Vamos a la playa, oh oh oh….

Mendoza Argentinien nach Penco/ Conception Chile

Km total: 12 763 km

Hm total: 170 723 hm

In der Zeit in Mendoza gibt es wie immer viel zu tun. Dass die Geschäfte Sonntags geschlossen haben, sowie einer ausgiebigen Siesta von bis zu 5 Stunden frönen, macht das erledigen von Dingen auch nicht viel leichter.

Aber nach langen suchen hat Sabrina dann doch noch einen neuen Helm gefunden. Ihr alter war, warum auch immer, an zwei Stellen gebrochen.

Bei einem Gridoeis (der hat keine Siesta ;-) ) treffen wir uns mit 4 anderen Radlern. Die Schweiz, Frankreich und England sind vertreten.

Sabrina’s Oma hatte von Beginn an bedenken was unseren Ernährungszustand betrifft. Vielleicht kam daher eine finanzielle Unterstützung, welche wir sofort in Essen umwandeln. Nicht’s leichter und lieber als das ;-) .

DANKE OMA!!!!!

Früher als gedacht beenden wir 11 Monate nach Abreise das Projekt: Bartwuchs. Wir beide finden ihn schon länger nicht mehr sooo hübsch und darum muss er ab. Kurzer Prozess wird gemacht und ab ist er. Sabrina fragt sich nur kurz wer denn der fremde Mann in ihrem Bett ist ;-) .

Jetzt hoffen wir dass der Wettergott uns hierfür nicht bestraft.

Auf einem RADWEG geht es hinaus aus der Stadt.

dsc00822

Wie kann es anders sein, da wir uns immer noch auf der Ruta 40 befinden geht es den ganzen lieben langen Tag nur gerade aus. Bis Mendoza waren wir SEHR überrascht wie wenig Verkehr es auf dieser Straße gibt. Wenn WIR das mal sagen, dann bedeutet es, dass es wirklich nicht viel Verkehr hat. Selbst ohne Seitenstreifen fanden wir es immer sehr angenehm zu fahren. Aber jetzt!!! Die Verkehrsdichte ist deutlich höher als noch im Norden von Mendoza, vor allem der Schwerverkehr macht uns zu schaffen. Aber nicht nur der, sondern leider auch schon wieder die altbekannten Krämpfe in Wolfis Beinen.

dsc00828

An manchen Stellen kann man aber durchaus vergessen, dass man auf einer Hauptstraße unterwegs ist.

Auf den letzten Kilometern holt uns dann das Gewitter doch noch ein. Den ganzen Tag haben uns schon tiefe Wolken die Sicht auf die Berge versperrt. Genau rechtzeitig beziehen wir eine Cabana, denn es beginnt in Strömen zu regnen. Mit einer Tasse Tee

img_7101

(na gut, 5 waren es) kann man so einen Regenabend aber sehr gut genießen.

In der Früh treffen wir auf Roland und Patricia , Schweizer die wir seit Cusco schon ein paar Mal an radfreien Tagen getroffen haben. Sie wollen ab hier weiter auf der Ruta 40 fahren, teilweise auf Ripio wie die Informationen der Gendarmarie lauten. Wir jedoch wollen einen Umweg über San Rafael fahren um uns dort den Canyon Atuel anschauen zu können. Beide Straßen führen nach 2 Radtagen wieder zusammen – also sehen wir uns wahrscheinlich wieder.

Seit in der Früh schleppen wir uns mit anhaltendem Gegenwind durch die immer gleichbleibende Landschaft. Der Verkehr ist wieder ziemlich stark und Seitenstreifen gibt es auch keinen. In den Pausen (um zb Knoblauch von der Straße aufzuklauben) schauen wir gerne zurück, denn heute ist die Sicht auf die frisch eingeschneiten Berge schöner.

Motivations- und Verschnaufpausen,

img_7117

sowie Regenschauer, stehen heute am Nachmittagsprogramm. Dann endlich ist die Abzweigung nach San Rafael erreicht. 15 Kilometer sind es noch bis zum Zentrum. Auf dem Weg dorthin finden wir überraschenderweise eine Marillenplantage. Das Glück ist auf unserer Seite, der ein oder andere Ast schaut über den Zaun drüber und trägt Früchte.

dsc00897

Nur kurz darauf macht uns eine Frau auf einen Baum und dessen Beeren aufmerksam. Juhu: die Haferflockenfrühstücksgarnitur ist gesichert.

Es trifft uns fast der Schlag als wir den Preis fürs Campen hören. Aber eine Unterkunft wäre noch teurer. Gestern haben wir für eine total schöne Holzcabana mit Küche, Sofalandschaft, Badezimmer 300 Pesos gezahlt. Heute sind 250 Pesos weniger in unserer Geldbörse, nur damit wir unser Zelt auf einem Camptingplatz aufstellen können. Davor kaufen wir aber noch ein und finden endlich ein alkoholfreies Bier (wenn wir am nächsten Tag fahren, trinken wir nichts. Wir haben immer das Gefühl dann Leistungsschwächer zu sein).

Die ersten Kilometer bis zum Canyon sind schnell gemacht. Anfangs fahren an einem von Trauerweiden gesäumten reißenden Bach zwischen sehr nah beieinanderleigenden Felswänden entlang. Frei Übersetzt: Herr Tourist, rasen sie nicht, sie befinden sich auf einer Spazierfahrt.

Als wir ein paar Höhenmeter hinter uns gebracht haben und die Staumauer ebenfalls hinter uns liegt, breitet sich ein wunderschöner See vor uns aus. Die Spiegelungen der Landschaft ziehen uns in deren Bann. Wahnsinnig schön, wir staunen nicht schlecht. So geht der weitere, teilweise steile Anstieg auch gleich leichter und die Aussicht fürs zweite Frühstück ist auch klar.

So strampeln wir uns auf eine Anhöhe nach oben, seit ein paar Kilometern wieder auf Ripio. Das macht Spaß, so soll es sein, die Bergziegen sind zurück ;-) ! Bei der Abfahrt zurück zum Fluss schafft es die Landschaft erneut uns sprachlos zu machen. Seit Peru bieten uns Berge oft eine wahnsinnige Farbvielfalt. Und auch jetzt zeigen sich die unterschiedlichsten Farben auf engstem Raum. Keine Kamera der Welt kann diese Schönheit festhalten, tut leid.

dsc00971

Stromaufwärts radeln und staunen wir weiter. Ja, der Umweg hierher hat sich definitiv ausgezahlt, wir sind restlos begeistert.

Umso trauriger sind wir, als wir um 15 Uhr bereits die Serpentinen aus dem Canyon hinausfahren

dsc00991

und somit dieses einzigartige Gebiet hinter uns lassen. Unsere Freude ist aber bald wieder zurück, denn wir stellen unser Zelt direkt am Stausee auf. Kochen uns Kaffee, essen Kekse und machen eine Katzenwäsche im eiskalten See.

In der Nacht herrscht dann Weltuntergangsstimmung. Mindestens 5 Gewitterzellen umkreisen uns für Stunden. Es regnet wie aus Schaffeln und unser Zelt wird auf eine harte Probe gestellt. Bis auf ein paar kleine Stellen, hält es aber dicht.

Wieder zurück auf der Straße die uns zur Ruta 40 bringt, beginnt das gewohnte Bild. Gerade, Gerade, Gerade, links und rechts die gleiche Landschaft.

img_7214

Okay, in der Ferne können wir Schneeberge ausmachen und nach ein paar Kilometern sehen wir zu unseren rechten diese schöne Landschaft.

img_7216

Aber Gerade bleibt Gerade.

Umso mehr sind wir überrascht als uns eine Tarantel über den Weg läuft. (es soll bei weitem nicht die Einzige sein die wir in den nächsten Wochen sehen werden).

dsc01002

Mit etwas Rückenwind fliegen wir nur so dahin, versuchen den Verkehr auszublenden und freuen uns über einen Windschattenplätzchen in einer Bushaltestelle (wieder für die einzigen 4 Häuser innerhalb von 80km). Unser Zelt darf trocknen

dsc01015

während wir uns stärken. So beflügelt glauben wir es heute sogar noch bis Malargüe zu schaffen. Wir sehen uns schon mit einem Bier anstoßend – denn die 12.000km Marke von gestern haben wir unbemerkt überrollt. Aber unser Traum ist bald verflogen. Nein, verblasen wäre der richtige Ausdruck. Unserer Meinung nach stellt sich gerade der patagonische Wind bei uns vor. Seitenwind und wir schaffen gerade noch so 8 km/h. Es ist so anstrengend als ob wir einen steilen Pass auf über 4000hm hinauf fahren. Das frustet ordentlich. Und es ist „nur“ Seitenwind. Sabrina schiebt der Wind regelmäßig auf die Straßenmitte. Die Stimmung sinkt auf einen Tiefpunkt. Auch nicht richtig: auf den TiefSTpunkt eher. 15 km geht das ganze Spiel bis wir endlich Sosneado erreichen. Das erste Haus in dem wir den Wind entfliehen können gehört uns. Glücklicherweise gibt’s auch Cola und Alfajores. Beides ist dringend notwendig. 1:0 für den Wind.

20161126_160007

Das Puesto de Salud gewährt uns Unterschlupf und Sabrina schläft noch vor Sonnenuntergang um 19:30 ein. Ach was vermissen wir die kurzen Tage in Peru, wo es um 19Uhr bereits stockfinster war!! Das war ein guter Rhythmus für uns. Aber wie man merkt, wenn man müde ist dann ist man müde und schläft auch noch bei Tageslicht schnell ein.

Die restlichen 50km bis Malargüe

dsc01022

sind dann noch bis zum späten Vormittag gemacht. Täglich wird hier das Datum ausgetauscht. Wir staunen nicht schlecht ;-)

dsc01024

Sogar das 2. Frühstück essen wir erst am Campingplatz. Obwohl der Himmel nichts gutes verspricht und es ziemlich kalt ist, campen wir. 1 ½ Ruhetage sind jetzt notwendig.

Hier treffen wir uns wieder auf ein Grido mit den Schweizern, Frühstücken IM Zelt,

img_7226

schlafen lange, lesen viel, … ein wirklich toller Ruhetag.

Wie immer in letzter Zeit wollen wir eigentlich früh los. Uns halten jedoch drei Patschen bei Sabrina Hinterrad auf.

img_7231

Keine Ahnung wie so etwas zu Stande kommt. Als wir endlich loskommen begrüßt uns, wie kann es anders sein, eine Gerade.

img_7233

Genau zum 2. Frühstück holen wir nach einem ersten Anstieg Patricia und Roland ein. So fahren wir also gemeinsam weiter und die Kilometer bis zum höchsten Punkt vergehen durchs plaudern schnell. Die Abfahrt erfolgt mit Rückenwind – so kann es Spaß machen. Daher sind wir auch sehr früh in Bardas blancas und entscheiden, dass wir uns den leichten Rückenwind nicht entgehen lassen können und noch weiter fahren. Hier biegen wir von der Ruta 40 ab und machen uns auf den Weg zum Paso Pehuenche, nach Chile. Es geht wieder hinauf – an einem schönen Fluss entlang. Farben und Formen sind wieder wunderschön.

Zügig geht es dahin und wir erreichen Las Loicas gegen 16Uhr. Hier, rund 40km von der geographischen Grenze entfernt, bekommt man den Ausreisestempel. Den bekommen wir auch sehr schnell. Der Grenzbeamte ist so nett und legt bei der Gendarmerie ein gutes Wort für uns ein. Das ist nämlich notwendig: der Pass sperrt offiziell erst um 9 Uhr in der Früh auf, daher ist die Straße bei diesem Dorf mit einem Schranken versehen. 9 Uhr ist aber definitiv zu spät für uns, daher das gute Wort, dass wir schon früher durch dürfen.

Nach einem guten kühlen Cola und vielen Keksen, schlagen wir unser Lager am „Campingplatz“ (2 Bänke und ein Klo) auf. Bevor wir schlafen gehen, müssen wir uns noch als Staumauerarbeiter beweisen.

dsc01046

Ein kleines Bächlein neben uns macht Anstalten evtl. überzulaufen und unser Zelt unter Wasser zu setzen.

Die Nacht bleibt trocken und aus Angst vor dem Gegenwind (am Pass bläst der Wind fast nahezu immer aus Chile herüber) sitzen wir um 7 Uhr auf den Rädern. Der Schranken ist wie versprochen offen und so genießen wir 2 Stunden Autofreiheit. Auch danach können wir die Autos an zwei Händen abzählen. Der Fluss schlängelt sich durch eine abwechslungsreiche Landschaft.

Seit gestern macht Wolfis Pedal komische Geräusche ( all unsere Pedale knacksen fast von Beginn an und waren schon des öfteren, mehr oder weniger erfolgreich, in der Werkstatt). Es blockiert und quietscht extrem unangenehm. Jetzt aber ist es einfach runter gefallen, hat sich von selbst aufgrund der Blockade quasi abgeschraubt. Na toll, genau auf dem Weg zum Pass muss so etwas passieren. Wolfi kann es aber wieder anbringen

dsc01052

und muss es regelmäßig ölen. Somit wissen wir auch, dass wir in Chile leider doch die nächst größere Stadt anfahren müssen.

Bis kurz vor dem Pass hat uns der Wind verschont, dann trifft er uns jedoch umso stärker. Von vorne, wie erwartet. Genau an der geographischen Grenze

dsc01094

und somit am Pass Pehunche, auf süßen 2550 Höhenmetern, essen wir zu Mittag. Alles illegale muss weg und das ist, weil wir schneller unterwegs sind als gedacht, ganz schön viel.

Mit vollen Bäuchen rollen wir weiter und leider kommt nicht die gewünschte Abfahrt, bzw. nicht nur. Ein paar ganz fiese und vor allem steile Gegenanstiege wollen mit den Kugelbäuchen bezwungen werden. Gut, dass wir hier um einen riesigen und wahnsinnig schönen Stausee fahren. So bleiben wir oft für Fotos

dsc01107

und zum Staunen stehen.

Auch ein kleiner Flecken Schnee lädt für einen kurzen Stop inklusive Schneemannbauen ein.

Scheinbar sind wir nicht die einzigen die ihre illegalen Nahrungsmittel loswerden wollen. Wir freuen uns über die saftigen Orangen, die ( wer sonst? ;-) )  Wolfi in einer Parkbucht findet.

dsc01127

Eine gefühlte Ewigkeit ziehen sich die Km bis zur chilenischen Immigration. Der nächste Stempel ist schnell drinnen und dann werden die Taschen kontrolliert. Dieses Mal ziemlich genau, gut dass wir alles aufgegessen haben. Na gut, nicht alles. Eine halbe Gurke und ein angeschnittene Tomate haben wir auf gut Glück beim Mittagessen übrig gelassen. Der Beamte findet sie, aber wir dürfen sie vor ihm aufessen.

Obwohl wir ziemlich erledigt sind und der Wind nach wie vor gegen uns ist, wollen wir noch ein Stück weiter. Wir füllen unser Flaschen auf und die Beamten erzählen uns von einer flachen Stelle in ca. 12 Km. Auf dem Weg dahin bilden der Fluss, Rio Maule und die Berglandschaft ringsherum wieder ein schönes Bild.

img_7263

Der Platz ist zwar nicht ideal, aber wir finden ihn schön. Es ist auch schon nach 16 Uhr – der Tag war lange und anstrengend, somit bleiben wir hier.

dsc01136

Wir kochen viel Tee, genießen die Sonne und das Panorama, nützen ein Seitenbächlein des Flusses für eine improvisiertes Bad

dsc01144

und freuen uns wieder darüber, dass wir draußen essen können.

In der Früh verabschieden wir uns schon wieder von Patricia und Roland – sie müssen zu ihrem Glück nicht in die Großstadt Talca und starten daher etwas später als wir. Über 120km liegen vor uns, wir wollen sie heute noch erreichen. So wie der Fluss neben uns entlang fließt,

dsc01154

so fließt auch schnell unsere Motivation dahin. Die Landschaft ist öde, das Pedal fällt schon wieder ohne Vorwarnung vom Rad

dsc01152

und der schon wieder so lange bevorstehende Tag frustet. Wir dachten, dass die letzten Wochen auf der Ruta 40 uns nichts ausgemacht haben, aber jetzt merken wir, dass diese vielen langen, oft gleichbleibenden Tagen sehr wohl ihre Spuren hinterlassen haben. Das ist einfach nicht DAS radeln das wir so lieben gelernt haben. Dass wir das ABENTEUER Peru / Bolivien gegen REISE Chile/Argentinien getauscht haben ist uns klar, aber so ganz können wir uns noch nicht darauf umstellen.

In einer Sekunde der absoluten „Schwäche“ fragt sich Sabrina ob es nicht sinnvoller wäre den Flieger zu besteigen und woanders hinzufliegen, wo es wieder schöner ist und man menschliche Tagesleistungen zurücklegen kann. Aber ein Stop in einer Käserei mit manchar blanca Produktion lenkt etwas ab

und so schaffen wir es am Nachmittag doch tatsächlich in Talca anzukommen. Dort okkupieren wir sogleich den Hauptplatz und vertilgen Kekse. Wolfi verschwindet für eine gute halbe Stunde in der Turisteninfo. Er kommt mit vielen Neuigkeiten zurück. Wir erstarren bei den Unterkunftspreisen, Wolfi darf vor die Kamera um den Werbeslogan für einen lokalen Sender zu sprechen,

20161201_151211

wir beantworten Fragen von Passanten und fahren zu einem Fahrradladen

dsc01169

nachdem auch hier die Siesta beendet ist. Ein Nachbauprodukt für die Pedale muss erstmal herhalten. Der Besitzer ist so freundlich und schenkt uns den passenden Schraubenschlüssel gleich dazu. 130Km waren es heute, wir sind reif für die Insel ;-(. Noch einen über 110 km Tag bis zur Küste schaffen wir nicht mehr. Die Luft ist draußen, da hilft nichts mehr. Wir fühlen uns wirklich bewegungsunfähig. Bei der Aussicht auf den morgigen Tag streikt unser Geist. So glauben wir ganz fest an das Schicksal, das uns gnädig ist und fahren zum Bahnhof. Schon öfters und heute mindestens 5 mal, haben wir von der angeblich schönsten Zugstrecke Chiles gehört. Was für ein Zufall: sie führt genau von Talca nach Constitution – unserem Ziel an der Küste. Beim Bahnhof angekommen erhalten wir ohne viel hin und her die Zusage, dass wir mit samt unseren Rädern mitgenommen werden. Schnell sind 2 Tickets für den Abendzug gekauft (abends 16:45, morgens 7:30) und wir warten ganz gespannt am Bahnsteig. Ein uralter Zug, der aus zwei Teilwagonen besteht, wackelt daher und wir brauchen für unsere Räder ¼ des gesamten Zuges. Keiner stört sich daran – da kann sich die ÖBB mit ihren max.5 Stellplätzen bei 6 Wagons mal eine Scheibe davon abschneiden!!! ;-)

Es rüttelt wieder unter unserem Hintern, aber dieses mal müssen wir uns dafür gar nicht anstrengen. Der Zug fährt im Schneckentempo (40km/h) die meiste Zeit am Fluss Maule entlang, durch Wälder hindurch und an Minihäuseransammlungen vorbei (deshalb gibt es auch den Zug – hierher führen keine oder kaum Straßen).

Von einem Ohr bis zum Anderen strahlen wir 3 Stunden vor uns hin. Ach was vermissen wir Zugfahren. Nur kurz friert das Lächeln ein, als Wolfi bei einem Stop am Rückweg von einem kleinen Laden am Schotter, bergab, ausrutscht – alles nur für ein Eis ;-) !

dsc01222

In Constitution rollen wir dann beim letzten Tageslicht und einer wahnsinnig tollen Aussicht auf das Meer

img_7285

zum Campingplatz und genießen zufrieden eine Flasche Rotwein.

Nachdem am nächsten Morgen wieder im Zelt spät gefrühstückt wird und wir das Internet eines Kaffees zur Routenplanung benutzt haben, machen wir uns um 16 Uhr auf den Weg hinaus aus der Stadt. Wir sehen nicht ein noch einmal fürs campen über 20 Euro zu zahlen. Ab sofort fahren wir der Ruta del mar entlang.

img_7292

Nach 20km finden wir hinter einem Wald ein schönes kleines Plateau über den Klippen direkt am Meer. Was für ein genialer Platz.

Bis wir nichts mehr sehen können (der Neumond gibt nicht viel Licht her)

img_7390

bleiben wir draußen und saugen die Meeresluft und die Ausblicke in uns ein.

Um 1:30 in der Nacht bekommen wir Besuch. 2 Autos mit Jugendlichen und Musik parken 10 Meter von unserem Zelt entfernt im Wald. Das selbst stört uns nicht, nur ist es mit der Nachtruhe vorbei, als sie nach einiger Zeit auf das Plateau fahren und uns entdecken. Man kann ja nie wissen, was ihnen einfällt und so liegt vor allem Sabrina die meiste Zeit wach. Sie hören Musik, lassen Bierdosen knacken und rollen immer wieder mit ihren Autos auf das Plateau und leuchten mit ihren Scheinwerfern unser Zelt an. Um kurz vor 6 ist es wieder hell im Zelt: die Sonne geht allmählich auf und Sabrina findet endlich Schlaf.

Beim Frühstück können wir unseren müden Augen nicht trauen: wir sehen Delphine!!! Erst um 11 Uhr verlassen wir unser Lager und rollen an der Küste entlang Richtung Süden. Rauf, runter, rauf, runter und das teilweise über knackige Steigungen. Von der Küste bekommen wir heute wenig zu sehen und trotzdem ist es ein toller Tag der unsere Batterien wieder auflädt. Wenn es also keine schneebedeckten Berge sind die uns glücklich machen, dann sind es Tage wie diese:

gleich auf den ersten Km finden wir frisches, warmes, fluffiges Brot

dsc01249

frisch geerntete Erdbeeren im Hinterhof eines Hauses und kaufen einen halben Kilo zum Spottpreis,

dsc01257

eine neue Brotart, Pan amasado will gekostet werden (vorher staunen wir aber nicht schlecht, dass es sogar nach Gewürzen riecht),

dsc01265

finden die Küste einfach nur schön,

dsc01253

wir halten, um eines unserer Lieblingsgetränke zu trinken: Mote con huesillo (Pfirsichsaft mit Gerste),

dsc01261

finden heraus, dass Erdbeeren perfekt mit mancha blanca harmonieren,

dsc01288

freuen uns an Wiesen,

dsc01256

und auch am wildpinkeln in Wiesen,

dsc01291

kaufen richtig guten frischen Käse in einer Käserei in Chanco nachdem wir ausgiebig verkosten durften,

dsc01272

genießen eine lange Mittagspause auf einem Hauptplatz und schauen den Bomberos zu wie sie Spendengelder sammeln,

dsc01276

treffen zwei Deutsche Radler in einem Bushäuschen, quatschen lange mit ihnen und bekommen so „nebenbei“ von einer auf den Bus wartenden Dame Käse geschenkt!!,

dsc01260

und müssen natürlich testen was die Chilenen unter Kuchen verstehen

dsc01295

…. ja, so ein Tag mit vielen Stops und dieser Gastfreundlichkeit gefällt uns. Dass wir nur 52km weit bis nach Pelluhue kommen stört uns gar nicht, im Gegenteil. Für die nächsten Tage haben wir uns auch nicht mehr vorgenommen, endlich Schluss mit diesen unchristlich langen Tagen.

So einen schönen Tag wollen wir mit Fischessen abschließen. Das ist dann aber leider ein geschmacklicher Reinfall, auch die lokale Spezialität: chilenische Seeohren.

dsc01305

Der Wein

img_7413

(km mäßig haben wir ja nicht vor viel zu leisten, also gibt’s auch Alkohol ;-) ) mit viel Süßem macht es dann aber wieder gut ;-)

Ab hier führt die Straße wieder vermehrt direkt an der Küste entlang. Dunkle Wolken und ein eisiger Wind laden aber leider nicht zum verweilen ein.

Auf den letzten Km nach Buchupureo werden wir dann auch wieder ziemlich nass (merkt ihr was?? Regen gibt es erst seitdem Wolfis Bart ab ist!!) . In einem Cafe (ohne Kaffee ;-( ) dürfen wir uns aufwärmen und abwarten. So ergibt es sich, dass uns der Besitzer von einer „günstigen“ Cabana erzählt. Bei dem Wetter wollen wir so und so nicht weiter. Also packen wir für die 3 Km bis zu den Häuschen unsere Regensachen aus und radeln durch peitschenden Regen dorthin. JACKPOT!!!! Ein knisternder Kamin, literweise Tee und alles mit Meerblick. Herz was willst du mehr???

Wir bleiben gleich noch einen Ruhetag hier, frühstücken mit tollem Ausblick, fahren nur kurz zum Strand um dort unsere Mittagssandwiches mit Sand zu essen, so stark stürmt es und sonst machen wir nichts.

NICHTS!!! ach wie schön. Am frühen Nachmittag treffen Patricia und Roland ein und als sie von unserem Häuschen hören werden sie schnell zu unseren Nachbarn. So essen wir gemeinsam zu abend und plaudern wieder einmal über Gott und die Welt.

Nach dem wir beinahe ausgeschlafen haben, machen wir zwei uns wieder auf die Weiterfahrt. Die Schweizer wollen verständlicherweise auch einen Ruhetag hier machen und sie haben für die nächsten Tage eine etwas andere Routenwahl als wir getroffen.

Auf dem Weg nach Conception machen wir einen Halt bei der Iglesia de la Piedra (Steinkirche) – ein riesiger Fels mit hohen Rissen darin, welche sich zu einem verwinkelten Gangsystem entwickelt haben.

Am Piedra de Lobo (Seelöwenstein) fragen wir uns dann, wie viele Dutzende von Seelöwen denn darauf wohl sitzen – es stinkt trotz Sturm enorm.

In Cobquecura selbst genehmigen wir uns heute ein besonderes zweites Frühstück: jeweils zwei Stück Torte und 2 Kaffee – pro Person ;-) .

dsc01390

Denn ab hier endet für uns der Asphalt wieder. Extrem steil bergauf,

img_7553

und bergab geht es dahin, stets mit einem Blick auf die raue See. Dann auch mal für ein paar Meter eben ;-)

img_7545

Hi und da stehen mal ein paar Häuser beisammen und ergeben eine kleine Siedlung. Bei einer kaufen wir wieder Erdbeeren und bekommen frischen Zwiebel aus dem Garten.

dsc01396

Ersteres wird sofort in SchokokandierteErdbeerenToGo umgewandelt.

dsc01400

Sehnsüchtig hält Wolfi Ausschau nach Walen die hier um diese Jahreszeit unterwegs sein sollen, aber leider sehen wir keinen.

dsc01404

Am Nachmittag erreichen wir die letzten Häuschen vor dem Fluss Itata. Wieder hoffen wir, dass das Glück auf unserer Seite ist und uns ein Boot hinüberbringt. Sonst müssten wir einen Umweg von über 25km bis zur nächsten Brücke und die gleiche Entfernung wieder zurück zur Küste fahren. Aber weit und breit ist keine Menschenseele und das schon die letzten Stunden. Na toll!!! Was jetzt?? Wir besprechen gerade unsere Möglichkeiten als hinter uns ein Auto hält und vor uns eine Haustüre aufgeht. Es wird gegrüßt und schwere Säcke ausgeladen. Schnell ergreifen wir die Chance und fragen die Dame im Haus ob sie jemanden kennt der ein Boot hat: ja, der Herr hinter uns im Auto!! Juhu!!! Das Glück ist wirklich auf unserer Seite des Flusses und hat einen Namen, Alejandro Pablo. Er willigt ein uns über den Fluss zu bringen und begleitet uns zu seinem Boot. Der Weg dorthin ist schon mal ein kleines Abenteuer: durch hohe Wiesen hindurch, werden Zäune die im Weg sind einfach weggerissen und mit den Muskelprotzoberarmen die Räder über stabilere Zäune hinweg gehoben, als würden sie nichts wiegen. Die letzten Meter geht es entlang einer Miniklippe, bevor sie in die kleine Nussschal (entschuldige Pablo) verladen werden.

Wir selbst passen auch noch rein und dann rudert unser Retter uns an die andere Seite des Flusses. Ein schlechtes Gewissen ereilt uns: Gegenwind, schwere Räder und er sitzt da und rudert uns umher während wir nur dasitzen, schauen und Fragen stellen.

dsc01446

Gut, dafür wird er auch von uns entloht, aber trotzdem ist es ein komisches Gefühl so direkt jemanden für sich schwer schuften zu lassen uns selbst nur dazu sitzen. Am anderen Ufer müssen wir dann aber auch nochmal selbst ran: die Räder wollen ca 700 Meter durch den Sand geschoben werden.

dsc01448

Das ganze Flussüberquerungsabenteuer hat gute 2 Stunden gedauert!

Über Feldwege geht es zur Straße retour.

dsc01454

In Perales beschließen wir den Tag zu beenden. Wir treffen auf eine Geisterstadt, hinter der eine kleine Neue gebaut wurde: Tsunami ist die Antwort auf die Frage was denn hier los ist /war?? Im Jahr 2010 war hier ein schweres Erdbeben inklusive Tsunami. Viele Küstenorte die wir die letzten Tage besucht haben, waren davon stark betroffen. Oftmals, so wie hier, wurde fast das gesamte Dorf unbewohnbar gemacht. In Perales hat man dann einfach dahinter eine einheitlich aussehende Reihenhaussiedlung gebaut.

dsc01458

Nach kurzem Fragen wo wir denn schlafen könnten, sperrt uns der Bürgermeister das Gemeinschaftshäuschen auf: wir haben ein ganzes Haus für uns alleine. Strom gibt es zwar nicht, aber ein Klo und nebenan ein Haus das Cola und Süßes verkauft.

Heute, am darauffolgenden Tag wissen wir nicht so recht ob wir eher fluchen oder lachen sollen. Denn die Steigungen hier sind wirklich ein Witz!! Chilenische Straßenbauer sind sicher die besten Freunde von der Ecuadorianischen. Wahnsinn wie steil die hier sind. 15% Gefälle sind keine Seltenheit. Das ist dann, je nach Untergrund, für uns nicht mehr fahrbar. So arbeiten wir uns den ganzen Vormittag 21 km lang durch den Wald hindurch und sehen zumindest 2 Mal zwischendurch die Küste.

Als wir wieder Asphalt unter den Rädern haben und somit wieder auf Häuser treffen fahren wir voller Begeisterung auf eines zu, welches kühle Getränke anpreist. Wir bestellen ein Cola und ein Sprite und dann… laaaange Gesichert. Ja, Chile liegt auf dem selben Kontinent wie Peru, Bolivien, Ecuador, … eindeutig: „Haben sie es nicht genau, ich habe kein Wechselgeld!!!!“ ist was wir von der Frau zu hören bekommen, als Sabrina schon das erfrischende Zischen der Cola vernimmt. Grrrrrr – also doch nichts zum trinken. Dieses Kein-Retourgeld-haben-Phänomen ist wirklich faszinierend und zieht sich seit dem Norden kontinuierlich durch!

Aber wir erreichen bald Tome und beziehen dort erstmal Stellung. Eine Sitzbank mit Blick zum Meer. Hier können wir überraschenderweise riesige Seelowenmännchen beobachten, lecker Nachspeisen sowie frisches Ceviche (roher Fisch in Lemonensauce) vom Markt kaufen und bekommen sogar heißes Wasser für unseren Kaffee von einem Restaurant nebenan.

Stunden vergehen bevor wir uns auf den Weiterweg machen und bei der folgenden Steigung gut ins schwitzen kommen. Unter keinen Umständen wollen wir nach Conception hinein und dort schlafen. Die Gegend ist aber jetzt schon sehr urban, also campen oder ähnliches können wir vergessen. In Penco blitzen wir bei der Feuerwehr ab und in der Kirche müssten wir bis 20 Uhr warten bis der Padre kommt. Gerade als wir der Frau erklären wollen, dass, wenn wir 4 Stunden auf eine ungewisse Antwort warten sollen, wertvolle Stunden der möglichen Herbergssuche verloren gehen, meldet sich eine der anwesenden Frauen zu Wort und lädt uns zu sich nach Hause ein. Sie hat noch ein paar Erledigungen zu machen, daher verabreden wir uns für 18 Uhr wieder. Die Zwischenzeit verbringen wir mit süßen Teilchen aus einer deutschen Bäckerei

dsc01504

(Marcus, ein chile-deutscher) am Strand und werden mit lauter Musik beschallt. Adios Meeresrauschen, hallo südamerikanische Dauerbeschallung!

Um 18 Uhr macht sich Rosa Blanca mit uns auf den steilen Weg hinauf zu ihrem Haus. Am Strand sitzend haben wir noch gewitzelt, dass sicher das oberste Haus ihr gehört. Naja, ganz oben war es zwar nicht, aber die vorvorletzte Reihe ist schon fast die gefühlte letzte Reihe – hoch genug um schmerzende Oberarme vom schieben zu bekommen.

Ein leerstehendes Zimmer gehört uns für diese Nacht und als wir erfrischt aus der Dusche kommen, stehen Tee und Brot bereit. Bei einem Spaziergang zu einem scheinbar sehr wichtigen Wahrzeichen Pencos

dsc01509

plaudern wir viel und lassen den Abend bei einem Glas Rotwein mit ihrem Mann ausklingen. Weihnachten hat Rosa Blanca schon voll in seiner Hand.

dsc01505

Extra früh steht Rosa Blanca dann für uns auf ( 8 Uhr) um mit uns zu frühstücken und uns gemeinsam mit ihrem Mann zu verabschieden. Sabrina bekommt einen kleinen Elch in die Hand gedrückt:

20161212_131654

eine Erinnerung an ihren Christbaum den wir so faszinierend gefunden haben (diese blinkende, singende Lichtergirlande!!! Hi und da haben wir insgeheim auf deinen Stromausfall gehofft ;-) ). Mit den Worten: „wir sind arm und haben nicht viel, außer ein großes Herz“ verabschiedet sie uns. Und WAS für ein großes Herz!!! Es sind genau diese Momente die unsere Reise so sehr bereichern. Egal ob es der spontan geschenkte Käse in der Bushaltestelle ist, ein aufrichtiges Winken mit einem Strahlen im Gesicht wenn man uns sieht, ein Dach über dem Kopf, eine Vergünstigung auf Süßes wenn sie sehen wie wir die Vitrine anstrahlen, eine Einladung auf ein Frühstück, ein Gemeindesaal der für uns aufgesperrt wird, Früchte die uns gereicht werden,…. .

Vor allem aber Menschen und Begegnungen wie Rosa Blanca geben uns, ohne es zu ahnen, für ein paar Stunden die Möglichkeit eines Art zu Hauses inkl. Familienanschluss in der Ferne zu haben. Kein Wunder, dass der Abschied Sabrina wieder emotional werden lässt.