Doppelt Gold für Österreich

Eine Rundfahrt in der Cordillera blanca von Carhuaz nach Yungay / Huaraz.

In dieser Gegend geht die Post ab! Innerhalb der 3 ½ Tage Aufenthalt in Carhuaz sehen wir drei Straßenumzüge. Der Erste ein Trachtenumzug, der Zweite für Fahnenträger und beim Letzten wird drei Stunden lang der Geburtstag des örtlichen Collegios gefeiert. Inklusive Feuerwerk, Fackeln, Tanzen und Musik.

 

Wie bereits im letzten Blog schon erwähnt, hatten wir vor den Olympischen Pass zu überqueren. Wir planten von Carhuaz aus über den Pass und weiter nach Süden zu fahren, um südlich von Huaraz herauszukommen.

Aber in letzter Zeit entscheiden wir oft sehr spontan bzw. ändern unsere Pläne, so auch dieses Mal ;-) .

Wir fahren am späten Vormittag von Carhuaz los, nach 3 Abenden „traditionellem peruansichen Essen“.

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Wieder mit etwas weniger Gewicht, denn wir lassen eine Kiste im Hotel und wollen sie einfach später per Bus wieder holen. Heute haben wir nicht viel vor, wir wollen nur bis vor die Serpentinen kommen die uns am nächsten Tag hinauf auf den Punta Olympica, einen der vielen Pässe in der Cordillera Blanca, bringen sollen. Nirgendwo in den Tropen breiten sich solch gewaltige Gebirgszüge aus. 30 Bergspitzen gehen auf über 6000m hinauf. Ganze 650 Gletscher und auch den höchsten Berg Perus ( Nevado Huascaran 6768m) beherbergt die Cordillera Blanca.

Es dauert nicht lange und wir sind drinnen im Nationalpark Huascaran und sehen den ersten Berg mit Schnee direkt vor uns.

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Wir radeln also immer weiter hinein zwischen die Berge, auf die Gletscher zu und lassen das trockene Tal hinter uns.

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Bei einer Mittagspause am Straßenrand werfen wir einen kurzen Blick auf unsere Karte: WIR WOLLEN DEFINITIV MEHR!!! Wir wollen hier solange bleiben wie möglich, so viele Bergspitzen sehen wie nur geht, WIR WOLLEN MEHR!! Also Planänderung. Wir bleiben in der Cordillera Blanca und machen eine „ Rundfahrt“ Richtung NORDEN um ein paar Tage später wieder in Yungay raus zukommen, in der Stadt in der wir vor ein paar Tagen Mittag gegessen haben. Die Route Richtung Süden machen wir einfach zum Teil etwas später.

VAMOS!!!! Auf geht’s !!!

 

Wir erreichen den Anfang der Serpentinen.

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Hier, auf 3900m, eröffnet sich uns eine kleine Ebene mit „schönem Gebüsch“ – ideal zum Wildcampen, denn das Zelt tarnt sich (wer findet es?),

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im Gegensatz zu Sabrina,

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perfekt. Wir finden schnell ein schönes Plätzchen und machen es uns gemütlich. Genau rechtzeitig, denn als alles an seinem Platz ist, beginnt es zu regnen.

Wir sitzen im Zelt, filtern Wasser und bereiten schon mal das Frühstück vor. Ach wie toll ist es, eine große Apside beim Zelt zu haben. Als der Regen nachlässt macht sich Wolfi schnell ans Kochen. Kurz darauf, noch vor 20 Uhr ;-) , liegen wir in unseren Schlafsäcken und hören dem „Donnern“ der Gletscher zu. Wir finden nämlich es hört sich an wie ein Gewitter wenn ein Teil vom Gletscher abbricht. Mit diesem Geräusch in den Ohren sinken wir in einen guten Schlaf, nur der Regen weckt uns des öfteren auf.

In der Früh drehen wir uns noch ein paar Mal in unseren Schlafsäcken um, denn es tröpfelt immer noch auf unser Dach. Als es dann endlich aufhört schälen wir uns nur ungern raus – es ist nasskalt draußen.

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Tief hängen die Wolken hier zwischen den Bergen, das sieht gar nicht gut aus, denn schließlich wollen wir ja heute „hoch hinaus“.

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Darum machen wir uns nur sehr langsam fertig und kochen zum warm werden Tee (Cocatee – soll gegen Symptome der Höhenkrankheit helfen).

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All dies machen wir unter den SEHR neugierigen Blicken von Kühen. Für unser Gefühl zu neugierig, denn sie kommen sehr nahe.

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Aber wer kann es ihnen verübeln, scheinbar haben wir in deren Wohnzimmer geschlafen. Noch schnell Geschirr waschen mit seeeehr kalten Gletscherwasser.

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Warm eingepackt ( danke Walter, deine „Unterwäsche“ -T-shirts von X-Bionic® leisten gute Arbeit) sind wir abfahrbereit,

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der Himmel ist immer noch stark bewölkt und dunkel. Wir winden uns Kurve um Kurve weiter nach oben. Die Steigung ist angenehm und so kommen wir gut voran. Auch wenn sich immer wieder nur kleine Teile der Berggiganten zeigen, sind wir total happy.

Dieses Gefühl schiebt uns förmlich den Berg hinauf. Auf 4500m hält eines der wenigen Autos neben uns und bietet uns Kokablätter an. Danke, wir sind ausgestattet ;-) ! Wolfi kriegt kurz darauf starke Kopfschmerzen, so kauen wir beide auf einem Stück Ingwer herum – soll angeblich auch helfen. Immer weiter hinauf mit einem Panorama, das uns super ablenkt, bahnen wir uns unseren Weg. Wir sind den Gletschern so nahe, schießen gefühlte 1001 Fotos, es ist so beeindruckend. Plötzlich ist sie da, die letzte Kehre auf der Zielgerade. VIERTAUSENDSIEBENHUNDERTSECHZIG. .

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Wir sind stolz wie Oskar als wir den Punta Olympica erreichen : Doppelt Gold für das Team Schachner!!! WAS für ein Gefühl!!!

 

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Mit dem Siegerfoto kommt ein Schneegestöber auf, daher ziehen wir uns alles an was wir finden können und machen uns bereit für die Durchfahrt des Tunnels und die darauffolgende Abfahrt. Der Thermometer zeigt 4 Grad an. Mit dem Wind und der Feuchtigkeit fühlt es sich aber nach Minusgraden an. T-Shirt + Hemd + 2. T-Shirt + „Flauschijacke ( ähnlich Fleecejacke ) + Windbrackerjacke + Regenjacke+ Regenhose + Handschuhe + 2 Buffs = Abfahr(t) bereit.

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Aber irgendwie können wir uns von diesem Ort nicht losreißen.So vergehen ein paar Minuten und dann meint der Wetterfrosch Sabrina : ich hab’s im Gespür, es reißt gleich auf! Und tatsächlich, wir werden belohnt! Jede Sekunde können wir immer mehr des nahen Gletschers sehen! WOW, WOW , WOW!!!

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Die Freude ist riesengroß. Es werden kurz Blicke zwischen uns gewechselt und dann steht fest: wir wollen noch weiter nach oben! Denn der Tunnel existiert erst seit ein paar Jahren, aber es gibt immer noch die alte, unbefestigte und nicht mehr genutzte, somit auch nicht mehr in Stand gehaltene, Straße, zum alten Pass. Wir hatten uns auf den Tunnel eingestellt weil es bei dem Wetter nicht wirklich Sinn macht weiter nach oben zu fahren. Aber jetzt ….?!?! Also lassen wir den Tunnel rechts liegen und biegen auf die Piste ab und arbeiten uns weiter nach oben.

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Sabrina führt sogar Freudentänze auf, weil die Wolken immer mehr von den Bergen preisgeben.

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Mit einem breiten Grinsen fahren

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( und streckenweise schiebend,

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weil die Piste in einem wirklich schlechten Zustand ist) wir immer näher zu den Wolken. Für die letzten Meter zum Gipfel fehlen uns tatsächlich die Worte. Man kann es nicht beschreiben. So nahe mit dem Fahrrad, aus eigener Kraft, in dieser Höhe, an Gletschern zu sein, …. . Kurz vor dem „wirklichen“ Gipfel fällt Wolfi ein, dass wir einen Asthmaspray für Sabrina mit uns „herumschleppen“, bis jetzt glücklicherweise unbenutzt. Wenn er aber schon mal griffbereit ist, warum nicht ausprobieren ob er das „ doppelt – atmen- Gefühl“ erleichtert ;-) !

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So erreichen wir mit einem guten körperlichen Gefühl die kleine Durchfahrt auf die andere Seite des Berges ! Wir sind am Gipfel: auf 4915m !!

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VIERTAUSENDNEUNHUNDERTFÜNFZEHN!!! Für alle Nicht-Bergsport-Begeisterte: hüstel hüstel: der Großglockner hat 3798hm und der höchste Berg Europas, Mont Blanc, hat 4809hm! Die Kraft reicht noch aus um die Arme in die Höhe zu reißen,

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Sabrina kann sogar noch rennen ( 3 Mal von der Kamera bergauf zu Wolfi, bis das Foto passt, denn der Fernauslöser der Kamera funktioniert auf die Entfernung nicht mehr), aber beim Schneemannbauen ist dann doch die Kraft draußen.

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Und wie Wolfi findet auch die Präzision, denn schön ist was anderes ;-). 4915! Sorry, aber wir müssen es einfach noch einmal schreiben, wir können es ja fast selbst nicht glauben. Hätte uns das jemand noch vor einem Jahr auf der Couch gammelnd gesagt, dass wir zum Morgensport mal auf über 4900 Höhenmeter fahren werden, wir hätten ihn ausgelacht.

Auf der anderen Seite erwartet uns zuerst einmal nur eine Nebelwand.

Wir fahren bis zu einer wunderschönen blauen Lagune hinunter.

Hier stoppen wir um endlich unseren Mittagessensack zu plündern, schließlich ist es 14:30 !

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Diesen ganzen olympische Kraftakt haben wir nur mit einem halben Frühstück geleistet. Wir hatten unterwegs Sorge, dass wenn wir Essen, dass das ganze Blut in unseren Magen sackt und nicht im Kopf bleibt, wo es bei dieser Höhe definitiv hingehört ;-) !

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Auf der weiteren Abfahrt sehen wir zuerst den Tunnel und weiter oben rechts, unseren Pass. Sieht gar nicht sooo viel höher aus ;-)

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Dann treffen wir auf das polnische Pärchen Hola und ? ach, wir sind so schlecht im Namen merken, sorry hierfür .

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Was sind wir neidisch: beides Lehrer und somit jährlich für 2 Monate auf dem Drahtesel in der Welt unterwegs. Wir plaudern und fahren dann weiter bergab. Aber nicht weit: Patschen am Hinterrad von Wolfi!

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Wir müssen definitiv etwas an dem Hinterrad ändern wenn wir in Huaraz sind!

So ist es bereits fast dunkel als wir in der Barocchia (italienisch geführte kirchliche Einrichtung der Mato Grosso Organisation, NGO, in der Leute zu Tischlern ausgebildet werden) in Chacas ankommen

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und um einen Schlafplatz fragen. Wir bekommen jeweils ein Bett, ABER in verschiedenen Zimmern. Obwohl wir verheiratet sind müssen wir getrennt schlafen. Die längste Zeit die wir auf unserer Reise getrennt waren ;-), aber im Schlaf merkt man davon glücklicherweise nicht viel ! Wir treffen dort auf Nicolas aus Frankreich, ein Radreisender auf dem Weg nach Norden. Er ist ebenfalls Physiotherapeut und wir haben ihn bereits zwei Tage zuvor im Hostal in Carhuaz kennengelernt. Noch schnell eine heiße Dusche und gemeinsam mit vielen Bedürftigen aus der Umgebung essen wir zu Abend. Ratet was es gibt!? Pasta mit Sugo a la italiana! DAS war ein laaaaaaaaaanger, beeindruckender Tag. Wir sind müde, aber fühlen uns gut. Sehr gut!

In der Früh bekommen wir noch ganz kurz weiße Bergspitzen zu sehen,

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bevor es wieder zuzieht. Nach einem gemeinsamen Frühstück, Brot und Kaffee, radeln wir los. Hier ein tägliches Ritual: Sabrina schaut sich nocheinmal die Karte an, startet das Tracking und Wolfi stellt die Tageskilometer auf Null.

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Die Landschaft ist nun, wieder außerhalb des Nationalparkes, ländlich und landwirtschaftlich geprägt. Wir mögen die verschiedenen Bergformationen und dass man Berg hinter Berg, Gipfel hinter Gipfel sieht.

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Auch wenn wir gerne strahlend blauen Himmel hätten, finden wir die Wolken einmalig.

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Schnell biegen wir vom Asphalt ab und machen uns auf einer Piste auf den Weg zum nächsten Pass Richtung Yanama. Zur Mittagszeit erreichen wir das einzige Dorf

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und nach kurzem Fragen kocht uns eine Senora ein Mittagessen. NUDELN mit Tomatensauce! Naja, nicht was wir auch noch zu Mittag essen wollen, aber was solls. Immer weiter rauf, immer schöner,

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hi und da erhaschen wir einen Blick auf einen Schneegipfel,

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kein motorisiertes Fahrzeug den ganzen Tag. Ach was ist es schön hier zu sein. Der nächste Pass ist mit einer Höhe von 4087hm am späten Nachmittag geschafft. Der Unterschied zwischen den zwei Ausblicken in die Täler beeindruckt uns.

Sieht gut aus, oder??

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Sieht aber auch nach Regen aus. Sieht nicht nur aus, ist es auch. So erreichen wir nach einer holprigen, langsamen Abfahrt im Regen Yanama. Auch hier fragen wir in der Parrocchia nach. Eigentlich nehmen sie keine Reisenden auf, aber weil es regnet und die Sonne schon untergeht dürfen wir bleiben. So breiten wir im Theater?raum des Internats unsere Isomatten aus und werden auch hier in einen angenehm warm beheizten Raum zum Abendessen eingeladen.

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Es nieselt immer noch als wir in der Früh unsere Räder beladen. Haben wir nicht im letzten Blog was davon geschrieben dass es hier viel zu wenig geregnet hat und jetzt in der Trockenzeit natürlich überhaupt nicht??? Tja, verschrien!! Die Leute erzählen uns dass es die letzten Wochen strahlend blau war und man jeden Gipfel der C.B. sehen konnte. Grrrr! Es geht raus aus dem Dorf, und somit wieder hinauf. Auf zum nächsten und letzten Pass.

Sabrina ist befallen von einem Schweinehund. Nein, es ist kein Hund, es ist ein ganzer Gaul. Die Motivation ist dahin, die Freude der letzten 2 Tage ebenso. Es macht für sie keinen Sinn Richtung Norden zu fahren, sich hier über Pässe zu „quälen“ und dann KEINE Cordillera Blanca zu sehen. Zu dieser Jahreszeit ist eigentlich ein strahlend blauer Himmel und die Sicht auf alle Gipfel so gut wie garantiert. Das ist nicht fair, findet sie! Wolfi versucht sein Bestes, kauft eine Minitienda so gut wie leer, stopft Sabrina voll mit Schoki, Schlecker und gefälschten Cola, aber die Einstellung ändert sich nicht. Die Möglichkeiten jedoch auch nicht! Wir „müssen“ über diesen Pass, also weiter. Wir passieren das letzte Örtchen vor dem Pass, Vaqueria und werden zu unserer Überraschung von dutzenden Gringowanderern begafft oder ignoriert (normale Reaktion von Rucksackreisenden, zu 90% ignorieren sie uns, fragt uns bitte nicht warum?!) . Hier ist Start und Ende einer der vielen Wanderungen die man hier machen kann. Wir radeln weiter und die Landschaft ändert sich endlich wieder: wir sind zurück im Nationalpark, wieder keine Menschenseele weit und breit. Wasserfälle säumen unseren Weg, wir sind den Bergen wieder so Nahe und jaaaaaaaaaa …. sehen wieder Teile von weißen Gipfeln.

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Schnell ist das Hochgefühl von Sabrina wieder retour, zur großen Freude von Wolfi ;-)! Am frühen Nachmittag finden wir ein schönes Plätzchen, links und rechts von Gletschern umgeben, für unser Mittagessen.

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Wir beschließen, dass wir hier schlafen möchten und suchen uns etwas weiter oben eine noch weniger einsehbare Stelle. Zum Pass würden wir es zwar noch schaffen, aber die Abfahrt danach wird sicher langsam weil die Piste so richtig, richtig, richtig mies ist. Daher würden wir erst sehr spät aus den Serpentinen draußen sein und somit auf eine evtl. Campingmöglichkeit treffen. Also lieber hier bleiben und die durchgerüttelten Seelen mit dem Anblick der Berge ein bisschen verwöhnen. Wir schlagen auf 4300m neben einer Lagune unser Zelt auf.

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Auch heute wieder „just-in-time“. Es beginnt zu hageln und wir wissen jetzt dass es nicht nur einen Regenbogen, sondern auch einen Hagelbogen gibt!

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Faszinierender Anblick. Die Zeit vergeht schnell: Wir freuen uns wenn die Wolken neue Teile der Berge freigeben, starren gebannt auf die Gletscher wenn wir ein Donnern hören um ausfindig zu machen wo das Eis bricht, genießen unser mobiles zu Hause

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und sind erfolgreich bei der Wassersuche.

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Es regnet wieder viel in der Nacht und in der Früh ist von den Bergen gar nichts zu sehen. Dichter Nebel umgibt uns. Also heißt es wieder langsam fertig machen, Cocatee kochen und … ja, es gibt wieder neugierige Kühe :-) . Heute wird das Wetter aber immer besser und als wir unser nasses Zelt einpacken ist der Himmel schon nur noch grau und nicht mehr schwarz ;-) ! Aber was ist das? Dieses mal liegen wir nicht nur im Wohnzimmer von den Kühen, nein, anscheinend auch mitten auf einem Wanderweg. Denn ein Dutzend schweizer Wanderer stiefelt an uns vorbei und sie können es nicht fassen was sie sehen. Sie machen sogar Fotos von uns. Später sehen wir in der Ferne ihre Packeseln.

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Raus aus unserem „Versteck“ und weiter hinauf heißt es dann so gegen 9 Uhr. An vielen Lagunen vorbei

schlängelt sich der Weg sanft immer weiter nach oben.

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Das massive Gerüttel von den riesigen Steinen mit der die Piste gesäumt ist nervt zwar schon, aber die Begeisterung über die Umgebung überwiegt.

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Der dritte und letzte Pass unserer kleinen Rundtour ist erreicht: 4730m ! Yeah!

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Was für beeindruckende Tage, was für Hochs und Tiefs ( im doppelten Sinn), was für Ausblicke, …. tiefste Zufriedenheit überschwemmt uns. Auf der anderen Seite verstecken sich leider auch die besten Gipfel hinter Wolken, aber was solls!

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Alles ist gut so wie es ist, sagt bekanntlich eine sehr gute Freundin immer. Und so ist es auch, denn Sabrina versucht sich bei der mühsam langsamen Abfahrt ( Maximal 8 km/h) gedanklich abzulenken und sich auszumalen wie sie ihrer Familie schonend beibringen kann, dass wir nach unserer Rückkehr AUF den Großglockner oder AUF das Jungfraujoch ziehen „müssen“, denn ohne Berge können wir scheinbar nicht mehr leben ;-) . Unvorstellbar wenn wir hier in der Cordillera Blanca diesen kitschig blauen südamerikanischen Himmel gehabt hätten: dann hätte Sabrina gedanklich ihr Lehmhäuschen AUF die Cordillera Blanca gebaut und das hätte, bis auf ein paar wanderbegeisterte Freunde, sicher keinen guten Anklang zu Hause gefunden ;-) ! Also: alles ist gut so wie es ist ;-) ! Und weil wir schon mal gedanklich bei der Schweiz sind fahrt ein Motorradreisender an uns vorbei und hält ( zum ersten Mal, sonst rasen alle an uns vorbei ): „Two more Sadomasochists on their Bicycles“ lacht uns Werner aus der Schweiz entgegen. Wir plaudern lange mit ihm. Zwischendurch schüttelt er immer wieder den Kopf und begreift nicht, dass er immer wieder auf solche „ Masochisten“ , wie er uns Offroad-Radreisende nennt , trifft. Nur ungern radeln wir weiter. Einerseits weil das Gespräch mit ihm wirklich toll war (Wolfi glaubt, dass die Schweiz was mit uns vor hat, so viele liebe Menschen wie wir von dort auf unseren Reisen die letzten Jahre getroffen haben), aber auch weil die Piste uns den letzten Nerv raubt und es fasst schafft die tollen Eindrücke der letzten Tage in den Hintergrund zu drängen. Darum stoppen wir immer und verdrehen uns die Köpfe.

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Über 40 km warten auf uns, bei Durchschnittlich 8 km/h , das wird eine laaaange und harte Abfahrt. So machen wir bei einer der karibisch blauen Lagunen Mittagspause.

 

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Wir essen schnell, denn es ist spät und es fehlen noch viele km und es gibt hier Moskitos die scheinbar auch noch nicht Mittag gegessen haben.

Als wir den Nationalpark verlassen wird die Umgebung wieder etwas eintöniger und das trockene Tal, aus dem wir 4 ½ Tage zuvor gestartet sind, kommt wieder zum Vorschein. Sabrinas verrissener Nacken leidet unter den Stößen massiv, Wolfis Handgelenke schmerzen, die Geduld ist am Ende und die Uhr zeigt schon 16 Uhr. So entscheiden wir uns spontan einen Pickup anzuhalten und uns ins Tal führen zu lassen. Auch im Auto nicht viiiiiel angenehmer (speziell für Wolfi mit den beiden Rädern auf der Ladefläche), aber doch etwas schneller.

Nun sind wir in Huaraz, sehen immer noch die weißen Bergspitzen und können von hier gar nicht mehr genug kriegen! Was für eine Gegend! Peru , Peru, what should we do…. we love you!!! Bis jetzt war Kolumbien unser deutliches „Lieblingsradland“, aber Peru arbeitet sehr intensiv daran sich diesen Titel zu holen. Wir kommen kaum hinterher all die Eindrücke, all diese Vielfalt und vor allem all die Gefühle die diese Landschaft uns bereitet, zu verarbeiten.

Abends liegen wir im Hostel und Sabrina fragt Wolfi: kann man von Bergen süchtig werden?? Wolfi glaubt nicht, Sabrina aber schon, denn wie kann man sonst das Gefühl von „Entzugserscheinungen“ (schmachtenden Blicke in die Berge, ständiges reden über die letzten Tage, weiterhin bleiben wollen in den Bergen trotz schwerer Bedingungen, ….) erklären, die uns erfassen seit dem wir aus dem Nationalpark gefahren sind???

Hier das Höhenprofil von unserem Ausflug:

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Wir sind im Jo’s Place, ein Hostel wo viele Radler absteigen. Hier treffen wir auch wieder auf Shane,

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der Australier der uns über die Berg-Tal-Bergfahrt nach Cajamarca „getragen“ hat und hoffen, dass das französische Pärchen mit ihren zwei Kindern, die wir aus der Casa de Ciclista in Tumbaco kennen, in ein paar Tagen eintreffen. Es ist wirklich toll Leute öfters zu treffen oder mit ihnen in Kontakt zu bleiben. Wie schon oft erwähnt: der Zusammenhalt zwischen den Radlern beeindruckt uns.

Wir stopfen unsere Bäuche mit Obst, Süßen, Bier, Burger, Pisco Sour, indischem Essen (richtiges Essen !!!),

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… voll. Alles was man halt so macht wenn man in einer Gringostadt ist :-) und das Gefühl hat sich belohnen zu dürfen ;-) .Wir suchen nach einer Lösung / Verbesserung von Wolfis Hinterrad, nutzen das Internet (man muss es nehmen wenn es kommt in Peru, denn oft gibt es es nicht, und so werden hoffentlich auch die Einträge kürzer ;-) . Denn wie Wolfi findet liegt in der Kürze die Würze, aber die Eindrücke sind einfach zu intensiv um sie komprimieren zu können :-) ).

Die nächsten Wochen wollen gut „geplant“ sein denn wir wollen weiterhin Offroad bleiben und Besuch steht ins Haus. Wir wissen aber jetzt schon, dass Cruz del Sur ( Busunternehmen) uns wieder ein bisschen Gewicht abnimmt und es bis zur nächsten größeren Stadt, welche wir in wahrscheinlich knapp 5 Wochen erreichen werden, bringt und dort lagert bis wir eintreffen. Es ist hauptsächlich Ersatzmaterial (nichts für den Akutgebrauch), dass wir nicht bis Cusco vorschicken wollen, denn wenn wir etwas brauchen dann ist Cusco seeeeehr weit weg. Wir haben das Gepäck mittlerweile so abgespeckt, dass wir getrost unsere Vordertaschen weglassen könnten. Aber wir mögen den Komfort den sie bieten: so sind wir innerhalb von Sekunden links vorne bei Sabrina an Süßigkeiten, rechts vorne an den warmen Sachen wie Jacken, Handschuhen, Buffs, … und bei Wolfi am Flickzeug, Erstehilfesack und Brot ;-) !

Die Welt ist bekanntlich ein Dorf und so treffen wir , als wir Sonntag Abend gemeinsam mit Shane auf Nachspeisensuche sind, auf den Motorradfahrer Werner. Zuerst plaudern wir ein wenig am Straßenrand. Er erzählt dass er letzte Nacht viel an uns gedacht hat: ob wir Verrückten leicht auch die selbe Strecke gefahren sind wie er (sind wir!) und dass wir mental stark sein müssen so etwas zu leisten. Soviel „Lob“ bzw. Zuspruch geht runter wie Öl ;-) . Spontan lädt er uns auf ein Bier ein. Am Ende sind es zwei Pisco sour für Sabrina und jeweils zwei Bier für die Männer bei einem „Über-Gott-und-die-Welt-Gespräch“. Danke Werner für den tollen Ausgehabend seit Monaten! Wir brauchen nicht lange um ihn zu überzeugen, dass er doch morgen in unser Hostel wechseln soll.

Am nächsten Abend gehen wir mit Shane und Walter zum zweiten Mal zum Inder essen. Und die Welt ist kein Dorf, sondern ein Dörfchen: die zwei Motorradfahrer die auf unserem Boot von Panama nach Kolumbien waren kamen ins selbe Restaurant. Unser 2Rad-Grüppchen unterhält sich gut und auch sie ziehen am nächsten Tag in unser Hostel ;-) .