Reif für die Insel

Otavalo nach Tumbaco

Bereits ab der Haustüre in Otavalo ging es bergauf und so sollte es auch die ganze Zeit bleiben, bis wir 1200 hm weiter oben, auf 3700m, bei der Lagune Caricocha ankamen. Dieses Mal mussten wir uns die Höhenmeter hart erkämpfen. Die immerwiederkerend starken Steigungen ließen uns ordentlich schnaufen und Anfangs gab es nicht einmal schöne Landschaft zur Ablenkung.

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Hier galt: das Ziel ist das Ziel und nicht der Weg, also gute Laune beibehalten.

Erst kurz vor Ende wand sich der Kopfsteinpflasterweg entlang der Bergkanten und zeigte immer neue Gipfel.

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Als wir die Lagune erreichten, versteckte sich zeitgleich die Sonne für den restlichen Tag hinter dicken Wolken. Es kam ein eisiger Wind auf. Schnell wechselten wir unsere verschwitze Kleidung gegen warme, trockene. Alle Schichten die es gab zogen wir an. Wir schlugen unser Zelt am Ufer der Lagune auf, genossen die Stille und machten uns auf Feuerholzsuche. Bei der Höhe und der feuchten Gegend kein leichtes Unterfangen. Wolfi kehrte obendrein mit einem Schiffchen aus Schilf zurück – den schönen Behang plünderten wir und werden unsere Räder damit schmücken. Das Lagerfeuer war dann eher eine qual(m)volle Sache und wärmte uns nicht wirklich. Es begann zu regnen und das nicht leicht. Glücklicherweise gab es einen Unterstand. Dort kochten wir zu Abend und es geschah das, was wir schon lange erwarteten: der Topf mit den kostbaren Nudeln viel beim Abseien zu Boden. Die Hunde freuten sich, wir beide waren eher zerknirscht.

Die Nacht (knapp über 0 Grad) mit unseren kuschelig warmen Schlafsäcken war so toll, dass wir in der Früh gar nicht raus wollten in die Kälte. Rico und Tatiana hingegen waren froh sich bewegen zu können, haben sie doch fast kein Auge zubekommen, weil ihnen zu kalt war. Es ist also eindeutig: wir müssen in den kalten Bergen bleiben, hierfür sind wir bestens ausgestattet (die Schlafsäcke waren noch nicht komplett zugezippt und trotzdem war uns seeehr warm, also bisschen kälter darfs noch werden in der Nacht;-) ).

Wir machten uns bereit in den neuen Tag zu radeln. Für kurze Zeit zeigte sich die Sonne und nocheinmal ein traumhafter Blick auf die Lagune.

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Der Weg um den See war ein ewiges steiles bergauf und bergab und dazu noch auf Schlammpisten. Die Hinterreifen rutschten des öftern weg. Zweifel kamen auf, ob wir richtig waren. Unsere Karten zeigten Wanderwege – aber welcher wäre auch geeignet für Räder? Nachdem der See zur Hälfte umrundet war, ging es 300 hm, zum Teil steil hinauf. Alle 50 Meter mussten wir stehen bleiben und nach Luft schnappen. Wenn die Steigung aber „normal“ war dann konnten wir radeln – mit dem Gedanken: der Titicacasee liegt auf über 4000m, also trainieren wir schon mal ;-) .

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Die letzten Höhenmeter, gleich ist es geschafft!

Knapp über 4000m zeigte unser Tacho an, als wir den höchsten Punkt erreichten. Jetzt waren wir also oben – dort, wo wir gestern noch hinaufgestaunt haben, als die Wolken darüber zogen und heute die Lagune zu unseren Füßen liegt. Beeindruckend.

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Wir stärkten uns kurz für die Abfahrt und holperten dann,

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inkl. eines leichten Sturzes von Sabrina in einer Kurve, wieder 700 hm hinunter in das nächste Dorf. Dort trennten sich unsere Wege – Tatiana und Rico zieht es, trotz der entsetzlichen Situation, an die Küste. Wir fuhren weiter Richtung Quito. Schnell kamen wir der Panamericana näher. Wir mussten unsere Vorräte auffüllen, also hinein in einen viel zu großen Supermarkt, ohne Preisausschilderung und dann noch zahlen mit den vielen unterschiedlichen, auch tlw. nicht beschrifteten Münzen….grrrrr…. so kann ein Tag emotional eine Wende nehmen. Wir fuhren also auf der Panamericana, bis wir ….juhuuuuuuuuuuu…. den Äquator erreichten.

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Wohin?? Genau!! Weiter Richtung Süden!!
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Hüpfen, balancieren, ein Bein im Süden, eines im Norden, …. diese Linie macht Spaß!!!

Es war jetzt wieder warm, also wurde lange gegen kurze Hose getauscht. Die Wolken boten wieder einen einzigartigen Anblick.

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Wir schafften es tatsächlich bis El Quinche . Dort mussten wir der Tatsache ins Auge sehen, dass es mit dem günstigen Kolumbien tatsächlich vorbei war. Die Unterkünfte sind um mehr als das doppelte teurer. Bomberos gab es keine, also versuchten wir unser Glück zum ersten Mal bei der Polizei. Und tatsächlich, kein Problem! Wir dürfen dort schlafen, aber wir sollten erst um 20 Uhr wieder kommen, davor sei zu viel los auf der Station. Auch für uns kein Problem – wir aßen uns einfach 3 Stunden lang durch die abendlichen „Gastronomie“ am Kirchenplatz. Vor allem ein Kartoffelbällchen, el Balon, mit viel Käse hat es uns angetan, sowie ein warmes Getränk, Colada morada, das wie Erbeersouce schmeckte.

Die letzten 45 km Richtung Quito fuhren wir auf einer alten aufgelassenen Bahnstrecke, El Chaquiñan. Diese begann direkt hinter El Quinche. Durch dunkle Tunneln, über Brücken, an Schluchten entlang, auf unbefestigen Wegen,…. das gefiel uns! Der Weg wird hauptsächlich als „Fußgängerweg“ zwischen den Dörfern benutzt.

Die letzten 20km ist diese Bahnlinie ein offizieller Radweg. Das bedeutet plötzlich breite Wege, durchgängig fein geschottert, keine Schlaglöcher mehr, Trinkversorgungsstellen, Informationstafeln, Essensstände (Bohnen :-)) und ganz viele Radfahrer (Sonntag) auf den neuesten Mountainbikes. Es erinnerte uns an Südkorea ;-) . Was waren wir froh die alte Bahnstrecke, die noch nicht offiziell Radstrecke ist auch gefahren zu sein. 15Km vor Quito erreichten wir unser Ziel, Tumbaco. Dort stellten wir unser Zelt zum ersten Mal in einer Casa de Ciclista auf. Diese Unterkünfte gibt es in ganz Lateinamerika ein paar Mal verstreut . Es sind immer private Personen die ihr Haus bzw. ihren Garten Reiseradlern zur Verfügung stellen. Tlw. bleiben die Gäste wochenlang. Santiago und seine Familie haben uns sehr herzlich empfangen. Seit nun über 25 Jahren beherbergen sie Radler und es werden von Jahr zu Jahr mehr. Letztes Jahr waren es über 130 Leute. Leider ist zur Zeit keiner da – denn die Casa de Ciclistas fungieren auch super als Routenaustausch.

Unsere letzten 4 Monaten waren harte Arbeit ;-) Unbezahlt, aber unbezahlbar! Meist 5 Tage, tlw. mit Samstagssdienst, Überstunden, Frühschicht, manchmal mit Zeitausgleich. So dachten wir uns…. Urlaub !!! Wir begaben uns unter andere Touris, packten unsere Rucksäcke und ließen unsere geliebten Räder in der Casa de Ciclista zurück um 10 Tage lang auf die Galapagosinseln zu fliegen.

Die Inselwelt hat uns begeistert, fasziniert, in den Bann gezogen, … . Jeden Tag entdeckten wir neue Tiere und wenn man den selben Ort zweimal besuchte (z.B. von den Dörfern aus erreichbare Spaziergänge), dann sah man auch dort immer wieder etwas Neues. Mittendrin zu sein in dieser tollen Natur, den Tieren so nahe zu sein, … einmalig. Nicht alle Tiere ließen sich bereitwillig ablichten. Vor allem die vielen kleinen verschiedenen Finken waren zu flink, die (fliegende) Eule hat uns so überrascht, dass wir in dem Moment nicht fähig waren ein Foto von ihr zu machen und die flugunfähigen Vögeln waren auch immer schnell verschwunden. Hier aber die Besten Schnappschüsse von viel zu viel gemachten Fotos ;-) :

Vor allem die Insel San Cristobal war überhäuft von Robben. Tagsüber lagen sie faul am Strand herum, abends versammelten sie sich zu 100erten am Hafen und stanken vor sich hin. Wenn sie müde waren während sie sich behebig an Land fortbewegten ließen sie sich einfach fallen und schliefen, EGAL wo sie gerade waren. So kam es auch, dass die Mutter ihr Kleines einfach mitten am Steg säugte.
Fregattvögel … hier die hübschen Mänchen mit ihren aufgeblasenen Kehlsäcken.
Blaufußtölpel. Sie bauen sich kein Nest für ihre Eier, sonder sie sch… einfach im Kreis ;-)
Sie fand man überall. Krebse. Von klein bis Handgroß.

 

Land- und Wassersaurier!Land: runder Schwanz; Wasser: flascher Schwanz. Die schwarzen Wasserleguane konnte man leicht mal auf einem schwarzen Lavastein übersehen, trotz ihrer Größe.

 

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Leguane reinigen ihre Nasenlöcher von dem Salzwasser, indem sie niesen. Eigentlich wollten wir den Vorderen fotografieren, als wir das Glück hatten diesen Schnappschuss zu machen.
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Hier sieht man gut die Größenvielfalt der Echsen :-)
Pelikan im Landeanflug

 

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Pelikan beim Mittagessenfangen.

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Ganz ohne Radfahren ging es dann doch nicht ;-)
Wir sind einen der unzähligen Vulkane raufgewandert: Sierra Negra, einer der Aktivsten. Der Krater hat eine Durchmesser von  10 x 7,5 km – wirkt viel kleiner.

 

Links: Rotaugenmöven; rechts: Fregattbaby

 

Grün, grün, grün wohin das Auge reicht – bis zum Strand ;-)

 

Obwohl wir es ihnen vorturnten, wollten sie partout nicht auf einem Bein stehen ;-)
Freilebende Riesenschildis!!

 

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Diese Kakteenart kam sehr oft auf den Inseln vor. Sie wächst 1cm pro Jahr!!! Tlw. waren sie schon so alt, dass sich ihr Stamm zu einem „Baum“stamm umwandelte und alle Stacheln verlor.
 Sabrina musste für einen Größenvergleich herhalten :-)

 

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Bizarre Landschaft, geform aus Lava. Ideal zum schnorcheln da sich die Meeresbewohner in den vielen Höhlen gut verstecken können.

Wir haben mehrere Schnorchelausflüge unternommen. Dies haben wir unter anderem alles gesehen:

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Seepferdchen, welches ca. 10 cm gemessen hat!

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Unzählige Wasserschildkröten.

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Links: Galapagoshai; Rechts: Hammerhai

 

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Neugierige Robben, die ganz nahe kamen. Eine blieb kurz vor Sabrina stehen nur um sie dann zu „foppen“ und kurz auf sie loszuschwimmen um 10 cm vor ihrer Schnorchelbrille doch wegzudrehen. Eine andere Biss ihr in eine Flosse.
Vom Boot aus: Links: Mantarochen, Flügelspannweite ca. 3 Meter; rechts: Wasserschildi

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Bevor jetzt jemand glaubt, wir hätten im Lotto gewonnen, oder einen Sponsor aufgetrieben, Fehlanzeige (leider nein). Die Galapagosinseln sind leistbar – wenn man sie individuell bereist und beim Essen/Trinken/Wohnen Preise vergleicht. Wir haben in den 10 Tagen, mit etlichen Fährfahrten, geführten Tours, Leihgebühren, Cocktails und Bier zum Abendessen sowie Eis zwischendurch, genau soviel bezahlt wie für 14 Tage Türkei All Inklusive Urlaub in der Hauptsaison.

Wir haben hier so richtig gemerkt, wie sehr wir uns schon daran gewöhnt haben, dass wir 24 Stunden am Tag ALLES bei uns haben was wir so brauchen – hier auf den Inseln nicht, weil der Großteil des Gepäcks natürlich bei den Rädern geblieben ist. So fehlte uns des öfteren unter anderem unser Kaffee :-( .

Wir sind jetzt wieder in der Casa de Ciclista, gönnen unseren Rädern ein ausgiebiges Service, werden uns über weitere Routen informieren, bisschen durch Quito schlendern und versuchen die Knieschmerzen die Sabrina seit dem Spaziergang auf den Vulkan hat, endlich wieder verschwinden zu lassen – jaja, eindeutig überlastet – der längste Spaziergang/ leichte Wanderung seit Monaten. Vielleicht hilft auch einfach nur wieder losradeln ;-)

 

Wir wüschen allen Wings-For-Life-Läufner alles Gute! Möge euch das Auto nicht einholen ;-) ! Der Wille war da, wir wären ja für den Lauf in Lima angemeldet, aber da haben wir uns wohl dezent verschätzt was unser Reisetempo angeht!