, sie sind beladen mit etwas mehr Obst als sonst (obwohl wir versuchten soviel wie möglich von den geschenkten Obst zu essen), aber Sabrinas Essenstasche war zum Beispiel leerer als sonst, ebenso wie die Wasserflaschen, also kann man da nochmal paar KG draufrechnen. Wir waren und sind es immer noch: entsetzt!!!! Jetzt steht es fest: wir müssen aussortieren.

Mit Brötchen beschenkt und mit Tinto gestärkt fuhren wir weiter. Es ging noch 5km auf der Rutschpartie bergab, danach folgte Asphalt und auf der anderen Bergseite der Aufstieg für heute. Es war wieder Mittagszeit und wir wollten was warmes Essen bevor wir hinauf mussten – aber es gab wieder nichts. In einer Minitienda fanden wir erneut Hilfe. Der Besitzer sagte dass seine Frau gerade mit dem Essenkochen fertig sei und so saßen wir bald bei ihnen am Mittagstisch. Nerviger Nieselregen wo man nicht weiß Jacke ja oder nein, begleitete uns bei unserem Kampf nach oben. Einige Abschnitte waren ziemlich steil.

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So plünderten wir unseren Obst und Brötchenvorrat unter den wachsamen Augen von Schulkindern im nächsten Dorf auf der Anhöhe. Die Abfahrt in die Stadt Pitalito war dann schnell erledigt. Dort fragten wir bei den Bomberos nach. Der Kommandant war irgendwie unfreundlich, wir hätten um 6:30 in der Früh, egal ob Regen oder nicht, das Gelände wieder verlassen müssen und unser Zelt hätten wir neben einem Vordach aufstellen sollen, so dass wenn es regnet noch mehr Regen auf uns drauf prasselt. Wir entschieden wieder zu fahren. Bei der Kirche war der Pfarrer nicht da und die Helferin neu und konnte/wollte somit nichts entscheiden. Wir standen an einer Kreuzung und beratschlugen uns was wir machen sollten, als eine junge Frau auf uns zukam. Sie redete schnell und wir verstanden nur „helfen?“. Also erzählten wir ihr dass wir nach einem Platz zum schlafen suchen würden. Ach, kein Problem, sie würde nur kurz ihre Mutter fragen. Als diese mit einem Trastsch fertig war kam sie zu uns und meinte mit einem Schmunzeln: ich muss ja sagen, schließlich ist meine Tochter phanatisch nach Leuten wie euch :-) ! Also wieder ein Fan! Danias größter Traum ist mit dem Motorrad nach Ushuaia zu fahren. So verbrachten wir den Abend mit einem gemeinsamen Essen und lustigen Gesprächen bei ihnen zu Hause und schliefen hervorragend in einem eigenen Bett. In der Früh wurde eine Suppe für uns gezaubert und noch eine Stärkung mit auf den Weg gegeben.

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So toll versorgt und trotzdem zogen sich die ca. 35 km bis San Agustin in die Länge. Vor allem die letzten 5 km, weil es da wieder steil hinauf ging und die Sonne runter brannte. Dafür haben wir hier ein wirklich schönes Plätzchen zum Ausruhen gefunden – ein bisschen Luxus darf auch mal sein. Die archeologische Stätte haben wir auch schon besucht. Wir hätten nie gedacht dass wir beide unseren Geburtstag in Kolumbien feiern würden – ja das Land beherbergt uns länger als gedacht. Für Sabrina gab es als Geburtstagstorte ihren Favorit zur Zeit: Schinken-Käse-Croisant

 

Fazit: wir sind täglich und trotz aller Strapazen und geringeren Tageskilometern überzeugt dass unsere Wahl die Strecken abseits zu wählen die richtige Entscheidung ist. Die Tage von Bogotá bis San Agustin hätten abwechslungsreicher nicht sein können. Kolumbien und seine Vielfalt hat uns in den Bann gezogen. Jeder Tag ist anders, es gibt so vieles zu entdecken. Die Herzlichkeit und Großzügigkeit die wir die letzten Tage erfahren durften wissen wir noch nicht recht zuzuordnen: entweder waren wir immer nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort, oder es sind einfach die Menschen hier in dieser Gegend, oder es liegt an unseren Hemden :-) .

Wir genießen also die Ruhe hier in der Hängematte, versorgen uns mit selbstgebrautem Kaffee den wir jetzt im Gepäck haben und stärken uns mental für den wohl schwierigsten Abschnitt auf unserer bisherigen Reise der uns bevorsteht: Wie geschrieben: wer bergab fährt muss auch wieder hinauf. Wir wählen, wie kann es anders sein, nicht den Hauptweg. Es geht von Mocoa nach Pasto: Trampolin de muerte (Todessprungbrett) auch genannt. Von 400 hm auf 3200 hm auf einer unbefestigten, einspurigen Straße mit einer fast ständigen Schlucht auf einer Seite. Wer Galileo schaut hat die Straße sicher schon einmal in der Rubrik „ die 10 gefährlichsten Straßen der Welt“ gesehen. Warum wir sie fahren wenn sie so gefährlich ist?? Weil die Landschaft atemberaubend sein soll. Die Regenwahrscheinlichkeit ist ziemlich hoch und wenn es nicht regnet dann hängt der Nebel tief, wir hoffen dass wir Glück haben und trotzdem was sehen.

Nicht mehr lange und wir haben Ecuador erreicht. Wer sich die Landkarte anschaut und die Monate hochrechnet wird feststellen….oh, da fehlt noch viel und die Zeit verfliegt. Ja das stimmt. Aber wir machen uns keinen Stress. Wir haben gedanklich schon zurückgerudert und heben uns warscheinlich die Iguazuwasserfälle für eine andere Reise auf. So sparen wir ein paar Wochen ein die wir wiederum für den Weg nach Süden „einplanen“ können.

Ach, wir sind euch ja noch die Bildrätselauflösung schuldig: Nur mit Abblendlich fahren, bedeutet es :-)