Durch die Entenschlucht in die peruanische Schweiz

Cajamarca nach Carhuaz

KM total: 6087 km

Höhenmeter total: 89177 hm

Cajamarca ist eine wirklich schöne Stadt zu verweilen, auch wenn wir unsere 2 ½ Ruhetage so gut wie nur mit Radsachen beschäftigt waren. Vor unserer Reise konnten wir uns das nicht vorstellen, wenn wir von anderen Radlern lasen oder hörten, dass selbst die Tage ohne Radfahren keine freien Tage sind. Jetzt wissen wir es besser!

Dieses Mal waren wir die meiste Zeit mit dem Versand unseres „Übergepäck“ beschäftigt. Nach langem Suchen haben wir ein privates Unternehmen gefunden, das unser Paket bis zu dem Hostal Estrellita (unter Radlern für ihre Hilfsbereitschaft bekannt) nach Cusco schickt. Satte 8,5 Kilo sind wir jetzt leichter – fragt uns bitte nicht was da alles jetzt nicht mehr im Gepäck ist, wir wissen es selbst nicht mehr ;-) . Außer eine Unterhose, 2 kurze Hosen, ein T-shirts, Landkarten von kommenden Ländern, …. aber das kann doch keine 8,5 Kilo wiegen?? Wie auch immer – unsere Räder sind jetzt zumindest etwas leichter, mal schauen ob wir den Unterschied merken. Morgens, nach 2 ½ Tagen Rast verzögert sich unsere Abfahrt , weil der Sickerpatschen bei Sabrinas Hinterrad seine Aufmerksamkeit verlangt und wir am Vortag einen 50 Soles Notenschein bekamen, der nahezu durchgerissen war – also müssen wir warten bis die Bank aufmacht. Wir spielen sogar kurz mit dem Gedanken einen Tag länger zu bleiben, weil es uns hier so gut gefällt und einfach mal nichts machen – aber wir wollen los, und „nichts machen“ gibt’s so und so nicht ;-) .

Aus Cajamarca ( 2800 MüM) raus Richtung Süden gibt es eigentlich nur eine Möglichkeit. Eigentlich ;-) ! Der Hauptweg (eine Art Landstraße; die Panamericana verläuft in Peru nämlich an der Küste) wäre so gut wie eben gewesen, leicht hügelig, tendenziell bergab, aber keine nennenswerten Steigungen. Unser gewählter Weg hat jedoch zwei Passüberquerungen mit einmal knapp unter 4000m und kurz danach mit 3700m dabei. Wir wählen also freiwillig deutlich mehr Höhenmeter, nur um das wahre Bergleben und die Landschaft zu erfahren und uns zwei Tage das „Herumgurken“ auf Asphalt zu ersparen. Nennt uns verrückt, oder selber schuld, aber scheinbar sind wir zu wahren Bergziegen mutiert ( Wolfis Bart ist doch der beste Beweis dafür ;-) )

Zunächst geht es nach Jesus. Ein geschäftiges kleines Dorf, inklusive einer Horde von nordamerikanischen Zeugen Jehovas.

Aufgrund der späten Stunde essen wir dort zu Mittag und ab dann heißt es: Piste, wir kommen! Die typischen Kehren lassen auch nicht lange auf sich warten.

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Aber was ist das?? Piste schön und gut, aber was uns hier erwartet ist mieser als jede Piste die wir zuvor jemals gefahren sind. Das soll was heißen bei den vielen Offroad-Kilometern die wir schon hatten. Um es vorweg zu nehmen: die Piste wird immer schlimmer, tlw. unfahrbar, und sie bringt uns manchmal an den Rand der Verzweiflung.

Die Leute die hier wohnen kommen gerade vom Markt in Jesus zurück – wir werde von einigen überholt, denn ihnen ist es möglich die vielen Abkürzungen mit ihren Eseln und Pferden zu nehmen, die es hier oben gibt. Für uns leider keine Option – wir quälen uns schon auf der einspurigen Piste dahin.

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Es gefällt uns hier oben, die Wolkenlandschaft ist verspielt, der Weizen wiegt sich im Wind, die Esel kriegen einen hysterischen Anfall wenn sie uns sehen, …. die Zeit vergeht schnell.

Uns fällt auf, dass weiter oben keine Häuser mehr sichtbar sind, wissen aber auch nicht so recht hinter welchen Berghang unser Weg weiter langgeht. Deshalb fragen wir bei einem der Häuschen nach: Oh Gringita, no hay problema, todos los Gringitos duermen aqui… ( Oh Gringa, kein Problem, alle Gringos schlafen hier). Sie zeigt Sabrina eine kleine ebene Fläche( Ebenen in den Bergen sind immer so ein Problem) und erklärt dass hier und da mal Radler vorbei kommen, die würden hier alle ihr Zelt aufschlagen und in der Früh wieder verschwinden. Weiter oben gibt es nämlich nichts mehr. Na gut, dann machen wir das auch so, Glück gehabt ;-) ! Die Tante kommt vorbei und meint, dass es nach der nächsten Kurve einen Platz mit etwas mehr Windschatten gibt ( hier sind wir ihm nämlich ausgeliefert). Wir überlegen kurz hin und her, der Neffe wird jedoch böse und zischt seine Tante an. Diese meint dann ganz schnell: aber hier ist es auch schön ;-) .Scheinbar will der Neffe, 13 Jahre alt, unbedingt, dass wir hier schlafen. Dann machen wir ihm natürlich den Gefallen ;-) und hoffen einfach, dass der Wind nachlässt. Die Aussicht ist auch mit nichts zu überbieten.

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Wir bauen unser Zelt auf, befestigen es mit Steinen und Schnüren, denn der Boden ist zu trocken und zu hart für Heringe. Schnell bekommen wir beim Kochen vom Vater und seinen drei Kindern Gesellschaft. „ Gringo, quanto vale la cosina? „ (Gringo, wieviel kostet die Küche?); „Gringita, que haces??“ ( Kleine Gringa, was machst du da?) „ Gringo, que trabajas?“, ( Gringo was arbeitest du? ) „ no esta frio en la noche, Gringo? ( Ist es nicht kalt in der Nacht, Gringo?) … die Fragen kennen wir schon, aber dass bei jeder Frage ein Gringo oder Gringita als Namensersatz herhält ist neu ;-) !

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Als unsere geliebte Packerlsuppennudelpampe fertig ist lassen sie uns in Ruhe bei Sonnenuntergang

und mit Blick auf Cajamarca essen. Was für eine Aussicht fürs Abendessen!

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Das Bergpanorama verschwindet allmählich, der Sternenhimmel zeigt sich. Und was für einer!!! Wir haben ja bereits in der Wüste in Kolumbien gestaunt wie viele Sterne sich am Himmel befinden, aber was wir heute Nacht zu sehen bekommen übertrifft es noch einmal – und das obwohl die Stadt Cajamarca noch genügend Licht produziert. Die Nacht auf 3600 wird wieder kalt, was sind wir froh, dass wir nur selten „Nachtpinkler“ sind – das überlegt man sich in so einer Situation dreimal ob man wirklich aus dem warmen Schlafsack raus muss.

Um 8 Uhr ist alles verstaut, das Zelt von der Sonne getrocknet,

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es kann losgehen. Ach wie ruhig es hier oben ist. Man hört nichts. Nur das uns bekannte knirschen der Räder auf der Piste

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und den Wind, der uns um die Helme pfeift. Ansonst absolute Stille. Na gut, vielleicht nicht ganz so ruhig. Hier und da wird die Stille durch ein lautes Fluchen von Sabrina unterbrochen. Wem’s hilft ;-) ! Nicht nur einmal rutschen wir weg, die Räder drehen durch, der Lenker springt unkontrolliert nach links oder rechts, …. guten Morgen! Irgendwann wird die Piste aber wieder etwas Besser und wir überqueren den ersten Pass mit 3998m.

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Spätestens jetzt ist es wirklich schön ruhig hier oben, wir genießen den Anblick. Gut, dass wir hinter dem Haus geschlafen haben – die Senora hatte recht, es kam bis zum Pass nichts mehr, keine gerade Fläche, keine Versteckmöglichkeiten, … und am Pass selbst bläst der Wind bekanntlich noch mehr.

Es geht also wieder hinunter. Sehr langsam. „Almfeeling“ kommt auf.

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Wegen der schlechten Piste müssen wir oft stehenbleiben um die Landschaft so wirklich studieren zu können. Wir sind fasziniert von der Vielfalt die die Landschaft auf so kleinem Raum zu bieten hat. Dürre auf der eine Seite des Berges, grüne Weiden hier, in der nächsten Kurve wieder bizarre Steinformationen,

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gefolgt von Weizenfeldern, … .

Plötzlich; eine Handvoll Kinder befinden sich am Weg vor uns. Sie sehen uns und rennen kreischend davon. Sie schreien Gringo, aber anders als wir es gewohnt sind. Es klingt panisch. Der Kleinst von ihnen, etwa 4 Jahre alt, kommt kaum hinterher. Wir sind irritiert und bleiben stehen, nicht zuletzt weil wir Angst haben, dass der Kleine hinfällt. Er dreht sich nämlich immer wieder panisch nach uns um während er verzweifelt davonrennt. Dann erreicht er die Stelle an der die anderen Kindern einen Steinhang mit Gebüsch hinauf geflüchtet sind und wird von einem der älteren Kindern nach oben gezogen. Alle verschwinden sie. Bitte was war das??? Irritiert fahren wir weiter. Immer wieder sehen wir in den kommenden Stunden wie Kinder hinter ihren Müttern Schutz suchen. Eigenartig.

Wir treffen auf Menschen die große Distanzen zwischen den Dörfern zu Fuß zurücklegen. Die Frauen nutzen diesen Marsch stets: entweder wird Schafwolle gesponnen

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oder es wird gehäkelt. Alles in einem Wahnsinnstempo: schnell kleine Schritte und flinke Hände in Perfektion.

Diese Eindrücke häufen sich in den letzten Wochen. Momente die man per Kamera nicht festhalten kann. Entweder weil das Bild nie die Tiefe, Weite und Höhe der Berge wiedergeben kann oder weil wir es eher vermeiden Leute ohne ihre Zustimmung zu fotografieren (ausgenommen Menschenansammlungen oder von hinten). Es sind dann einfach Eindrücke die nur für uns beide sind, von denen wir hoffen, dass wir sie in unserem Gedächtnis für immer abspeichern können.

Es folgen Zwischenanstiege, mit denen wir nicht gerechnet haben (frustrierend), wir passieren Minidörfer, … . Als wir auf eine Schule zufahren sehen wir ca. 40 Kinder (wie sooft draußen spielend) vom Kleinkind bis zum Jugendlichen. Wir rechnen mit jeder Reaktion. Sie rennen gemeinsam zur Straße hinunter, aber….. es passiert nichts. ALLE starren sie uns einfach nur an. Was für ein komischer Tag heute. Irgendetwas ist hier auf der Seite des Berges anders.

Jetzt geht es wieder stetig bergauf – zum zweiten Pass. Eigentlich sind es nicht viele Höhenmeter zu überwinden, aber die haben es in sich. Der Weg besteht nur noch aus Geröll und Sand. Wir schieben. Schieben viel und lange bergauf. Keine Chance zu fahren. Die Umgebung lenkt etwas ab. Kurz vorm Gipfel können wir wieder fahren.

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Am Pass gibts ein Tor! – der Gentleman fährt vor, öffnet es

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und die Frau Gemahlin kann durchrollen

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– was für ein Service ;-) !

Oben angekommen freuen wir uns dieses Mal gar nicht, dass es bergab geht, denn wir finden schnell wieder loses Geröll vor. Wir fahren eine ganze Weile mit einem Bein auf dem Pedal stehend, mit dem zweiten Bein am Boden abstützend und abstoßend, damit wir nicht umfallen oder wegrutschen. Schneckentempo und höchste Konzentration ist angesagt.

Haben wir schon erwähnt dass es so ruhig hier oben ist :-) ?? Bis auf ein Auto und ein Moped ist uns heute nichts begegnet. Eine wahre Hassliebe, diese Strecke.

Endlich, um halb drei passieren wir das erste Dorf mit Essensmöglichkeit, Cachachi. MÖGLICHKEIT! Nicht aber heute. Der Polizist erklärt uns, dass hier heute niemand kocht, weil alle „da oben“ auf der Feria sind. Da oben??? Das klingt nicht gut. Aber was bleibt uns übrig. Wir haben Hunger und es liegt auch nicht weit Abseits von unserem weiteren Weg. Der Polizist begleitet uns und wir befragen ihn gleich, was es mit den ängstlichen Kindern auf sich hat. Die Eltern erzählen ihren Kindern, dass Gringos kommen und sie entführen und tlw. auch töten. Na toll!! Das erklärt natürlich das Verhalten der Kinder.

Wir platzen also mitten rein in das Dorffest, das sich mit einer kleine Prozession präsentiert.

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Der Polizist klappert schnell alle Kochstellen für uns ab – nichts – alles schon aufgegessen! Eine Senora kratzt dann doch noch alle Reste für uns zusammen – kalt und teuer, aber uns egal, wir haben einen Bärenhunger. Dazu noch 1,5 Liter Cola – für uns zwei – das brauchen wir jetzt !

Die Prozession wird schnell zur Nebensache, alle starren uns an. So hat sich das der Pfarrer sicher nicht vorgestellt – wir stehlen im die Show, derweil machen wir nichts anderes als essen ;-) . Also schnell weiter.

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Es folgen 32 km Abfahrt für die wir über 2 Stunden brauchen. Und das auch „nur“, weil wir alles aus den Rädern und aus uns rausholen. Unsere Handgelenke schmerzen, wir sind total erschöpft und mittlerweile auch eingestaubt. Der Weg ist sandig, der Wind wirbelt ihn immer wieder hoch, zwischen den Zähnen knirscht es schon. Die dreckige Brille und die tiefstehende Sonne erschweren die Abfahrt dann noch einmal, die Sicht wird schlechter. Wir wollen aber soweit wie möglich hinunter, um evtl. noch auf ein Dorf zu treffen. In den letzten Zwei war nämlich alles wegen der Feier geschlossen und wir konnten keine Nudeln fürs Abendessen kaufen.

Kurz vorm Tal passieren wir ein Dorf in dem es eine Tienda gibt – wir fragen nach Schlafmöglichkeiten. Gegenüber gibt es eine Kirche – aha – dieses Gebäude ist also eine Kirche. Wir fragen nach – ja kein Problem. So landen wir in der evangelischen Kirche ( der Pfarrer?? betonte dies in den nächsten 10 Minuten ständig). Zum Schlafen werden wir in einen Raum mit riiiiiesen Töpfen und dutzenden Häferln geführt, wir haben fliesend Wasser ( Katzenwäsche geht also auch) und ein WC – mehr brauchen wir nicht. Obendrein bekommen wir auch noch Nudeln von ihnen geschenkt, es täte ihnen nämlich leid, dass sie heute nichts für uns kochen können. Noch schnell 1 ½ Liter Cola und ein paar Schokoriegel in der Nachbar-tienda gekauft – nach so einem Tag wollen unsere Körper verwöhnt werden.

Es dauert bis wir Schlaf finden, denn die Messe dauert lange und die Leute hier singen gerne :-) .

Wir wissen wirklich nicht ob wir den Weg der letzten 1 ½ Tage empfehlen würden. Die Landschaft war atemberaubend, die Stille und Einsamkeit toll, aber der Weg, der Horror. Wenn man leiden will, dann ja ;-)

Zeitig um 5Uhr45 beginnt der inbrünstige Gesang abermals, daher befinden wir uns bereits um 7 in unseren Sätteln. Ein paar Kilometer fehlen noch bis wir die Straße erreichen, welche nach Huamachuco führt und somit endlich wieder Asphalt bringt. Wer hätte gedacht, dass wir das jemals sagen werden. Der Tag bietet nichts spektakuläres, aber ist trotzdem schön. Lehmziegel werden geformt und getrocknet, Weizen schwingt im Wind, die Hunde jagen uns wieder, wir strampeln meist bergauf, weiße Fahnen sind gehisst, ……hä?? weiße Fahnen?? … ja genau.

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Für uns Radreisenden ein GANZ wichtiger Hinweis auf… Frisches Brot! ;-) .

Ansonsten wird der Wortschatz für die Benennung von uns erweitert. Wir hören heute von Erwachsenen: Dollares, Dollares!!! -Rufe und von Kindern: El plata venga!!! ( das Geld kommt). Ein Schild erheiterte und dann aber sehr:

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Shitabamba … noch lustiger für uns, weil wir vor ein paar Tagen gefragt haben, was denn die Endung „ bamba“, die sooft bei Ortsnamen vorkommt, zu bedeuten hat: gefälscht, falsch, Fälschung. Also, frei übersetzt: gefälschte Sch…. ?

Wir erreichen endlich die Laguna Sausacocha

und obwohl es nicht mehr weit ist bis nach Huamachuco, beschließen wir hier zu Mittag zu essen – schließlich ist es schon Nachmittag und die Stimmung am Kippen. Futter muss her! Wir bestellen eine sehr köstliche Forelle und versuchen schneller zu Essen als die kalten Temperaturen unser Essen auskühlen. Wir werden von einem Mann angesprochen. Zuerst verstehen wir überhaupt nicht worum es geht, bis sich herausstellt, dass der Mann Maco ist. Wir haben den Kontakt zu ihm von einem anderen Radler bekommen und haben ihn bereits in Cajamarca kontaktiert, jedoch nie eine Antwort bekommen und dann kein Internet mehr gehabt. Daher hatten wir es schon komplett vergessen und wollten bei der Kirche nach einer Schlafmöglichkeit fragen. Glück gehabt – er erklärt uns den Weg zu seinem Haus und sagt, dass er um 17 zu Hause wäre. Wir radeln also die letzten 10km nach Huamachuco und werden von der Untermieterin ins Haus gelassen. Weil noch etwas Zeit bis 17h ist besuchen wir noch schnell den Markt. Ein riesiger Markt, mit so vielen leckeren Süßigkeiten. Die Nahrungszufuhr des heutigen Tages hat ( zu Wolfis Freude) zu 90% aus Süßem bestanden :-) ! Um 19 Uhr kehren wir zu unserem Domizil zurück- von Maco noch keine Spur, den Raum den wir beziehen dürfen ist zugesperrt. Die Untermieterin ist so nett und ruft ihn für uns an. Kurz darauf ist Maco, für fünf Minuten da, öffnet uns den freien leeren Raum und sagt, dass wir morgen in der Früh um 6 Uhr gemeinsam plaudern können, er müsse morgen (Sonntag) nämlich arbeiten.

Es gibt in der Nähe Ausgrabungen und wir hätten gerne mehr darüber erfahren um sie zu besucht, also sind wir um 6 Uhr wach und warten. Warten in der Kälte bis kurz vor 7. Nichts. Das nervt! Es gibt viele Türen hier in dem Innenhof, wir wissen nicht welche zu seiner Wohnung gehört. Dass in Lateinamerika die Uhren anders ticken ( wenn sie überhaupt ticken bzw. vorhanden sind ;-) ) wissen wir und haben uns auch schon darauf eingestellt. Aber wenn jemand arbeiten muss, dann nehmen wir an, dass eine von ihm vorgeschlagene Zeit auch Sinn macht und eingehalten wird. Wir legen uns also einfach noch einmal schlafen und beschließen heute nichts zu machen. Genau: NICHTS!!! Das gab’s zum letzten Mal, …. wir können uns gar nicht daran erinnern. Jeder Tag hatte immer was mit dem Rad zu tun, also genießen wir es. Die letzten 3 Tage waren anstrengend, also kommt ein Ruhetag gerade richtig. Und was für ein Zufall, dass wir genau heute vor 9 Monaten geheiratet haben :-) Also wenn wir einen Grund zum Feiern sucht dann finden wir ihn auch ;-) !

Wir haben eine gutes Cafe (mit Weihnachtsdeko!; frei nach dem Motto: nach Weihnachten ist vor Weihnachten!) gefunden,

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Frühstücken gut und deftig am Markt, “klauen“ Internet vor einem Hotel, kochen unseren eigenen Kaffee und plündern dazu das Cafe (schaut nicht nur gut aus, ist es auch ;-) ),

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schlemmen am Markt noch mehr Süßes;

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und Deftiges,

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beteiligen uns an der Belagerung der Brotfrau,

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und sind fasziniert wie fasziniert Leute von einem großes Fernseher sein können (oder ist es der Helikopter im Film der sie fasziniert, wir wissen es nicht)

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…. .

Und weil Wolfi so ist wie er ist und nicht ruhig sitzen kann, putzt er dann doch noch am „radfreien“ Tag seine Kette – und findet die Ursache für seinen Achter den er seit zwei Tagen hat: Speichenbruch. An einer Stelle an der er sie nicht selbst austauschen kann. Es gibt eine Gasse mit dutzenden Holzbaracken in denen Radmechaniker ihre Dienste anbieten. Heute, Sonntag, hat nur einer offen und dieser hat nicht das passende Werkzeug um die Kassette vom Hinterrad zu entfernen. Grrrr, schön langsam nerven die ständigen Zwischenfälle und damit verbundenen Verzögerungen. Morgen um 7 sollen dann die anderen Kollegen auch offen haben und er glaubt, dass sein Nachbar das richtige Werkzeug hat. Na da können wir nur hoffen.

Nächster Tag 7:15: wir sind fertig und fahren mit einem „Luigi“ Tuktuk (wir finden die Mototaxis schauen aus und flitzten wie Luigi aus dem Animationsfilm „Cars“ um die Ecke)

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zu den Fahrradbuden. Alles zu, drei Männer stehen davor. Na toll! Aber zum Glück arbeiten sie hier. Auch von ihnen hat niemand das passende Werkzeug, also wird improvisiert. Es klappt, die neue Speiche kann eingebaut werden, das Rad wird zentriert

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und wir können starten. Manchmal geht’s dann doch schneller als erwartet.

Die ersten 10km geht’s auf Asphalt dahin, dann biegen wir auf eine Piste Richtung Cachicadan ab. Vorbei an Lehmhäuschen

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Schafsherden im rotem Gras,

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Mienen

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und Österreichflaggen ;-) !

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(Die peruanische sieht ähnlich aus, sollte nur um 45 Grad gedreht sein) geht es stetig bergauf.

Wir wählen eine Abkürzung, das heißt aber auch, dass die Piste etwas schlechter wird. Für die paar Kilometer nehmen wir das in Kauf, es lässt sich ja trotzdem fahren. Ein paar Flüsse müssen wir auch wieder über- und durchqueren, nicht immer gelingt der Balanceakt so gut

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und die Füße werden nass.

Dann passieren wir eine Miene und suchen uns kurz danach ein windstilles Plätzchen und schmausen unser Mittagessen, inklusiver geschenkter Maracuya als Nachspeise

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– so schön sauer diese Früchte. Währenddessen können wir uns abermals von den Wolken nicht sattsehen und das obwohl sie schon fast bedrohlich wirken.

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Als wir weiterfahren haben wir dann doch das Gefühl vom Regen gejagt zu werden,

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aber bis auf ein paar Tropfen bleiben wir doch tatsächlich trocken. Wenn man mit vielem hier oben in der einsamen Gegend rechnet, aber mit einem Friedhof,

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noch dazu mit so einem tollen Bergpanorama,

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sicher nicht. An der Kreuzung steht ein Mann und sagt uns er hätte heute noch welche von unserer Sorte gesehen, sie würden in unsere Richtung fahren. Und tatsächlich, keine 200m weiter treffen wir auf Melodie und Pierre aus Lyon, Frankreich.

 

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Wir freuen uns Radler mit gleich viel Gepäck zu treffen, tauschen mit ihnen Tips und Hinweise für die Weiterreise aus, schenkten ihnen ein Stück pure Schoki, zur Gratulation, dass sie just in dem Moment 10.000km seit Ushuaia auf ihrem Kilometerstand zählen. Wir sind etwas geschockt, dass es doch noch so weit bis an unser gedachtes Ziel ist. Und was für ein Zufall! Bereits das zweite Mal unterhalten wir uns mit Franzosen auf spanisch, weil ihr englisch und unser französisch für eine Unterhaltung nicht ausreicht. Weiter geht’s auf einer miesen Piste. Die erinnert uns schon fast an die vor ein paar Tagen. Grr! Also wenn das Pistenstandard in Peru ist, dann werden wir auch zu Asphaltfahrern! Zwischendurch fungiert Sabrina als Hirtenhund.

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Plötzlich quietschen unsere Bremsen gleichzeitig. Was riechen unsere Nasen da. Frisches Brot. Aber bitte woher? Hier sind nur 3 Häuschen und keine weiße Flagge! Schnell ist der Backofen ausfindig gemacht,

wir dürfen uns durch die Variationen durchkosten und packen, unter wachsamen Augen,

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unsere Taschen voll. Hier in der „Wildnis“ hängt keine Fahne an der Hausmauer, weil in der Umgebung so und so alle wissen, dass in diesem Haus das Brot täglich gebacken wird.

Das lustige an Peru ist , man kauft Brot nicht nach Stück, sondern immer nach Soles (Landeswährung). Wenn wir also wissen wollen wieviel das Brot kostet, fragen wir; wieviel bekommen wir für einen Sol. In der Regel 4-6 Stück Brot/ Teilchen! Und das geht nicht nur beim Brot so. Auch Garküchen auf der Straße verkaufen z.B. das traditionellen Salchipollo/ Pommes mit Hähnchen in Portionen für 1 Sol, 1,50, 2 Soles, ….. . Nicht groß, mittel, klein, ….nein, hier wird alles nach Soles gekauft. Finden wir eine witzige Sache!

Die Landschaft gefällt uns, auch wenn man nicht genau hinsehen darf.

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Wahnsinnig stark wurden hier die Berghänge gerodet (nicht nur hier) und wie so oft in Zentral- und Südamerika wird mit schnell und gerade wachsenden Eukalyptusbäumen wieder aufgeforstet (um diesen kurz darauf wieder zu fällen).

Wir erreichen Cachicadan, ein Dorf das uns in dieser Berggegend mit seine Größe überrascht und wir fragen in der Municipalidad wegen einem Schlafplatz für uns nach. Wir dürfen unser Zelt unter einem Dach eines kommunalen Hotels aufschlagen und die Toiletten mitbenutzen. Ein schöner Sonnenuntergang

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und die Anwesenheit des schlauen und wissbegierigen 4 jährigen Leonardo

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schließen unseren Abend ab.

Gleich mit einem Anstieg startet unser nächster Tag. Die Farben der Landschaft ändern sich schlagartig, wunderschön!

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In Angasmarca essen wir unser obligatorisches 2. Frühstück (falls sich jemand fragt: wir essen unsere Haferflocken selten in der Früh auf und verspeisen sie dann einfach im Laufe des Vormittages an einem schönen Plätzchen). Hier stocken wir unsere Vorräte auf, keine Ahnung ob wir es heute noch bis zum nächsten Dorf schaffen. Wir haben so unsere Probleme in Peru unsere mögliche Tagesleistung einzuschätzen, einfach weil sich die Höhenmeter so endlos ziehen können. Als wir die Ausfahrt aus dem Dorf suchen bekommen wir den Tip eine Abkürzung zu nehmen: wir ersparen uns so einige Höhenmeter, also los geht’s! Hügelig, aber es geht gut dahin.

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Jeder Richtungswechsel bedeutet ein anderes Landschaftsbild.

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urz bevor wir wieder auf die eigentliche Straße stoßen wird der Untergrund abermals mies. Mies bedeutet hier: Sand und darunter glattes Gestein. Keine gute Kombination. Schon gar nicht wenn es gerade extrem steil zu einem Fluss hinuntergeht. So kommt es, dass Sabrinas Hinterrad das Vorderrad überholt, Sabrina den Halt verliert und stürzt. Resultat; nun glänzt das Schienbein schön blau. Die Fahrt geht weiter, aber leider nicht lange. An der anderen Flussseite geht es nämlich genauso steil bergauf. Ebenfalls auf dieser Sand-Stein-Mischung. Selbst beim Hochdrücken finden die Reifen kaum Halt. Der Tag zieht sich (wie ein Strudelteig) und so strecken wir auf einer Wiese einfach „ alle Viere“ von uns und stopfen Kekse in uns hinein. FRUSTIG. Nur um ein paar Höhenmeter später überraschenderweise in dem Dorf Tulpo zu landen. Am ersten Haus sehen wir die Aufschrift:helados ( Eis) , marcianos (längliches Eis) und cremoladas. Bitte was sind cremoladas??? Wolfi fragt nach.

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Aaaaah, auch eine Eisart ;-) ! Also kaufen wir zur Vorspeise jeweils ein helado und eine cremolada und machen es uns im Schatten am Hauptplatz gemütlich. Als Hauptspeise packen wir dann unser Mittagessensackerl aus (Brot, Fisch aus der Dose und Paprika) und entschließen uns, dass als Nachspeise noch ein helado und eine cremolada genau richtig wären, schließlich gibt es da noch Sorten die wir nicht kennen ;-) !

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Mit Zucker versorgt machen wir uns auf die letzten Höhenmeter für heute bis es hinunter geht nach Molepata. Was sehen wir denn da?? Schon wieder Radfahrer! Mit den zwei Basken unterhalten wir uns sehr lange, auf englisch ;-) . Sie können uns gute Informationen liefern, sind mehr bepackt als wir und machen sich von unserer Route auch viele Notizen. Noch an Ort und Stelle haben wir unsere Pläne nach Huaraz zu fahren über Bord geworfen und fassen nun das Dorf Carhuaz, 40 KM nördlich als unser Ziel für die radfreien Tage ins Auge. Wir haben schon einmal in der Casa de Ciclista in Tumbaco von dem schweizer Paar Carla und Fredi etwas über den Olympischen Pass gehört – da war das hier alles aber noch viiiel zu weit entfernt. Da wir ihn aber jetzt wieder empfohlen bekommen, beschließen wir ihn zu fahren. Das lieben wir daran andere Radler zu treffen – sie inspirieren einem so oft. Heute geht es aber zuerst weiter durch Molebamba, wo wir glauben einen Hörsturz erlitten zu haben, weil wir in dem Dorf zwar Leute sehen aber KEINEN Mux hören. Fast noch skurriler ist aber diese Unterkunft:

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Sie bietet unter anderem Injektionen, Heilung, Nähte, Playstation, Prognosen, Beratung, Blutdruckmessen, … an  und dazu noch eine Unterkunft. Das alles rund um die Uhr. Was für ein Service! Frühstück ans Bett wäre uns lieber ;-)

Kurz vor Sonnenuntergang rollen wir dann in Molepata ein.

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Dort stoßen wir wieder auf Asphalt und finden Unterschlupf im staubigen Festsaal der örtlichen Schule. Als wir den „Frühsport“ für morgen betrachten,

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kommen wir auf der Straße mit einer Frau

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ins Gespräch. Wir erzählen ihr, dass uns schon seit einigen Tagen auffällt, dass, obwohl die Regenzeit noch nicht lange vorbei ist, die Landschaft dieser Gegend sehr braun wirkt. Sie erklärt uns, dass es dieses Jahr so gut wie nicht geregnet hat. El Nino. Für uns ist es nur nicht so schön anzusehen, aber für die Bauern hier ist es eine Katastrophe. Entschädigungsfonds oder andere staatliche Unterstützung wie in teilen Europas gibt es hier natürlich nicht. Abermals wissen wir wie gut wir es doch haben.

Wir flitzen kurz nach Sonnenaufgang die unendlichen Serpentinen,

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die tlw. mit seeehr engen, uneinsehbaren Kurven, zum Fluss hinunter, um dann vor der Mauer nächsten Anstieges zu stehen. Mit gemächlichen 6 km/h machen wir uns also ans Werk. 24 Kehren sind es,

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dieses Mal haben wir mitgezählt, die uns 500 Höhenmeter weiter hinauf bringen und dann über eine stundenlang dauernde Trasse

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und weitere 700 Höhenmeter nach Pallasca bringt. Mit tollen Rückblick.

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Es sind „nur“ 500 Höhenmeter diese Serpentinen, aber irgendeine Faszination haben sie schon, sonst würden wir nicht soviele Fotos von ihnen schießen ;-) .

Zwei Dörfchen passieren wir vor dem höchsten Punt und bei einem lädt uns dieser gemütliche Baumstamm vor dem schönen Haus zur Pause ein.

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Da kommt Hüttenfeeling auf ;-) !

In Pallasca, 1200 Höhenmeter über dem Fluss, warten wir dann darauf, dass das Mittagsmenü fertig wird, filtern in der Zwischenzeit Wasser, telefonieren erfolglos unserem verschollenen Päckchen hinterher und machen uns dann gut gestärkt auf zur Abfahrt. Denn das „witzige“ an der ganzen Geschichte ist, dass wir in der Früh den Fluss Tablachaca überquert haben, 1200 Höhenmeter hinauf nach Pallasca gefahren sind, nur um am Nachmittag wieder zu dem selben Fluss hinunter zu fahren. Alles nur weil die Straße hinauf durch das Dorf führen muss!

Auf der Abfahrt flicken wir dann noch schnell einen Patschen bei Wolfis Vorderrad, ärgern uns mal wieder über die plötzlich einsetzende miese Piste die einem so wirklich jede Freude nimmt und uns schieben lässt, um dann doch noch viele Kilometer auf Asphalt bergab in ein extrem trockenes und heißes Tal zu fahren.

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Es gibt dann doch noch viele Schlaglöcher – besser so, denn wenn Sabrina beim Bergabfahren Zeit gehabt hätte sich ständig die Landschaft anzusehen hätte sie sich aufgrund ihrer Höhenangst garantiert in die Hose gemacht. Die Straße ist einspurig und an der Kante geht es tlw. senkrecht hinunter. Da klebt sie bei den Pausen stets am Berghang und hält einen Sicherheitsabstand von mindestens eineneinhalb Meter (die Straße hatte maximal zweieinhalb) zum Abgrund beim Fotomachen. Ein durchaus lustiger Anblick.

Wir erwarten uns im Tal auf den nächsten Kilometern nicht viel, außer Fels und Hitze. ABER …. Gesteine sind nicht Gesteine. Wir kommen aus dem Staunen nicht raus, sind total baff. Wir bleiben endlos oft stehen, obwohl es schon spät ist, aber wir können kaum verarbeiten was wir hier geboten bekommen. Wir haben nicht gewusst dass Gestein so viele verschiedenen Farben

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und Formen haben kann.

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Dass hier noch kein Star Wars-film gedreht wurde wundert uns. So ein skurriler Ort. Es geht in Flussrichtung sanft bergab, aber aufgrund eines „Gegensturmes“ müssen wir ordentlich in die Pedale treten um voran zu kommen. So verbringen wir die letzten 10km bis nachChuquicara in dieser „windschnittigen“ Position.

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Ganz schön schmerzhaft für den Nacken, denn wir recken weiterhin unsere Köpfe in die Höhe um ja nichts zu verpassen. Vereinzelt passieren wir ein Haus – wer hier lebt ist extremen Bedingungen ausgesetzt und führt sicher kein leichtes Leben.

In Chuciquara dürfen wir unser Zelt unter dem Abstellplatz der Polizei aufschlagen – Glück gehabt, denn dieses „Dorf“ ist eigentlich nur eine Kreuzung mit 30 Häuschen, wovon 20 komplett verfallen sind. In einem Restaurant können wir dann auch noch eine Freiluftdusche genießen. Die ist notwendig und tut so richtig gut. Auch wenn Sabrina beim Anblick im Spiegel erschrickt: die fehlenden täglichen Panadariabesuche können anscheinend auch nicht durch den Konsum von mindestens einem Liter zuckerhaltigen Getränken pro Tag kompensiert werden.

Wir starten wieder früh um der aufkommenden Hitze zu entfliehen. Es geht nun einen anderen Fluss, aber immer noch in einem Canon, entlang, heute jedoch Fluss aufwärts. Wir kommen stets in Frieden ;-)

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Das Gestein ist jetzt nicht mehr so spektakulär, aber tlw. schon noch sehr nah beieinander,

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wir sehen viele verlassene Häuser (tlw. nur gebaut für die Mienenarbeiter und sobald die Miene stillgelegt ist, ziehen die Arbeiter weiter)

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und eine „witzige“ Brücke. Warum baut man die Türe nicht an den Anfang oder ans Ende?? Damit man nicht vorbeiklettert??

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dafür faszinieren uns die „Oasen“ im Tal

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mit ihren Apfel- (jammi, lecker!) und Mangobäumen (hierfür müssen wir im Dezember wiederkommen ;-) ) und die kleinen grünen Flecken in den Bergen.

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Das kleine Dorf das wir passiert haben erinnert uns ein wenig an die Bergdörfer die wir auf unserer Wanderung in Marokko kennengelernt haben.

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Und dann sehen wir sie: die Spitze, einer der vielen Gipfel der Coradillera Blanca. Was haben wir schon über sie gehört und gelesen. Wir sind total happy.

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Für euch ist es vielleicht nur eine kleine weiße Spitze, für uns ist es ein großes Etappenziel, daher schießen wir unzählige Fotos von dem kleinen weißen Ding ;-)

Beim Mittagessen in einem Restaurant füllen wir unseren Wasserbeutel auf – wir möchten heute wildcampen. Weit kommen wir nicht, da werden wir durch Straßenarbeiten ausgebremst. So ein Zufall, dass genau dort eine Frau Marseanos,

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das längliche Eis verkauft und vor ihrem Häuschen den perfekten Plätz für eine Siesta hat.

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Als wir weiterkönnen ist kurz darauf der Asphalt aus und plötzlich viel Schwerverkehr: hier wird auf über10km Länge an der Straße weitergebaut. Wir werden eingestaubt. Solche Tage waren bis jetzt selten, aber in den Letzten hatten wir doch schon sehr viel Staub „gegessen“. Da fragen wir uns wie gesund unsere Reise wirklich ist ;-) ! Durch die Arbeiten werden die wenigen geraden Flächen die es hier gibt durch Kieselberge belegt – wir finden keinen geeigneten Platz für unser Camp. So landen wir dann in Huallanca und können unser Zelt neben der Kirche aufschlagen. Manchmal ruft der Körper auch nach Obst, nicht nur nach Süßspeisen ;-) . Das gibt es hier wieder in Hülle und Fülle direkt ab Haus-Verkauf.

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Und wenn wir schon mal den Wassersack mitgeschleppt haben, dann nutzen wir ihn einfach für eine Outdoordusche

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bevor wir unser „glückliche Camper“ Abendessen zu uns nehmen

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(dieses mal mit Salat den wir geschenkt bekommen haben).

In der Nacht schrecken wir hoch als plötzlich jemand an unserem Zelt rüttelt und eine Hand in unser Zelt greift. Der Vorarbeiter vom benachbarten Elektrizitätskraftwerk will wissen was wir hier machen und wer uns die Erlaubnis gegeben hat hier zu zelten. Wir können alles aufklären, aber der weitere Schlaf ist dann nicht mehr ganz so tief.

Das nächste Highlight wartet am nächsten Morgen direkt vor unserer Zelttüre auf uns. Wir freuen uns beide auf die kommenden ca. 20km, aber vor allem Sabrina.

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Sie hat bereits Radberichte über den berühmte Canon del Pato  (Entenschlucht) gelesen, da wusste Wolfi noch gar nichts von seinem Glück hier mal durchfahren zu können ;-) ! Es ist eine einspurige Strecke mit über 30 unbeleuchteten Tunneln. Aber nicht nur das, hier trifft die Cordillera Blanca auf die Cordillera Occidental. Bevor wir aber noch den ersten Tunnel passieren, stoppt Wolfi: „ oh nein, wir haben was verpasst!“ „ was denn?!“ „ wir hatten vor 10km unsere 6000km Marke! überschritten“ „ das kann nicht sein, wir hatten vom Gefühl her doch erst vorgestern unsere 5000er gehabt!“ . Aber es stimmt tatsächlich!! Wir rechnen kurz zurück wo denn die 6000er Marke gewesen ist: HIER:

Vom Canon del Pato werden wir nicht enttäuscht. Es ist atemberaubend.Die Tunneln manchmal zum gruseln dunkel und lange, die meisten aber kurz und mit „ Licht am Ende“.

Aber zu sehen wie Nahe sich diese zwei Gebirgszüge hier kommen

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macht uns glücklich hier sein zu können. Dutzende Wasserfälle gibt es, auch mehrstöckige so wie diesen hier:

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Die Natur hat uns seit Monaten total im Griff!

Der Verkehr hält sich in Grenzen und Wolfis Rad ohne Licht ist dank den Stirnlampen auch sichtbar, so können wir alle Tunneln gut und sicher passieren. Kurz hinter dem Canon del Pato werden wir überrascht. Die kleine weiße Spitz von gestern hat sich vermehrt und ist jetzt größer.

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Auf dem Weiterweg zur Eispause in Cara,

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( zur Belohnung, weil Wolfi das Eis so gut gegegn die Bienen verteidigt hat, gibt es ein zweites für jeden)

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und zum Mittagessen in Yungay, schießen die Bergspitzen wie Schwammerln aus dem Boden und wir müssen uns schon sehr konzentrieren um nicht von der Straße abzukommen weil wir den Anblick einfach wunderschön aber auch surreal finden.

 

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Wir fühlen uns ein wenig „wie zu Hause“ ( auch wenn um Wien keine solchen Berge sind ;-) ) und auf der anderen Seite waren wir noch bis vor ein paar Stunden in einem der trockensten und heißesten Täler unserer Reise. Peru, wir lieben dich und deine Vielfältigkeit!!!

Erschöpft, erschrocken von den Androhungen die man per Verkehrsschild hier bekommt ;-)

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mit müden Beinen, leicht schmerzenden Hintern, der Erkenntniss dass wir doch nicht alles kosten wollen (Hühnerbeine sind nicht so ganz das was wir wollen),

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aber mit einem Kopf der von den vielen Eindrücken schon fast brummt, erreichen wir Carhuaz. Bitte wo sonst schafft man es eine Palme und gleichzeitig einen Gletscher auf ein Bild zu bekommen??

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Wir suchen uns eine Unterkunft, die sofort in einem wir-haben-endlich-Platz-für-unsere-Sachen-Chaos endet,

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von der wir unsere weitere Etappe planen. Auch hier gibt es Eis.

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Das wäre dann also die dritte Tüte an einem Tag!!! Zu Hause essen wir nicht einmal 3 pro Woche!! Ach wie schön kann radeln sein.

Mit Schrecken haben wir festgestellt, dass wir ja bereits 1/3 von Peru beradelt sind!!! Aber es wartet noch sooo viel bis Cusco.

Wir suchen nach einer Waschmöglichkeit für unsere Kleidung und stoßen in einer Tienda wo wir um Rat fragen auf Don Jaime. Er lallt uns (Freitag Abend ;-) ) an, dass er eine Waschmaschine hätte die wir benutzen dürfen. Uns ist das alles zu suspekt und wir lehnen dankend ab. Vor der Tienda werden wir dann von der Besitzerin abgefangen, warum wir denn das Angebot nicht annehmen, er sei ein netter Mann. So schnell können wir gar nicht schauen, hängt sich Don Jaime bei Wolfi ein und wir torkeln mit ihm und er Tiendabesitzerin zu seinem Haus. Er war Ingenieur, hat scheinbar viel Geld, denn das Haus könnte als Hostel durchgehen und eine Waschmaschine besitzt hier auch eigentlich keiner. Wir sind über die Lösung unseres Problems glücklich, trinken noch mehr Bier mit ihm und philosophieren über Weltfrieden und die Gleichheit ( also vor allem Don Jaime philosophiert) der Menschen. Was für ein Abend!

Unser freier Tag bringt uns mit dem Bus nach Huaraz um eine neue Hose für Sabrina zu suchen, nicht zu finden, weitere Ersatzschläuche für Wolfi zu kaufen und einen Burger in der Touristadt zu Essen. Huaraz gilt aus Ausgangspunkt für Bergsteiger die in die Cordillera Blanca wollen. Wir füllen unseren Packerlsuppenvorrat im SUPERMARKT auf, erfahren dass unser Packet heil im Hostel in Cusco angekommen ist, holen unsere Wäsche von Don Jaime ab und nehmen dankend seine Einladung zum Mittagessen am nächsten Tag an, sowie einen Sack voller pepinos de arbol (Baumgurken)

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frisch aus seinem Garten.

Am Sonntag besuchen wir den bunten Markt aus dem die Bewohner der umliegenden Bergdöfer ihre Sachen verkaufen.

Mehrschweinchen darf natürlich nicht fehlen.

Und diese schönen Hüte !!!!

 

Frühstück gab es natürlich auch.

 

 

Zu Mittag treffen wir uns mit Don Jaime und seinen Freunden und essen köstlich zu Mittag.

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Danach ging der übliche radfreie Alltag weiter.