Von der Sandwüste zu den Weinreben

Von San Pedro de Atacama/ Chile via Paso Sico und Salta/ Argentinien nach Cafayate

Km total: 10.356 km

Hm total: 147.802hm

Nachtrag zum letzten Blog: falls sich noch jemand fragt, wie hoch eines der höchsten Geysirefelder der Welt in Bolivien /Lagunen route liegt, wir sagen’s euch: 4880hm

Vorspann zu diesem Blog: wir wissen leider noch nicht warum, aber unsere Kamera hat bei der Passüberquerung und den ungewohnt niedrigen Höhen wohl so ihre Probleme gehabt: einige Bilder sind unscharf und wir haben es erst jetzt beim aussortieren gemerkt. Also dieses mal leider nicht sooo tolle Bilder.

Wir sind faul. Nein, der Ausdruck „faul“ ist nicht zutreffend. Wir sind zwei Österreicher, also sind wir „gemütlich“! Aber so was von gemütlich. Haben regelrecht ein schlechtes Gewissen, dass wir so wenig mit unserem von weither angereisten Besuch besichtigen und unternehmen, aber … wir sind „zu gemütlich“! Die Anwesenheit von Familie und vor allem die Zeit mit der kleinen großen Maus genießen wir in vollen Zügen. Am Besten geht das natürlich bei einem täglich (durchschnittlich) 3 stündigen Frühstück/Brunch,

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einem täglichen wahnsinnig köstlichen Eis,

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kleinen Spaziergängen (Bewegung regt die Verdauung an ;-) )

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und einem täglich gleichen Abendessen ;-) .

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Täglich Grüßt das Murmeltier ;-)

Geschenke hat es auch wieder gegeben. Ein bisschen heimatliche Weihnachten gab es bei 30 Grad ( ganze Packung war mit viel Genuss nach 10 Minuten leider schon wieder leer),

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wir müssen uns keine Sorgen mehr um Wolfis Vordertaschen machen, der angeblich hitzebeständige Deckel passt jetzt auch wieder auf den Topf und für visuelle Unterhaltung ist dank einer Festplatte voller Filme auch wieder gesorgt. Unsere Lieblingsschoki aus der Schweiz wurde von uns so gut vor der Hitze und Kinderhänden (wir teilen prinzipiell gerne, aber die nicht ;-) ) versteckt, dass sie es nicht mal auf ein Foto geschafft hat.

Hier und da nützen wir dann das Mietauto, das unser Besuch ebenfalls mit dabei hat, doch und erkunden die Umgebung.

Falls sich jetzt jemand zurecht fragt, wo denn Sabrinas Bruder ist, hier die Antwort: er hat das „ich-bin-lieber-hinter-der-Kamera-als-vor-der-Kamera-Gen“ vom Vater geerbt ;-).

San Pedro, auf 2450hm hat aber noch andere Vorzüge für uns. Man kann die Dusche verlassen ohne Angst haben zu müssen, gleich zu erfrieren sobald das Wasser abgedreht ist; das Wasser in unseren Flaschen ist lauwarm und nicht kalt; man kann die Füße morgens aus dem Bett schwingen und auf den Boden stellen, ohne zu glauben man steht auf Schnee und sie sofort in Socken und Schuhe zwängt; nach dem Zähneputzen spült man nicht mehr mit Eiswürfeln den Mund aus…Wärme tut gut!

So vergeht die Zeit wie im Flug und wir sind alle überrascht, dass wir doch viel länger in San Pedro verbringen, als gedacht. Also verabschieden wir uns mit ganz schweren Herzen nach einer Woche von unseren drei Lieben, freuen uns jetzt schon auf Ostern 2017 wenn WIR sie besuchen kommen und treten in die Pedale, damit der Abschiedsschmerz nicht noch größer wird.

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Mit 5 Tagen Proviant im Gepäck heißt es: auf auf, nach Argentinien! Hierfür „durchradeln“ wir nicht die Anden, wie die Monate davor, nein, dieses Mal wollen sie „überradelt“ werden, also von einer Seite auf die Andere. Je nachdem welcher Pass in den nächsten Wochen aufmacht (tlw. geschlossen wegen Schnee), wird das vielleicht das letzte Mal auf so hoher Höhe auf dieser Reise sein ;-( .

Wir fahren den ganzen lieben langen Tag entlang der Atacama Wüste. Hört sich eintönig an, wird es auch mit der Zeit.

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Drückend heiß, Gegenwind und eine ständige Steigung machen uns gegen Ende den ersten Radtag schwer. Sabrina findet die Wüste zu trocken, daher lässt sie hier und da den Tränen freien lauf– die Nichte erst wieder in 6 Monate zu sehen fällt schwer.

Kurz vor Mittag treffen wir auf Jamun, Ribana und Torsten. Sie sind einen Tag früher gestartet, aber auch sie kämpfen mit der Hitze und haben daher die eintägige Etappe nach Socaire in zwei Tage aufgeteilt. Gemeinsam plagen wir uns also weiter.

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Vor allem Wolfi: seine mysteriösen Krämpfe sind schon wieder retour! Higlight von heute: wir überfahren den südlichen Wendekreis.

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Kurz vor Sonnenuntergang und mit allen Flaschen bis auf den letzten Schluck geleert kommen wir in Socaire an, kochen, plaudern kurz mit weiteren drei französischen Radlern die das gleiche Ziel haben wie wir und legen uns schlafen.

Wir starten wieder früh: Wind und Hitze möglichst lange ausweichen heißt unsere Motivation. Aber heute ist noch mehr der Wurm drinnen. Die Straße ist asphaltiert, die Steigung sieht okay aus, aber wir spielen mit dem Gedanken einen Pick-up anzuhalten so gering ist heute die Bereitschaft sich anzustrengen.

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Aber wieder handelt es sich um eine kaum befahrene Straße, also bleibt es bei dem Gedanken. Erst kurz vor Mittag wird die Landschaft dann wieder attraktiver und durch ein paar kurze Km auf einer Ebene bzw. ohne Gegenwind

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steigt die Motivation auch.

„Hier endet der Asphalt“ : Musik in unseren Ohren ;-) !

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Wir essen noch schnell zu Mittag und mit etwas Rückenwind machen wir uns weiter auf den Weg. Die Landschaft zeigt sich bunt, die Berge hoch, der Himmel blau, … jetzt rollts!

Und wenn wir mal nicht mehr radeln können, dann wollen wir so ein tolles Gefährt haben um uns die Welt anzusehen.

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Am Nachmittag erreichen wir den Salar mit seiner Laguna aguas thermales. Der Anblick, die wahnsinns Farbe des Wassers und die umgebenden Bergen werfen uns fast um.

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Die Berge sehen aus wie gemalt, man könnte fast meinen, dass das Foto bearbeitet wurde. Nichts da, sie sehen in Live genauso aus!!!

Hier steuern wir einen windgeschützten Platz am Ostufer an. Da war wohl jemanden langweilig, aber gekonnt ist gekonnt ;-)

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Es ist zwar erst kurz nach 15 Uhr, aber es gefällt uns

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und vor allem haben wir uns mit den anderen hier verabredet. Die Franzosen trudeln als erste ein

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und mit den letzten Sonnenstrahlen auch die deutsche Familie. So reihen sich unsere Zelte wie eine Perlenkette am Berghang entlang,

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in der Hoffnung dem Wind aus dem Weg zu gehen. Dieser legt sich aber schnell und mit ihm auch die Temperaturen – back to 3960hm. Nach dem Essen schlüpfen wir schnell in unsere Schlafsäcke und um 20Uhr geht das kollektive Schnarchen los. Friedvolle Ruhe beim Wildcampen, ade ;-) . Aber nicht nur das hält Sabrina wach. Wir haben schon wieder einen Gast im Vorzelt. Obwohl alles Essen weggepackt ist und wir sie immer wieder verscheuchen, tapselt die Springmaus die halbe Nacht durch unser Zelt. Irgendwann reicht es uns und wir holen die Taschen in denen Essen drinnen ist zu uns ins Innenzelt.

Am Morgen entdecken wir zwei Löcher im Rucksack.

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Die Franzosen zeigen uns ihre durchlöcherten Rackpacks (von früheren „Besuchen“) – da hatten wir bis jetzt ja wirklich Glück gehabt.

Zu zweit beginnen wir den Tag, kämpfen uns gleich einer Anhöhe entgegen und umrunden eine weitere Lagune. Diese funkelt wie wild.

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Die Umrundung dauert ewig – immer noch unterschätzt man die Distanzen in solch einer Landschaft.

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Beim Mittagessen kurz vor dem ersten Pass holen uns die Franzosen ein. Wir warten bis sie sich gestärkt haben und radeln gemeinsam weiter.

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Gut so, denn Sabrina hat in der topographischen Karte übersehen, dass wir heute zwei Pässe erradeln werden und so ist kein Platz um zu viel zu jammern. Nach dem ersten Pass sausen wir hinunter und werden von einer Lagune überrascht.(ink. Aufstieg zum zweiten Pass).

Ja, wir haben uns auch an dieser Art von Landschaft noch nicht satt gesehen. Nach einer letzten langen Steigung erreichen wir auf 4458hm den Abra Sico. Die errungenen Höhenmeter purzeln auf der anderen Seite wieder, auf bester Piste, und wir rollen nur von einem Überkopfschild gekennzeichnet Länderwechsel auf argentinischen Boden zu.

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!Boden! Gutes Stichwort! Den dieser ändert sich ab dem ersten argentinischen Millimeter. Er wird schlechter. Haben wir davor noch die Abfahrt genossen, uns windschnittig gemacht und sind dahingesaust, so treten wir jetzt brav wieder in die Pedale um bei 7 km/h inkl. leichtem Rückenwind bergab zufahren. Was für ein erster Eindruck von dem neuem Land ;-) .

Um 17Uhr30 und 10 km hinter der geographischen Grenze, erreichen wir das im Nirgendwo stehende „Grenzhäuschen“. Im Umkreis von 60 km gibt es nur ein kleines Minidörfchen. Die Grenzbeamten müssen erst mal gerufen, die Tischfußballturniere unterbrochen und die Computer hochgefahren werden. Selbst das Datum auf dem Stempel muss erst mal aktualisiert werden – was für ein Arbeitsplatz ;-) ! Das Arbeitstempo entspricht dann auch dem Arbeitspensum, aber die Herrschaften sind äußerst freundlich. Wir dürfen ein eigenes „Gästehäuschen“ beziehen, welches extra für Reisende errichtet wurde, inkl. Küche, bequemer Betten und (warmer) Duschen. Sogar W-lan gibt es hier. Was für eine andere Welt! Die andere Welt hällt sogar eine Heizung für uns bereit. Eine Heizung !!! Ausgenommen in dem kostenlosen Luxusreservart in Ecuador, haben wir seit zu Hause keine Heizung mehr gesehen. Soetwas gibt es hier einfach nicht, bzw. es kann sicher einfach keiner das Gerät und die Zusätzlichen Stromkosten leisten. Und hier ist es mit Sicherheit nicht so kalt wie wir es in Peru und Bolivien hatten. Die selbe Welt ist es aber leider immer noch wenn es um das Thema Müll geht. Brav haben wir wie immer einen Sack mit den Verpackungsresten vom Mittagessen mit uns mit. Auf die Frage wo denn ein Mülleimer ist, meinte der Polizist, dass hinter dem Haus eine kleine Grube ist, einfach reinwerfen. Sollte noch Platz sein, bevor sie sie zuschaufeln. Trauriger Alltag in Südamerika.

Mit dem sehr salzhaltigen Wasser aus der Wasserleitung wird gekocht. Ein wenig Trinkwasser bekommen wir auch von der Grenzpolizei für den nächsten Tag mit auf den Weg,

Der nächste Tag zeichnet sich nicht gerade durch ein Highlight aus. Eine über 20 km lange Steigung beschäftigt uns den ganzen Vormittag, gekocht wird dafür in kitschig schöner Kulisse

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bevor wir die letzten fast schon flachen Km auf Wellblechtiefsand

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vorbei an einem in der Karte eingezeichneten „Dorf“,

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nach Olacapato auf uns nehmen. Dort checken die Franzosen in ein Zimmer ein (Bruno fühlt sich nicht gut) und wir dürfen im Hinterhof kostenlos unser Zelt aufstellen. Geld will, wie an der Grenze auch schon, keiner wechseln. Aber wir dürfen zumindest unsere ersten Süßigkeiten in chilenischen Pesos bezahlen. Auch hier gibt es Internet – wenn man vor der Kirche sitzt. So erfahren wir, dass eine Arbeitskollegin von Wolfi auch in Argentinien ist und nach 2 Whatsapp Nachrichten wissen wir, dass sie vor hat nach Salta zu fahren. So hat unser ewiges hin und her der letzten Tage wo wir denn weiter langfahren werden ein Ende. Ganz klar: einen Überraschungsbesuch lassen wir uns nicht entgehen: Salta wir kommen!!

Der heutige Tag ist landschaftlich schöner als der gestrige. Wir winden uns entlang eines Flusses

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und zum Teil zwischen ganz nahen Felsen, vorbei an einer zugewachsenen Lagune

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den Weg nach oben. Genau zur Mittagszeit erreichen wir den Pass und keine 5 Minuten nachdem wir unsere Räder abgestellt haben beginnt es wie verrückt zu stürmen (Rückenwind ;-) ). Man muss sich beim gehen regelrecht gegen den Wind stemmen, alles doppelt festhalten und wenn man nicht in der richtigen Windrichtung steht sich anschreien weil der Wind die Worte wegbläst. Wenn der berühmte patagonische Wind, der noch auf uns wartet, auch nur noch ein wenig stärker ist, dann nehmen wir eine Bus, da sind wir uns in dem Moment einig. Zu unserem Glück gibt es eine kleine Steinmauer hinter der wir uns verstecken können – mit grandioser Aussicht. Auch hier wird Pachamama gehuldigt: Mutter Erde.

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Während wir essen kommt Anthony angeradelt. So essen wir und fahren zu dritt weiter. Gut so, denn bei der Abfahrt gibt es – schon wieder- etwas zu Feiern; 10.000 km !! ZEHNTAUSEND Kilometer! Was für eine Zahl, was für eine Distanz, was für eine Zeit, was für Geschichten, Erlebnisse und Emotionen hinter dieser Zahl stecken. So scheuen wir natürlich keinen Aufwand hierfür ein gebührendes Foto zu machen und suhlen uns auch extra im Dreck. (auf der Straße war den ganzen Tag kaum was los, daher die Ruhe bei der Bildaufnahme).

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Zur Verdeutlichung: von Wien nach Los Angeles/Kalifornien sind es 9800km Luftlinie.

Die Schokobelohnung darf natürlich auch nicht fehlen. Auf die nächsten 10.000 km ;-) !

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Euphorisch rollen wir weiter nach San Antonio de los Cobres, passieren dutzende KM davor im Nirgendwo ein verfallenes Haus mit einer nagelneuen Kirche (?)

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und fühlen uns auf Anhieb in San Antonio nicht wohl. So lassen wir den „Campingplatz“ hinter der Kirche links liegen und fragen um Zeltasyl bei der Polizei. Nachdem der Geldautomat Geld ausgespuckt hat, haben wir die Qual der Wahl in welche der neuen Süßigkeiten es sofort investiert wird.

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Im (Zelt)bett wird nicht gegessen (Brösel im Schlafsack können einem ganz schön die Nacht versauen). Gut, dass Bett und Küche/Ess/Wohn-und Vorzimmer nur eine Halslänge entfernt sind.

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Ein letzter kleiner Pass steht uns noch bevor, bevor es viiiiiiiiele Höhenmeter hinunter geht. Den haben wir schneller hinter uns gebracht als gedacht und auf bestem Asphalt sausen wir bergab.

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Nur der Gegenwind spielt uns einen Streich. Am Anfang reicht es noch sich zu ducken und windschnittig zu machen um an der sich ständig ändernden Landschaft vorbei sausen zu können.

Oftmals kommt er auch von hinten und schiebt uns KM für KM den Berg hinab. Wir bekommen beim Anblick des ersten argentinischen Rindfleisches hunger,

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also machen wir Mittagspause in einem schattenspendenden Bushäuschen. ( Ein Haus im Nirgendwo und schon  bekommt es hier ein Bushäuschen )

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In der Zwischenzeit hat sich der Wind gedreht. Obwohl wir in die selbe Himmelsrichtung wie vor dem Essen fahren, müssen wir jetzt schwerst in die Pedale treten um auf 15 km/h zu kommen, und selbst die schaffen wir nicht immer. Das frustet und ist bei der ungewohnten Hitze Schwerstarbeit. So landen wir schon bald wieder in einem Bushäuschen.

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Dann stehen 20km unbefestigter Straße vor uns. Hier wird die Abfahrt natürlich nicht leichter.

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Wir strampeln und strampeln und irgendwann sind wir in Campo Quijano angekommen. Alles um uns herum ist grün, wir sehen seit langem wieder Papageien und Blumen.

Unser Augen saugen alles auf wie ein Schwamm. Wahnsinn!! GRÜN!!!!!GRAS!!!! BLÄTTER (ausgn. Eukalypthus)!!!! Wie lange ist das schon her.

Obwohl es schon 17 Uhr ist und wir unser angestrebtes Tagesziel erreicht haben sind wir uns einig: wir wollen heute noch in das 30km entfernte Salta. So stärken wir uns mit einem Eis,

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lassen uns weiter von der Farbe Grün beflügeln und treten weiter gegen den Gegenwind. Ein Platten hält uns dann auch noch auf. Es ist Sonntag und der Rückreiseverkehr in die Stadt stresst uns ganz schön. Wir wissen wirklich nicht wie das andere Radler tagein – tagaus aushalten auf solchen Straßen zu fahren. So halten wir bei einer Panaderia nur 1,5 Km vom Zentrum entfernt an; immer schön den Zuckerspiegel halten.

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Alle Hostels sind entweder ausgebucht oder zu teuer. Die Sonne geht bereits unter (19:30) und so geben wir den hohen Preisen einfach nach und checken ein. 168Km – neuer Rekord. Auch wenn es etliche Höhenmeter bergab waren, keine Frage, aber sie waren definitiv nicht geschenkt ;-) . Einzig zu einer Dusche und einem Burger mit Chips und Bier im Bett sind wir heute noch fähig, bevor wir erschöpft in einen wohlverdienten Schlaf sinken.

Salta befindet sich auf 1187hm. Das letzte Mal (ausgenommen einige Stunden wenn wir in einen Canyon hinunter mussten) auf dieser Höhe befanden wir uns in Zentralkolumbien, Ende März!!!! Wahnsinn wie lange wir in den hohen Bergen waren. Sie fehlen uns jetzt schon ;-) . Es is‘ heiß!

Wir gehen shoppen, denn wir nutzen die Chance doch einen Teil der warmen Sachen heimschicken zu können. So bekommt Sabrina statt ihrer dicken Hose eine luftige, das löchrige Oberteil wird durch ein Neues und die langarm Skiunterwäsche durch ein langarm vielseitig tragbares Oberteil ersetzt.

Die zwei Tage in Salta vergehen, wie immer, wie im Flug. Wir verbringen zwei gesellige schöne Abende mit der Arbeitskollegin und einer Freundin von ihr

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– so schön bekannte Gesichter vor sich zu haben und stundenlang plauschen und lachen zu können – da vergisst man, dass man sich am anderen Ende der Welt befindet.

Als wir bei bedecktem Himmel aus Salta losradeln, entdecken wir Jamun und seine Eltern – auch sie sind heute zeitig auf den Rädern. So radeln wir gemeinsam mit ihnen.

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Bereits bei der zweiten Frühstückspause kramen wir alle ganz tief in unseren Taschen: es ist, im Vergleich zu den letzten zwei Tagen „eisig“ kalt. Wir waren alle auf Sommertage eingestellt, schließlich befinden wir uns auf sauerstoffreichen warmen 1200hm . Aber ohne Sonne kann es auch hier ziemlich kalt werden. Also doch wieder eine Schicht mehr und mit Socken in die Sandalen ;-) !

Wir bremsen nicht nur für Tiere, nein auch für Blumen ;-)

Wir stoppen bei einer Tankstelle für einen Cappuccino – einerseits weil wir uns tatsächlich aufwärmen müssen und andererseits weil der Luxus einen Cappuccino trinken zu können, einfach so, am Nachmittag beim Radeln für uns so was von ungewohnt ist, dass wir der Versuchung nicht widerstehen können.

Hügelig sind auch die letzten Km nach Alemania, wo bereits Sue und Scott auf uns warten. Sie sind eine andere Route gefahren und haben ihr Zelt am kostenlosen „Campingplatz“ aufgeschlagen. Den Platz finden wir wirklich sehr idyllisch und wunderschön, aber wir 5 entschließen uns hier gemeinsam zu kochen

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und uns dann still und heimlich im dunkeln in das offenstehende, verlassene, warme Bahnhofshäuschen zu schleichen.

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Obendrein gibt’s WC’s und fließend Wasser.

Und wie warm es hier drinnen ist. So warm, dass wir in der Nacht schwitzen. Ein Schlafsack für uns zwei zum zudecken hätte wohl allemal gereicht. Daran müssen wir uns erst wieder gewöhnen.

Um 8 starten wir zu 5. los. Es geht gleich hinein in eine Quebrada. Wir fahren einen Fluss entlang zwischen Felsformationen hindurch.

An einem Fluss entlang heißt nicht, dass es flach oder stetig leicht bergauf geht. Nein, wir machen gut Höhenmeter heute.

Den Schutzpatron der Auto-, Bus- und LKW-Fahrer, “ Gauchito Gil“, trifft man oft an.

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Mit jeder Stunde wird es heißer und heißer, aber auch die Landschaft hat immer mehr zu bieten in der Quebrada de las conchas. Immer wieder stehen Schilder in der Gegend die einem sagen was man in den Steinen erkennen kann – WENN man denn etwas erkennt. Den Teufelsschlund -Garganta del Diablo erkennen wir zwar nicht, aber beeindruckend ist es trotzdem. Der Frosch ist schon etwas eindeutiger.

 

Wir sind jetzt übrigens wieder zu 7 unterwegs – Scott und Sue haben es in der Früh langsamer angehen lassen und haben uns dennoch eingeholt. So schleppen wir uns am Nachmittag von Schatten zu Schatten, von Hügel über Hügel immer weiter entlang der „Weinstraße“,

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ohne eine Weinrebe zu sehen. Erst kurz vor Cafayate sehen wir die ersten und fühlen uns in die Toskana versetzt.

Der Verkehr war den ganzen Tag über äußerst gering. Aber was uns aufgefallen ist, auch schon in Chile und in den letzten Tagen: hier wird nicht gehupt! Sehr zur Freude unseres linken Ohres. Denn dieses hat in Peru mit Sicherheit eine Verminderung der Hörleistung einstecken müssen. Aber hier! Hier werden wir mit Lichthupe und mit Winken gegrüßt! Liebe Peruaner: so macht man das radlerfreundlich ;-) ! Sehr sympathisch.

Wir rollen in das Städtchen ein und genehmigen uns erst mal alle ein großes Bier. Das rinnt runter wie Öl, herrlich. Das darauffolgende Eis ist leider eine Enttäuschung – daran muss Argentinien eindeutig noch arbeiten.

Auch hier gestaltet sich die Unterkunftsuche schwierig – an die Preise in Argentinien müssen wir uns noch gewöhnen. Wir alle finden dann aber eine sehr gemütliche und schöne Bleibe im Hostel San Cayetano und entspannen dort 2 Tage. Die Hitze macht uns ganz träge und so hängen wir nur herum und warten, dass die 5 stündige Siesta beendet wird und wir endlich Abendessen einkaufen können. Das sieht drei Abende so aus ;-) !

Sind es am ersten Abend noch zögerliche 12 Stück für uns beide, bestellen wir an den darauffolgenden jeweils 12 Stück pro Person. Schließlich braucht man ja auch eine gute Grundlage für Wein und Bier.

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P.S.: für alle Kartenfans: unsere Perukarte ist unter „gefahrene Route“ endlich online :-)