Stille … wir kommen!!

Von Pachapaqui hinein in den Great Divide 1 : Conococha nach Chicla

KM total: 6928m km

Höhenmeter total: 109 815 hm

Wir haben dankenswerterweise ganz liebe Fanpost aus unserer alten Arbeitsstelle bekommen. Zitat: „eure Beiträge können nie lang genug sein“ . Hier also ein Beitrag für alle Lesebegeisterten ;-) und für die, die sonst schon stöhnen wenn sie die Länge der Beiträge sehen: morgen ist auch noch ein Tag ;-) .

Um 7Uhr30 sind wir auf unseren Rädern und nach einer kurzen Abfahrt raus aus Pachapaqui machen wir uns auf einen langen Anstieg auf 4300 hm hinauf. Was erfreut denn heute unser Herz: eine neue „Schneegipfelansicht“. Dürfen wir vorstellen: Cordillera Huayhash –

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ebenfalls ein bekanntes Bergsteigergebiet in Peru, angeblich schöner als der Himalaya. Nach der Passüberquerung geht es langgezogen hinunter zur Laguna Conococha mit Blick auf die Cordillera Blanca.

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Somit sind wir wieder auf der Straße die aus Huaraz heraus führt, und nur ca. 40 km südlich von dem Punkt an dem wir vor 4 Tagen in den Nationalpark abgebogen sind. Die letzten zwei Wochen „Umwege“ durch die Cordillera Blanca haben uns mit einer wirklich tiefen, tiefen Zufriedenheit beglückt.

Kurz nach Conococha biegen wir auch schon wieder auf eine Piste ab. Willkommen Great Divide!!!

Schon zu Hause haben wir über den Great Divide gelesen aber nie gedacht, dass wir auch nur annähernd darüber nachdenken werden ihn zu fahren. Aber seit wir unsere Obsession für Offroad entdeckt haben steht für uns fest, dass wir uns trauen ihn zu fahren. Zumindest mal den ersten von vier Teilen um dann zu sehen wie es uns geht. Wir haben viele Radler bis jetzt getroffen, aber erst zwei von ihnen haben ihn gemacht, alle anderen hatten zu großen Respekt. Den haben wir definitiv auch, aber …. glaube wir müssen unsere Leidenschaft Offroad zu fahren nicht noch einmal hier anmerken :-) . Es ist schon keine Leidenschaft mehr, es ist bereits viel mehr. Wie die Berge – beinahe eine Art Sucht.

Aber wer oder was zum Teufel ist jetzt der Great Divide, denkt ihr euch??? :

Wir verbrachten Stunden in Huaraz damit, uns auf den ersten Teil vom Great Divide vorzubereiten. Zwei Briten (die Pikes; „andes by bike“) sind vor Jahren von Peru bis Argentinien soviel offroad wie möglich gefahren und haben ihre genialen und detaillierten Daten ins Netz gestellt. In Peru sind sie unter anderem an der Wetterscheide entlang gefahren: dem Great Divide. Auch sie wiederholen sich gerne in ihrem Blog. Nämlich: LEICHT LEICHT LEICHT. Nicht auf die Strecke bezogen, das DEFINITIV nicht. Sondern auf das Gepäck. Deswegen hatten wir ja in Huaraz abermals abgespeckt.

Weiters sind tlw. die „Straßen“ auf keiner unseren Karten verzeichnet, bzw. gibt es viel zu oft Abzweigungen zu irgendwelchen Häuschen hinter irgendwelchen Bergen, man trifft stundenlang auf keine Menschenseele, tagelang auf keine Autos, …. darum schreiben wir uns all die Infos inklusive KM-Angaben die wir bekommen ab.

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473Km dauert der erste Teil – davon sind stolze 16 km asphaltiert, auf dem Rest werden wir durchgerüttelt werden!!! 8 Pässe auf über 4500hm warten auf uns.

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Wer mit all den Zahlen  nichts anfangen kann, ersetze sie getrost durch: hoch, höher, tief, runter, steil, steiler, sauerstoffarm ;-) . Die Pikes benoten all ihre Touren nach Schwierigkeitsgraden. Der erste Teil des Great Divide hat von ihnen eine 4 von 5 bekommen – daher der hohe Respekt von vielen Radlern. Wir wollen es aber trotzdem wissen – für uns klingt es nach der Besten, wenn auch langsamsten, Route um Richtung Süden zu kommen. Wir bewegen uns nicht ganz auf Cusco zu, das im Südosten liegt, aber darum kümmern wir uns wenn wir aus dem Great Divide „aussteigen“ ;-) .

Also….los geht’s!!!

Nur wenige Kilometer auf der Piste unterwegs und schon finden wir wieder ein idyllisches Plätzchen für unser Mittagsessen. Heute sogar mit professionellem Windschutz und einem letzten Blick auf unsere geliebte Cordillera Blanca.

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Zur Feier des Tages (Beginn des Great Divide) gibt’s Käse! Jammi!!

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So gestärkt fahren wir über einen Minipass (im Vergleich was alles noch kommt ;-) ) auf 4328hm und radeln dann auf einer hügeligen Hochebene dahin. Hierzu ist also der Rückblickspiegel da ;-)

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Und wieder der große Kontrast zu der Umgebung von vor ein paar Stunden. Wir sehen alte Siedlungen (mit Cordillera Blanca … der Abschied fällt schwer, merkt man das ??) mit einem Himmel der ausieht als wäre er mit Fotoshop bearbeitet,

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fantasieren in Wolkenbildern (eindeutig ein Flugzeug, oder ?? ),

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sehen leere Osternester,

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und fahren an unwirklichen Felsformationen in einer sonst nur grasigen Landschaft vorbei.

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Dann geht es bergab. Auf einer ziemlich ausgesetzten und zum Teil durch Hangrutsche stark in Mitleidenschaft gezogenen Piste.

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Am späten Nachmittag erreichen wir Ticllos und fragen dort in der Parochia nach, welche wieder unter italienischer Leitung / Mato Grosso, Padre Andrés steht. Wir beschließen uns hier von den anstrengenden Tagen im Nationalpark zu erholen und unsere Beine für die anstrengenden Tage die noch kommen, Kraft tanken zu lassen. So ein Bergdorf ist einfach entspannend – nichts ist los. Nichts, gar nichts! Wir helfen im „Haushalt“ der Parochia mit und sind selig so alltägliche Dinge wie Geschirrwaschen oder Bodenkehren machen zu dürfen. Zwischendurch gibt es wieder richtigen Kaffee. Wir besuchen auch noch die Cooperative die es hier gibt. Nachdem die Jugendlichen die Tischlerlehre in der Parochia beendet haben, können sie hier arbeiten, wenn sie möchten. Abermals, wie auch schon in den anderen, vertrauen sie auch hier bei ihrem Werkzeug auf österreichische Qualität ;-) .

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Wir werden kulinarisch versorgt

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und von unserem Badezimmer haben wir einen herrlichen Blick auf die Cordillera Huayhuash inkl. Mond.

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Was für ein toller Ruhetag.

Mit einem großen Sack frischem Brötchen aus der Parochia verabschieden wir uns am nächsten Morgen – nicht ohne noch einmal den Abwasch von dutzende Frühstückshäferln und Schälchen zu machen. Der Tag ist landschaftlich ziemlich unspektakulär: wir sind einfach verwöhnte Gören ;-) ! Herausforderung von heute: Kühen ausweichen.

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Wir passieren ein kleines Dörfchen. Vor dem puesto de salud steht eine Personenwaage (leider passen die Räder nicht drauf) – die Gelegenheit lassen wir uns nicht entgehen. Sabrina scheint zu gefallen was sie sieht ;-)

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Zuerst geht es ca. 26 km bergab – von 3750 auf 2800hm . Und dann?? Genau: ca. 14 km wieder bergauf auf 3700. Also retour zum Ausgangspunkt nur eben ein paar Berge weiter südlich. Am höchsten Punkt für heute befindet sich das kleine Dorf Rajan. Wir essen am ausgestorbenen Hauptplatz unser Mittagessen – heute mit frischen Zwiebeln. Schließlich war der Lebensmittel-LKW gerade da

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und hat die Bodegas im Ort frisch bestückt. Wir stopfen uns heute so richtig unsere Bäuche voll – denn es geht nur noch bergab. Davor philosophieren wir aber noch über die Dörfer die wir auf unserer Reise passierten. Es ist uns auch schon in Ecuador aufgefallen und erinnert Sabrina ein wenig an ihre Heimatgemeinde. Jeder Bürgermeister versucht sich prunkvoll zu verewigen und verkalkuliert sich scheinbar. Oder wie kann man die halb fertige Kirche und die verfallenen Häuser deuten wenn man den Dorfplatz mit seinem Brunnen und das riesen Gemeindehaus nebeneinander sieht?

Durch das verlassene Llipa viejo (Alt Llipa)–ein Dorf das in den Hang gebaut wurde, geht es bergab. Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich Llipa nuevo (Neu Llipa).

Wir scherzen noch, dass das neue Dorf dort sicher gebaut wurde, weil die Leute das ständige Bergaufgehen leid waren ( sollte sich als ein Grund herausstellen; ebenso aber, dass viele Unfälle passiert sind weil die Kinder nicht ungestört auf den Straßen spielen konnten. Einerseits nachvollziehbar für uns, andererseits auch nicht: sind uns heute doch nur 3 Autos begegnet). Wir rollen in Llipa nuevo ein und müssen auf den Direktor der lokalen Schule warten, denn wir wollen ihn um die Schlaferlaubnis in seinen Räumlichkeiten bitten. Wolfi ist gerade dabei die drei Bodegas zu inspizieren, als eine Frau auf Sabrina zusteuert und sie mit Küsschen willkommen heißt. Sie hätte uns kommen gesehen und für uns ein Zimmer im Hotel organisiert. Wir müssten auch nichts bezahlen, es sei das Hotel der Gemeinde. Sabrina ist verwundet und fragt warum: Die Dame hat einen Sohn, der in Russland lebt. Er hat dort zwar eine Familie gegründet, ist aber trotzdem alleine. So wie wir, sagt sie. Wir wären zwar zu zweit unterwegs, aber sind trotzdem alleine, weil unsere Familien so weit weg sind. Darum müsste man uns helfen, denn sie hofft dass ihrem Sohn auch geholfen wird, wenn er etwas braucht. Wir nehmen dankend das Angebot an und beziehen unser „Hotelzimmer“: ein Raum mit einem Bett. Klo und Dusche am Gang haben nur noch eine Funktion: bestialisch zu stinken. Es gibt kein Fließendwasser. Aber vor dem Gemeindehaus gibt es öffentliche Toiletten – diese könnten wir benutzten. Haben wir im letzten Beitrag nicht behauptet unsere Linie für „das-ist-grausig“ hat sich verschoben? Tja, hier stoßen auch wir an unsere Grenzen! Die sanitären Anlagen wären in der Schule mit Sicherheit besser gewesen, aber gegen eine so gut gemeinte Hilfsbereitschaft kann man natürlich auch nichts sagen. Wir unterhalten uns noch lange mit Senora Maria. Als sie erfährt dass Sabrinas Oma auch Maria heißt, beschließt sie, dass sie einfach Sabrinas peruanische Oma für die Zeit ist in der wir hier sind. So bringt sie kurz darauf einen riesen Sack mit Brot (wir konnten im ganzen Dorf keines finden, schließlich war der Lebensmittel-LKW noch nicht hier). Als wir uns später noch auf die Suche nach Nudeln und Chancaca (Zuckerrohrmolasse) machen treffen wir sie wieder. Die verschlossene Bodega gehöre ihrer Schwester. Da sie gerade nicht da ist sollten wir doch einfach bei ihr zu Hause warten. So landen wir in ihrem Lehmhäuschen und unterhalten uns weiterhin sehr lebhaft und herzlich mit ihr und ihrem 80jährigen Vater.

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Seit 3 Monaten hat sie keinen Strom, da der Trafo zerstört ist. Ein Teil des Dorfes hängt an einer anderen Leitung, deswegen haben wir in unserer Unterkunft Strom. Sie rechnet nicht vor Weihnachten mit einer Lösung. Unvorstellbar!! So steht sie mit einer Kerze vor ihrem Ofen, bereitet Cancha für uns zu ( gerösteter Mais), versorgt uns mit Kondensmilch, heißem Wasser und Kakaopulver und abermals mit Brot. Danach begleitet sie uns noch zu ihrer Schwester, die uns mit allem versorgt was wir brauchen und uns dann auch noch Bananen schenkt. Bis vor die Haustüre werden wir begleitet und mit einer Einladung zum Frühstück zu Bett geschickt. Wir sind überwältigt von ihrer Gastfreundlichkeit.

In der Früh stehen wir wie verabredet mit unseren Rädern um 7Uhr bei ihr. Das Frühstück ist fertig, denn schließlich will sie uns nicht lange aufhalten – wir hätten ja einen langen Tag vor uns und sollen früh aufbrechen! So sitzen wir bei gerösteten Zwiebeln mit Thunfisch aus der Dose, Brot und „Quaker“ ( Haferflockenheißgetränk) mit ihr am Tisch. Wir müssen ihr hoch und heilig versprechen, wenn wir wiederkommen, dass wir sie besuchen – bis dahin hätte sie auch einen „richtigen“ Tisch, sagt sie entschuldigend. Weiters sollen wir ihr schreiben wenn Sabrina schwanger sei, sie würde zum stricken beginnen und uns Babykleidung nach Österreich schicken. Soviel Herzlichkeit treibt bei den zwei Damen Tränen in die Augen, als wir uns verabschieden.

Es geht weiter bergab. Serpentine für Serpentine.

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Es wird immer heißer und noch trockener /karger.

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Aber mit buntem Gestein.

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Von 2700hm geht es 27 km hinunter auf 1400hm, tief hinein in einen Canon. Die Kakteen blühen gerade, ein tolles Bild.

Wir erspähen sogar einen ?Fuchs? . Nach der Brücke kommt das selbe Spiel wie gestern. 27 km hinauf, zurück auf Starthöhe: 2700! Aber das ist er der Anfang. Die nächsten Tage werden wir nichts anderes machen als bergauf zufahren. Denn von dem tiefsten Punkt des Great Divide auf 1400hm geht es hinauf auf 4850hm – was für eine Aussicht ;-) !

Zuerst geht es aber gemütlich am Fluss entlang bergauf. Heute ist Wolfi dran mit fluchen. Ihn nervt das Geholper tierisch, obwohl er sich eingestehen muss, dass dies wahrscheinlich noch eine gute Piste ist im Vergleich zu dem was noch kommt. Wir kommen an dem Dorf Tumac vorbei. Es besteht aus sage und schreibe zwei Häusern, ein halbes davon ist eine kleine Tienda ;-) . Wenn man den ganzen Tag keine Menschen sieht bleibt man gerne stehen und plaudert. So sehen wir eine Frau an der Kreuzung deren Hand geschwollen ist. Sie ist zuerst etwas ungehalten, da wir sie nicht mitnehmen können und auch in die falsche Richtung fahren – sie wartet seit Stunden auf eine Mitfahrgelegenheit. Wir sprechen sie auf ihre Hand an. Sie hat sich am Holzofen verbrannt, es sieht gar nicht gut aus. Wir versorgen sie mit unserer Wund- und Heilsalbe und sie kommt aus dem Danken gar nicht mehr heraus. Gott hätte uns und diese Salbe geschickt! Danach nutzen wir die Gelegenheit und kaufen gefälschtes Cola ein, es ist nämlich schon 12 Uhr und wir wollen unser zweites Frühstück verspeisen. Auch in der Tienda (versuchen) wir uns, mit Senora Victoria, zu unterhalten. Wir verstehen sie kaum und sie uns auch nicht… naja, was soll’s. Wolfi darf hinter die „Budl“,

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die alte Dame nimmt Vorlieb mit ihrem Stuhl an der Türe und gibt von dort Anweisungen. Gut gestärkt geht es weiter hinauf. Die Steigung ist heute wirklich sehr angenehm und die Piste in einem, für peruanische Verhältnisse, guten Zustand (gell Wolfi ;-) ). Wir kommen an einem Häuschen mit Thermalbecken vorbei.

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Wer bei der Hitze in einem heißen Becken sitzen möchte, ist uns ein Rätsel. Auch hier kehren wir zum plaudern ein. Aber irgendwie ist heute der Wurm drin: wir verstehen schon wieder kaum ein Wort und können der Dame somit leider nicht entlocken wann denn die letzten Radler vorbei gekommen sind. Aber auch sie, wie Senora Victoria auch schon, berichtet ganz begeistert, dass hier mal Radler waren die sich mit einem ganz kleinen Kocher Essen zubereitet hätten ;-) !

5 KM vor unserem Tagesziel machen wir doch noch um 15 Uhr Mittagspause. Wir haben heute beide keine Lust beim Essen beobachtet zu werden, und so bevorzugen wir in einen der wenigen Schattenmöglichkeiten die es heute gibt, hinter einem leerstehenden Haus, als im Dorf zu essen. Wie viel Platz braucht der Mensch eigentlich? Für ein Nickerchen nicht viel ;-).

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Wir hören eine Explosion, denken uns nichts dabei und machen uns auf die letzten KM und Höhenmeter. 1,5 Km vor dem Dorf Yocchi dann plötzlich eine Sperre:

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es wird eine Brücke gebaut, deshalb die Sprengung und wir müssten bis um 17 Uhr warten. Na toll!! Über eine Stunde! Tja und aus 17 Uhr wird dann knapp vor 18 Uhr. Wir radeln also bei Sonnenuntergang in das Dörfchen ein und fragen nach dem Schuldirektor. Der steigt gerade in den einzigen Bus ein der hier am Tag vorbeikommt und fährt heim – Pech gehabt. Also fragen wir nach dem Bürgermeister. Ein Junge wird losgeschickt und kurz darauf sperrt uns der Vizebürgermeister den Gemeinschaftssaal auf. Wir richten uns ein, als es zaghaft an der Türe klopft: ein Mann, den wir vorhin um Hilfe gefragt hatten könnte uns jetzt ein Zimmer in einer „Unterkunft“ anbieten. Wir müssten auch nichts bezahlen! Schön langsam fragen wir uns wie die Leute hier ihr Geld verdienen!? Wie auch immer, wir lehnen dankend ab. Wir haben fließend Wasser und ein WC, mehr brauchen wir nicht. Die Dusche dürfen wir von einem Tiendabesitzer benutzen. Das ist auch wirklich notwendig heute, denn nicht nur unsere Räder sind ordentlich eingestaubt.

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Als Wolfi mit Saft fürs Abendessen zurückkommt hat er auch eine Palta ( in Peru heißt die Avocado nicht mehr aguacate, sondern palta) dabei – die hat ihm der Tiendabesitzer einfach so geschenkt. Peru hat somit nicht nur landschaftlich Kolumbien eingeholt, nein es steht bezüglich der Gastfreundlichkeit auch in nichts nach. Wir sind sprachlos!

Um 6Uhr45 sitzen wir auf den Rädern, denn um 7 Uhr wird der Raum gebraucht. Länger hätten wir auch nicht schlafen können, denn die Lautsprecherdurchsagen des vorigen Abends – dass das ganze Dorf heute seine Fahnen um 5 Uhr heraushängen muss und sowohl die Häuser“-fasade“ als auch die Straße vor dem Haus mit Wasser bespritzen und alles waschen soll, – ging heute bereits um 6 Uhr weiter. Das soll sich mal einer vorstellen in Österreich: der Bürgermeister gibt dir Anweisungen wann du dein Haus zu putzen hast!?!

Heute stehen nur 25 km und 800 hm an. Im Vorort von Cajatambo sehen wir den Beweis: Peruaner sind Sombreronarrisch ;-)

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Wir erreichen Cajatambo um 10 Uhr,

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brauchen aber bis ins Zentrum noch weitere 30 Minuten. Nicht weil das Dorf so groß ist, sondern bereits in der Zufahrtsstraße kaufen wir 0,5 Kilo Honig (man beachte bitte die Weihnachtsgrippe :-) )

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(jaja, zuerst Gewicht nach Cusco vorschicken, und dann Honig kaufen ;-) ) und unterhalten uns anregend mit dem Besitzer der Bienenstöcke. Wenig Honig gebe es dieses Jahr, es hat zu wenig geregnet und daher gibt es auch kaum Blumen. Nur zwei Häuser weiter bremsen wir schon wieder ab: selbstgemachtes Joghurt mit Fruchtgeschmack.

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Da kaufen wir gleich einen Liter ein. So rollen wir vor die Kirche und fragen erneut um einen Schlafplatz. Wir beziehen ein kaltes Zimmer mit eigener Dusche. Der Padre Claudio aus Italien hat nur einen Freiwilligen zur Zeit, vielleicht bekommen wir deshalb kein Essen angeboten. Aber das ist uns egal. Die Bialettimaschine für köstlichen Kaffee dürfen wir benutzen ;-) ! Juhu. Denn wir haben uns schmerzlich zugunsten von weniger Gewicht, all unseren Kaffee vorgeschickt.

Das doch recht große Dorf ist entzückend. Die Leute grüßen überaus freundlich, Kinder sprechen Wolfi auf seinem Essensstreifzug an und fragen ihn aus, ebenso wie die Besitzerinnen sämtlicher „Geschäfte“. Von der Straße weg erhalten wir eine Einladung und sitzen um 14 Uhr im neuen Haus von Senora Julia. Wir erhalten Käsebrote und Inkacola und auch hier werden wir ausgefragt und mit Gottes Segen wieder entlassen. Ein Foto mit den „gigantos“ muss aber noch sein ;-) .

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Auch wenn uns der Great Divide landschaftlich zur Zeit noch nicht vom Hocker haut, fallen wir fast von unseren Sesseln, weil wir täglich auf so liebenswerte Menschen treffen!

Um 4Uhr30 in der Früh trifft der Bus in Cajatambo ein. Woher wir das wissen? Weil er hupt. Er hupt auch wenn er wartet und ebenfalls wenn er um kurz nach 5 Uhr losfährt. Das ist dann auch gleichzeitig der Wecker fürs ganze Dorf, denn kurz darauf hört man Stimmen, Schritte, … . Auch wir sind um 5Uhr45 auf und um 7Uhr abfahrbereit – denn der Tag wird lange und anstrengend. Heute wird die Landschaft für uns wieder schöner. Kleine Hochebenen

 

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sehen noch einmal Huayhuashberge,

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mit Alpaka- und Schafherden,

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vielen Vögeln, ja sogar Schmetterlinge begleiten uns. Vor dem ersten Pass auf 4520 sehen wir dann unsere ersten wilden Ikunias. Sie sind aber extrem scheu, hören oder sehen uns meist bevor wir sie zu Gesicht bekommen und so bekommen wir sie leider kaum vor die Linse.

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Da wir den Pass um kurz nach 12 Uhr erreicht haben suchen und finden wir wieder ein schönes Plätzchen für unsere Mittagspause. Wir finden solch einen Stop viel schöner als Mittags in ein „Restaurant“ einzukehren und zwischen Reis und Fleisch und Reis und Fleisch wählen zu müssen. Frisches Gemüse und dazu ein herrlicher Ausblick – so macht radeln Spaß.  Selbst Dotti genießt solche Pausen, auch wenn die Dinger eigentlich stachelig sind.

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Gestärkt fahren wir weiter. Unsere Beine haben noch 6 Km Schonfrist – es geht bergab, hinunter auf 4340hm. Dann nehmen wir den zweiten Pass in Angriff. Die Landschaft hat sich verändert, die Farben werden wieder mehr. Es ist hier oben so kalt, dass selbst die Eiszapfen über Tags nicht wieder schmelzen. Es geht durch eine Miene in der heute glücklicherweise kaum was los ist. Ab hier wird es anstrengend. Wir wissen nicht ob es an der Höhe oder an der Sehnsucht nach gutem Essen liegt, aber wir fantasieren heute ständig in die Berge etwas hinein: wir sehen dunkle Schoki die auf Nougat trifft,

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wir sehen Berge die die Farbe von Pasta Asciutta haben,

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…. .

Zu viele Höhenmeter waren es heute schon, die Piste weiterhin staubig und geschottert, … . Da kann man nur zu einem Sublime (DER Schokoriegel der Wahl für Radler in Peru) greifen und sich einreden: „Solo falta un poco!“ ( es fehlt nur noch ein wenig – das hören wir oft von Peruanern kilometerweit vom Pass entfernt).

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Aber das hilft alles nicht – heute ist Sabrina dran und kämpft mit dem wenigen Sauerstoff in der Luft. Die Beine brennen und sind aus purem Pudding, der Pass doch noch weiter weg als gedacht, die Luft hat zu wenig Luft …. . Stellenweise muss Wolfi das Rad schieben und Sabrina schleppt sich zu Fuß Meter für Meter höher. Eine Zuckerpause, dieses mal aber gesund in Form eines Apfels, kommt dann genau richtig bei solch einer schönen Lagune.

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So gehen dann die letzten 80 Höhenmeter doch noch irgendwie fahrend. Oben angekommen um 16Uhr30 auf 4865hm überwiegt die Freude es geschafft zu haben.

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Wir blicken hinein in ein komplett anderes Tal bzw. auf andere Berge. Hochalpin würden wir es zu Hause nennen, oder auch einfach nur schroff.

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Wärmer eingepackt machen wir uns auf den Weg hinunter. Die Sonne steht schon ziemlich tief und die Berge werfen ihre Schatten. Ganz schön kalt! Immer weiter hinunter, aber es gibt weit und breit keine flache Stelle. Man sollte vielleicht mal erwähnen, dass bei uns die Sonne um 18Uhr untergeht, deswegen der Druck ein passendes Plätzchen zu finden. Schon wieder auf 4100 hm unten öffnet sich die Schlucht zu einem kleinen Tal und wir erblicken von der Ferne ein Häuschen mit Platz rundherum. Ideal!

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Auf dem Weg dorthin legt sich Wolfi noch mal kurz ungewollt in einer Kurve in den Schotter, wir können aber nach einer kurzen Inspektion ob an ihm und Patch noch alles dran ist weiterfahren. Beim Häuschen angekommen treffen wir auf Senora Victoria. Ja es sei kein Problem, vor ein paar Jahren hätte hier auch schon mal eine allein reisende Frau geschlafen. Wir sollten uns einfach ein schönes Plätzchen suchen. Unter den neugierigen Augen der ganzen Verwandtschaft und der Kinder

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bauen wir rasch unser Zelt auf. Die Finger sind trotz Handschuhe klamm, Sabrina will ihren Helm gar nicht mehr abnehmen (man könnte ja an Wärme verlieren), die Sonne geht unter… wir wollen nur noch eines: essen und schlafen! 1800 hm hinauf auf holpriger Piste – da schläft man danach wie ein Stein.

In der Früh haben wir es nicht eilig – wir wollen nur bis Oyon. Das Zelt ist leicht gefroren, die Sonne schafft es aber immer noch nicht bis ins Tal. Größenvergleich? Haus, Häuschen, unser Schloss….

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So packen wir alles ein, sind schon so gut wie fertig, als Senora Victoria mit Frühstück kommt: Brot und Chicha blanca (weißer, gekochter Mais, warm als süßes Getränk) . Man kann bekanntlich nie genug frühstücken, vor allem wenn es fast nur bergab geht. Also genießen wir unser vorgezogenes zweites Frühstück ;-) , sie Sonne schafft es doch noch bis ins Tal und wir starten. Hinein in einen wieder engen Canon, danach durch viele kleine Dörfer… wieder mit Flaggen und nassen Straßen. Dieses mal fragen wir nach: es ist Unabhängigkeitstag am 28.7. – dafür wird schon einmal geübt bzw. vorgesorgt ;-) !

Nach weniger als zwei Stunden radeln wir in Oyon, auf 3620hm, ein. Seit unserer Abfahrt von Huaraz vor über einer Woche haben wir nie mehr als 5, manchmal sogar nur 2 Autos pro Tag gesehen. Da sind die mehr als 10 Stück die uns auf der Zufahrt zu Oyon begegnen schon fast ein Schock. Wir mutieren zu Einsiedlern ;-) .

Wir sind auf der Suche nach einer Unterkunft, welche uns empfohlen wurde, wir werden aber zu einer anderen begleitet. Hier bekommen wir einen guten Rabatt, es gibt eine warme Dusche und Internet, also bleiben wir. Kaum eingeloggt ins Netz erhalten wir eine Nachricht von einem Franzosen. Er wäre auch in Oyon und hätte an den Tagen zuvor gehört, dass zwei Österreicher (einer mit einem sehr langem Bart) vor ihm sind. Anthony ist uns seit Huaraz auf den Fersen, wir haben ihn in der Nähe des olympischen Passes getroffen, und er hat uns gestern Abend eingeholt. Er war also der Irre der im Dunkeln an unserem Zelt vorbei gesaust ist und auf unsere Rufe nicht reagiert hat. Wir treffen uns mit ihm zum Mittagessen – ja er wollte nach Oyon weil er gehört hat, dass wir dort auch hin wollten und hat bei den Rufen die er gestern gehört hat gedacht, es handle sich einfach um die typischen Rufe von Kindern, er konnte aufgrund des Gerumpel des Rades nicht genau hören was gerufen wurde.

Wir verbringen wieder einen strategischen Ruhetag mit Kuchen

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hier in Oyon. Es kommt nämlich ein langer und hoher Pass auf uns zu. Wolfi geht zum Friseur und Sabrina kann sich das Lachen kaum verkneifen: der freundliche, alte Mann schneidet – mit einer Papierschere – einfach wild drauf los. Die Handbewegungen hat er eindeutig mal in einem übertriebenen amerikanischen Film gesehen und ahmt sie jetzt fleißig nach. Naja, was will man schon für 5 Soles ( weniger als 2 Euro)? Kommt eh wieder der Fahrradhelm drauf, also halb so wild ;-).

Sabrinas Rad kriegt nach über 7000km (inkl. Korea) neue Bremsbeläge, also zumindest auf der rechten Seite. Wir hätten nie gedacht dass wir diese erst nach soooo vielen down-hills wechseln müssen, wir sind begeistert.

Den kommenden Pass nehmen wir gemeinsam mit Anthony in Angriff. Bzw. ohne ihn, denn er ist um 7Uhr30 immer noch nicht fertig – 30 Minuten nach vereinbarter Zeit. Also fahren wir schon mal los – er wird uns schon einholen. Bei der Stadtausfahrt sehen wir dann ein Restaurant, dass uns doch sehr stark an eine amerikanische Hendlburgerkette erinnert ;-)

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Bald beginnt auch das klettern, und das soll für fast den restlichen Tag so bleiben. Die Piste ist schlecht und die Steigung doch ziemlich stark. Kurze Strecken müssen wir schieben, na das beginnt ja schon mal lustig. Erst als wir unsere zweite Frühstückspause einlegen sehen wir viele Serpentinen weiter unten Anthony.

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Wir radeln gemächlich weiter, aber bald, bei einer Höhe von ca. 4400 hm beginnt Wolfi zu „schwächeln“. Aus dem „schwächeln“ wird bald ernst. Er fühlt sich immer schwächer und müder, selbst gehen fällt ihm unheimlich schwer. Wir machen viele Pausen, versuchen es mit Cocablätter kauen, Zucker, Wasser, Ingwer, …. wir kommen kaum noch vorwärts. Gegen Mittag und mit dem Pass in Sichtweite aber gefühlt unerreichbar, legt sich Wolfi in einer Kurve schlafen – es geht einfach nicht mehr.

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Sein Herz braucht über 20 Minuten um annähernd wieder normal zu schlagen. Sein Kardiologe hätte ihn wahrscheinlich auf der Stelle auf Meereshöhe ausgeflogen. Den letzten Blick auf die Cordillera Huayhuash bekommt er kaum noch mit. Adios, wir werden dich vermissen!!

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Da holt uns auch Anthony endlich ein – auch er fühlt sich komplett schwach. Nur Sabrina hirscht munter zwischen beiden hin und her, versucht aufzumuntern, auszurechnen wie weit es noch ist, Mut zu machen, …. . So radeln, schieben, stehen und atmen wir uns den Pass nach oben. Zwischendurch bereiten wir uns zum ersten Mal ein elektrolytisches Getränk zu ( Wasser + Zucker + Salz).

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Über die Leitplanken können wir uns drei aber noch alle wundern. Ein Auto, von der Mienenfirma und sonst nichts. Aber hauptsache hier gibt es eine Leitplanke und am Pass bei Las Balsas wo es hunderte Meter hiunter geht und Busse fahren gibt es nichts!!

Das Getränk hilft Wolfi etwas und so schaffen wir es doch noch zum Pass. 4983Hm !!!

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Oben angekommen kann Wolfi nur noch eines: sich hinlegen und das mitten auf die Straße.

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Auch egal – Verkehr gibt’s hier so und so keinen. Es ist nicht gestellt, sondern wirklich so geschehen ;-) , aber 176cm weiter unten ist die Luft leider auch nicht viel dicker. Das verdiente Sublime rührt er aber kaum an, selbst zum Essen ist er zu schwach.

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Dennoch findet eine kleine Konversation zwischen uns beiden statt:

Wolfi: NIE wieder. NIE NIE wieder.

Sabrina: das sagen Frauen nach der Geburt ihres ersten Kindes auch ;-)

Wolfi: Stundenlanges quälen, weit über seine Grenzen hinaus gehen. Na gut, ich hatte keine Schmerzen. Aber sonst ist es das Selbe! Ich glaub ich möchte nicht, dass du ein Kind kriegst, das tu‘ ich dir nicht an.

Sabrina beendet hier lieber die Unterhaltung. Bei so wenig Sauerstoff in der Luft ( und somit im Hirn ;-)) kann man so und so nicht beurteilen wie ernst das alles gemeint ist. Für ein Passfoto kann sich Wolfi dann doch noch aufraffen

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und danach geht es endlich hinunter. Hinein und durch eine Miene. Wir haben die letzten Wochen viele Mienen gesehen. Peru gehört zu den Ländern mit den meisten Bodenschätzen . Einerseits sind wir natürlich froh Handy, Tablet und Co zu besitzen, wofür unter anderem hier Erdreich abgetragen wird. Aber die Umweltbelastung dahinter können und wollen wir uns nicht vorstellen. Zum Teil kann man sie aber direkt bei den Minen sehen.

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Um 15Uhr30 möchte Sabrina dann endlich Mittagessen, obwohl es nur noch ein paar KM Abfahrt bis zum nächsten Dorf sind – Wolfi ist immer noch zu schwach und schläft lieber wieder eine Runde.

So rollen wir um 17 Uhr in Rapaz, auf 4000 hm, ein. Zu zweit. Wo ist Anthony? Weit und breit keine Spur. Wir fragen ob er gesichtet wurde – Fehlanzeige. An der „Hauptstraße“ stehen zwei Männer. Sie bekommen von uns den Auftrag Anthony zum Hauptplatz zu schicken, wenn sie ihn sehen. Wir suchen schon mal nach einer Unterkunft. In einer Tienda werden wir fündig. (ja so sieht klassisches einkaufen bei uns aus; hier bekommt man alles: Obst, Gemüse, Haferflocken, Brot, Cola, Schoki, … glaubt man kaum, oder??)

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Für 5 Soles pro Bett ( weniger als 2 Euro) können wir eine kleine, feiner Kammer mit mehreren Betten beziehen, Klo und Wasser gibt’s im Hinterhof. Und da ist auch Anthony – er hatte einen Patschen und einen Speichenbruch. Wir fragen uns durch das Dorf und finden eine Senora die für uns Abendessen kocht. Ein langer, langer Tag!

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Der nächste Morgen wird gemütlich. Wir haben beschlossen, dass wir heute einen kurzen Tag machen. So genießen wir unser Frühstück inkl. Kaffee ( Löskaffee ;-( ) in der Sonne vor unserm Schlafgemach

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und fahren weiter bergab. Einen Fluss entlang,

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durch kleine Schluchten hindurch, an Wasserfällen und

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an Kühen vorbei,

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…. . Als wir bei den Banos thermales ankommen trifft uns fast der Schock! Ein Minivan reiht sich an den anderen und dazwischen stehen noch ein paar private Autos. Tja – übermorgen ist Unabhängigkeitstag und die Ferien beginnen, somit ist hier eindeutig mehr los als gedacht. Wir wollen trotzdem rein und wählen das Bad mit „Outdoorpool“. In Unterwäsche ;-) ( Badesachen sind in der Kiste in Cusco) und unter vielen Blicken besteigen wir das warme Wasser.

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Herrlich!!!! Die Sonne scheint, es geht ein frischer Wind und wir plantschen im warmen Wasser. Da erholen sich die geschundenen Muskeln. Damit wir aber nicht zu sehr entspannen und gar nicht mehr fahren können, machen wir uns nach über einer Stunde wieder auf den Weg. Im nächsten Dorf wollen wir was essen, aber hier findet nur ein Songkontest statt.

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Wir werden vom Moderator willkommen geheißen und radeln weiter. Endlich – im nächsten Dorf kocht uns eine Frau eine Trucha ( Forelle) –

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aus dem Bach und nicht aus einen der vielen Zuchtbecken. Ab hier geht es wieder bergauf und obwohl der Tag so kurz ist fragen wir uns zwischenzeitlich wann denn endlich die Steigung ein Ende hat. Das Höhenprofilapp sagt es einem ;-)

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Uns erwischt ein kurzer Regenschauer, bevor wir in Parquin landen. Das Puesto de salud (Gesundheitszentrum) ist zu, so fragen wir bei einer Tienda und haben Glück. Die Dame hat ein kleines Zimmer in einem alten Haus. Uns gefällt vor allem der Straßenname: Calle milagros = Wunderstraße

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Kein Wasser, kein Strom, aber ein Dach über den Kopf. Perfekt! Wir beziehen unser Quartier, die Männer kochen zu Abend

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und wir kaufen unsere Essensvorräte für die nächsten 2 ½ Tage bei der Senora ein.

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Auf das nächste Dorfes stoßen wir nämlich erst in frühestens 60 Stunden – das klingt nach ganz viel Silencio (Ruhe) wie die Peruaner die Gegenden zwischen den Dörfern und ihre Pässe nennen. Wir freuen uns darauf!

Um 7Uhr30 sind wir bereit. Bereit für den von Andes-by-bike genannten : BRUTAL CLIMB!!! Wir reden alle in der Früh sehr wenig, wahrscheinlich bereitet sich jeder mental auf den Tag vor. Wenn Andes-by-bike brutal sagt, dann war alles davor eine Kaffeefahrt, oder wie?? Ein kurzer Besuch noch bei der Senora in ihrer Tienda

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und dann schieben wir gleich mal aus Rapaz raus, denn die Ortsausfahrt ist extrem steil. Ein Vorgeschmack für den restlichen Tag. Die ersten 5 KM machen wir nichts anderes, als schieben, radeln, stehen, schieben und versuchen nicht zu fluchen – schließlich wissen wir ja, dass es brutal ist ;-) ! Wir legen in einer Kurve mit toller Aussicht auf Rapaz eine Pause ein

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und werden von neugierigen Kühen belästigt.

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Danach geht es etwas besser weiter, wir können die meiste Zeit fahren. Die Landschaft ist wunderschön, wir genießen die Ruhe und die Sonnenstrahlen in der Wiese. So geht es gute 10 km dahin. 5 Km vor dem Pass, um die Mittagszeit, machen wir eine zweite Pause und als hätten wir es gewusst, wird es hinter der nächsten Kurve wieder brutal. Jetzt aber so richtig: Gegenwind, loses Gestein und Steigungen von mehr als 10%. Wir leiden. Aber tapfer. Schließlich sind wir trotz zwei vorgeschickter Pakete immer noch keine Leichtgewichtradler. Wir glauben schon wir sehen heute gar kein Auto mehr, als uns eines passiert und hinter der nächsten Kurve stehen bleibt. Hier treffen wir auf die ersten Menschen des Tages – sie treiben gerade ihre Schafe in einen coral.

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Wir halten an und plaudern mit ihnen. Das Mädchen ist neugierig-schüchtern, total süß!

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Scheinbar hat sie der Himmel geschickt, denn sie zaubern eine Flasche Cola aus dem Auto und teilen mit uns!

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Sie können nicht verstehen was wir hier machen, hier gibt es doch nichts touristisches. Wir versuchen ihnen unsere Beweggründe zu erklären aber wir glauben für sie ist die Landschaft einfach eine Landschaft und nichts besonderes. Etwas gestärkt fahren und schieben wir weiter.

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Kurz vorm Gipfel sind wir von der farbvielfallt der Landschaft beeindruckt und überrascht zugleich.

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Juhu der nächste Pass ist geschafft, dieses mal bei 4876 Metern über dem Meer. Jetzt wollen wir nur noch eines: ESSEN!!! So fahren wir nur wenige Höhenmeter hinunter

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bis wir eine schöne und windgeschützte Stelle finden. Beim Essen sind wir aber abgelenkt, denn was uns auf dieser Seite des Passes erwartet plättet uns. So viele Farben!

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Wie kann eine Landschaft auf so kleinem Raum so bunt sein??

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Das Gefühl von purer Freiheit ereilt uns immer öfters in solchen Momenten.

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Es ist bereits 15 Uhr als wir uns auf den weiteren Weg hinunter machen,an Lamas?Alpakas? vorbei

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und erst um 16Uhr30 und direkt bevor der nächste Aufstieg beginnt, finden wir einen Platz zum campen. Hierfür müssen wir zwar die Räder zu zweit einen steilen Hang hinauf wuchten,

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aber dafür sind wir außer Sichtweite. FALLS hier überhaupt mal jemand vorbeikommt.

Die Nacht ist unruhig, es kommt ein Sturm auf, Wolfi muss nochmal raus und die Sturmleinen abspannen. Vorteil: das Zelt ist aufgrund des Windes in der Früh trocken und wir können zeitig los. Aber heute ist der Wurm drin. Wir fahren nach wenigen Minuten auf eine Hauptverbindungsstraße: zwischen Küste und Landesinnere. Sie ist einspurig und unbetoniert, daher eigentlich wenig benutzt. ABER heute ist Unabhängigkeitstag inkl. Ferienbeginn und daher ist hier so einiges los. Wir werden eingestaubt ohne Ende. Es sind im Durchschnitt wahrscheinlich 15 Autos in der Stunde, aber DAS ist definitiv zu viel für uns. Dazu ist die Piste auch mies, der Gegenwind stark und der Geist schwach ! Wir pfeifen aus allen Löchern, keiner von uns will mehr, obwohl die Landschaft was zu bieten hätte.

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Aber bald dürfen wir ja wieder runter von dieser Straße also weiter. Aber egal wie wir uns zureden, wir kommen einfach nicht voran. So halten wir einen LKW an

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und lassen uns 6 KM und 200 hm hinauffahren.

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Ist nicht viel, aber zeigt vielleicht WIE frustriert wir sind. Wer jetzt meint wir schummeln, den laden wir recht herzlich zu einer einwöchigen Fahrt mit uns ein ;-) ! Was sind schon 6 KM bei über 6000 ?? 200 hm bei Tagesleistungen von durchschnittlich 1400?? So setzt uns der nette Fahrer an der Kreuzung ab, an der wir endlich wieder auf unsere geliebte einsame Straße dürfen. Auch er versichert uns dass heute EXTREM viel los ist, sonst wäre er alleine auf der Straße. Na toll! Wir stärken uns noch einmal kurz und dann genießen wir wieder.

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Nicht schwer hiervon fasziniert zu sein, oder??

So kann sich die Stimmung innerhalb von Minuten ändern. Der schlechte Start in den Tag hängt uns trotzdem noch nach, so schleppen wir uns etwas den Pass hoch obwohl die Steigung hier ganz gut ist. Aber dann ist es geschafft. Wieder ein Pass!!

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Selbes Spiel wie gestern: ein windgeschützter Platz muss her, Bauklötze werden in die Gegend gestarrt und nebenbei wird gegessen.

 

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Als Nachspeise gibt es immer ein Sublime – davon haben wir genug mit ;-) , das darf einfach nicht fehlen! Am Weg hinunter

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hat Anthony einen Patschen – gut zu wissen dass es anderen ähnlich geht.

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Wir kommen zu einem großen See der sich als Stausee herausstellt.

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Wir umrunden ihn und machen uns auf zum zweiten Pass für heute. Wir sehen immer wieder Lama- und Alpakaherden. Uns gefällt es hier, trotzdem ist es ganz schön anstrengend. Es ziehen dunkle Wolken auf, es wird schon spät, so beißen wir die Zähne zusammen und strampeln was geht. Somit ist er erreicht, der zweite Pass für heute! Wieder auf über 4800hm!

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Auf der anderen Seite müssen wir nicht weit fahren (hinter uns ist es dunkel, vor uns NOCH nicht)

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um eine wunderschöne Lagune zu sehen, welche wir schnell zu unserem Schlafplatz auserkehren.

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Unten angekommen ist es dann aber gar nicht so leicht, eine ebene und evtl. etwas windgeschützte Stelle zu finden. Der Himmel ist schon bedrohlich dunkel, aber die Wolken halten glücklicherweise dicht. Umso schöner dann das Abendrot. Wolfi holt noch schnell Wasser aus der Lagune, Sabrina baut das Zelt auf, Anthony ebenso.

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Wir ziehen uns unsere Skiunterwäsche an – auf 4700 hm wird es sobald die Sonne weg ist a… kalt!! So schnell wie möglich kochen wir, auch das geht nicht so leicht bei den eisigen Temperaturen. Das Wasser braucht ewig damit es endlich kocht. Dazu noch einen Tee zum Aufwärmen und ab in die Federn.

Wir wachen auf, die Wasserflaschen die wir extra mit ins Innenzelt genommen haben sind leicht gefroren. Wir wollen nicht aus den Schlafsäcken raus. Aber bis die Sonne unser Zelt trifft, dauert es noch und so machen wir uns doch etwas nützlich und kraxeln raus.

 

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Minus 11 Grad hat es !!!Kalt, kalt, kalt !! Eiskalt!!! Stellt euch vor ihr liegt im Bett, schlagt die Decke zur Seite, es hat unter Null Grad, ihr geht ins Vorzimmer und dort hat es Minus 11. Willkommen in unserem Morgen. Aber es sieht schon schön aus wie alles angefroren ist

und der Nebel über der Lagune aufsteigt.

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Aber wir müssen in Bewegung bleiben sonst haben wir das Gefühl zu erfrieren! Nach dem Frühstück erwischen uns dann auch die ersten Sonnenstrahlen. Schnell legen wir die Schlafsäcke zum trocknen nach draußen und bevor das Eis schmilzt schütteln wir es so gut es geht vom Zelt ab, so können wir es nahezu trocken einpacken. Timing ist also doch alles ;-) !

Wir radeln los, der Nebel ist weg

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und es geht hügelig, ja schon fast flach dahin. Seelenbalsam! Gute Piste, schönes Wetter, tolle Landschaft,

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….. 100% Genuss pur! Aber leider nicht lange. Wir treffen wieder auf eine Hauptverkehrsstraße. 1 ½-spurig, nicht geteert, wir werden wieder kräftig eingestaubt,

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aber da die Steigung okay ist und der Verkehr sich in Grenzen hält stehen wir es heute durch ;-) ! Bald dürfen wir ja wieder runter und Richtung Yantac . In dieser Gegend gibt es extrem viele Wasserkanäle – alle um Trinkwasser nach Lima zu transportieren.

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Wir können die Farbenvielfallt immer noch nicht realisieren. Türkis hatten wir noch nicht ;-)

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Und das Rot sieht einmalig aus!!

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So unterschiedlich die Farben der Berge sind, so unterschiedlich sind auch die Lama- und Alpakaherden. Tlw gibt es sie in ganz schön puschelig dick ;-)

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In Yantac

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essen wir zu Mittag. Hier werden gerade die Straßen um den Hauptplatz herum betoniert – und das kommt dabei heraus ………. .

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Vorbei an einer Lagune

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geht es auf und ab,

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weiter zum nächsten See. Wahnsinns schön. Hier sehen wir an der anderen Uferseite unser Ziel: Marcopomacocha.

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Auf dem Weg dort hin sehen wir knallrosa Flamingos.

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Die Unterkunftsssuche gestaltete sich etwas schwierig. Ins einzige Hotel des Dorfes ziehen wir aus Prinzip nicht ein. Es kostet mehr als eine Unterkunft in Huaraz, einer Touristadt mit allen Vorzügen, und dabei gibt es nicht mal warmes Wasser. So landen wir nach sehr langem hin und her in einer privaten „Unterkunft“. Wieder vermietet eine Tienda ein Zimmer, zwar ohne Wasser und Klo, aber okay. Wir haben uns zwar alle auf eine Dusche gefreut, aber auf den einen Tag mehr kommt es auch nicht mehr an ;-) .Im Dorf findet gerade ein kleines Fest statt – es gibt kostenloses Essen, auch wir sind eingeladen. Danach verschwinden wir schnell unter den Decken im Bett, denn im Zimmer hat es nur 9 Grad.

Der letzte Pass des Great Divide 1 wartet auf uns. Die Landschaft ist immer noch einzigartig schön, wir haben wieder Gesellschaft,

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tlw. Verkehrsbehinderungen

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und (eis)kalt ist es immer noch.

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Unser Pausenplatz auch, also zumindest die Aussicht ;-) . Aber wenn man dem Wind entfliehen will, dann sucht man auch Schutz hinter einem Haufen von 50kg Säcken die mit Lamakot gefüllt sind.

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Plötzlich taucht ein Klein-LKW neben unseren Pausenplatz auf. Zwei Männer laden weitere Säcke ab und schenkt uns einfach so einen Sack voller Orangen. Wir essen gleich jeder eine – denn im Magen merkt man das zusätzlich Gewicht nicht ;-) . Der letzte Pass stellt sich als leicht heraus. Ist es die Freude den ersten Teil des Great Divide überstanden zu haben, ist es ,dass wir uns die letzten 3 Tage nie unter 4500hm befanden haben und somit vielleicht noch besser akklimatisiert sind, oder einfach nur ein leichter Pass, wir wissen es nicht. Aber es ist uns auch egal. Sabrina und Anthony machen sogar ein kleines Rennen hinauf zum letzten Pass.

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4892 hm JUHU!!! 13.027 hm in den letzten 510km, 8 Pässe (oder mehr?), wahrscheinlich weniger als 50 Autos, ….. was für eine geniale Tour!!! Da fühlt man sich frei, frei wie ein Vogel. Oder nach dem Motto von Toy Story: bis zur Unendlichkeit und noch viiiiiiiiiel weiter!! Die Farben im Hintergrund sind natürlich auch nicht zu verachten ;-)

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Die Abfahrt ist ein Traum. Wir haben Spaß!

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Heute ist durch und durch ein toller Tag! Aber die Realität kündigt sich schnell wieder an. In Form einer erschreckend hässlichen Miene

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und kurz darauf mit DER Hauptstraße.

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Der Great Divide 1 endet nämlich an der Carretera Central. Es ist Samstag, Ferien, der Verkehr wahrscheinlich noch mehr als sonst. Augen zu und durch. Wir fahren auf Asphalt bergab – hier sind also die 16km Asphalt die im Great Divide vorkommen. Wir haben schon fast vergessen wie es sich anfühlt nichts zu fühlen unter dem Hintern ;-) .

Aber wir fühlen uns gejagt – der Puls ist, obwohl wir nur bergab fahren, hoch, es stresst einfach total auf so einer Straße zu fahren. Der erste Ort besteht nur aus Häusern an dieser Hauptstraße und einer Mienenstadt. Wir wollten hier eigentlich bleiben, aber es gefällt uns überhaupt nicht. Wir essen nur zu Mittag und fahren weiter bergab. Im nächsten Dorf gibt es nichts außer einem Gemeindehotel. Aufgrund der Aussicht auf eine warme Dusche nach 6 Tagen nehmen wir es, auch wenn es eigentlich für diese Gegend total überteuert ist. Wir gehen Essen, gegrilltes Hähnchen, was sonst und klappern alle bodegas im Dorf ab um Preise für Sublime zu vergleichen ;-) ! Pausentag!