Durch die Hintertür‘ nach Peru

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2 lange Wochen hat es gedauert bis wir wieder weiterkonnten – bis das Rad fertig war

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und alle bürokratischen Akte erledigt waren – wir waren danach mindestens genauso erledigt und fertig, vor allem emotional. Es war ein ständiges auf und ab, wir mussten 2 Mal die jeweils 4 stündige Busfahrt nach Riobamba machen um uns dort mit dem Unfallverursacher bzw. der Autobesitzerin und dem Staatsanwalt zu treffen. Aber irgendwann war es geschafft, nach einem letzten wirklich sehr langen und nervenaufreibenden Tag mit vielen emotionalen Ausbrüchen hatten wir das Rad wieder, sowie eine kleine Entschädigung und saßen im Bus Richtung Tumbaco/ Casa de Ciclista. Die Entschädigung deckt gerade mal die Kosten die für das Fahrrad „Patch“ und die Busfahrten entstanden sind. Die Alternative wäre gewesen, dass wir monatelang in Ecuador ausharren hätten müssen und bei immer wiederkehrenden Anhörungen alles ewig durchkauen und wiederholen hätten müssen. Der Ausgang des Prozesses wäre mehr als nur ungewiss gewesen, denn der Unfallverursacher verweigerte seine Aussage und bei ihm war finanziell auch nichts zu holen. Also einigten wir uns, nach Empfehlung des österreichischen Konsulats und dem Staatsanwalt, außergerichtlich. Wir können das Kapitel somit mehr oder weniger abschließen.

Aber alles hat auch etwas Gutes, oder ;-) ?? Ja wir haben versucht darin auch einen Sinn zu sehen, sonst würden wir schon längst wieder in Österreich sein. Wir wissen jetzt endgültig, dass unser Spanisch nicht sooo schlecht sein kann, denn wir haben uns durch das ganze Prozedere rein in Spanisch geschlagen. Das Zweite ist, dass wir als (Ehe)paar in so einer Ausnahmesituation wie ein Uhrwerk funktionieren. Das war’s dann aber auch schon mit dem Positiven.

So, und weiter wollen wir das Ganze nicht mehr vertiefen, wir könnten endlos über die vielen Verzweiflungs- und Zuversichtsmomente in dieser Zeit schreiben, aber das bringt uns auch nicht weiter.

Mit Tränen haben wir (also Sabrina und Santiago ;-) ) uns von der Casa de Ciclista verabschiedet und das letzte Mal die Busfahrt nach Riobamba auf uns genommen. Dieses mal mit zwei Rädern und allem Gepäck. Die Entscheidung von wo wir weiterfahren war auch ein ewiges hin und her. Manchmal war es für uns klar, einfach in Riobamba weiterzufahren, dann waren wir uns einig dass wir diese Stadt nicht wieder sehen wollen und konnten. Aber wir checkten ein letzten Mal in unser Stammhotel ein, aßen wieder im selben Lokal und gingen mit gemischten Gefühlen schlafen.

In jeder Großstadt in den Bergen Ecuadors hat man die Möglichkeit sich neu zu entscheiden: Küste, Berge oder ins Amazonasgebiet? Wir blieben wieder in den Bergen, wählten aber eine Nebenstraße: wir wollten das Rad testen und gleichzeitig hatten wir das Gefühl, dass uns der Kontakt mit den Einheimischen hier noch fehlte. Den ersten Tag wollten wir ruhig angehen lassen, sahen noch zwei Vulkane

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und eine tolle hohe schneebedeckte Bergkette, schöne Felder

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und schwer arbeitende alte Frauen erreichten zwar nicht ganz das erstrebte Ziel, aber ….oh, 1600hm …. das sollte reichen :-) . Es begann zu regnen und die Besiedelung war gering, aber wir fanden ein Haus wo auch jemand zu Hause war. Er hätte leider keinen Platz für uns, aber wir dürften im Haus gegenüber schlafen: das war das Haus des Bruders, der hier nicht mehr lebt. Also bezogen wir unser eigenes Häuschen, dass scheinbar als Hühnerstall oder ähnliches benutzt wird.

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Uns war es egal, wir machten es uns zwischen Zaumzeug, Pferdesätteln, Schurwolle und Stroh gemütlich, deckten den Schlafplatz einfach mit dem Zeltunterboden ab

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und genossen unsere Nudelsuppenpampe. Die Nacht war aufgrund des auf das Wellblechdach tropfenden Regens und einem großen Käfer der irgendwo im Stroh herumkrabbelte und dabei Lärm machte, eher unruhig.

Bei Niesel fuhren wir in der Früh los und erfragten uns die Abzweigung auf unsere Abseitsstraße. Wäre mit dem Fahrrad nicht möglich, war die einheitliche Meinung. Es sei zu schlammig. Wir wollten es trotzdem versuchen und im schlimmsten Fall wieder umkehren. Noch schnell Eier fürs Mittagessen in einer Mini-tienda kochen lassen und hinauf ging es.

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Und siehe da- schnell hatten wir den ersehnten Kontakt zur Bevölkerung. Auf dem Weg nach Oben wurden wir während der Fahrt interviewt, wurden angehalten und ausgefragt – juhu- wir waren zurück auf unserer Reise.

Aber 3km nach der Abzweigung, da war er, der Schlamm. Zuerst noch harmlos und bergab,

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aber nicht weit und schon schoben wir. Aus dem schieben wurde ein zerren, ein stoßen, ein gemeinsam schieben, ein fluchen, ein stampfen, ein stecken bleiben, ein gefrustet sein.

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Wir hatten den Zeitpunkt verpasst umzukehren und die schnell auch die Hoffnung verloren, dass es hinter der nächsten Kurve besser würde. Zurecht. Ganze 7 Km schoben wir, meist bergauf – 1 Meter, stecken bleiben, 2 Meter mit viel Gewalt, stecken blieben. Die Reifen blockierten komplett, der Schlamm steckte zwischen Reifen, Schutzblech und Bremsbacken.

Die Schuhe waren schon längst total eingesaut. Tiefster Frust kam auf. Schweigend aßen wir unser zweites Frühstück und sahen ein, dass es zumindest weniger schöne Orte gab um zu schieben ;-) – die Landschaft war traumhaft.

 

Keine Ahnung wie viele Stunden wir in diesem Matsch gefangen waren, aber es waren viele. Wie durch ein Wunder war der Weg dann wieder befahrbarer und wir fanden bei einem Haus die Möglichkeit die Räder zu reinigen.

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Ein weiteres Wunder geschah: bereits nach 1 Km fahrt war die vorangegangen Frustration vergessen – jetzt konnten wir die Täler, die Berge und den Fluss wieder vollends genießen.

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Wir durchfuhren Minidörfer in denen tlw. Waschtag war,

wurden weiterhin angehalten, nur keine Tienda war in Sicht für ein verdientes Cola. Hinter einem Felsen suchten wir Windschutz und aßen mit Bärenhunger unsere Eier, Brot und Thunfisch – die Arme so ermüdet vom Schieben, dass selbst das ein kleiner Kraftakt war. Durch weitere Dörfer ging es bergauf.

Eine Señora fing ein längeres Gespräch mit Sabrina an. Sie war beeindruckt von dem was wir machen und wir von ihrer Tracht. Wir zeigten ihr am Handy in Foto von uns beiden im Dirndl und in Lederhose „guapo“ ( fesch) war ihre Antwort und so ergab es sich dass wir ein Foto von ihr machen durften und als Draufgabe bestand sie darauf gemeinsam eines mit Sabrina zumachen. Da fühlte Sabrina sich, obwohl deutlich größer ;-) doch ziemlich klein und „schäbig“ wenn man mit seinen dreckigen, schwitzigen Kleidung neben einer Frau in bunter schöner Tracht steht, die gerade von der Feldarbeit zurück gekommen ist.

 

Weite Wege werden hier zu Fuß zurückgeleget, tlw. um Wasser in Kanistern zu holen.

 

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Fast wie von Zauberhand waren wir dann plötzlich wieder auf knapp unter 4000MüM und bewunderten zum wiederholten Male die sensationellen Wolkenformationen.

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Dass wir in dieser Wolke aber nach kurzer Zeit selber stecken würden, wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. So begannen wir die Abfahrt nach Totoras. Zuerst gebremst durch Verkehr der etwas anderen Art,

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und nach einem Kilometer war Schluss mit Fernsicht. 5-10 Meter betrug sie nur noch und innerhalb weniger Minuten waren die Finger wie eingefroren. Auf dieser Höhe, jetzt wieder auf Asphalt, bergab zu rasen, im Nebel kann schnell mal kalt werden. Zum Glück waren es nur 4 KM bis Totoras. Dort war die Orientierung aufgrund des Nebels dann noch viel schwerer, denn wie überall in Südamerika wird für Wegbeschreibungen einfach nur mit den Händen in der Luft herumgefummelt und ein paar Richtungsbeschreibungen von sich gegeben, die aber mit den Handbewegungen nicht übereinstimmen ( darüber könnten wir Bücher schreiben, bzw Studien herausgeben, ein wirklich faszinierendes Phänomen, über das wir uns regelmäßig mit anderen Radlern kaputtlachen). Ein junger Bursch begleitete uns dann aber zur Casa Comunal – dort wurde der Präsident für uns aus einer Sitzung gerufen. Ja, wir könnten im neuem Kommunalhaus schlafen, wir sollten einfach nur kurz warten. Nach einer Stunde im Freien waren wir trotz mehrerer Schichten durchgefroren und fragten wie lange denn die Sitzung noch dauern würde. Naja, ca. 1 Stunde noch, aber wenn wir wollten könnten wir uns hier im alten Haus schon mal umziehen und warten. Nach kurzem hin und her bezogen wir dann einfach dort unser Quartier und bekamen noch einen Kanister Wasser weil es kein fliesend Wasser gab. Warum nicht gleich so? ;-)

Am nächsten Morgen überraschte uns dann die Umgebung – die hatten wir ja am Tag davor wegen dem Nebel nicht gesehen. Bei strahlendem Sonnenschein radelten wir los –

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auf einer „Straße“/ Piste die in keiner unserer Karten eingezeichnet war – so machts gleich noch mehr Spaß ;-) . Es fühlte sich so gut an wieder zu radeln, all die Schluchten, Felder, Lehmhäuschen, Tiere, …. zu sehen und genießen zu können. Wir blieben oft stehen und staunten vor uns hin.

Nach 24 km kamen wir in Achupallas an. Kurz davor sahen wir auf der gegenüberliegenden Bergseite unsere Asphaltdownhillstraße und einen ziemlich großen Erdrutsch. Der Abschnitt sah aus der Ferne unpassierbar aus, was blöd wäre, denn dann müssten wir wieder alles retour und einen rießen Umweg fahren. Schnell ein Foto gemacht und heran gezoomt –

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mh, sieht so aus als wäre ein Bagger am arbeiten, also evtl. doch möglich. Als wir dann dort waren hatten wir Glück, wir konnten durch

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und unseren mehr als 10km langen Downhill genießen. Anschlussstelle La Moya/ PanAmericana. Diese war weniger befahren als gedacht und auch hier die tiefen Schluchten und grünem Panorama schön.

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Wolfis Rad hat den ersten Test solala überstanden. Es knaxt und knaxt, wahrscheinlich die Speichen. Deswegen machten wir uns am schnellsten Weg nach Cuenca, ließen dort das Rad bei einem Radlmechaniker und machten uns mit dem Bus auf nach Ingapirca um uns die Inkaruinen anzusehen. Wir sind uns einig, so einen schönen blauen Himmel gibt es nur in Südamerika ;-)

 

Erkennt ihr ein Gesicht in Profilform???

 

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Die Farben der Kleidung, vor allem der Frauen ist stets bunt und kontrastreich.

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Dank der Touristenvorzeigestadt Cuenca frönten wir all ihrer kulinarischen Vorzüge, Frühstück in der Deutschen Bäckerei und Jause im Cafe Austria. Schlemm schlemm! Weiters gönnten wir unserer Wäsche zum ersten Mal nach über 2 ½ Monaten das gewaschen werden mit einer Waschmaschine. Weiters ist die Stadt für ihre vielen Kirchen und Hutmacher bekannt. Straßenessen musste auch nocheinmal her.

 

 

Ein gutes Beispiel für ein Phänomen dass wir schon oft beschrieben haben: alle verkaufen das gleiche und das, so wie hier, mehrere dutzende Male!!! Um eine Kirche gereit, mindestens 30 Stände, alle mit den selben Süßigkeiten. Welchen Sinne ergibt das??

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Mit der Hoffnung, dass jetzt alles passt fuhren wir weiter. In Loja wartete die nächste Casa de Ciclista. Sie ist neu, aber ein wirklich wirklich toller Wohlfühlort. Wir hatten einen super lustigen Abend mit den anderen Radlern. Das Einschlafen war dieses Mal sehr speziell: unsere Nachbarn war eine Polizeiakademie, deren Sporthalle durch ein offenes Wellblechdach mit unserem „Schlafzimmer“ verbunden ist. Wir fühlten uns als ob wir im Fußballtor liegen würden, aber irgendwann siegte der Schlaf. Am nächsten Morgen brauchten wir keinen Wecker, denn um 5:30 wurden unsere Nachbarn mittels Fanfare geweckt und um 5:45 begannen die ersten Exerzierkommandos. Guten Morgen!!

Es gibt drei internationale Grenzübergänge mit Peru, zwei Richtung Küste und einer im Amazonasgebiet. Weil viel weniger Verkehr und landschaftlich reizvoller nahmen wir letzteren. Wir haben gelesen, dass es ein hartes Stück Arbeit von Loja bis dorthin wird, vor allem der letzte Tag sollte es in sich haben. Und so war es auch: Mit Paucken und Trompeten verabschiedete sich Ecuador von uns, mit allem was es zu bieten hat: Schlamm, Asphalt, Schotter, Sonne, Hitze, Kälte, Trockenheit, Feuchtigkeit, Regen UND mega steile Anstiege. Einzig Kopfsteinpflaster und Vulkane fehlten, dann wäre es ganz Ecuador auf 3 Tagesetappen gewesen ;-) .

Der erste Tag war ganz gut zu radeln – Asphalt eben ;-) . Durch den Ort Vilcabamba, alias „Gringolandia“, fuhren wir nur für einen kurzen Mittagessesstop, sowie um die letzte Köstlichkeit aus der German Backery aufzuessen (wir sehen darüber hinweg, dass die Linzertorte ganz sicher nicht aus Deutschland kommt ;-) ).

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Dieser Ort ist einerseits wegen den überdurchschnittlich alten Menschen (Ecuadorianer; über 100 Jahre) und der überdurchschnittliche hohen Dichte an Althippies (nordamerikas) bekannt geworden. An dem Tag wurden wir auch mehrfach aufgehalten, dieses mal aber aus unerfreuliche Gründen: 4 Patschen insgesamt hatten wir am Hinterrad von Wolfi zu flicken, meist mit schönen Ambiente ;-)

dann gaben wir auf und bauten einen neuen Schlauch ein. So kam es, dass wir erst zu Sonnenuntergang in Yangana einradelten. Davor bekamen wir aber noch skurile Landschaft zu sehen und endlich liesen sich ein paar Lamas fotographieren.

Man soll stets vorschauen, vor allem wenn man ein Fahreug lenkt, aber hier muss sich einfach immer wieder umdrehen.

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Schnell wurden wir bei unserer Herbergssuche von einer Señora eingeladen bei ihr im Vorraum zu schlafen. Wolfi schlug sich nach so einem langen Tag sehr gut bei dem Frage-Antwort Spiel der aufgeweckten Kinder.

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Aber auch Sabrina bekam beim Wasserfiltern Gesellschaft und Geschichten erzählt.

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Mit einem gut gefüllten Bauch, voller Nudeln und Granadillos (die orange Fruchtbombe vom vorletzten Blogeintrag, die gabs dort wieder sehr günstig, 10x$1) gingen wir schlafen. Vorher musste aber noch ein Betthupferl her – selbstgemachte Minischlecker. (Ja, die Zähne waren schon geputzt ;-))

Eigentlich hätten wir gerne an diesem Morgen etwas länger geschlafen ( 6:30 oder so ;-) ), aber die geriatrische Bettflucht unserer Gastgeber wurde um 5:15 mit einem dröhnenden Fernseher eingeleitet. Na gut, dann eben nicht :-) .

Über den letzten ecuadorianischen Pass,

durch einen Nebelwald und durch ein paar kleine Flüsse (erste Härteprobe für die geflickten Radtaschen)

kämpften wir uns immer weiter rauf. Es folgte eine Abfahrt und um 13 Uhr befanden wir: Genug für heute! Wir hatten nämlich einen Unterkunftstipp bekommen und wollten unser Glück versuchen – die weitere Abfahrt konnten wir auch gut morgen Früh machen.

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Das Gittertor des Naturschutzgebiets war verschlossen, aber da gab es noch eine kleine Türe, die unverschlossen war. Also betraten wir das Areal und fragen, ob es Platz für unser Zelt hätte – ja, kein Problem, aber Duschen gibt es keine. Naja, das war nicht so erfolgreich, vielleicht lag es auch daran, dass es noch so früh war, aber ein anderer Radler bekam ein ganzes Zimmer einer Lodge, plus einer warmen Dusche. Uns war es egal, wir wollten trotzdem bleiben, schließlich war es einfach schön mitten im Nebelwald zu campen. Als wir unsere Räder die steile Auffahrt hochschoben kam der Ranger und fragte mit besorgten Gesicht ob wir denn wirklich unbedingt campen wollten – er hätte ein freies Zimmer seiner Lodge für uns, kostenlos! JACKPOT!!! Naja, wenn das so ist, verzichten wir natürlich auf unser Plastikhäuschen;-) . Wir bezogen eine Holzhütte, mit warmer Dusche, Duschgel, Haarshampoo, Bodylotion, und das beste….. einer ELEKTROHEIZUNG! Ja genau, ein Radiator! Der wohl erste und letzte auf unserer Reise. Den restlichen Nachmittag erweiterten wir unseren spanischen Wortschatz im Bereich Vogelkunde und anderen Tieren die in diesem Reservat leben. Ein wirklich toller Nachmittag.

Nebenbei bestaunten wir die Kolibris die dort wie die Irren herumflogen. Wir kochten für uns Kaffee, aßen Kekse und blätterten mit Diego, dem Ranger, durch diverse Tierenzeklopetien. Am Abend schmissen wir wieder unsere mobile Küche an und als wir fertig waren kam ein anderer Ranger etwas enttäuscht zu uns – er hätte für uns gekocht. Wir Radler haben immer Hunger, also aßen wir das köstliche Essen von ihm, teilten unsere Nudeln mit ihm und gingen pappsatt ins Bett.

Der Downhill am nächsten Tag führte uns in ein Dorf und ab dort ging es hügelig in einer schwülen Hitze dahin. Einmal hieß es für uns Schlammschieben. Kurz aber sehr intensiv – wir versanken bis zur Hälfte vom Schienbein darin, da war nur noch ein Tragen vom Rad möglich.

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Aber die meiste Zeit konnten wir die Umgebung genießen und die Tierbegegnungen ebenso.

In Bella Vista war der Asphalt zu Ende. Wir radelten immer weiter, wussten nie wann das nächste Dörfchen kommt; bezüglich Schlafmöglichkeiten ( aufgrund der Hanglage ist Wildcampen nicht möglich).

In einem Dorf machten wir Rast und sahen auf der Karte, dass es nicht mehr weit sein kann bis Zumba – es trennte uns nur noch ein tiefes Tal und über 500 hm Aufstieg von ihm.

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Also gut, einmal noch kräftig reintreten und durchhalten. Links von uns regnete es mit Regenbogen, rechts von uns sah es aus wie ein weißer Vorhang, nur wir blieben verschont. Was für ein Glück. Zumba hätte sich ideal für ein Spaßfoto geeignet, aber leider gibt es ja kaum Ortsschilder in Ecuador. Erschöpft angekommen, fragten wir herum und bekamen unter dem Holzvordach der katholischen Schule des Konvents Unterschlupf, inklusive Dusche. Mehr brauchts nicht. Wir besuchten noch einmal eine Panaderia und überlegten ob wir Kaffee kaufen sollten, da wurden wir von einer Frau angesprochen. Sie arbeitet in einer Kooperative für Öko- und Fair Trade Produkte und so landeten wir wenige Minuten später in der „Fabrik“, in der gerade Arbeiterinnen mit schälen und waschen der Kochbananen (für Chips) zugange waren.

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Wenig später standen wir im „Labor“ und verkosteten den Kaffee. Also wiegt jetzt die linke Vordertasche von Sabrina um 0,25 Kilo mehr ;-) .

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Die Nacht war wieder verregnet und wir hatten schon Sorge, dass uns eine Schlammpartie erwarten würde, aber so war es glücklicherweise nicht. Trotzdem schwer zu glauben dass soeine Straße zu einem Grenzübergang führt.

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Die letzten 25km bis zur Grenze hatten es wirklich in sich. Wenn wir mit anderen Radlern die aus dem Süden kamen über typische Landeseigenschaften redeten, dann waren wir uns alle einig: in Ecuador sind die Steigungen oftmals ziemlich brutal und fast unfahrbar. Nach dem Motto: da ist ein Berg, da wollen wir drüber, also bauen wir einfach gerade aus eine Straße. In Peru sollten uns dafür endlos lange serpentinenartige Auffahrten erwarten, aber eben mit „normalen“ Steigungen. Wir hatten gelesen, dass es auf dem Endspurt in Ecuador des öfteren Schiebeeinlagen erwarten werden, auch welche, die wir nur zu zweit schiebend schaffen würden. ABER … nicht mit uns!! Die Pisten Ecuadors haben uns am letzten Tag nicht noch einmal in die Knie gezwungen, wir mussten kein einziges Mal schieben! Jeder hat da so seine eigene Begründung:

Sabrina: sie hat an dem Tag gekämpft und innerlich mit dem Land abgerechnet und gesiegt.

Wolfi: hat nicht geschoben weil er Sabrina radeln gesehen hat und das hat ihn motiviert (Sabrina glaubt es hätte an seinem Ego gekratzt wenn er geschoben hätte während sie geradelt ist – er findet nicht. Wir lassen das einfach mal so im Raum stehen ;-) .

Wie auch immer. Wir fühlten uns beide wie Sieger als wir am höchsten Punkt und somit an der letzten Steigung ankamen. Keine Ahnung was mehr stinkte: unsere durchgeschwitzte Kleidung oder das Eigenlob mit dem wir uns überschütteten. Am liebsten wären wir uns in die Arme gefallen, aber wir grausten uns so vor uns selber, dass wir das mal lieber bleiben ließen ;-) !. Ein paar letzte Schwätzchen in den fast verlassenen Dörfern und es ging hinunter zum Grenzübergang La Balsa. Eine Abfahrt die so steil war wie die Auffahrt und somit höchste Konzentration und alles von den Bremsen abverlangte. Der Ausreisestempel war schnell erledigt, wir schummelten uns nach minutenlangem Warten unter dem Grenzschranken durch,

gingen über die Grenzbrücke und betraten Peru und somit wieder Asphalt. Aber weit und breit kein peruanischer Grenzbeamte. Er wäre Mittagessen und komme erst in 1 ½ Stunden wieder. Schnell war sein Haus ausfindig gemacht und Sabrina fragte freundlich nach ob er denn so lieb wäre und bitte einfach die Stempel in unsere Pässe macht damit wir heute noch weiterfahren können. Nein, es tut ihm leid, er hat Mittagspause und er kommt um 3 wieder. Also warteten wir. An diesem Grenzübergang ist nichts los. Er ist zwar international aber Touristen verirren sich so gut wie keine hierher, es gibt auch keine Busüberfahrten oder ähnliches. Dass der gute Herr nicht um 3 Uhr da war, ist natürlich klar. Wir hatten schon bedenken, dass wir ihn mit unserer vorherigen Bitte verärgert hätten, denn eigentlich wollten wir um ein längeres Visum verhandeln. Also beantworteten wir brav und freundlich alle Fragen des Beamten. Woher: Costa Rica; wohin: Richtung Cusco; mit dem Rad? Ja mit dem Rad; dafür braucht man doch 5 Jahre! ; naja, vielleicht 5 Monate …. so kam es dazu dass wir jetzt ein Visum für 6 statt der üblichen 3 Monate in unseren Pässen haben und wurden mit einem freundlichen Handschlag im Land willkommen geheißen. Keine Sorge, wir wollen die 6 Monate nicht ausnutzen, aber 3 hätten durchaus knapp werden können. Vor allen weil wir hoffen den langersehnten Besuch von Sabrinas Eltern in Cusco zu erhalten – vielleicht auch wieder mit dem „neuen-alten“ Fahrrad im Gepäck, drückt uns die Daumen ( Idworx, der Fahrradhersteller in Deutschland, war so nett und hat uns ein Crashangebot gemacht, also ist der kaputte Rahmen unterwegs zu ihnen und sie schlachten ihn aus und bauen zu guten Konditionen alles verwendbare wieder auf einen neuen Rahmen. DANKE!) !!!

Weil es so spät war rollten wir die gemütlichen 6km bis zum nächsten Dorf. Wobei, das eine Beleidigung für die Bezeichnung Dorf wäre…sorry, aber Kaff würde es schon eher treffen. Wir mussten mit erschrecken feststellen, dass es keine Packerlsuppen mehr gab (wie sich später herausstellt fehlen die im weiteren Land auch) und auch sonst irgendwie alles mager bestückt war. Hoffen wir mal, dass es nur daran liegt, dass das Dorf am Ende einer Straße in so einem großen Land liegt ;-) .

Wir waren jetzt unten auf 700hm und damit wieder in der Hitze und bei den Moskitos und anderen Beißtierchen. Südamerika hat wirklich ein Problem mit Sandfliegen, oder besser gesagt, wir mit ihnen. Dass es nicht besser werden wird je weiter wir fahren wurde uns schon mitgeteilt ;-(. Vorteil an der Hitze: es gibt wieder frische Fruchtsäfte am Straßenrand, eine willkommene Erfrischung!

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Durch kleine Kaffee-und Bananenplantagen, auf Straßen auf denen im großen und kleinen Stil der Kaffee getrocknet wird,

bahnten wir uns tags darauf den Weg über Hügeln und einer langen Steigung nach San Ignazio …. naja, ein großes Kaff ;-) . Eigentlich eine Stadt, aber es gab keine Tienda die größer ist als ein Kioskladen in Österreich. Und schlimmer noch: immer noch keine Packerlsuppe – was sollten wir jetzt mit unseren Nudeln essen?? Tomatensauce gibt es auch keine! Naja. Wir hatten den Nachmittag Zeit Recherchen über unsere weitere Route anzustellen und den lokalen Markt zu besuchen, zumindest das erste Mittagessen schmeckte besser als uns berichtet wurde.

Bei dem laaaaaaangen hügeligen Weg nach Jaen war es zu unserem Glück bewölkt. Sonst hätten wir nie im Leben über 110 km auf dem „flachen“ (nur 1050hm :-) ) Stück geschafft. Öffnete sich ds Tal dann fanden wir Reisfelder vor. Wenn das Tal änger wurde, konnte man typische kleine Döfer sehen.

 

Die Straßen waren kaum befahren, man hätte darauf eine Frühstückspause machen können. Keine Sorge, wir fordern unser Glück nicht heraus, dies ist nur ein Symbolfoto.

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Auf dem Weg haben wir auch unsere 5000km gefeiert – mit unserem ersten Inka Cola.

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Jaen liegt eigentlich nicht ganz auf unserer Strecke, ist für uns eine Einbahnstraße mit jeweils 10 km Umweg, aber wir müssen dorthin: letzte gute Möglichkeit für ein Fahrradgeschäft für längere Zeit. Und das brauchen wir leider wieder. Patch knaxt schon wieder. Wir wissen es jetzt umso mehr zu schätzen was es bedeutet mit der Komfortzone-Europäisches Reiserad zu reisen. Eine Casa de Ciclista gibt es praktischerweise auch, leider sonst kein Radler da, aber der Besitzer ist auch ein Radmechaniker.

In der Stadteinfahrt war tierisch was los.

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Während wir auf Miguel warteten, verspeisten wir Bananen. Etwas skeptisch. Wir wissen dass es sie auch in dezent rot gibt, aber dann ist die Schale auch braunrot. Aber diese hier?? Mh?!?!

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Das Fahrrad steht wieder in der Werkstatt, die erst 2 Wochen alte Felge wird getauscht, die Neue ist zwar auch nicht ideal, aber besser als die alte. Mal schauen. Hier gibt es zumindest zwei gute Kaffeelokale die den Kaffee aus dem Umland beziehen und auch päckchenweise verkaufen. Wir aßen Mehrschweinchen

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(solala, nicht schlecht aber auch nicht gut), geben unser Bestes nicht von einem der gefühlten tausend Mototaxis (Motorraddreirad) angefahren zu werden, sind entzückt über die lustigen Kinderfriseursesseln die auf Kundschaft warten

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und verbrachten unseren Abend mit dem Durchkosten der lokalen Biere und dem durchstöbern unseres Reiseführers. Aufgrund von nicht vorhanden sein von Chips in dieser Stadt gab es dazu süßes, rosa Popcorn –

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willkommen in Peru ;-).