Kurzausflug nach Chile

La Paz nach Sabaya via Nat. Park Sajama und Nat. Park Vicuna/ Lauca in Chile

Ausnahmsweise veröffentlichen wir zwei Einträge gleichzeitig. Aber unter: Zugabe, Zugabe, … gibt es mehr zu sehen, als zu lesen ;-)

Nach 2 Tagen verlassen wir La Paz wieder. Mit einem genauen Ziel vor Augen: Chile – San Pedro de Atacama. Es hat sich nämlich sehr spontan Besuch angemeldet. Sabrinas Bruder, samt Freundin und Nichte machen Urlaub in Chile und wollen uns besuchen.

Da sie sich ein Leihauto nehmen werden, nimmt es uns den „Druck“ an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit sein zu müssen, denn in Bolivien können und wollen wir keine Distanz mit dem Bus überbrücken. Sabrina hüpft wie ein Rumpelstilzchen wenn sie daran denkt, dass sie bald ihre kleine Nichte sehen kann. Auf den Bruder und die Schwägerin freuen wir uns natürlich auch ;-) .

Aus dem Talkessel La Paz geht es für uns raus so wie es die meisten Radler machen. Auch wir haben nämlich keine Lust auf den hektischen und chaotischen Stadtverkehr inklusive über einer Stunde auf der Autobahn im Schneckentempo nach oben zu kriechen, während die Autos nur so an einem vorbeirasen. Darum nehmen wir den Minibus zum Flughafen, somit befinden wir uns wieder auf El Alto.
Der restliche Tag verläuft unspannend. So unspannend, dass wir nur 1 Foto machen und das Wolfi mehrfach fast den Sekundenschlaf verfällt. Langweilig also! Verständlich, dass so mancher Radler einen Bus weiter in den Süden nimmt. Wir sind von den letzten Monaten so verwöhnt, wo es 99% der Zeit was zu staunen gab, dass ein Tag ohne besonderer Landschaft für uns so anstrengend ist wie einen 4800hm Pass zu überwinden ;-) . Einziges „Highlight“ heute: ein starkes Gewitter wie von Zauberhand das innerhalb von wenigen Sekunden über uns herfällt. Wir bleiben stehen und versuchen uns mit eiszapfigen, schmerzenden Fingern unsere Regensachen anzuziehen. Der Sturm ist so stark, dass er sogar Sabrinas Rad umwirft. Der darauffolgende Hagel schmerzt im Gesicht.

Wir schaffen es trotz des späten Startes und des hügeligen Terrain bis zur Kreuzung Richtung Chile. Chile?? Genau! Eigentlich hatten wir immer im Kopf, dass wir von La Paz geradewegs zum Salar de Uyuni wollen. Aber vor kurzen bekamen wir den Tip von dem Nationalpark Lauca in Chile, sowie von einem wunderschönen Vulkan + Nationalpark kurz vor der Grenze. Inklusive Offroad! Da braucht man uns nicht zweimal bitten! Auch wenn es ca. 5-7 Tage mehr sind um zum Salar de Uyuni zu kommen und wir schnellen Asphalt gegen bremsenden Sand eintauschen, wir nehmen natürlich diese Option.

In der unübersichtlichen, chaotischen Kleinstadt suchen wir ewig lange nach einer normalpreisigen Unterkunft. Als Wolfi in einer nachfragen gehen möchte, beisst ihn ein Hund in den Oberschenkel. Sabrina hört von draußen nur ein Schreien und ein Hundegekläffe. Es hört sich durch den hallenden Gang wirklich grausam am, aber zum Glück ist der Schreck größer als die Wunde. Der Hund hat die Hose nicht durchbissen, daher haben wir keine Infektion zu befürchten.

So biegen wir also Tags darauf Richtung Grenze ab. Viel (für unser Gefühl) Schwerverkehr , aber die meisten LKWs machen einen riiiiiesen Bogen um uns. Wir bedanken uns stets mit einem Gruß und einem Daumen nach oben. Anfangs ist gähnende Leere.

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Wir sehen nichts und so zieht sich jeder Kilometer ins endlose. Aber nach ein paar Hügeln ändert sich die Landschaft schlagartig. Sie wird bunt und bizarr.

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Damit haben wir wiedereinmal nicht gerechnet. Durch die Ablenkung radelt es sich durch das stark hügelige Land schon leichter.

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Gräber aus dem 12. Jahrhundert zieren hier die Landschaft.

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Man findet sogar noch Gebeine darin.

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Da die Sonne für unser Gefühl extrem „runterknallt“ schaffen wir uns heute unseren eigenen Schattenplatz zum Mittagessen.

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Sabrina hat sich in Cusco aus Gewichtsgründen von ihrem Handtuch verabschiedet und für dieses Universaltuch entschieden. Es fungierte schon als Duschtuch, Duschvorhang, Vorhang vor Fenstern wenn es draußen zu hell war, Sonnenschutz, Schal, Umhang nach der Benutzung von Gemeinschaftsduschen, Picknick-decke, Strandtuch, Umkleidehilfe, …. wir finden es praktisch.

Immer weiter, Km für Km radeln wir in dieser tollen Landschaft dahin.

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Manchmal erinnert sie uns an die Wüste in Kolumbien.

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Wir sind eindeutig am Ende der Trockenzeit unterwegs.

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SO macht Asphalt spaß!!! Windschnittig machen und schon wird die Abfahrt ein Genuss!

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Es ist zwar erst kurz nach 15 Uhr, aber nach 95km in dem Terrain reicht es uns. Den ganzen Tag über haben wir nur zwei Minidörfer passiert (ohne jegliche Versorgung). Jetzt nehmen wir die Chance in Curva (= Kurve, 5 Häuser an einer Kreuzung) für eine überdachte Schlafmöglichkeit und finden unser Glück in einem Garagenrohbau.

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Der Sand staubt zwar wie verrückt weil es zieht, aber was soll’s. Gut, dass wir uns bereits am Abend zuvor in der Stadt mit Nahrungsmittel eingedeckt haben. Außer viel Süßes und Getränke finden wir in den 4 Bodegas nichts brauchbares.

Die Nacht war für Wolfi unruhig. Er fühlt sich total erschöpft in der Früh und auch flau im Magen. Wir starten und schnell merken wir wie schwach er heute wirklich ist. Selbst bei den leichtesten Steigungen (und das auf Asphalt) braucht er Verschnaufpausen. Nachdem Sabrina Fotos von den immer näher kommenden, beeindruckenden Vulkanen gemacht hat, findet sie ihn sogar liegend im Straßengraben wieder.

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Na toll, das verheißt nichts gutes! Er hat keinen Appetit und Durchfall kommt auch noch hinzu – so brauchen wir in den Nationalpark gar nicht fahren. Aber bis zur Abzweigung wirkt zumindest das Schmerzmittel gegen die Muskelschmerzen und er entscheidet, dass wir den Nationalpark und somit die Offroadvariante wagen. Kurz vor der Abzweigung entdecken wir diese Felsformationen.  Das Loch IM Felsen ist unglaublich.

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Wir biegen also ab und sogleich befinden wir uns auf Sand. Das heißt Luft raus aus den Reifen und : „ Lasst uns die Sandspiele beginnen!“. Vom Gefühl her fahren wir ins ewige Nichts,

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ganz nahe am Vulkan Sajama (6542hm),

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durch steppenartige Landschaft

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und an verlassenen Dörfern/Häuseransammlungen mit wunderschönen Kirchen vorbei.

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Hier gibt es sogar einen Friedhof. Jedoch restlos überfüllt würden wir meinen.

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Alles komplett ohne Verkehr. Herrlich!! Wir nutzen die Gelegenheit und tanken Wasser bei einem Brunnen auf.

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Zwischendurch geht es Wolfi etwas besser und wir kommen gut voran. Immer wieder dieser Blick auf den Vulkan und auf seine Zwillingsnachbarn, welche sich bereits in Chile befinden.Wir sind froh, dass wir uns für diesen Weg entschieden haben. Auch wenn die kleinen Wirbelstürme etwas einschüchternd sind.

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Liegt vielleicht an unserer Erfahrung mit ihnen. In Peru sind wir nämlich einmal genau in einen geraten. Da hilft nur schnell abbremsen, beide Beine breitbeinig auf den Boden, Bremsen anziehen und sich wegdrehen vom Wirbelsturm. Wahnsinn was so ein kleines Ding an Kraft hat.

Wir radeln auf über 4000 Metern Höhe und es ist ziemlich heiß ( über 30 Grad in der Sonne). In der Früh sind wir noch mit dicken Handschuhen, Tuch um den Kopf und mit eingefrorenen Zehen bei knapp unter Null Grad losgeradelt. Und jetzt steigt Sabrina nach Monaten sogar wieder auf Sandalen um. Spannend diese Temperaturschwankungen.

Unvermeidlich, dass wir beim Mittagessen in einem Nationalpark einen grandiosen Ausblick haben.

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In so einer Gegend kann man nur genießen! Und nicht aufhören Fotos zu machen ;-)

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Selbst Zäune können uns nicht aufhalten.

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Wir passieren ein Dörfchen wo wir aufgefordert werden die Gebühr für den Nationalparkeintritt zu zahlen. Dazu sind wir prinzipiell gerne bereit, aber wir verstehen wirklich nicht warum wir genauso viel zahlen sollen wie Autos. Jedes Argument von wegen, dass wir die Piste im Gegensatz zu den Jeeps nicht zerstören und auch keine Abgase produzieren, prallt beim Parkranger ab. 100 Bolivianos ( 13Euro) pro Person sind auch einfach viel Geld für hier, da war (wäre, wir wurden ja nie kontrolliert ;-) ) jeder Park in Peru günstiger. Nachdem wir bezahlt haben will er dann auch noch ein Foto von uns – Sammlung der Radfahrer die hier vorbeikommen. Vielleicht hätten WIR hierfür Geld verlangen sollen ;-) .

Am frühen Nachmittag schleppt sich Wolfi bereits wieder über die Piste und schiebt sogar teilweise. Wir entschließen, obwohl nur noch weniger als 1 Km bergauf fahren vor uns liegt, zu campen und es nicht noch bis Sajama zu versuchen. Sabrina ist es recht, campen bevorzugt sie so und so. Alles ist bewachsen von den stark piksenden Gräsern, daher nehmen wir ohne bedenken einen freien Platz nur 3 Meter neben der Straße. Panoramablick inklusive.

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Seit wir von der Asphaltstraße abgebogen sind haben wir kein einziges Fahrzeug mehr gesehen, also kein Problem. Wolfi fällt kurz darauf ins Zelt und schläft.

So sah also unser erster Hochzeitstag aus ;-) ! Wir finden, bis auf die Tatsache, dass es Wolfi nicht gut ging, war er perfekt. Wir hatten alles was wir gerne haben: hohe „Berge“ (hier in Form von Vulkanen), schneebedeckte Gipfel, Silencio, beeindruckenden Landschaft, Tiere, Radfahren inklusive all unseren sieben Sachen, Offroad, campen, … was will man mehr für einen gelungen ersten Hochzeitstag? Einen gesunden Mann, ja genau, aber sonst??? Für uns hätte er nicht perfekter sein können. Manche schenken sich zum Hochzeitstag Schmuck, ein Candlelightdinner, Blumen, … aber was schenkt man sich auf einer Radreise?! Genau, was praktisches und das nicht viel wiegt. Daher „neue“ Hemden, „second -hemd“(oder third, fourth, ….) gekauft am El Alto Markt um etwas schicker auszusehen! (Die alten waren aufgrund der Sonne am Rücken schon komplett ausgebleicht).

Am nächsten Morgen stehen wir nur kurz für den Sonnenaufgang auf, dessen Höhenpunkt wir leider knapp verpassen. Danach legen wir uns noch einmal kurz nieder. Heute stehen ja nicht mehr viele KM am Programm, daher warten wir im Zelt bis die Sonne komplett aufgegangen ist und uns beim Frühstück wärmt. Beim einpacken des Zeltes merken wir, wovor wir gewarnt wurden. Der Sand ist so fein, er verkriecht sich in alle Ecken. Wie eine feine Staubschicht überzieht er das Zelt und auch sonst alle anderen Sachen. Auf Dauer kann dieser z.B. Reißverschlüsse zerstören, daher ist Vorsicht geboten.

Die Zwillingsvulkane sehen heute aus als wären sie aktiv,

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sind aber nur normale Wolken.

Unsere neue Anschrift:

Sabrina und Wolfgang Schachner, Nationalpark Sajama, Haus Nr. 3

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Bei einem anderen Vulkan der sich uns kurz vor Sajama zeigt und ebenfalls schon in Chile liegt, sind wir uns jedoch nicht ganz so sicher ob er nicht doch wirklich raucht.

Eine Gruppe Vicunas kreuzt unseren Weg.

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Der Sand wird immer tiefer, unsere Räder schlittern oftmals wie auf blankem Eis dahin. Wir müssen Erstmal die ein oder andere Technik ausprobieren um möglichst stabil, bzw. nicht stecken zu bleiben. Auf bergab fahren brauchen wir uns künftig auch nicht mehr freuen: im Sand ist es eine Rutschpartie und vor allem kräftezehrend – wir treten nämlich bergab auch ordentlich in die Pedale um voran zu kommen. So rollen wir also in Sajama ein und beziehen ein ziemlich überteuertes Zimmer. Eigentlich wollten wir uns zum Hochzeitstag durchaus was gönnen, aber irgendwo im nirgendwo in Bolivien österreichische Unterkunftspreise zu zahlen, da hört es sich auch für uns auf. Daher nehmen wir ein Zimmer mit geteilten Bad ;-) und nicht in einem der Häuschen. Was soll’s – wenn man drinnen ist merkt man den Unterschied so und so nicht.

Wir klappern alle Bodegas in diesem verlassenen Dorf ab (auch hier ist es soooo still) und werden zum Glück in einer sogar für Haferflocken fündig. Es braucht ganze 5 Bodegas bis wir alles zusammenhaben was wir brauchen. Ganz klar, wir suchen ja auch nach exotische Sachen wie Nudeln, Fisch in der Dose und Zucker ;-) .

Wenn es Wolfi besser geht fahren wir weiter nach Chile und werden dort 5 Tage lang keinerlei Nahrungsmittelversorgung haben, daher dieser Hamsterkauf. ( Hier am Foto fehlt noch Brot für 3 Tage und Vitamine)

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Sonst waschen wir Wäsche,

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lassen uns von einem Schneegestöber überraschen, entspannen beim Lesen,

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bereiten Kaffee (für Sabrina) und Tee ( für Wolfi) zu, …. und das alles mit dem mächtigen Vulkan Sajama im Hintergrund. Ein toller Ort um sich zu entspannen, wieder gesund zu werden und mit Wein und einem Film den Hochzeitstag nachzufeiern.

An unserem freien Tag zieht es uns zu Fuß ganze 8 km in die hügelige Landschaft zu den Geysiren. Zuerst sind wir etwas enttäuscht, dass sie nicht wirklich in die Höhe „zischen“ wie wir uns das vorgestellt haben, aber spätestens nachdem wir einen Blick in die Löcher werfen sind wir fasziniert.

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Das praktische daran ist, dass das heiße, schwefelhaltige Wasser in einen benachbarten kalten Fluss fließt und somit eine ideale Badetemperatur ergibt. Mit Bier, Keksen und einer deutschen Zeitschrift (gefunden im Hostel; Titel: sei nett zu dir selbst ;-) ) genießen wir die wohlige Wärme.

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Unsere alten Hemden können hier noch einmal ihre letzten Sonnenschutzdienste leisten (obwohl es ziemlich bewölkt war).

Die Geysire nutzen wir dann gleich auch zum Eier kochen, wie praktisch ;-) !

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Nur bedenken wir nicht, dass wir auf über 4000hm sind und daher das Wasser ja bereits bei ca. 87 Grad kocht, daher ist das erste Ei auch noch sehr schwabbelig nach seinem 8 Minuten Geysirbad. Am Rückweg steht er wieder da – dieser massiver Vulkan in der tollen Landschaft. Immer noch zum Kinnlade-runterfallen.

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Eine Tiendabesitzerin kocht für uns zu Abend. Am Weg dorthin bestaunen wir den Sonnenuntergang hinter den Zwillingsvulkanen.

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Ein letzter Kraftakt für diesen Tag: der Kampf mit den schweren Bettdecken. (In Sajama brauchten wir 4 davon und tlw. holten wir uns noch eine in der Nacht). Gefühlte Tonnen sagen wir euch!

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Wolfi geht es wieder besser und darum verlassen wir am nächsten Morgen diesen speziellen Ort.

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Eine Rumpelpiste mit viel Sand führt uns zur Hauptstraße zurück. Wolfi kommt ins schlittern und rammt mit seiner linken Vordertasche einen Stein. Es knaxt einmal laut, danach sieht man in der Einöde einen wütenden Wolfi auf und nieder hüpfen und lautstark vor sich hin fluchen. Die Aufhängung ist nun endgültig gebrochen (Rückblick: es ist die Tasche, welche beim Autounfall in Ecuador am schwersten beschädigt und bei einem Kuststoffschweißer geflickt wurde. Sabrinas Eltern haben versucht Ersatz mitzunehmen, aber auch nach 2 Monaten und mehrmaligen urgieren, kam die Tasche leider nicht rechtzeitig in ihrem Fahrradladen an. Wir dachten, nicht so schlimm, hat ja bis jetzt gehalten). Gedankenfetzen kreisen durch unsere Köpfe: wie sollen wir so in den Nationalpark in Chile; so können wir die Lagunenroute vergessen; in La Paz gibt es sicher keinen Ersatz – sollen wir trotzdem retour; …. . Mit bisschen Gefummel und einer langen Schnur können wir sie zumindest provisorisch ans Rad pfuschen. Nur nicht zu genau hinschauen oder darüber nachdenken ;-) . Zum ersten Mal nervt das nicht vorhandene Internet in Bolivien – wir werden es erst wieder in ca. 8-10 Tagen haben – denn sonst könnten wir gleich unseren Besuch informieren, dass wir dringend Ersatz brauchen. Trotzdem, was für ein Glück, dass sie kommen, sonst hätten wir nicht einmal die Chance auf Ersatz!!!

Wir strampeln einen Pass hoch wo offiziell Chile beginnt und ein neues Grenzgebäude für beide Länder gebaut wird (wer erkennt das grüne Pickerl im rechten Stern ;-) ; wir waren es nicht; Steiermark: das grüne Herz Österreichs)

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und rollen, somit bereits auf chilenischem Gebiet, 15km hinunter bis zur „Grenze“. Eine laaaaaaaaange Schlange von Trucks steht an, wir rollen einfach daran vorbei.

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Wir finden sie bringen etwas Farbe in diese Landschaft.

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50 Meter vor der Grenzabfertigung steht ein verlassenen Häuschen. Dort verstecken wir all unsere nicht-erlaubten-Sachen, wie Bananen, offene Haferflocken, offener Zucker, Cocablätter, ….frühstücken

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und rollen weiter um unsere Stempel zu erhalten. Siehe da, beide bekommen wir ohne irgendwelcher Kontrollen. Hallo?? Wir haben von jedem Radler und Rucksacktourist gehört, dass ihr Gepäck geröntgt wurde. Soviel mühen haben wir uns mit dem verstecken gemacht. Wir sehen sogar das riesige Röntgengerät vor uns stehen. Jetzt sind wir aber schon etwas enttäuscht, so gerne hätten wir unser Rad am Röntgenbildschirm gesehen. Aber wenn Mittagspause ist, ist Mittagspause ;-) .

Also wieder retour zum Häuschen, Sachen einpacken und direkt rein in den Nationalpark Lauca oder auch wie wir ihn nennen: die Sandkiste. Unsere Räder bleiben nämlich so gut wie gleich stecken. Das bedeutet wieder etwas Luft raus aus den Reifen und nochmal versuchen. Es geht erneut einen Pass nach oben, es stürmt ganz schön und der tiefe Sand fordert uns.

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Auf der anderen Seite sehen wir in der Ferne etwas, das uns evtl. Windschutz beim Essen bieten kann, also rollen und schlittern wir bergab. Tatsächlich, etwas Schutz bietet dieser sehr skurrile Schrein mitten im Nirgendwo.

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Keine halbe Sekunde nach diesem Foto produziert Sabrina die dicksten Krokodielstränen die sie im Repertoire hat. Eigentlich lässt sie, wie Wolfi, sehr oft den Helm auf, auch bei Pausen (Haare verheddern sich immer und Sonnenschutz ist er auch). Ausgerechnet heute nimmt sie ihn ab und als sie von der Kamera zum Schrein läuft und sich schwungvoll hinsetzt, stößt sie sich so stark den Kopf an der Betonkante, dass wir uns sicher sind, dass man dem Dumpferer bis Sajama gehört hat. Das gibt sicher eine mega Beule – hoffentlich passt der Helm noch drauf.

Weiter bergab finden wir einen idealen Schlafplatz – Aguas thermales – mit einem kleinen Häuschen wo unsere Isomatten ideal reinpassen würden.

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Der Müll verrät, hier waren wohl schon andere Radler ;-) wer sonst isst Packerlsuppen und Fertigkartoffelpüree ?

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Aber 15Uhr ist uns heute zu früh zum aufhören und so radeln wir weiter. Wir befinden uns im Nationalpark Vicuna. Bereits in Peru haben wir ja viele von ihnen gesehen, aber nie solche riesige Herden wie hier. Wir mögen diese grazilen Tiere und freuen uns immer noch wenn wir sie zu Gesicht bekommen. Leider sind die großen Gruppen immer gleich geflohen und in der Landschaft sind sie so und so perferkt getarnt. Gar nicht so leicht also mit der Kamera einzufangen.

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Es wird wieder hügelig, die Sonne geht immer weiter unter und bald kommen wir in die Not keinen idealen Campingplatz zu finden. Wir passieren das erste Minidorf mit ca. 10 Häusern, aber KEIN Mensch ist da. Es ist bereits 17Uhr30 (bolivianische Zeit; in Chile ist es jetzt eigentlich schon 18Uhr30, aber wozu Uhren umstellen für 5 Tage ;-) ). Einfach das Zelt vor einem Haus aufbauen wollen wir auch nicht und so radeln wir weiter. Unsere Augen suchen die Gegend nach etwas Windschutz ab und zum Glück werden wir fündig: juhu, eine Coralle. Und dann auch noch mit so einem grandiosen Ausblick auf brennende Berge/ Vulkan.

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Was will man mehr??? Jetzt sind wir uns auch sicher, dass die Wolke die wir bereits in Sajama gesehen haben, eine Rauchwolke des Vulkans ist.

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Als alles verpackt ist rollen wir ins nächste Dorf: eine Polizeistation, eine Kirche, dutzende verfallene Häuser und vielleicht 5 Stück die noch bewohnt sind. Hier dürfen wir (Trink-)Wasser auffüllen. Weiter Richtung Süden stellen wir uns die Frage: was definiert eigentlich einen Nationalpark?? Uns passieren nämlich unzählige Lastwägen, die Salz vom nahen Salar in eine Fabrik transportieren um daraus Silizium zu extrahieren. Obwohl sie wirklich alle sehr bemüht sind uns nicht einzustauben, gelingt dies natürlich nur sehr mäßig auf dieser Sandpiste und mit Wind. Wenn mal für fünf Minuten keiner kommt, dann vergisst man sie schon fast. Aber eben nur fast. Da können auch die Vulkane die Stimmung nicht mehr retten.

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So wird der Vormittag sehr mühsam, die eintönige Mondlandschaft trägt ihr selbiges dazu bei und wir haben zum ersten Mal folgenden Gedanken: „Scotty, beam mich hier heraus.“ So weit wir uns erinnern können, ist es das erste Mal, dass wir mit einer Routenwahl unzufrieden sind und es gerne gegen eine Hauptstraße eintauschen würden. Wozu fährt man in einem Nationalpark, wenn man dann von mehr Lastern umgeben ist als auf so mancher Hauptstraße??? Am frühen Nachmittag erreichen wir dann endlich den Salar Surire (Salzsee) und sogar auf diesem rasen sie kreuz und quer. Was für ein verstörender Anblick. Unsere Informationen sind, dass hier seltene Flamingoarten leben. Wir bezweifeln das, bei dem Verkehr. Auch hier gibt es ein Dorf: eine Polizeistation, das ist alles. Chilenische Dörfer sind wirklich komisch ;-) .

Der Carabinieri, wie sie in Chile genannt werden, begrüßt uns sehr herzlich, Sabrina bekommt sogar ein Begrüßungsbuss’l auf die Wange. Wir fragen ob wir im Schatten des Hauses essen dürfen und unseren Wassersack auffüllen können. Alles kein Problem, wir werden sogar ins Haus gebeten. Ein Kamin, ein riesiger Fernseher und eine Sofalandschaft – was für eine Polizeistation ;-) . Obwohl wir mehrmals abgelehnen und bereits mit unserem Essen am Tisch sitzen, kennt der Carabinieri keine Widerrede. Denn keine Minute später steht vor uns ein Teller mit Reis und Fleisch, sowie Tomaten. Dazu gibt’s einen Tee und wenn wir brav aufessen bekommen wir auch jeweils zwei Zuckerln, verspricht er uns. Er wuselt durch die Räume, findet noch ein paar Zuckerln – für die Reise – und erzählt uns, dass hier und da mal Reisende vorbeikommen und er sich soooo gerne um sie kümmert und umsorgt. Wäre uns gar nicht aufgefallen ;-) . Das gefällt uns! Hier holen wir auch Routeninformationen ein, denn es gibt mehrere Möglichkeiten. Eigentlich haben wir eine Abkürzung ins Auge gefasst – eine Straße die für wenige Kilometer wieder nach Bolivien führt. Ein „illegaler“ Grenzübertritt also. Er rät uns davon ab, in letzter Zeit soll es zu Kontrollen gekommen sein und die Grenze zwischen Bolivien und Chile ist wie Mexiko und USA, sagt er. Ist vielleicht etwas übertrieben, aber uns reicht es, dass wir uns entschließen lieber den längeren Weg zu nehmen. So fahren wir also wieder 3 KM retour zur Kreuzung und umfahren den Salzsee an der Westseite. Wir passieren die Ein-und-Ausfahrt der Trucks für den Salar und haben somit danach endlich wieder unsere Ruhe von ihnen. Dafür zehrt der Wind jetzt an unseren Nerven. Es ist komplett flach und wir kämpfen uns mit sagenhaften 9 km/h durch die Landschaft. Eine Kurve: juhu: Rückenwind. Genau für 100 Meter, danach ist die Piste so schlecht, dass wir trotz Rückenwind und kräftigen Treten auf nicht mehr als 10km/h kommen. Wir halten aufgrund unserer gestrigen Erfahrung bereits seit über einer Stunde Ausschau nach einem Campingplatz. Um 17 Uhr wollen bzw. können wir aber nicht mehr – eine Wellblechpiste wie aus dem Bilderbuch

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+ Gegenwind + Steigung + später Stunde zwingt uns in die Knie. Daher nehmen wir was wir kriegen können. Zum lachen eigentlich. In den Bergen Perus hatten wir mühe einen Platz zu finden, weil es kaum ebene Flächen gab und jetzt haben wir Ebene im Überfluss und können trotzdem damit nichts anfangen ;-)

Grenzt schon an einen Verzweiflungsakt zu glauben, dass man hinter dem kleinen Büschchen wirklich windgeschützt ist ;-) .

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Aber die kleine Vertiefung im ausgetrockneten Flussbett bietet dann doch noch etwas Schutz. Der Sonnenuntergang über dem Salar und den angrenzenden Bergen ist wunderschön und der Wind legt sich auch bald. Wieder Glück gehabt!

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Jetzt müssen wir mal kurz jammern: Die Nacht ist wie die letzten Nächte auch schon verdammt unruhig. Sabrina kämpft seit Peru mit kaputten Lippen, die sich davor immer wieder erholt haben, aber seit Cusco leider immer schlimmer werden. Man könnte sie des Botoxmissbrauchs bezichtigen so geschwollen ist die Unterlippe ;-) . Jetzt beginnt es auch bei Wolfi. Sie sind so kaputt, dass die vielen offenen Stellen in der Nacht mit der Oberlippe zusammenkleben und nur schmerzhaft wieder zu trennen sind. Mittlerweile schmerzt sogar Essen und trinken. Sabrina verzichtet sogar oft auf kohlensäurehaltige Getränke, weil es brennt wie Feuer. Die kalte Luft in der Früh spürt sich an wie Nadelstiche. Spröde Lippen wie wir sie von zu Hause kennen sind wirklich nichts dagegen. Die trockene Luft, die Kälte und der Wind lassen unsere Haut und somit unsere Lippen extrem austrocknen. Sabrinas Knöchel an den Händen zieren dutzende kleine, aber immer wieder aufbrechende blutige Stellen. Wir haben schon alles versucht was uns hier zur Verfügung steht, aber geholfen hat bis jetzt nichts.

Geht’s uns jetzt besser nach dem sudern ?? Naja, die Lippen sind die selben, aber das Leid ist jetzt geteilt ;-) . Danke.

Die Pistenkombination ist natürlich am nächsten Tag auf dem Weg zum Pass die gleiche wie abends zuvor, aber ohne Wind. Die Beine sind etwas bleiern, aber mit der Ablenkung der wechselnden und faszinierenden Landschaft

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radelt es sich ganz okay in das Nichts.

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Kleine Viscacha (Chinchilla ähnlich) springen wie verrückt durch die Gegend oder lassen sich sonnen.

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Die andere Seite des Berges bietet uns einen wahnsinns Kontrast. Eine ewige Weite (und somit Ebene, juhu :-) )

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die, als wir unten sind, sich wie einen Wüste anfühlt. Wir radeln ganz schön lange bis wir endlich einen Fluss finden an dem wir Wasser auffüllen können.

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In einem Dörfchen, dass nur verfallene Häuser hat aber mit einer ziemlich neu wirkenden Kirche machen wir Mittagspause.

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Wieder zeigt sich ein neuer Vulkan. Überraschend! Ungefragt bekommen wir etwas „krunsch“ in unsere Sandwitchs, denn von jetzt auf gleich setzt wieder der Wind ein. So war es die letzten Tage auch schon. Der Wind beginnt nicht langsam, also kein….“hallo, Achtung, jetzt geht der windige Nachmittag los“ – sondern ein „hallo, DA BIN ICH“.

Und dann knacken wir innerhalb einer Stunde zweimal den Lotto Sechser. Eigentlich den Lotto Sechser mit Zusatzzahl:

Wir radeln gemütlich vor uns hin, als wir in der Ferne einen großen Vogel am Straßenrand sitzen sehen. Je näher wir kommen umso unglaublicher wird es. Es wird doch kein Kondor sein?? DOCH!! 5 Meter von uns entfernt SITZT ein Kondor.

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Ihn am Himmel zu sehen ist schon groooßes Glück, aber dass er vor einem sitzt!!! Wir versuchen uns so wenig wie möglich zu bewegen. Und dann setzt er zum Flug an.

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Er reisst seine Flügel auf und wir sind einfach nur noch baff. Dass diese Tiere eine Spannweite von bis zu 3 Metern erreichen können ist uns bewusst. Aber wenn dann so knapp vor dir ein so mächtiges Tier seine Flügel über die ganze Fahrbahn aufspannt,

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dann kannst du es nicht fassen. In dem Moment können wir es wirklich nicht ganz realisieren was wir sehen und vor allem wie nahe. Unsere Recherchen im Nachhinein haben ergeben, dass es sich um ein junges Männchen handeln müsste. Also noch nich einmal ausgewachsen!

Kurz darauf läuft im Gestrüpp neben uns eine kleine Horde von Suris. Sie sind vom Aussterben bedroht und gehören zu den Andenstraußen.

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Jetzt hätten wir wirklich gerne einen Lottoschein, denn bekanntlich sind ja allen guten Dinge drei – wir würden den Jackpot in dem Moment sicher knacken ;-) .

An einem Fluss mit diesen tollen grünen Pflanzen

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und sowas von knuffigen Alpakas

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geht es ein kleines Stück dahin, bevor wir uns den Weg nach oben bahnen und dafür eine Vogelperspektive auf den Fluss bekommen.

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Wir glauben es kaum, aber wir haben Rückenwind. So flitzen wir über die hügelige Landschaft dahin. Heute ist der Sand eher weiß – so würden Karbikfans auch in Chile auf 4000hm ihre Freude haben.

Wir haben aufgehört zu zählen. Der wievielte Vulkan ist es?

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Generell kommen wir schneller voran als gedacht. Ein Blick auf die Karte zeigt, dass es kein Problem wäre noch heute Abend es bis zur Grenze zu schaffen. Aber wir wollen noch einmal im Nationalpark schlafen, da wir wissen, dass es Aguas thermales gibt. Also biegen wir ab

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und schlagen unser Zelt, millimeter genau passend zwischen den einbetonierten Picknicktischen, auf.

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Die restliche Sonne genießen wir noch, kochen zu Abend und verkriechen uns im Zelt. Beim Essen bekommen wir immer wieder Besuch von einer sehr neugierigen, mutigen Wüstenspringmaus.

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Danach warten, warten und warten wir…. dass endlich der Wind nachlässt, denn wir wollen in den Aquas thermales bei Sternenhimmel baden. Aber Pustekuchen …. der Wind pfeift noch lange, so lange dass uns schon die Augen zufallen. Also geben wir gefrustet auf und legen uns ins Zelt. Kurz vor Mitternacht wacht Sabrina auf und merkt, dass es windstill ist. Kurz zögern wir unsere flauschig, warmen Schlafsäcke zu verlassen. Aber dann siegt doch das Wissen über die einmalige Chance. Darum kriechen wir raus, ziehen uns unsere Skiunterwäsche aus (ein kleines Lüftchen weht trotzdem noch, brrrrrr kalt) und …. .ja und??? …. nichts! Sabrina kommt genau mit einem Bein bis zum Knie ins Wasser ……..aaaaaaaaaaaaahhhh, das ist ja nur lauwarm!!!! Obwohl es um die Null Grad Außentemperatur hat, dampft das Wasser nicht einmal. Also ist es wirklich nur lauwarm. Wieder überlegen wir kurz hin und her, aber das macht keinen Sinn. Innerhalb einer Minute wären wir komplett ausgekühlt und könnten den Sternenhimmel sicher nicht genießen. Also trocknet sich Sabrina gefrustet das halbe Bein ab, wir ziehen uns wieder an und schlüpfen wieder zurück ins Zelt. Aber man kann uns wirklich nicht vorhalten, wir hätten es nicht versucht ;-) .

Nach ein paar Kilometer spuckt uns der Nationalpark bei einer Asphaltstraße wieder raus. Resümee über den Nationalpark Lauca: bis auf den dreiviertel Tag Lastwagenplage hat er uns, trotz des vielen Sandes und der Anstrengung, sehr gut gefallen. Also tauschen wir ihn doch nicht gegen einen Hauptstraße ein ;-) . Salzabbau hin oder her, wir finden der Park gehört allein schon wegen seinen vielen verschiedenen Bodenbeschaffenheiten (Wellblechpisten in verschiedenen Frequenzen, Sand in allen Farben, Schotter, Steine, …. ) geschützt ;-) .

Es heißt wieder raus aus Chile und erneut rein nach Bolivien (praktisch, denn man bekommt an der Grenze immer nur 30 Tage für Bolivien, das wäre ohne den Kurzaufenthalt in Chile zu kurz gewesen für uns). Immer das Selbe: man muss sich durchfragen oder durchraten wo man hin muss, was man ausfüllen muss, woher man die Zetteln bekommt, …. . An keiner Grenze auf der gesamten Reise war es bis jetzt eindeutig. Aber irgendwann stehen wir in der richtigen Schlange, zack zack, 2 Stempel mehr im Pass und wir nehmen unsere Räder und verlassen das Gebäude. Naja, nicht ganz. Wir wollen es verlassen. Taschenkontrolle! Na super! Mühsam, wenn sie uns was wegnehmen, aber viel haben wir eh nicht mehr und das nächste Dorf ist nicht weit. Zu unserem Glück ist der Beamte aber mehr als nur unmotiviert, denn obwohl seine auserwählte zu inspizierende Tasche ausgerechnet die Essenstasche ist, er die offenen Haferflocken und den Zucker in der Hand hat, sowie das Päckchen Cocablätter aus dem Topf zieht, lässt er uns durch. Was für eine sinnbefreite Aktion!!

Im benachbarten Dorf wird es dann anstrengend. Denn eigentlich wollen wir direkt von hier auf den Salar de Coipasa ….. fünf Menschen gefragt, 7 Meinungen bekommen. Der große Tenor sagt aber, dass es besser wäre wenn wir weitere 45 km auf Asphalt nach Sabaya fahren und dort auf den Salar fahren. Da wäre die Zufahrt besser, man könnte sich nicht verfahren und das Salz wäre trocken. Na gut, dann fahren wir halt den Umweg.

Sabrina muss eindeutig was an ihrer Einstellung ändern: sobald sie Asphalt unter den Rädern hat, ist alles nur noch halb so interessant. Obwohl die Landschaft immer noch schön ist ( Vulkan Nr. ?? oder doch der selbe wie gestern nur von einer anderen Seite?)

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und der Asphalt gut ist, hat sie so gar keine Lust. Der extreme Gegenwind nervt sie und so ist sie ausgerechnet jetzt mental gefordert nicht das Handtuch, bzw. das Rad, zu werfen. Den ganzen Nationalpark hindurch waren wir erstaunt wie gut wir die widrigen Sandbedingungen, die uns zum Schieben, Schlittern und Kämpfen verdonnert haben, weggesteckt haben. Und jetzt!?! Das Tüpfelchen auf dem i sind dann zwei Motorradreisende die an uns vorbeisausen: ich will auch ein Motorrad!!!!! jammert sie dann paar mal lachend vor sich hin. Eine Pause muss her. Sie sucht Windschutz hinter der Lenkertasche und Zuspruch bei Schokokeksen,

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aber weit kommen wir nicht. Der allround Ehemann entpuppt sich als Barmann und mixt ein Zaubergetränk,

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aber auch das hilft nur für wenige Kilometer. Stadt-Land-Fluss geht auch nur 3 Durchgänge lang, dann fehlt die Luft zum reden. Aber alles hat bekanntlich ein Ende, und somit auch diese endlose lange Steigung. Der Wind ist so stark, dass wir mit Musik aus einem 7 km Luftlinie entfernten Dorf beim Mittagessen am Straßenrand beschallt werden.

Dieses Plakat finden wir einfach nur super!! Allen voran die Posen der Männer. Aber auch der Slogan: Bolivien, ich liebe dich mehr. WAS FÜR STRASSEN !!!!

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In Sabaya zeigt sich die Polizei leider nicht wirklich hilfsbereit und so stellen wir unsere Räder in einer Unterkunft ab, genießen eine heiße Dusche und machen uns mal wieder auf Nahrungsmittel suche. „No hay“ …gibt es nicht: kein Thunfisch, keine Bananen, kein Brot, keine Haferflocken! Na super!!! Toller Tag! Zumindest gibt es Abendessen – wieder nichts besonderes, aber auch nicht sooo schlecht wie erwartet. Oder aber auch: wir haben uns einfach schon an Essen ohne Geschmack und Gewürz, mit zähem Fleisch und kaum Gemüse gewöhnt ;-) !!! -Fortsetzung folgt-

P.S.: immer noch nicht up-to-date. Wir sind bereits hinter Uyuni („Zeitschaltuhr“ machts möglich, dass Beiträge online kommen auch wenn wir kein Internet haben). Das erste ( nach der Hilferuf-whatsapp an Sabrinas Schwägerin) was wir gemacht haben in Uyuni: im Internet die Entstehung von Waschbrettpisten gegoogelt. Bekanntlich kann man Dinge besser akzeptieren, wenn man sie versteht ;-) :

Voraussetzung für die Entstehung der Struktur sind schwere Fahrzeuge, die ausreichend schnell über eine Straße fahren, deren Deckschicht locker aufgeschüttet ist. Eine Bodenvertiefung auf der Straße verursacht einen intensiven Bodenkontakt mit dem Rad des Fahrzeugs. Bei dem Herausfahren aus der Vertiefung bewegt sich das Rad wie auf einer Rampe nach oben, um nach einem kurzen Sprung eine weitere Bodenvertiefung vorzubereiten. Die Geschwindigkeit (größer 3 km/h), Masse, Radbreite und Dichte des lockeren Bodenbelags bestimmen die Größe und Lage der Bodenwellen. (Quelle: Wikipedia).