Altiplano, wir rollen!!

Cusco – La Paz über die nordostseite des Titicacasees

Km total: 8 314 km

Hm total: 128 615hm

Kurze Anmerkung vorweg, weil uns die ein oder andere Nachricht darüber erreicht hat, dass evtl. unser vorletzter Beitrag „untergeht“ weil wir innerhalb ungewohnter kurzer Zeit zwei online gestellt haben. Also es gab „stille wir kommen“ über den Great divide 1 und „ Atem(be)raubend“ über den Great divide 2 und kurz darauf „auf auf … Cusco wartet schon“. Nur damit ihr ja nichts verpasst ;-)

Nach 3 Wochen Stadtleben brummeln die Hummeln in unseren Hintern nach einem Radsattel. Dem wollen wir natürlich nachkommen, darum starten wir an einem Samstag, obwohl Sabrina leicht verkühlt ist. Bekanntlich ist unser Gepäck wieder etwas schwerer. Aber auch wir – wir haben uns wieder gut Speck angefuttert. Blöd, weil auch der die Berge hochgeschleppt werden möchte, aber gut, denn wir werden ihn in Bolivien brauchen. Er wird uns in kalten Nächten wärmen und wenn es nur Kekse gibt, werden wir von ihm zehren. So unsere Vorstellung ;-)

Wir haben uns nach Routen Richtung Puno/Südperu im Hostel umgehört:

  • nehmt den Bus bis Puno
  • einfach radeln, dauert nicht lange. In ca. 3-4 Tagen seid ihr dort (Hauptstraße)… waren die gängigen Antworten. Nicht mit uns!!! So wollen wir Peru nicht verlassen! Also wird die Karte studiert und stundenlang das Internet durchforstet und dann steht sie fest: ein bisschen Hauptstraße muss leider sein, aber dann können wir noch einmal in unsere geliebten Berge hinein. Das heißt zwar wie immer: mehr Kilometer, mehr Höhenmeter und mehr Tage als die Hauptroute, aber ….. .

Wir radeln gemeinsam mit Nicolas und Laura, ein Paar aus Frankreich raus aus Cusco. Da wir ja bereits im Süden von Cusco mit Sabrinas Eltern eine Inka- Ausgrabungsstätte besichtigt haben, wussten wir was uns auf den ersten Kilometern erwarten wird. Nämlich ein Radweg zwischen den zweispurigen Hauptstraßen. So ist also die Ausfahrt aus Cusco ganz erträglich und danach nimmt der Verkehr auch rasch ab. Wir haben sogar einen kleinen Seitenstreifen

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und kommen gut voran. Gegen Mittag setzt dann der schon in Cusco beobachtete Gegenwind ein, wir schnaufen alle vier über die hügelige Gegend. Eigentlich wollten wir es heute bis zu einer Lagune schaffen, aber scheinbar haben wir uns bei der Streckenberechnung verrechnet, denn es sind deutlich mehr Kilometer als angenommen. Wir dürfen in einem Dorf eines der noch nicht fertigen Zimmer einer Hospedaje kostenlos beziehen

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und sind mit unserem ersten Tag nach so langer Pause ganz zufrieden.

Tags darauf kommen wir nach wenigen weiteren Kilometern auf der Hauptstraße zur Abzweigung für unsere gewählte Route. Ein paar hundert Höhenmeter hinauf, auch das geht noch ganz gut. Juhu. Dann sind wir bei der ersten Lagune.

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Hier stellen wir Laura und Nicolas unsere geliebte Perufrage:

  • könnt ihr das hören?
  • Was denn, ich höre nichts.
  • Ja genau!! NICHTS ! Man hört nichts!

Wie haben wir sie vermisst, diese einzigartige Stille. Hier und jetzt auch noch mit der Lagune und Flamingos. Wir sind happy! So ist es natürlich ganz klar, dass wir hier noch einmal Frühstücken.

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Danach geht’s weiter in ein kleines Dorf, hinter der sich die zweite kleine Lagune versteckt. Wir kaufen fürs Mittagessen ein und radeln weiter. Es geht leicht bergauf als Sabrina in der Ferne Radler sieht. Es ist das Kanadisch-Französische Paar das aus Cusco ein paar Stunden nach uns starten wollte. Wir hatten uns ausgemacht, dass wir uns zum campen bei der ersten Lagune treffen. Somit sind sie im Dunklen an der Lagune angekommen, sie wollten uns unbedingt erreichen. Wir haben regelrecht ein schlechtes Gewissen, dass wir es gestern nicht bis zum vereinbarten Platz geschafft haben. Sie nehmen es gelassen. So essen wir also zu sechst

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mit grandiosem Blick auf die dritte Lagune

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gemeinsam zu Mittag und radeln dann noch gute 20 KM zusammen. Macht ganz schön Spaß wenn man eine Straße für sich hat und zu sechst dahinrollt.

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An einer Kreuzung verabschieden wir uns schon wieder von ihnen, denn sie wollen doch wieder retour zur Hauptstraße – Zeitdruck. So setzten wir wieder zu viert zur vierten Lagune unseren Weg fort. Der Gegenwind verlangt uns auf den letzten Kilometern nach Yanaoca alles ab, obwohl es nur leicht hügelig dahin geht. Im Dorf angekommen erfahren wir von der Polizei, dass es eine Herberge gibt. Die Herberge entpuppt sich als Art Parroquia ( Südkoreanische Führung) und wir bekommen jeweils ein Doppelzimmer, es gibt eine heiße Dusche und mit viel Gemüse wird frisch gekocht.

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„Si, si, todo asphaldado „ … (jaja, alles asphaltiert) … mit den Worten werden wir in der Früh verabschiedet. Es geht hinter dem Dorf gleich mal bergauf – zum ersten Pass. Wir radeln und warten, warten, warten, … aber aus dem Schotter will einfach kein Asphalt werden. In wunderschöner Landschaft,

ohne Verkehr und mit überraschenden Blick auf einen schneebedeckten Berg bahnen wir uns unseren Weg nach oben.

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Uns macht die Piste nichts aus,

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die Steigung ist mehr als nur gnädig. Spätestens jetzt ist Sabrina auch wieder gesund. Aber vor allem Laura hat stark zu kämpfen. Sie haben ihre Reise erst in Cusco begonnen, sich zwar in den französischen Alpen versucht mehrfach zu akklimatisieren, haben trainiert und auch in Cusco durchaus Tage gegönnt, aber jetzt merkt man einfach, dass wir auf über 4000HM radeln. Wir beide warten einfach alle paar Kilometer auf sie, staunen in die Landschaft

und versuchen sie zu bestärken. Unser Pausenplätzchen ist auch wieder schnell gefunden

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und beide finden gefallen an unserer Tradition. Später als erwartet, aber hauptsache doch, haben wir dann den Pass auf 4406hm erreicht. Wir rollen etwas hinunter,

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sehen einen Uhu

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und Essen zu Mittag.

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Die weitere Abfahrt entpuppt sich dann leider mit ein paar Gegenanstiegen – sehr frustrierend wenn man sich auf einen Downhill freut. Aber wir beide sind vor allem froh einfach wieder hier zu sein – mitten in den peruanischen Bergen.

Wir zwei beschließen die noch ausbleibenden 20 km ins nächste Dorf vorzufahren um eventuelle Schlafmöglichkeiten auszuforschen. Es ist nämlich schon später Nachmittag und unsere Reisebegleitungen können nicht mehr. In El Descanso (die Pause/ Erholung – was für ein passender Name) angekommen werden wir zur Polizei verwiesen und nach langen Gesprächen über Österreich bzw. wiedereinmal nur über Hitler und über unsere bisherige Route bekommen wir das okay, dass wir hier schlafen dürfen. Laura und Nicolas sind ebenfalls eingetroffen. Wir kochen noch schnell zu abend und gehen schlafen. Vorher überlegen wir zwei uns noch wie wir weitermachen wollen. Wir haben in den letzten zwei Tagen deutlich weniger Kilometer gemacht als geplant und somit ist unsere Planung bis Puno etwas durcheinander gekommen. Sollte nicht weiter stören, aber da gibt es eine kleinen Hacken:

wir sind über eine kleine Hintertüre nach Peru eingereist und wollen ebenso über eine kleine Hintertüre wieder hinaus. Dieses Türchen nach Bolivien ist so klein, dass es auf peruanischer Seite keinen Grenzposten gibt und auf bolivianischer Seite bekommt man erst im 15 km entfernten ersten Dorf den Einreisestempel. Daher müssen wir nach Puno, um uns dort bereits unseren Ausreisestempel zu holen und dann können wir über die Nordostseite des Titicacasee nach Bolivien radeln. Den Stempel in Puno bekommt man aber nur wochentags, deswegen unsere genaue Kalkulation, weil wir nicht unnötig ein Wochenende warten wollen.

Wir radeln einfach in der Früh wieder mit ihnen los. Jetzt wieder auf Asphalt, Laura geht es besser. Aber nur bis die Piste wieder anfängt. So radeln und stoppen wir immer wieder im leicht hügeligen Gebiet bis Pallpata/ Hector Tejada . Dort essen wir am Hauptplatz zu Mittag (die Räder dürfen wir darauf nicht abstellen, wie eigenartig!) und beschließen noch weiterzufahren, denn sonst wird der morgige Tag unrealistisch lange. Der Wind hat sich zu einem Sturm entwickelt und so plagen wir uns mittlerweile alle vier über die Hügel. Einzig die schöne Landschaft gibt uns die Motivation weiter zu radeln.

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Nur wissen wir nicht wie weit wir noch „müssen“. Wir haben nämlich leider zu wenig Wasser zum Wildcampen mit. Obwohl diese leerstehenden Häuschen ideal wären.

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Zuerst rollt uns ein Radler ohne Bremsen entgegend. Wir fragen ihn nach seiner Einschätzung wie lange es per Rad zum nächsten Dorf dauert.

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Irgendwann kreuzt ein Lastwagen unseren Weg und Wolfi fragt noch einmal nach wie weit es denn noch ist bis zum nächsten Dorf.

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„ Solo falta un poco“ … und dieses mal sollte die Angabe auch stimmen. In Jauni finden wir nach viel fragen und langem warten Unterschlupf in der Schule. Wir freuen uns, dass die Kinder so neugierig sind,

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dass die Idee mit der Weltkugel aufgeht,

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dass sie alles über die Fahnen wissen wollen und auch über die Räder. Aber eigentlich ist uns nur kalt, wir wollen in eines der Klassenzimmer, essen kochen und schlafen. Jedoch müssen wir eben zuerst lange draußen warten und dann nötigt uns die Lehrerin auch noch, dass wir alle ein Bild von der Schule und den Umriss unseres Landes malen. Die Kinder wollen auch mit malen, es nimmt fast kein Ende.

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Wir sind hin- und hergerissen zwischen „ ach, die sind so süß!“ und „ wir wollen endlich essen, bitte bitte bitte!“. Um kurz vor sieben lassen sie uns dann endlich alleine. Wir kochen rasch

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und legen uns schlafen. Der Sturm wird, wenn überhaupt möglich, noch stärker. Da ist auch Sabrina froh, dass sie im Klassenzimmer liegt und nicht im Zelt, obwohl sie soooo gerne wieder gecampt hätte. (3 gegen 1 – so ist es wenn man in einer demokratischen Radgruppe radelt. Wasserauffüllen im Dorf und dahinter wo campen hat leider nicht gewonnen).

Eine langgezogene Steigung begrüßt uns gleich in der Früh. Die Belohnung ist dann eine Lagune, eingebettet in eine schöne Berglandschaft.

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Wir sehen neugierige, schöne Vögel.

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Und danach noch mehr Belohnung: Willkommen Altiplano!!!

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Wow, wie schnell kann man auf einer Ebene dahinradeln, trotz Piste. Wir sind fasziniert und jubeln.

Laura: „Schön die Berge auch mal von unten zu sehen und nicht nur auf Ihnen zu Radeln“. Diese Aussage finden wir super, aber zustimmen können wir nicht. WIR gehören in die Berge mit zwei Rädern unterm Hintern, das steht für uns fest. Darum wird aus dem Jubeln schnell Wehmut. Wir hier unten, die Berge so weit weg, … für uns steht fest: wir kommen wieder! Peru hat noch soviel zu bieten, zu entdecken, zu staunen, …. .

Wir bleiben auf dem Altiplano und nehmen nicht noch einen Pass wie eigentlich geplant (schweren Herzens, aber wir wollen definitiv am Freitag in Puno sein). Wir werden ordentlich durchgeschüttelt auf der sandigen, wellblechartigen Piste. Aber wir zwei finden einen guten Rhythmus, Wolfi ist ein idealer Windbrecher auf diesen geraden „Straßen“

und so warten wir auf der Hauptstraße auf die zwei anderen. Gemeinsam beschließen wir noch ein paar Kilometer auf Asphalt hinter uns zu bringen. Der Verkehr ist nicht ganz so schlimm wie erwartet

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und wir haben einen Seitenstreifen.

Donnerstag: wir radeln zeitig los , 60 KM auf Asphalt und so gut wie Eben, schaffen wir es noch vor Mittag in Juliaca zu sein. So haben wir einen Nachmittag Zeit und können am Tag darauf zeitig in der Früh nach Puno mit dem Bus fahren (liegt nämlich so gar nicht auf der Strecke). Ja wir sind traurig den letzten Pass nicht gemacht zu haben, aber es wäre sich mit Freitag nicht ausgegangen, auch wenn wir alleine weitergefahren wären und so haben wir zumindest noch den peruanischen Altiplano gesehen – auch eine Erfahrung.

Wir kriegen also problemlos unseren Ausreisestempel. Ab nun haben wir 5 Tage Zeit unser geliebtes Land Peru zu verlassen. Viel zu schnell ist das jetzt gegangen wenn es nach uns geht. Wir hätten unser 6-monatiges Visum vollends ausreizen können ;-) aber bekanntlich wollen wir noch den Süden von Südamerika sehen (und die Regenzeit beginnt auch bald).

Wir packen also noch Freitag Mittag unsere Räder und fahren gleich weiter Richtung Lago Titicaca. Die Stadtausfahrt ist ein Graus. Müll wohin das Auge reicht, kilometerweit. Wir hätten ja gerne für euch ein Foto gemacht, aber es hat so gestunken, da wollten wir nicht stehenbleiben. Der Wind wird immer stärker und die KM bis zum See ziehen sich in die Länge. Zu Hause würden wir Sturm dazu sagen, aber da wir wissen, dass uns in Patagonien noch schlimmeres erwartet, nennen wir es jetzt einfach mal Wind(chen), sonst haben wir keine Skala mehr nach oben hin ;-) .

Obwohl wir nur fünf Tage Zeit haben, wollen wir den See genießen. So fahren wir also 50 km in die „falsche“ Richtung, auf eine Halbinsel um dort zu campen. Im letzten Dorf kaufen wir noch so ein, dass fast alle Taschen überquellen.

Wie lange wir bleiben wollen? Eine Nacht und einen halben Tag, aber hey – das reicht schon um sich den Bauch unkontrolliert vollzuschlagen.

Der Umweg zahlt sich aus. Als wir den See erblicken haben wir das Gefühl in Kroatien oder Italien zu sein. Wunderschön.

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Und bekanntlich ist die Welt ein Dorf, und darum kommen kurz darauf zwei Motorradreisende, welche wir aus dem Hostal Estrellita/ Cusco kennen an.

Heute bekommen wir ein Schauspiel geboten: einen Vollmondaufgang über dem See, eingetaucht in das Rot der gegenüberliegend untergehenden Sonne. Traumhaft!! (Foto = Mond)

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Der „Wind“ weht noch stärker. So stark, dass Wolfi den Kocher trotz Windschild nicht zum brennen bringt. So kochen wir zum ersten Mal in unserem Vorzelt. Es klappt gut und wieder sind wir froh über unser geräumiges Zelt.

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Als sich der Wind legt quatschen wir noch alle bei einer Flasche Bier vor den Zelten.

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In der Früh

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wird gefrühstückt wie ein König. Wir haben sogar noch einmal das „Nutella“ gefunden (wir sind uns zu 99% sicher dass es Nutella ist). Dazu gibt es Eier und KAFFEE!!

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Danach folgt noch Haarewaschen

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und die üblichen Radfreiensachen und wir zwei radeln am frühen Nachmittag weiter. Drei Tage jeweils ½ Tag radfrei reichen uns, wir wollen weiter.

Wir verabschieden uns also von Laura und Nicolas.

Bald schlängeln wir uns der Küste entlang nach oben,

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immer mit Blick auf schöne Buchten.

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Wahnsinn!

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Diese Aussicht. Man hat das Gefühl am Meer zu sein. Oftmals sieht man das gegenüberliegende Ufer nicht.

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Unbeschreiblich. Weit kommen wir aufgrund der fortgeschrittenen Stunde nicht. In Pusi kann oder will uns keiner aufnehmen. Wir müssen warten bis die einzige Hospedajenbesitzerin heimkommt. Die Polizei handelt für uns einen guten Preis raus. Am nächsten Morgen bekommen wir noch ein Sackerl voll mit Kartoffeln und Süßkartoffeln von der Besitzerin mit auf den Weg. Sehr herzlich von ihr, trotz günstigerem Zimmer.

Bald verlieren wir den See aus unserem Blickfeld und es rüttelt uns auf der Piste der Hauptstraße entgegen.

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Dort erwartet uns der schlimmste Verkehr überhaupt. Hier ein Bilderrätsel.

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So rasen auch wir, um es endlich hinter uns zu bringen. In Huancane nimmt der Verkehr ab und wir stoßen mitten in eine Parade.

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Obwohl wahnsinnig viel los ist, und wir uns mit den Rädern schiebend durch die Massen kämpfen, haben wir trotzdem das Gefühl dass tlw. mehr Aufmerksamkeit bei uns liegt als bei den Paradeleuten. Wir bekommen ein Eis geschenkt,

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werden von Ecke zu Ecke aus er Stadt gelotst,

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….

Peru will uns wirklich nicht gehen lassen bzw. noch einmal zeigen wie freundlich es sein kann.

Danach sehen wir den See wieder.

Sabrina beklagt seit Wochen, dass sie eine neue Brille brauchen würde, aber Abkürzungen sieht sie immer noch sehr gut ;-) .

Nach studieren der Karte merken wir, dass man auf der „Hauptstraße“ den See nicht sieht. Alternative?? Ja: mehr Km, mehr HM, … das alte Spiel und wir sind dabei :-) . Beim Mittagessen versuchen wir noch die bedrohlich schwarze Wolke zu ignorieren aus der donnernde Geräusche kommen.

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Aber schon bald warten wir den Hagelschauer in einer Tienda ab und schuften uns dann über viele Höhenmeter wieder auf einer Piste ab. Wir sehen den See nicht immer, aber dafür eine beeindruckende Landschaft.

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Hier und da erspähen wir doch den See.

Erschöpft von „Wind“ und den doch mehr als angenommenen Höhenmetern, kommen wir glücklich in Moho an.

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Aaaaaaaaaaah ist das kalt, wir wissen nicht wann / ob wir jemals so gefroren haben. Das ist sicher schon die berühmte bolivianische Kälte die da über die Grenze kommt, da sind wir uns sicher. Wir kaufen noch einmal Sublime und Toffees ein, wer weiß was wir im Nachbarland (nicht) bekommen. Das Duschen muss auf Bolivien warten, die angeblich warme Dusche ist eiskalt, das bringen wir heute nicht mehr über uns.

Wir haben schon oft von Radlern gehört: im nächsten Land, da ist das Essen schlechter, die Bäckereien haben nichts, ….. alles halb so schlimm gewesen bis jetzt. Mit bisschen Umstellung und Eingewöhnung hat es bis jetzt überall gepasst. Aber bei Bolivien sind wir uns sicher, denn von dort kommen die meisten „Horrorgeschichten“ und da sind sich ALLE einig: das Essen ist von ganz schlechter Qualität, die Auswahl miserabel, die Versorgungslage schlecht, die Bodegas selten ausreichend bestückt, …. . Wir haben diesbezüglich wirklich Respekt, sind aufs schlimmste eingestellt (Tagelang z.B. nur Kekse zu Essen, darum auch der zusätzliche Speck an unseren Hüften wenn ihr euch erinnert). Aber nicht nur kulinarisch wird es hart werden. Nein!! Auch radtechnisch kommt so einiges auf uns zu. Bolivien ist ein eigenes Pflaster und sucht seinesgleichen vergeblich in Südamerika. Nicht die Steigungen zwingen einen in die Knie, sondern Sand, Wellblechpisten und Sturm sind unsere drei Gegner für die nächsten Wochen. Wir werden schieben, fluchen und sicher verzweifeln. Denn nicht nur ein Radler hat uns gesagt: in Bolivien musst du stark sein, MENTAL stark. Tja, die Oberschenkel hatten die letzten tausenden Kilometer ein super Training und so manch einer wird meinen, dass die ein oder andere Situation/Strecke mental auch stärkend war. Aber wir sind uns da nicht so sicher ;-) ! Vor allem Sabrina zweifelt da an ihrer Stärke. Bolivien wird also eine andere Art der Herausforderung für uns werden. Und trotzdem: wir freuen uns darauf!! Warum?? Masochisten, ja genau! Aber auch weil wie in den WWW-Fragen zu lesen ist wir ja keinerlei Routenplanung zu Hause gemacht haben, sondern nur grob 3-4 Plätze hatten wo wir unbedingt hin wollten. Und Bolivien hat gleich zwei von ihnen: Salar de Uyuni und die berühmt- berüchtigte Lagunenroute. DARUM freuen wir uns. Weil wir kurz davor sind wo wir schon vor Monaten wussten, dass wir unbedingt hinwollen. Also, schluss mit quatschen, auf geht’s nach Bolivien.

Wir genießen den See, radeln und radeln,

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passieren das letzte peruanische Dorf, verwandeln dort noch einmal all unsere Münzen in Süßes, versprechen einer Senora, dass wir wieder kommen, kommen an der Polizeikontrolle vorbei an der der gelangweilte Polizist jeden einzelnen Stempel genau anschaut und eine Geschichte dazu hören möchte und machen uns auf den Weg nach Bolivien. Manchmal hat streiten auch etwas gutes, denn wir liegen uns ordentlich in den Haaren als wir nach Bolivien einreisen. Wären wir nicht so sehr mit uns beschäftigt gewesen, wären wir sicher sehr sentimental gewesen Peru zu verlassen. So sind wir plötzlich in Bolivien,

radeln auf der wohl miesesten Piste seit ??? und es hagelt nicht nur wieder vom Himmel sondern auch aus der Vorwurfskiste. Dadurch gibt es von dem Tag auch kaum Fotos und die ersten Eindrücke aus Bolivien sind auch nicht neutral gefärbt. So erreichen wir das ausgestorbene Dorf Puerto Acosta, warten bis der gute Herr in der Immigration seine Mittagspause beendet hat, stellen unsere Uhren eine Stunde nach vorne, suchen Windschutz hinter einem Haus, stopfen Kalorien in uns rein und kämpfen uns gegen den Wind noch ein paar Kilometer ins nächste Dorf. Dort dürfen wir in der Parroquia schlafen und freuen uns auf eine versprochene heiße Dusche…die wieder keine ist! Was für ein Tag!! Da freut es uns auch gar nicht so recht die neuen Sachen im neuem Land in den Tiendas zu erkunden.

Auf Asphalt, über doch mehr Höhenmeter als gedacht auf dem Altiplano, mit Gegenwind und paar Baustellen, über Sandpisten, … rollen wir Kilometer für Kilometer.

Auf einem Hügel

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flucht Sabrina vor sich hin, aber „positiv“. Wir rollen kilometerlang im Schneckentempo ohne es zu merken, weil wir komplett erstaunt sind von dem Anblick: eine laaaaange schneebedeckte Gebirgskette mit einem Giganten in der Mitte. Die Cordillera Real. Wir befinden uns auf 4000hm und neben da gibt es Berge die noch viiiel höher sind neben uns. Es sieht fantastisch aus.

 

DAMIT haben wir definitiv nicht gerechnet. Auch wenn man auf den Bildern evtl. nicht viel erkennt, WIR haben jeden Millimeter den die Wolken freigeben aufgesaugt.  Sabrina ganz ernst: “ kann man in diesen Bergen auch radfahren?“.

Wie gerne werden wir doch überrascht.

Darum nehmen wir auch unser Mittagessen mit Blick auf diese tollen Berge ein und vergessen uns vom See zu verabschieden. Die Berge geben uns soviel Motivation, dass wir uns auf 110km puschen, zum wiederholten male Autowaschen im Fluss sehen,

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und wieder in einer Kirche landen. Der Padre ruft seine italienische Freundin an, ob er auch uns zum Abendessen mitnehmen kann. Ja klar! So gehen wir WARM duschen (in Zivilisation fünf Tage nicht duschen zu können, weil entweder nicht vorhanden oder nur aaaa kalt, ist überraschend), ziehen uns um und gehen zum Haus der Italienerin. Wir treten in die Küche und …ooooh, da sitzen dutzende Jugendliche. Aaaaah, wieder eine italienisch geführte kirchliche Organisation.

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Es gibt Pizza!! Mit spanischem Schinken! Und Bier!!! Wir sind im siebten Himmel….denn wir wollten heute Essen gehen und Bier trinken, denn wir haben unsere 8000km Marke verpasst (kurz vor der Grenze). So sitzen wir in der geselligen Runde und merken, dass wir auf einer Geburtstagsfeier gelandet sind. Die Gastgeberin hat heute Geburtstag. Die Torte wird gebracht und nach lautstarken Rufen „getötet“.

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Wirklich lustig bei einer bolivianischen Geburtstagsfeier für eine Italienerin dabei zu sein.

Um 7 Uhr sitzen wir bei kalten 4 Grad auf unseren Rädern und strampeln die letzten flachen Km nach La Paz ab.

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Lange Zeit wollten wir hin, in Cusco dachten wir dann nur: nein, nicht noch eine Großstadt, …. aber jetzt haben wir uns doch entschieden. Der berühmte Vorort El Alto und seine Vororte ziehen sich wie ein Kaugummi über 20 km dahin. Es wird gerade gebaut, daher haben wir tlw. die Straße für uns alleine.

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Hier leben vor allem sehr arme Leute vom Land die ihr Glück in einer Großstadt versuchen wollen. Seit ein paar Jahren hat die mittlerweile selbstständige Stadt El Alto aber fast genau so viele Einwohner wie La Paz und wächst täglich um hunderte Leute. Wir halten um etwas zu Essen. Wir fühlen uns nicht unwohl, wie wir von ein paar anderen gehört haben und genießen das doch recht gute erste bolivianische Essen.

So gehen dann auch die letzten Km bis zur Autobahn.

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Von dort hat man einen grandiosen Ausblick auf La Paz.

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Wir können nicht glauben was wir sehen. Obwohl so viel Smog uns die Fernsicht versperrt ist es beeindruckend. Wir rollen auf tlw. abgesperrten Spuren wegen Bauarbeiten die vielen Km hinunter ins Zentrum und suchen uns den Weg in die Casa de Ciclista. Dort treffen wir wieder auf Robert, dem wir Sabrinas alten Radmäntel gegeben haben und was sehen wir da… er hat Sabrinas alte Hose an. Die hatten wir im Hostal in die „ zur Verfügung für alle“ Kiste gegeben und er hat sie sich genommen. Wir liegen alle vor lachen fast am Boden.

Ein Grund warum wir doch nach La Paz gefahren sind ist, dass wir uns Routeninfos erhofft haben. Argentinien und Chile sind ein großer grüner Fleck auf unserer Gehirnlandkarte. Ebenso wollten wir Erfahrungen aus erster Hand haben über die anstrengende Lagunenroute. Aber nichts da :-( . Die zwei Radler die Richtung Norden unterwegs sind, sind weder die Lagunenroute gefahren noch für uns interessante Strecken weiter im Süden. Naja. So besichtigen wir zumindest einen der größten Märkte auf der Welt. Hierfür fahren wir mit der Gondelbahn

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(Doppelmayr hat sie gebaut) wieder nach oben nach El Alto. Zur Zeit existieren 3 Gondelstrecken, sechs weitere sind in Planung/ Bau. Es soll den chaotischen Verkehr entlasten und ist tlw. günstiger als Busfahren, also ein ichtiges öffentliches Verkehrsmittel. Für Touristen bietet er einen tollen Blick aus der Vogelperspektive, hier z.B. auf einen riesen Friedhof.

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Der Markt ist wirklich sehr groß – man kann hier dutzende Male herkommen und hat immer noch nicht alles gesehen. Was man braucht und was man glaubt zu brauchen bekommt man hier: neu, alt, gebraucht, Ware aus China, Obst, Gemüse, Autozubehör, Medizinbedarf, …. .

Wir genießen den Rummel und freuen uns, dass die Sicht heute besser ist – La Paz ist auf einer Seite eingerahmt von der Cordillera Real und wir haben einen tollen Blick darauf.

Abends treffen wir uns mit der französischen (Tandem-)Familie. Sie hatte eine Zwangspause, weil bei Sophie nach einem Sturz ein Beinbruch festgestellt wurde, der jetzt glücklicherweise doch keiner ist. Ebenso sind Laura und Nicolas eingetroffen, wohnen aber in einem Hostel, mit ihnen gehen wir Mittagessen.

Alte Gewohnheiten, neue Sitten; Wir verwirren die Marktfrauen, weil wir Brot für 4 Bolivianos wollen und nicht nach Stück kaufen, wir rechnen ALLES in Soles um (nicht vergleichend mit Peru, sondern wirklich, wow…das sind 5 Soles, das ist ja teuer ;-) …. so lange waren wir in Peru, dass die Währung in Fleisch und Blut übergegangen ist), freuen uns, dass sie auch alle Wörter verniedlichen und versuchen uns durch die neuen Essensbezeichnungen zu lesen. Auch in diesem Land bleiben wir stets auf der Suche nach neuen Getränken.

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Und jetzt heißt es wieder raus aus dem Großstadtdschungel, rein in die Natur!!