Atem(be)raubend !!!

Great Divide 2: Von Chicla nach Huancavelica

KM total: 7477km

Höhenmeter total: 118 519hm

Wir brauchen definitiv Ruhetage, aber die Hauptstraße lädt nicht dazu ein. Ebenso nicht das Hotel (teuer und kalt) und die kühle Dusche ebenfalls nicht. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen wie frustrierend es ist, wenn man sich nach 6 Tagen Nicht-duschen auf eine Dusche, auf eine WARME Dusche freut (weil die Dame das so versprochen hat) und dann steht man drunter und versucht einfach nur so schnell wie möglich fertig zu sein, weil es kalt ist.

Wir haben die letzten Tage nicht darüber gesprochen ob wir den zweiten Teil des Great Divide auch machen – er ist noch schwerer als der Erste. Eigentlich hatten wir vor darüber zu sprechen, aber es ist, wenn man die letzten Berichte liest, doch sehr eindeutig, dass wir gar keine andere Wahl haben ;-) . Wir können auf keinen normalen Straßen mehr fahren. 10 Autos pro Stunde sind uns schon zu viel. Wir machen uns durchaus Gedanken wie wir das weiterhin machen sollen, denn offroad bis Ushuaia wird wohl nicht möglich sein. Aber JETZT haben wir die Möglichkeit weiterhin auf „tollen“ Pisten zu fahren, in einer grandiosen Landschaft, kleine, abgelegene Dörfer zu erforschen, extrem freundliche Menschen zu treffen, die Hundeattacken auf ein Minimum zu reduzieren, einem Auto pro Tag zu begegnen, keine Zivilisation für 48 Stunden, ……… . Also – Great Divide 2, wieder mit einer Schwierigkeitsstufe 4 von 5, wir kommen!

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Hierfür specken wir noch einmal ab. ( keine Ahnung wie wir jemals wieder alles auf unseren Rädern packen und schleppen sollen wenn wir den Great Divide beendet haben ;-) ). Dafür fahren wir zu dritt 1 Stunde lang mit dem Minivan nach La Oroya (inkl. Frühstück to-go)

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um dort unsere Packete wieder bis Ayacucho zu schicken. Das geht jedoch leider von dort nicht, wie uns am Busbahnhof erklärt wird. Darum setzt sich Anthony dankenswerterweise für noch einmal 2 Stunden in einen Bus, fährt nach Huancayo um es dort wieder Cruz del Sur zu übergeben. Wir zwei genießen in der Zwischenzeit den Markt in La Oroya,

der meistverschmutzten Stadt Lateinamerikas (es gibt viele Mienen und das Abwasser aus den Häusern fließt und fällt direkt in den Fluss) und kehren am späten Nachmittag wieder in unser Hotel zurück. Die Fahrt im Minivan hat uns so ziemlich jeden Nerv gekostet. Wie die Irren, anders kann man den Fahrstil von Peruanern nicht beschreiben. Wir sind ja schon viel von unseren anderen Reisen gewohnt, aber sie übertreffen wirklich alles. Neandertaler am Steuer, oder aber sie haben eine Identitätsstörung: ich habe ein Formel-Eins-Auto und zusätzlich bin ich noch Superman, daher unverwundbar. Ein Grund mehr für uns Hauptstraßen zu meiden.

Anthony kommt erst um 22Uhr30 retour – er hat den letzten Minivan verpasst und musste auf einen großen Bus warten der ihn netterweise vom Straßenrand weg, mitgenommen hat.

Wir fahren also bereits tags darauf wieder los – zwar erst um neun Uhr, denn bis man alles eingekauft hat was man braucht, muss man so ziemlich jede Bodega im Dorf abklappern. Das dauert! Vor allem, weil wir wieder Proviant für die nächsten zwei Tage brauchen. Ein paar Kilometer geht es noch auf der asphaltierten Hauptstraße bergab bevor wir sie wieder verlassen können. Ab hier geht es gleich wieder bergauf. Merken wir die fehlenden Kilos?? Nein, nicht wirklich. Aber wir sind uns sicher wenn man uns unsere drei Packete jetzt aufs Rad schnallen würde, würden wir bergauf kriechen ;-) . Anthony ist heute deutlich schneller unterwegs – er hat sein Gepäck um die Hälfte reduziert. Auf Kosten von so ziemlich jedem Komfort: keine lange Hose – nur eine Regenhose. Keine Jacke – nur eine Regenjacke. Ein Hemd. Da hört sich für uns der Gewichtskampf auf: wir wollen tagsüber nicht in den Plastikregensachen schwitzen und dann nachts im selben Oberteil schlafen. Aber jeder wie er will. Wenn wir einen passenden wasserdichten Sack für unser Zelt hätten, dann hätte einer von uns beiden ohne Vordertaschen fahren können. Aber auch so sind wir stolz, dass wir unsere Rackpacks los sind.

Wir passieren das erste Dorf am späten Vormittag. Es ist nicht viel los, aber mehr als die Hälfte der Leute auf die wir treffen sind sturzbetrunken: wir haben Montag. Wir kaufen trotz der frühen Stunde jetzt schon Cola ein – kommt ja so schnell nicht wieder ;-)

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Ab hier wird es wieder wunderschön. Wir fahren entlang eines Flusses, der sich sanft, eingerahmt von Bergen links und rechts, dahin schlängelt und mit vielen schönen großen Felsen verziert ist.

Es gefällt uns und so legen wir schon bald unsere Mittagspause ein.

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Auf der Weiterfahrt

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glaubt Sabrina ein Lämmchen im Fluss zu sehen. Während die Männer noch ihre Kameras zücken um heran zu zoomen, geht Sabrina schon einmal hinunter. Und tatsächlich, da steht ganz verschreckt ein Lamm im eiskalten Wasser.

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Sabrina rettet es.

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Wir haben heute ein paar Kühe gesehen, aber noch kein einziges Schaf. Gemeinsam gehen wir ein paar Kurven weiter bergauf,

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aber auch hier keine Spur von Schafen. So beschließen wir es mit ins nächste Dorf zu nehmen. Versuch Nummer eins misslingt nach einem Meter.

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Versuch Nummer zwei hat schon mal den Vorteil, dass es warm eingepackt ist.

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Funktioniert aber auch nur für wenige Meter. Variante Nummer drei zeigt dann Erfolg.

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So können wir die restlichen 5 KM bis nach Yuracmayo zurücklegen. Rio (Fluss), so haben wir das Lämmchen getauft, blöckt entweder oder schläft vor Erschöpfung auf seiner ersten Radreise.

Das Dorf ist kaum ein Dorf, sondern vor allem Häuser für die Security-leute und Angestellten des benachbarten Staudammes. Dennoch können wir eine Senora ausfindig machen die glaubt zu wissen, zu welchem Hirten das Schaf gehört. Dieser befindet sich zur Zeit am Land, aber sie wird es ihm am Abend geben.

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Wir können nur hoffen, dass die Mutter auch gefunden wird, denn Rio ist erst ca. 1 Woche alt und die Senora rechnet uns genau vor, dass sich die Aufzucht mit künstlicher Milch nicht rentiert und es somit zum Tode verurteilt wäre.

Wir haben trotzdem ein gutes Gefühl unser Findelkind in ihre Hände gegeben zu haben und machen wir uns auf eine Schlafplatzsuche. Es ist bereits später Nachmittag und der Himmel dunkel. Wir finden Unterschlupf in einem der Security-häuser und finden, entgegen der Angaben für dieses „Dorf“, doch tatsächlich eine Bodega. Na gut, es gibt genau nur zwei Erfrischungsgetränke und neutrale Kekse. Erstes kaufen wir fürs Abendessen.

In der Früh hat es in unserem Raum 5 Grad, draußen sind es Minusgrade. Da hilft nur eines: losradeln. Wir passieren den Staudamm ( Frischwasser für Lima)

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und bahnen uns den Weg nach oben. Wir erblicken wieder weiße Bergspitzen und schöne Täler.

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Wir kommen ganz gut vorran. Wieder ein schöner Platz für die erste Pause (langweilen wir euch schon mit den Bildern hierzu?? Sorry ;-) ). Das erste Mal seit Kolumbien haben wir wieder Arequipe (hier mancha blanca) mit – Anthony hat sie mit dem praktischen Drehverschluss im Supermarkt gefunden!

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Die letzten Höhenmeter sind dann doch aber ein Kraftakt, wir vergessen einfach gerne, dass wir hier ständig auf nur knapp unter 5000 hm radeln.

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Der erste Pass des Great Devide 2, auf 4945hm, ist geschafft. Auf der anderen Seite erwartet uns wieder eine phantastische und zum phantasieren einladende Landschaft. Hier die Erklärung von links nach rechts : dunkle Schoki, daneben Pasta Asciutta-Berg, gefolgt vom Pesto Genovesa-Berg, der rechts von sich noch etwas Weichselkompott hat. Eindeutig zu wenig Sauerstoff hier oben ;-) !

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Wir beginnen die Abfahrt

und bekommen immer mehr von dem Berg zu sehen, der vorhin nur seine weiße Spitze preisgab. Was für eine Überraschung.

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Etwas weiter unten, mit tollem Blick auf das Tal

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und dem Schneeberg

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… genau ;-) … essen wir zu Mittag. Es wiederholt sich irgendwie alles, oder?? ;-) Aber so ist es zur Zeit bei uns: radeln – essen – radeln – essen – schlafen und so gut wie ständig tolle Landschaft. Damit wäre eigentlich schon alles erzählt ;-) !

Auf der weiteren Abfahrt stürzt Anthony: sein dritter Sturz innerhalb von 10 Tagen. Dieses Mal zerreißt es seine (einzige) lange Hose und eine Wunde ziert seinen Oberarm. Wolfi darf also wieder sein geliebtes Desinfektionsspray sprühen. Nach einer kurzen Schockphase können wir wieder weiter.

Genau bevor wir uns auf den zweiten Pass machen gibt es etwas zu feiern: 7000 km!!!! Juhu!!! Nicht zu glauben!!

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Vielleicht ist es dieses Glücksgefühl, das uns so beflügelt, so, dass wir den „hard climb“

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dann doch noch wider erwarten komplett schaffen. Sabrina schiebt zwar zum ersten Mal zum Gipfel, aber den Pasta Asciutta- Berg (mit hellem Käse oben drauf) kriegt sie dann doch als Belohnung.

 

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Da wir nicht dachten, dass wir den Gipfel heute noch schaffen, waren wir aufs campen eingestellt. Die Sonne zeigt sich aber schon die letzten 2 Stunden nicht mehr und so kühlen unsere Körper doch ziemlich schnell aus als wir uns auf die Abfahrt machen. Darum steuern wir das noch ca. eine Stunde entfernte Dorf Tanta an. Wir treffen auf den ersten Radler im Great Divide. Leider wollen wir vier alle weiter und haben daher nur wenig Zeit zum plaudern. Völlig unerwartet passieren wir dieses kleine Dorf.

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Ca. 30 Minuten vor dem Dorf  Tanta fahren wir in das Reserva Nor Yauyos – Cochas und kurz darauf entdeckt Sabrina eine (Reservat-) Hütte.

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Sie wirft schnell einen Blick hinein und findet es ist ideal um die Isomatten auszupacken. Die Männer wollen ins Dorf, aber Sabrina kann sich nach einem Tag mit nur 2 Autos und sonst nur Stille nicht vorstellen, auch nur noch mehr als 5 Menschen zu sehen. Werden wir menschenscheu?! So wird kurz hin und her diskutiert und dann doch das Hüttchen bezogen. Danke noch einmal Jungs ;-) !

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Herrlich in solch einer Umgebung aufzuwachen.

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So rollen wir tags darauf nach Tanta um unsere Vorräte aufzustocken.

Das Dorf ist so abgelegen, dass das Brot 4 Tage alt ist und neues erst heute Nachmittag kommt. Dafür ist es günstig! Wir fahren entlang einer Lagune

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und eines hübschen Flusses,

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leicht hügelig, aber tendenziell bergab, gehts dahin. Was wir hier machen ist ja wohl klar ;-) .

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Wir sehen eine pilzförmige Wolke am sonst blauen Himmel aufsteigen, die sich schnell zerreißt und eine komische Farbe hat.

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Mmmh, was das wohl ist?? Wir rumpeln weiter, aber irgendwann merken wir, dass diese Wolke zu einer riesigen Rauchwolke geworden ist und wir so gut wie mitten drinnen sind.

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Kein gutes Gefühl! Mitten im Nirgendwo, in einem Canyon und wir haben keine Ahnung woher der Rauch kommt, bzw. was da überhaupt brennt?? Sicherheit zuerst, da sind wir uns alle einig. Aber bitte was bedeutet das in dem Fall?? Umdrehen und stundenlang bergauf fahren – hinter uns ist auch schon der Rauch. Weiterfahren und hoffen, dass hinter der nächsten Kurve nicht der Brand ist?? Warten und campen? Dafür haben wir zu wenig Essen mit. Wir beschließen weiterzufahren, denn wir fahren wie geschrieben tendenziell bergab und hoffen dass der Rauch sich doch eher (aufgrund des Windes) talaufwärts zieht.

Wir sind so mit der Piste beschäftigt, dass wir kaum merken, als unser Plan glücklicherweise aufgeht. Jeder von uns ist auch gedanklich mehr mit den kommenden 7 ungewissen Kilometern befasst. Wir stehen nämlich am Anfang unseres ersten „single-tracks“. Oder auch hike-and-bike genannt. Bedeutet: ein 7 Kilometer langer Weg der so schmal ist, dass man ihn nur zu Fuß passieren kann. Sabrina geht nochmal wildpinkeln, denn was sie von der Ferne gesehen hat, reicht ihr schon mal um zu wissen, dass sie sich gleich vor Angst in die Hosen machen wird. Darüber scherzen wir noch alle, aber nach ein paar Metern ist es dann ernst. Fotos gibt es keine, denn Sabrina ist damit beschäftigt eine aufkommende Panikattacke weg zu atmen und Wolfi damit, die nur noch schrille Stimme von ihr zu verstehen. Das hier ist wirklich kein Spaß mehr! Zirka 20 cm ist der Weg breit. Auf dem Sand – losem Stein-gemisch schiebt man das Rad, man selbst balanciert ein paar Zentimeter weiter oberhalb, auch auf eher losem Untergrund. Links von einem geht es 100 hm hinunter. Da denkt man nicht mehr viel in den Moment, sondern versucht nur noch alle seine Sinne beisammen zuhalten.

Anthony hat ein Video gemacht, hiervon haben wir dieses Foto raus geschnitten.

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Nach ca. einem Kilometer kommt dann die erste Verschnaufpause – Sabrina zittert immer noch – in Form eines etwas breiteren Weges und vor allem nicht mehr so hoch über dem Fluss. Das beruhigt dann erst mal ihr Nerven, wobei es weiterhin sehr anstrengend bleibt. Unsere Vordertaschen sind schon längst hinten drauf geschnallt, denn jetzt sind tlw. die Wege so tief in den Boden gearbeitet, dass unsere Taschen hängen bleiben würden.

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So schieben

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und radeln

wir eine weile. Diese Flüsse!!!!

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Wahnsinns schön!

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Wie kann es anders sein, finden wir hier natürlich auch ein traumhaftes Mittagsplätzchen.

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Wolfi kriegt heute eine größere Portion, denn Sabrina stecken die letzten KM noch so in den Knochen, dass sie kaum einen Bissen hinunter bekommt. Genießen können wir drei trotzdem die Landschaft.

Es geht weiter, durch Matsch, über große Steine, durch tiefe Furchen, … nicht nur einmal bleibt das Pedal wo hängen, nicht nur einmal schlägt man es sich aufs Schienbein oder rammt es sich in die Achillessehne, nicht nur einmal rutscht das Rad fast den Hang hinunter ….

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Sabrina schmeißt die Nerven! Zum ersten Mal seit Costa Rica / Peninsula Nicoya fließen Tränen aufgrund von Erschöpfung, Aussichtslosigkeit und dieses Mal auch Angst. Denn der nächste schmale Weg hinauf ist schon in Sichtweite. Da hilft nur gutes Zureden, ein Sublime und das Angebot das Anthony auf den schweren Passagen das Fahrrad übernimmt. So können wir also doch noch weiter. Jetzt wird der Weg extrem steinig und steil, wir müssen das Rad tlw. meterweit tragen bzw. über Felsen hinwegheben.

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Oftmals ist auch Feinarbeit gefragt.

Kurz vor Ende können wir dann wieder fahren bzw. rollen– wenn auch unter großer Konzentration.

Aus dem Fluss wird eine Lagune.

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Die Anspannung fällt ab, da wir wissen dass es ist nicht mehr weit ist. Darum entschließen wir zwei den steilen Hang hinunter zu gehen und in der Lagune zu baden. Zur Erinnerung: wir befinden uns auf knapp unter 4000 hm …. das Wasser ist daher seeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeehr kalt. Etwas Überwindung kostet es uns,

aber ein tolles erfrischendes Gefühl belohnt uns. Und die Sonne wärmt uns ziemlich rasch wieder auf. Anthony zieht es vor bei den Rädern zu bleiben . Und dann ist es endlich geschafft: wir haben den Singletrack überstanden. Resultat: Sabrinas Aufhängung von der hinteren Tasche ist kaputt, Anthony hatte erneut einen Speichenbruch, dutzende blaue Flecken zieren uns und evtl. ist Sabrina bezüglich ihrer Höhenangst geheilt (vamos a ver – wir werden sehen) ;-) .

Direkt vor Vilca haben wir dann auch noch einen grandiosen Überblick über die Wasserfälle und die Verästelungen des Flusses: bosque del amor (Liebeswald) .

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Wir campen knapp oberhalb des Dorfes

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und gehen nur zum Abendessen und Wasserholen hinunter. Wenn uns jemand beim Essen beobachten würde, dann müsste er glauben, dass wir fast ausgehungert sind. Wir finden eine Bodega die uns Reis mit Spiegelei und Pommes kocht. (klingt nach einem kulinarischem Highlight, oder ;-) )Während wir warten verdrücken wir gemeinsam: 1,5 Liter Cola, 1 Packung Kekse und 2 Packungen Popcorn ;-) ! Zum Essen gibt’s dann noch einmal 1,5 Liter ! Und als Nachspeise natürlich Sublime, hatten wir ja heute erst jeweils zwei ;-) .

Endlich ausschlafen! Sabrina darf sich fast endlos lange im Schlafsack hin- und herdrehen, während die Männer noch einmal zum Aussichtspunkt hinauf wandern.

Danach packen wir alles zusammen, fahren zum Fluss hinunter

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und frühstücken um 9Uhr30 gemütlich in der Sonne,

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bevor wir uns auf den kurzen, hügeligen Weg nach Huancaya machen. Der Weg folgt hoch oben an einem Berghang dem Fluss, welcher oft wunderschöne Formen annimmt.

Dort kommen wir zu Mittag an, essen gleich mal was – ist ja schon so lange her ;-) und suchen uns dann eine Unterkunft. Eigentlich wollten wir uns Ruinen anschauen, aber keiner kann uns genau sagen wo sie sind und wie man hinkommt. Sabrina begutachtet eine Unterkunft und als sie den Jungs Rückmeldung gibt, kommt die Besitzerin und bietet an, dass sie auch einen Raum hätte in dem wir gegen eine freiwillige Spende schlafen könnten. Der Raum hat sogar Betten! Wiedereinmal die Frage: bitte wie verdienen diese Leute ihr Geld ;-) !? Wir nehmen dankend an und machen den ganzen späten Nachmittag nicht mehr viel. Außer bodegas abklappern, Süßigkeiten futtern, Abendessen gehen und die üblichen Radsachen.

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Eigentlich wollten wir zwei hier unseren Ruhetag einlegen, aber auch dieses Mal gefällt es uns nicht wirklich. Zu touristisch hier, wir sehen sogar 5 weitere Gringos ;-) ! Also fahren wir am nächsten Morgen mit Anthony doch noch weiter. Es geht weiter hinunter, hinein in einen Canyon, weiter an einem schönen Fluss entlang mit Bartbäumen

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mit Blick auf Ruinen (also gibt es sie doch ;-) )

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und zu guter Letzt geht’s hinauf nach Laraos. Dieses Mal auf Asphalt. Was für ein Unterschied – es fährt sich um soviel schneller und leichter bergauf. Ziemlich heiß ist es hier wieder auf 3000hm, es gibt sogar wieder Kakteen. Eine kurze Pause am Asphalt muss dann doch sein: Krampf im Hintern und kühl ist der Asphalt auch. Herrlich ;-) !

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Vor dem Dorf sehen wir die für hier bekannten „Inka-Terassen“.

Großteils werden sie immer noch genutzt. In Laraos

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wollen wir alle drei nur eines: Internet. Wir alle warten auf wichtige Informationen und Nachrichten. Aber auch hier gibt es keines. Eine Dame im Rathaus ist so nett und lässt uns ihren Computer benutzen. Weil das Internet aber seeeeeeeehr langsam ist, haben wir Zeit zum plaudern und erfahren, dass hier die Tage ein Fest stattfindet. Heute ein Sportfest und morgen wird fleißig gegessen, erklärt sie uns. Wir zwei beschließen sofort hier zu bleiben: ESSEN!?! Da können wir nicht weiterfahren. Und die Dorfbewohner sind uns sehr sympathisch ;-) . Also haben wir endlich einen Platz für unsere Ruhetage gefunden. Wir gehen noch gemeinsam mit Anthony Mittagessen. Er hat einen ziemlichen Zeitdruck und einen genauen Plan wann er wo sein möchte/muss, denn er hat bereits einen Rückflug von Santiago de Chile. Aber auch er beschließt hier zu bleiben. Essensfest klingt einfach zu verlockend ;-) !

So suchen wir uns zu dritt eine Unterkunft, beziehen zwei Betten (man zahlt nach Betten, also teilen wir zwei uns meist eines) , waschen die Wäsche viermal so, dass das Abwasser zumindest hellgrau und nicht mehr schwarz ist und schlendern im Dorf herum. Wir entdecken eine Schlange vor einem Haus und werden aufgefordert uns doch auch anzustellen: kostenloses Essen für alle.

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Okay, wir hatten zwar gerade gegessen, aber wenn man uns schon so darum bittet ;-) ! Essen ist bekanntlich für uns kein Problem ;-) . Also warten wir brav in der Schlange, bevor ein ganzer Schwung an Leuten gleichzeitig in den Raum gelassen wird. Ein 4-Gängemenü wird serviert . Als Entre gibt es zur Freude von Sabrina Pasta asciutta: sie ist diejenige die ständig Pasta asciutta-Berge sieht :-) (warum, kann sich keiner erklären, denn es gibt seit 8 Monaten meist abends Nudeln und Pasta asciutta zählt sonst nicht zu ihren Lieblingsgerichten.) Bei der Suppe kommen wir zum ersten Mal in den Genuss Alpakafleisch zu essen: ziemlich gut! Hat wenig Fett und wird deshalb als gesund gehandelt. Zur Hauptspeise gibt es Seco de carne (Fleisch mit Reis). Nach der Nachspeise (süßes Kürbis „Kompott“)

kommt das Kommando eines Mannes und alle springen auf und verlassen den Raum: Schichtwechsel, die nächsten dürfen Essen gehen.

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Danach kann man dem Ehepaar, welches dieses Fest finanziert, eine freie Spende an die Kleidung heften.

Hierfür bekommt man dann auch noch entweder eine Flasche Bier oder ein süßes Brot. Wir haben uns natürlich für letzteres entschieden ;-) !

Abends tanzen die Leute.

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Kleine Zappelschritte im Kreis, hi und da werden die Hände gehoben oder sich gedreht, sieht gar nicht so schwer aus ;-) . Wir bleiben aber lieber in der Beobachterrolle, essen Popcorn,

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verzichten aufs kalte Bier und trinken lieber einen Art Glühwein, nur mit Pisco statt Rum. Diese nette Dame

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mixt das köstliche Getränk, verkauft es für 6 Soles (weniger als 2 Euro) …. pro Flasche!!! Hui, gut, dass wir eine gute Grundlage im Magen haben. Danach fallen wir alle ins Bett.

3 Hauptmahlzeiten, extrem viel Süßes und ebenso viel zuckerhaltige Getränke schlagen sich auf den Magen nieder: Anthony hat seit der Nacht Bauchschmerzen und Wolfi sitzt des öfteren mal länger am WC. Also verschlafen die zwei Herren fast den ganzen Vormittag. Einzig um Proviant einzukaufen (nächste Zivilisation 2 ½ Tage entfernt), um Medikamente für Wolfi zu besorgen und um auf die „Feria de gastronomica“ (Essensfeier) zu schauen,

begeben wir uns heute am Nachmittag ans Tageslicht. Auf der Feria werden wir von einer Jurorin auf eine Hauptspeise eingeladen: gefüllte Paprika – seeeeehr köstlich! Wir erfahren von ihr, dass sie in Laraos aufgewachsen sei und jetzt in Lima lebt. Sabrina geht es ja gut, also kauft sie kräftig Nachspeisen ein. Jammi!!

Nachdem die dreier Damenrunde unbedingt wollte, dass wir Fotos von ihnen machen, haben wir die „Scheu“ verloren die wir sonst bezüglich Menschenfotos-machen haben und knipsen wild drauf los. Und siehe da – den Leuten macht es nichts wenn sie merken, dass sie fotographiert werden. Im Gegenteil, sie lächeln sogar in die Kamera. Das Dorf bietet ja auch soooo viele tolle Fotomotive, wir könnten stundenlang nichts anderes machen, außer Fotos machen. Vor allem die „Tratsch“runde und die hübsche Omi haben es uns angetan.

 

 

Am Abend besuchen wir dann noch ein Volleyballmatch

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und sind perplex dass sobald der Schlusspfiff ertönt, alle die Halle verlassen. Kein Applaus, keine Siegerehrung, gar nichts! Dafür wird dann danach wieder kräftig am Placa de Armas getanzt.

Am nächsten Tag machen wir uns auf den Weg – den zwei Männern geht es besser. Es geht gleich hinauf und das für lange Zeit. Anfangs unspektakulär von Eukalyptusbäumen umgeben, einmal mit tierisch viel Verkehr,

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danach öffnet sich aber ein schönes, schmales Tal und wir passieren die Baumgrenze. Wieder mit ein paar Korallen- sie sind so schön anzusehen, finden wir.

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Dann kommt eine Abzweigung: links = Orginalroute von Andes-by-bike, rechts = eine ETWAS leichtere Variante. Wir entscheiden uns für letzteres. Es wird steinig, die Piste sandig, … wir kommen schleppend voran. Aber der Lachs mit Dillsouce sowie das Cremissimoeis lenken etwas ab ;-) .

Trotzdem stehen wir oft und schnappen nach Luft, bzw. schieben vor allem in den Kurven – der bis zu 5cm hohe Steinsand ist einfach in den steilen Kurven nicht zu fahren. Kurz vorm Gipfel kann Sabrina nicht mehr. Wolfi schiebt ihr Velo ein Stück, dann fährt sie wieder, dann geht sie wieder und Anthony fährt mit ihrem Rad. Der Pass will wirklich hart erkämpft werden – aber kein Wunder, dass wir alle schnaufen: 4875 hm und die letzten 2 km mit 10% Steigung – das ist auch nach so vielen KM, Höhenmetern und akklimatisieren kein Kinderspiel. Die schon bei jeder Passerklimmung obligatorischen Cocablätter in der Backe werden noch einmal getauscht und dann ist er endlich da der Pass.

 

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Wir sind schon richtige Peruaner. Für die Wegbeschreibung einfach die Hand in die Höhe reißen, bisschen wacheln und dann einach selbstbewusst behaupten: todo derecho (nur gerade aus)  ;-)

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Ein paar Serpentinen schleichen wir hinunter,

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fast stets mit einem Bein am Boden, denn auch hier ist dieser fieser Sand.

 

Bei der türkisblauen Lagune verschlingen wir dann unser Mittagessen. Es geht weiter hinunter, in ein breites Tal hinein. Wunderschön!

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Kurz darauf startet der Anstieg zum zweiten Pass. Sabrina reicht es. Es ist zwar erst kurz nach 14 Uhr, zeitlich wäre er noch zu schaffen, aber körperlich nicht mehr. Über 1500hm auf dieser miesen Piste sind genug. Daher verabschieden wir uns von Anthony – er möchte aufgrund seines Zeitdruckes den zweiten Pass heute noch schaffen. Wir stellen unser Zelt auf, warten einen Hagelschauer ab, beobachten Schafe, Lamas und Alpakas mit ihren Hirten,

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und kochen dann zu Abend.

Das Zelt ist von außen sogar trocken, aber eben auch nur von außen. Von Innen, inkl. Innenzelt sowie Schlafsäcke sind wiedereinmal aufgrund des Kondenswassers feucht. Also Schlafsäcke raus zum trocknen, Frühstückstee kochen und wir schaffen es trotz bedecktem Himmel um 8Uhr15 startklar zu sein – keine schlechte Zeit für Campen mit feuchten Sachen ;-) ! Wir nehmen den Pass der vor der Haustüre steht in Angriff. Gleich zu Begin sehen wir in der Ferne die größte Herde an ?Lamas? die wir bis jetzt gesehen haben. ( Am Foto sieht man nur ca. die Hälfte)

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Gut, dass wir den Pass gestern nicht mehr gemacht haben. Entweder ist er steil oder unsere Beine einfach schon müde von den vielen anstrengenden Tagen in den letzten Wochen. Dann ist er aber doch geschafft! Wieder über 4800hm, schön langsam fühlen wir uns wie Profisportler auf Höhenlagertraining ;-) . Aufgrund der frühen Stunde ist die Kreativität des Passfotos gering ;-) ,

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aber das tolle ist so und so die Landschaft im Hintergrund. Kurz unterm Pass genießen wir die Landschaft beim zweiten Frühstück

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und fahren weiter auf der Sandpiste. Sabrina legt sich kurz hin, aber bis auf die Tatsache, dass alles an ihr danach grau ist vom Sand, ist nichts passiert. Es geht ganz schön hügelig weiter. An unwirklichen Felsformationen vorbei.

Da es nur hügelig ist, haben wir einen grandiosen Weitblick. Und all diese Farben!! Wir entdecken jemanden in der Ferne – ein Radler?? Anthony?? Wir können es nicht genau sagen, er ist zu weit entfernt. Wir pfeifen, aber er hört uns nicht. So radeln wir weiter und nach einer halben Stunde sehen wir ihn bei einer Lagune sitzen. Was ist passiert?? Die Nacht war nicht so toll für ihn. Er hatte wieder Schmerzen, ihm ist übel, er fühlt sich schwach. Er will versuchen einen Bus zu finden der ihn in eine größere Stadt bringt. Er hat Glück im Unglück, denn heute kreuzen wir eine Hauptstraße. So nehmen wir die 6 Kilometer bis dorthin gemeinsam in Angriff.

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Dort angekommen sinkt die Zuversicht – eine einspurige, nicht betonierte Straße. Hier wird wohl nicht viel vorbeikommen, aber er wartet trotzdem. Wir füllen unser Wasser auf, verabschieden uns noch einmal und fahren weiter.

Es folgt der nächste kleine Pass,

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auf den wir die letzten 2 Kilometer von Hagel begleitet werden. Daher nur ein kurzes Passfoto (mit Hagel im Bart) und weiter.

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Aber nicht weit, denn wir haben Hunger und da kann uns auch kein Hagel stoppen. Also essen wir und halten schon mal Ausschau nach einem Schlafplatz. Es ist zwar erst 14Uhr30, aber bei Hagel wollen wir nicht weiterfahren und es folgt ein ständiges auf-ab-auf-ab, darauf haben wir heute keine Lust mehr. Also schlagen wir nur etwas unterhalb des Gipfels, auf 4700hm unser Nachtlager auf. Aus dem Graupelschauer wird Schnee und aus dem Schnee wieder Sonnenschein. Der starke Wind, die paar Sonnenstrahlen die durch die Lücken in der Wolkendecke kommen und der Schnee zaubern diesen Anblick in die Ferne.

So wird unser Zelt kurz vor Sonnenuntergang also noch einmal erwärmt. Was für eine Wohltat. Wir nutzten die Zeit und kochen noch bei den letzten Sonnenstrahlen, hören uns einen Tatort am Handy an und gehen um 19Uhr15 schlafen.

Da wir so hoch oben sind und die anderen Berge weiter weg sind, kommen wir in den Genuss, dass uns schon zeitig die ersten Sonnenstrahlen kitzeln.

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So trocknen die Schlafsäcke schneller, wir können endlich mal wieder in der Sonne unser Frühstück genießen

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und frieren in der Früh trotz Minusgrade nicht. So lässt es sich aufstehen ;-) .

Es geht über eine Hochebene gut 20 Km dahin. Aber nur weil es HochEBENE heißt ist es nicht unbedingt eben. Aber die Steigungen sind ganz angenehm und die Straße seit gestern Nachmittag auch besser, also können wir’s genießen.

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Trotzdem ist es anstrengend, uns stecken eindeutig die letzten Wochen in den Beinen. Wir fahren an schönen Lagunen vorbei.

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Vorbei?? Nein, natürlich nicht ohne für unser zweites Frühstück zu stoppen. Danach geht es für uns noch kurz hügelig dahin, bevor eine laaaange Abfahrt beginnt. Von 4700hm auf 3820hm hinunter. In dieser werden wir von Straßenarbeitern angehalten die unbedingt ein (1000e) Fotos von und mit uns machen wollen.

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Wir erreichen Acobambilla zu Mittag. Eigentlich wollen wir hier nur unsere Vorräte auffüllen und uns auf den nächsten Pass machen, aber wie schon geschrieben… wir sind müde. Unsere Beine plagen sich bei den leichtesten Steigungen. So beschließen wir hier für heute Schluss zu machen. Wir müssen uns ja auch mal wieder Resozialisieren, denn vor allem Sabrina sind selbst die kleinsten Dörfer schon zu groß ;-) . So sitzen wir am Straßenrand vor 3 bodegas, essen zu Mittag, lassen uns Löskaffee kochen,

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stellen uns den üblichem Fragen-Antworten-Spiel und warten auf den Bürgermeister um in der municipalidad schlafen zu dürfen. Um halb vier ist Sabrina das warten leid und fragt im Puesto de Salud (Gesundheitszentrum) nach. Kein Problem, wir dürfen den Raum mit den zwei Krankenbetten beziehen.

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Wir haben oft gelesen, dass es die Milchglasaktion gibt: Kinder unter 6 Jahren bekommen einmal pro Woche im puesto de salud ein Glas Milch. Dass Mädchen aber auch konstenlos die HPV Impfung bekommen ist uns neu.

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Am Abend lassen wir uns bekochen und schlafen ganz gut in EINEM Krankenbett (sinds ja nicht anders gewohnt und wärmer ist es auch ;-) ).

In der Früh sitzen wir schon fast im Sattel als uns zwei Radler entgegen kommen. Wir plaudern über eine Stunde mit ihnen und schwärmen von den andes-by-bike Routen. Sie sind extrem leichtgewichtig unterwegs, Brian sogar als Bikepacker mit einem Fatbike.

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Während wir so dastehen und plaudern, gehen dutzende Dorfbewohner an uns vorbei und ALLE schütteln sie uns die Hände. Lustiges Phänomen. Wann haben wir zum letzten Mal soooo viele Hände geschüttelt??

Der Pass ist ganz gut zu erradeln, die Steigung angenehm, die Landschaft schön, … ein guter Tag.

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Wir warten seit Tagen auf den Pässen immer auf Kondore, angeblich soll es hier welche geben, aber auch heute suchen wir den Himmel vergebens ab. So rollen wir ein Stück hinunter, unter den neugierigen Augen einer Herde,

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suchen wie immer einen windgeschützten Platz fürs Mittagessen und fahren weiter bergab.

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Im ersten Dorf Vinas viejo hat die einzige bodega offen aber keiner ist da. Also fahren wir weiter. Hier bekommt man sogar Luft (aqui aire) zu kaufen …die hätten sie mal auf 4700 hm verkaufen sollen, wir wären die beste Kundschaft gewesen ;-)

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Im nächsten Dorf Jerusalem werden fleissig Lehmziegeln getrocknet

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und es gibt drei Bodegas, aber weder Brot noch Haferflocken, noch Dosenfisch. Na toll!!! Dafür kommt eine Senora mit einer Schale Kartoffeln vorbei. Für uns, frisch gekocht! Keine 5 Minuten später steht sie mit Käse in der Tür, ebenfalls für uns.

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Was soll man da sagen?? Wir sind sprachlos. Fürs Frühstück kaufen wir dann noch irgendwelchen fertigen Kuchen ein, fürs Mittagessen am nächsten Tag müssen süße Brötchen herhalten und Waser wird auch noch aufgefüllt. So geht es hinein in einen Canyon,

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hinunter zum Fluss und dann stetig bergauf.

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So skurril. Gestern noch schneebedeckte Berge und Hagel und heute einen Canyon, der sich auch auf 700hm befinden könnte. Es ist 16 Uhr, als wir einen einigermaßen ebenen Platz finden und unsere Räder von der Straße hinunter tragen. Kurz darauf kommt ein Hirte mit seinen 150 Schafen (wir haben wirklich ein Händchen in fremden Wohnzimmern zu liegen ;-) )

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und fragt uns warum wir nicht noch ein Stückchen weiter fahren. Da wäre ein Dorf, San Miguel mit Unterkunftsmöglichkeiten sowie auch einer Municipalidad. Klingt gut, aber wir wollen campen. So kochen wir bei Sonnenuntergang endlich unser Essen.

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Auf 3900hm ist uns so warm, dass wir kurz darauf sogar nur mit einem Schlafsack als Decke in unserem Zelt liegen. Dafür in langer Unterwäsche, sicher ist sicher.

Der letzte Pass steht vor der Zelttüre und kann aufgrund trockenen Zeltes und Schlafsacks zeitig in Angriff genommen werden. Heute ist es bewölkt und der Wind weht stark, es ist wieder kalt.

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Auch der letzte Pass meint es ganz gut mit uns und wir haben ihn nach wenigen Stunden erreicht.

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Ein letztes Mal vorbei an bunten Bergen, Lagunen, Lamaherden, eigenartigen Felsen,

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… . So entscheiden wir uns noch einmal im „silencio“ unser Mittagessen zu uns zu nehmen, obwohl es bis Huancavelica nur bergab geht und es erst kurz nach 11 Uhr ist. Aber dieser Luxus muss einfach noch einmal sein.

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Was für einzigartige Wochen. Danke an die Pikes, dass wir diese Route fahren konnten. Kein Mensch glauben wir, würde auf die Idee kommen hier herum zufahren. Wir resümieren über die ersten zwei Teile Great Divide: noch nie war eine Strecke in Summe so anstrengend und gleichzeitig so erfüllend/gewinnbringend. Wir durften die offensten, freundlichsten, hilfsbereitesten Menschen Perus kennenlernen, sahen Landschaften die wir bis heute nicht ganz realisiert haben, haben Pässe erklommen – einer höher, atemberaubender und schöner als der Andere. Wir haben tagelang im Durchschnitt nur 3 Autos und weniger als eine handvoll Menschen pro Tag gesehen. Wir durften in der Stille aufwachen, in der Stille radeln, in der Stille Mittagessen und abends einschlafen. Wir waren Wind und Wetter ausgesetzt und hatten enormes Glück mit viel Sonnenschein. Diese Route hat uns definitiv verändert. Wir würden am liebsten weiter nur auf andes-by-bike Strecken fahren, aber zur Zeit wartet Cusco auf uns und danach leider nicht mehr genügend Zeit um auch das südlichste Südamerika kennenzulernen (und wir freuen uns schon sehr auf Rotwein, Steak, Patagonien,  und Co). Deswegen werden wir weiterhin unsere Abseitsstrecken fahren und hier und da mal wieder eine der Pikes. Wir freuen uns schon darauf!!!

Mit all den Eindrücken machen wir uns auf die Abfahrt nach Huancavelica, der ersten Stadt seit fast genau einem Monat. Zum Abschied des Great Divide werden wir noch einmal ordentlichst durchgeschüttelt. Sehr mühsam. Die Einfahrtsstraße zieht sich in die Länge, es stinkt, der Abfall häuft sich, es raucht aus diversen Hinterhöfen, … kein toller erster Eindruck. Aber die Leute rufen uns aus ihren Häusern Fragen zu, wir werden zum Fotomachen angehalten

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und sehen waschende Frauen am Fluss

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… die andere Seite des Willkommen heißen. Wir fahren zum Hostal La Portada, stellen unsere Räder ab und genießen eine lange heiße Dusche, bevor wir das machen, was wir am besten können: ESSEN!!!!!

P.S.: wir sind mit den Blogeinträgen immer noch nicht gleich auf. Seit nun drei Wochen sind wir schon in Cusco und die knapp über zwei Wochen Besuch von zu Hause sind leider auch schon wieder rum. Wo rennt die Zeit hin???