Im Müßiggang durch die Seenlandschaft

Km total: 13911km

Hm total: 183 977hm

In Penco beenden wir unseren Ausflug an die Küste und machen uns wieder auf ins Landesinnere um in die Seenregion Chiles zu kommen. Voher müssen wir noch durch Conception durch. In letzter Zeit sehen wir vieles, dass wir schon lange nicht mehr gesehen haben. Hochhäuser gehören dazu.

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Ein wirklich total ungewohntes Bild für uns, das meldet uns auch unser Hirn im Sekundentakt zurück.

3 Tage brauchen wir über Santa Juana und Angol um nach Victoria zu kommen. Die drei Tage sind eher wieder verkehrsreich und es gibt relativ wenig zu sehen. Also halten wir uns mit Essen bei Laune.

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Am ersten Tag fahren wir den Rio Bio Bio entlang, flussaufwärts. In einer deutschen Bäckerei, unmittelbar an der Stadtausfahrt von Conception kaufen wir ein wie die Dummen. Neben Leckereien fürs 2. Frühstück finden wir auch Brot, RICHTIGES Brot ( Wahnsinn was das wiegt!!!) und einen Dresdner Christstollen. Wir freuen uns wie kleine Kinder. In Santa Juana landen wir in einer Bomberostation und dürfen im Schlafsaal schlafen.

Am zweiten Tag geht es durch Nacimiento, wo wir einer zwei-stündigen Siesta im Park machen, das Brot genießen (und nicht mehr gewohnt sind WIE ausgiebig zwei Scheiben sein können ;-) )

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und Sabrina in einem Secondhandgeschäft ein neues Hemd findet. Mit ganz ganz schwerem Herzen trennt sie sich von ihrem geliebten Gelben, aber aufgrund von über einem dutzend Löcher und unzähligen Geflickten macht es einfach keinen Sinn es weiterhin zu tragen. Irgendwie ist der Stoff nicht für den täglichen Gebrauch geschaffen.

Die letzten Km bis Angol radeln wir mit frischen Kirschen auch ganz gut dahin, staunen dass wir selbst hier in Chile noch so alte Arbeitsweisen sehen

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und landen wieder bei einer Bomberostation: BombaAustria heißt diese hier.

Der dritte Tag beginnt mit Nieselregen, also lassen wir es ganz ruhig angehen und fahren erst um 10 Uhr los als wir denken, dass es jetzt trocken ist. Aber nichts da. Kaum haben wir unsere Mittagspause in Collipulli beendet, und die höchste Brücke Südamerikas besichtigt

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regnet es wieder. Komplette Regenmontur angezogen und weiter geht es. Victoria ist unser heutiges Ziel, komme was wolle, damit endlich diese fade Strecke hinter uns ist. Wir wollen nichts von der gewonnenen Energie und Freude die wir an der Küste tanken konnten verlieren. Die letzten KM landen wir auf der Ruta 5 – der Panamericana. Schon lange nicht mehr gesehen ;-) ! Mit einem sehr breiten Seitenstreifen und wenig Verkehr ist das ganze, trotz heftigen Regen, halb so schlimm. Mühsam wird es erst wieder in Victoria, denn bei allen 3 Bomberostationen und bei der Polizei kriegen wir eine Abfuhr und das, obwohl wir dastehen wie begossene Pudel. Für das einzige Hotel fehlt uns das nötige Kleingeld ( 75 Euro, die spinnen ja). Nach ewig langem suchen finden wir ein Haus in dem eine liebe alte Omi wohnt die zwei ihrer Zimmer vermietet. Dankbar können wir unsere nassen Sachen über dem Kamin trocknen, die heiße Dusche ist eine Wohltat und den Tee mit dem frisch gebratenen Brandteiggebäck welches sie uns anbietet kommt genau richtig. Das wir so gut wie nichts verstehen was die Omi so erzählt stört weder uns, noch scheinbar sie. Wir nicken einfach immer wieder mal, wiederholen Wörter wenn wir welche erkennen und sonst schauen wir brav mit ihr im Wohnzimmer Nachrichten.

Strahlender Sonnenschein, als ob gestern nichts war, erwartet uns als wir uns um 9Uhr auf den Weg machen. Vorher müssen wir aber noch einmal über die Omi schmunzeln. Um 8:30 kommt sie im Nachthemd aus ihrem Zimmer, trägt den Nachtscherben aufs Klo, bedankt sich, dass wir Wasser warm gemacht haben, macht sich einen Kaffee, dreht den Fernseher zu ihrem Zimmer und legt sich wieder ins Bett: um 9Uhr geht sie nämlich in die Kirche ( Messe im Fernsehen).

Zwischen Bäumen hindurch und an Wiesen vorbei arbeiten wir uns immer stets bergauf weiter ins Landesinnere vor. Von dem Vulkan Lonquimay sehen wir leider nur ganz am Anfang etwas, dann verschwindet er in einer Wolkendecke. Wir erfreuen uns an schönen Blumen und daran, dass der Verkehr hier weniger ist. Zum feiern gibt es auch schon wieder etwas: 13 000 km!!

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Genau richtig, bevor es stark zu nieseln beginnt, rollen wir ins Suizandina Resort, einem Hotel mit Camping, und schlagen unser Zelt auf. Wir wollen morgen einen Ruhetag hier machen und der Regen der die ganze Nacht und den nächsten Vormittag anhält macht es uns natürlich umso leichter den wohlig warmen Gemeinschaftsraum zu genießen. Besonders das Frühstückbuffet hat seinen magischen Reiz nicht verfehlt.

Der Himmel ist blau und die Sicht perfekt. Und das ist gut so. Denn hier verstecken sich so manche schönen Berge und Vulkane. Bereits nach ein paar Kilometern zeigt sich der Erste. Was für ein Anblick!!

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Und dann das Blumenmeer noch dazu.

Wir sind begeistert. Um unsere Reise wie geplant fortzusetzen haben wir zwei Möglichkeiten; ein Umweg über Lonquimay oder einen Abschneider durch einen Tunnel. Nach ca. 12km stehen wir vor dem Tunnel. Durchfahrt für Radfahrer verboten. Normalerweise hält uns so ein Schild nicht auf, aber hier ist es durchaus berechtigt. Der Tunnel ist einspurig, über 4 Km lang und es regnet immer wieder von der Decke runter. In der Schlange vor der Ampel finden wir aber ganz schnell jemanden der unsere Räder und uns durch den Tunnel auf die andere Seite bringt. Wir finden es super, dass die Leute in Südamerika so gerne Pickups haben ;-) .

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Auf der anderen Seite überrascht uns gleich ein wunderschöner Schneeberg der sich ideal zum Fernsehen beim 2. Frühstück eignet.

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Dann ist es soweit, wir biegen ab und tauschen Asphalt gegen Ripio. Mit dieser tollen Umgebung fühlt es sich gut an.

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Lange müssen wir auch nicht warten dann sehen wir die ersten Araucarien . Sie wachsen hier noch wild. Araucarien, auch chilenische Schmucktanne genannt, erreichen eine maximalhöhe von 50m, wobei sie pro Jahr nur max. 30cm wachsen. Sie können ein stolzes Alter von bis zu 2.000 Jahren erreichen.

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Wegen ihrem geraden Stammwuchs waren sie jeher beliebtes Bauholz und sind deshalb vor dem Kahlschlag bedroht und stehen auf der roten Liste der gefährdeten Baumarten. In englisch heißen sie Monkey Puzzle Trees– den Namen finden wir lustig. Unserer Theorie nach leitet sich dieser Name einerseits von der armähnlichen Astform und andererseits von der puzzle-strukturierten Baumrinde ab. Wieder verrenken wir uns fast die Hälse,

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weil wir so angetan sind von diesen Bäumen. Ihre fast schon spitzen Blätter und diese unglaubliche Form der Rinde sind einfach nur zum (be)staunen.

Aber auch in der Ferne gibt es nach wie vor viel zu sehen. Zwei Vulkane zeigen sich uns.

Diese Kulisse ist einmalig. Und das Beste ist, dass wir endlich wieder Wasser aus den Flüssen trinken können.

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Begeistert von den ersten Kilometern hier machen wir Mittagspause und weil es so gemütlich ist gibt es auch einen Kaffee dazu. 19 Km nach der Abzweigung vom Asphalt zweigen wir erneut ab. Naja, Wolfi fast nicht, denn er wäre beinahe daran vorbeigefahren. Es deutet aber auch nichts darauf hin und der Forstweg ist jetzt primär auch nicht typisch für eine offizielle „Straße“. Wobei, genauer betrachtet – googlemaps kennt diesen Weg nicht.

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Dieser Weg führt uns in Richtung Parque National China Muerta. Die Landschaft hier ist nicht zu beschreiben. All diese Araucarien, ein Fluss der sich neben uns schlängelt, gar keine Autos und sonst auch keine Menschenseele, die Asche des Vulkanes Llaima die den Boden um uns herum bedeckt, … . Es ist einfach traumhaft hier.

Endlich wieder einmal ein Tag an dem wir uns denken, dass dieser Weg und diese Gegend nicht enden soll, denn wir können uns nicht satt sehen. Seit den ersten Metern heute Früh sind wir einfach nur zufrieden und total happy!

So merken wir auch nicht, dass es stets bergauf geht.

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Bei der Abfahrt wird die Freude aber leider etwas getrübt: wir fahren durch einen „Geisterwald“ hindurch. Nahezu alle Bäume sind abgestorben, wirken verbrannt.

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Wir fragen uns was hier los war. Später sollen wir erfahren, dass hier vor einem Jahr ein riesiger Waldbrand gewütet hat, der leider auch viele der seltenen Araucarien vernichtet hat.

Die Schlafplatzsuche gestaltet sich dann etwas schwieriger, denn plötzlich ist wieder alles eingezäunt, auf der einen Seite ein Bach und auf der anderen Seite ein Abhang mit Wald. Aber wir finden ein Plätzchen, denn obwohl wir es noch bis Melipeuco schaffen würden, wollen wir lieber hier wildcampen.

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Die letzten 17 km bis Melipeuco dauern diesen Morgen etwas länger als gedacht. Es geht wieder rauf und runter, statt nur runter. Aber durch einen Mischwald hindurch, an erkalteten Lavaströmen vorbei und mit Blick auf den Vulkan Llaima .

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Ein kurzer Halt an den Wasserfällen

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und schon füllen wir unsere Taschen und Mägen in Melipeuco um uns gleich weiter in den nächsten Nationalpark zu machen. Hierfür fahren wir extra 30 km in eine Richtung um in ein paar Tagen den selben Weg wieder hinaus zufahren. Wir hätten schon ab Curacautin hierher fahren können, aber wir wollten unbedingt das Reservat China Muerta sehen (also hat sich der Umweg mal wieder ausgezahlt).

Stets bergauf geht es, oftmals wie gewohnt ziemlich knackig. Der Asphalt endet beim Eingang zum Nationalpark Conguillio. Hier müssen wir, als Ausländer, 6.000 chilenische Pesos ( 8,60 Euro) pro Person bezahlen. Karten, Prospekt oder die Erlaubnis wild zu campen gibt es nicht. Wohin das Geld wiedereinmal wandert fragen wir uns spätestens als wir die ersten Km auf miesem Wellblech hinter uns bringen. Aber diese Mondlandschaft hier mit dem einzigartigen Blick auf diesen riesigen Vulkan Conguillio lassen wie immer alle Anstrengungen vergessen.

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Es ist ziemlich heiß, sogar etwas schwül und so schwitzen wir uns durch die Gegend. Bald erreichen wir die Laguna verde und hier gibt es zu unserem Glück ein paar wenige Bäume. So kann man die Mittagspause genießen ;-) .

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Die letzten Km bis zur Laguna Conguillio fahren anfangs weiter zwischen den Lavaströmen hindurch,

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wir passieren eine kleine Lagune die uns mit ihren mystisch anmutenden abgestorbenen Bäumen sehr gut gefällt,

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sehen unsere gefühlte hundertste Tarantula

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und fahren zum Schluss wieder in einem lichten Wald mit den schönen Monkey-Puzzle-Bäumen.

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Unser Zelt schlagen wir also ganz brav am offiziellen Campingplatz auf und obwohl wir erst einen Ruhetag hatten, verbringen wir hier wieder einen. Der mitgeschleppte Liter Wein ist trotz seiner Tetraverpackung ganz gut ;-).

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Rangerstation; ohne Worte ;-)

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Es ist einfach so einzigartig still hier, der See schön angenehm frisch,

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die Landschaft wunderschön, man kann Adler beobachten, … und theoretisch kann man auch Wanderungen unternehmen. Vor hatten wir, das wir zu einen Aussichtspunkt hinauf wandern. Hierfür wird empfohlen früh aufzustehen, die Strecke dauert knappe 6 Stunden hin und zurück und der Weg ist ab der Hälfte nicht mehr sonnengeschützt. Die Aussicht über Vulcan und Lagune soll atemberaubend sein, aber früh aufstehen ist zur Zeit so gar nicht unser Ding, also lieber lange schlafen, lange Frühstücken und einfach nur genießen. Einzig ein kurzer Spaziergang zu der ältesten Araucarie machen wir dann doch noch am späten Nachmittag. Bzw. Sabrina entdeckt auf dem Weg einen bequemen Baumstamm und wartet auf Wolfi bis er von dem Metusalembaum zurückkehrt.

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Stattliche 50m hoch und 1800 Jahre alt. Als wir zu unserem Camp retour kommen sind bereits 6 andere Radler da, alle unabhängig von einander angekommen, alle zwischen 1 und 3 Monaten unterwegs. Ja, daran müssen wir uns jetzt gewöhnen – diese Gegend hier ist sehr beliebt unter Urlaubsradlern aus Europa und aller Welt bzw. auch bei Chilenen und Argentiniern.

Langsam aber doch ermüdet unser Material. In der Nacht macht es plötzlich einen lauten Knall: noch mehr zamkuscheln heißt es ab jetzt. Eine Gesamtliegefläche von nur noch weniger als 80cm müssen wir uns jetzt für einen erholsamen Schlaf teilen.

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Hoffentlich platzen nicht noch mehr Luftkammern, sonst müssen wir uns mit dem Schlafen abwechseln ;-)

Als wir am Vormittag wieder aus dem Nationalpark rausradeln ist der Himmel diesig. Man sieht den Vulkan kaum, aber die Mondlandschaft wirkt noch skurieler.

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Wir laden wieder unsere Essenstaschen in Melipeuco auf und radeln weiter. In Cunco möchten wir eigentlich bleiben, aber finden keinen Unterschlupf. Während Wolfi Süßes kauft, wartet Sabrina bei den Rädern und wird von einer Frau, die in einer Mapuchegemeinde ( Ureinwohner Chiles) nach Hause eingeladen, für den Fall, dass wir hier in Cunco nichts mehr finden sollten. Also entscheiden wir uns nach kurzer Zeit, dass wir zu ihr fahren. Lediglich eine vage Wegbeschreibung haben wir von ihr. Als wir von unserer Route abbiegen erwartet uns mieser Schotter. Wir fragen nach der Schule die wir als Anhaltspunkt bekommen haben. Sie sei noch 10 Kilometer entfernt. Auch die nächste Person die wir fragen bestätigt uns diese Distanz. Hmm, das ist uns doch etwas zu weit, dafür dass wir dann nicht einmal wissen ob wir sie dort finden, da es ja kein Dorf ist, sondern riesen Grundstücke, schon fast Farmen hier, wo meist die Häuser weit weg von der Straße gebaut sind. Mit mieser Stimmung, weil wir die Chance auf eine Mapucheschlafgelegeneheit ausschlagen drehen wir um und fragen beim nächstbesten Haus. Es wird ein Schuppen für uns freigeräumt und schnell stellt sich heraus, dass es ebenfalls eine Mapuchefamilie ist. Also doch noch Glück gehabt. Weitere Familienmitglieder aus Temuco kommen an um hier das Wochenende zu verbringen und wir werden zum Abendessen eingeladen. Extra für uns wird ein Schaf im Kofferraum vom Nachbarn herangekarrt, geschlachtet und gegrillt.

So recht wissen wir gar nicht was wir denken sollen, so schnell geht das alles.

Nur als es um eine alte Tradition geht, scheinen Sekunden zu Stunden zu werden ;-) . Das frische, noch warme Blut, wird mit Koreander, Zwiebel und Zitronensaft vermengt und gegessen. Gut erzogen wie wir sind, wissen wir, dass wir jetzt nicht kneifen können. Also Augen zu, Hirn ausschalten und …. alles halb so schlimm.  Das “ Nachi“ genannten Gericht schmeckt nach Zitrone.

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Stunden stehen wir mit der Familie um den Grill,

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unterhalten uns Gut, trinken Wein und Bier, Sabrina wird mit Mapucheschmuck behangen

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und wir warten sehnsüchtigst, dass das Fleisch fertig wird. Als wir glauben wir können vor lauter Müdigkeit und schweren Beinen vom Stehen nicht mehr, ist es endlich so weit: 1Uhr45 in der Früh, das köstliche Fleisch wird aufgetischt. Was für ein Abend, was für eine Wendung!

In der Früh nieselt und regnet es abwechselnd, wir dürfen uns mit unserer Abfahrt Zeit lassen. Am späten Vormittag machen wir uns auf den Weg und füllen direkt beim Nachbarn unser Honigglas mit frischem Honig an (die Bienenköniginnen sind aus Österreich!). Ach, so etwas lieben wir.

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Durch schöne Wälder, an Flüssen vorbei und begleitet von einem Hund (manche sind uns also doch wohlgesonnen)

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fahren wir gemütlich dahin und der Nieselregen stört uns gar nicht. Nur die letzten 20 Km nach Villarrica stören uns gewaltig, bzw. der miese Untergrund und die fiesen Steigungen.

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So landen wir zuerst mal zur Stärkung in der lokalen deutschen Bäckerei bevor wir unser Zelt am Campingplatz aufschlagen, Completo (amerikan. Hotdog) essen gehen und mit Wein und Chips den Abend am See ausklingen lassen.

Wir haben immer noch vor keine langen Tage mehr zu fahren, daher starten wir wieder sehr spät. Das Frühstück wird mit Blick auf den verträumten See eingenommen,

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so könnte jeder Morgen beginnen. Kurz vor der Abfahrt zeigt sich dann sogar noch der Vulkan Villarrica.

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Wunderschön wie wir finden.

Es geht lange hinauf und dann lange hinab, nach Lican Ray. Das, und die Tatsache dass wir frisch geräucherten Lachs kaufen, ist schon alles erwähnenswerte der kurzen Strecke von rund 20 Km. Am Lago Calafquen genießen wir natürlich erstmal eine Mittagspause, kochen Kaffee und kaufen uns dazu viele Tortenstücke. Lican Ray hat zwei Strände und so pendeln wir zwischen beiden hin und her und beobachten den sonntäglichen Trubel.

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Es gefällt uns so sehr, dass wir nicht mehr weiterfahren wollen. Gegen Abend lernen wir ein argentinisches Radlerpaar kennen die quer durch Südamerika wollen. Gemeinsam kochen wir mit ihnen am Strand zu abend

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und suchen uns dann ein schönes Plätzchen, wo wir, trotz Verbotsschilder, unsere Zelte aufschlagen. Vor allem die Mädls können dem Gedanken direkt am See aufzuwachen und vor dem Zelt zu frühstücken einfach nicht widerstehen.

So machen wir es dann auch. Frühaufsteher Wolfi hält für Sabrina die Morgenstimmung auf Fotos fest

und bis um 12 Uhr dauert unser Frühstück, es ist einfach traumhaft still hier. Um kurz vor 2 Uhr machen wir uns zu zweit auf den Weiterweg, Sabrina und Nico wollen über die andere Seite des Sees weiterfahren. Wieder nur ca. 18 km weit kommen wir :-) . In Conaripe, immer noch am selben See, das selbe Spiel: Kaffee und Kuchen Zeit am Seestrand, einfach nur genießen

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zähneklappernd sich sauber machen im See (Sabrina mit Radunterhose entspricht übrigens dem letzten Schrei hier: Badehosen bis über den Bauchnabel und mit Beinbündchen)

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und zur später Stunde einen geschützten Platz fürs Zelt suchen.

Die Wetterprognosen lassen unsere Köpfe etwas rauchen: die Weihnachtsfeiertage stehen bevor, wir wollen definitiv nicht in einer Stadt sein und so behalten wir die Regenwolken auf der Wetterapp im Auge. Nie haben wir uns für die Wetterprognose interessiert, auf der gesamten Reise nicht, aber seit dem unbeständigen Wetter hier in Chile kontrollieren wir es immer wenn es geht.

Da Regen für heute vorhergesagt ist, brechen wir ausnahmsweise schon um 9 Uhr auf. Es geht wieder teilweise steil dahin, die Landschaft ist unspektakulär, es gibt nichts zu sehen.  Nachmittags fahren wir am Lago Panguipulli entlang, rauf, runter, rauf, runter. Von der tollen Landschaft die hier sein soll inkl. Vulkan bekommen wir leider gar nichts zu sehen, denn es beginnt zu regnen und es wird immer mehr. Eigentlich wollten wir uns die Strecke nach Neltume wieder gemütlich auf zwei Tage aufteilen, aber die paar schönen Stellen am See laden bei den strömenden Regen nicht zum Campen ein. Eine lange Steigung wartet dann auch noch am Schluss auf uns. So kommen wir bei sintflutartigem Regen in Neltume an und wärmen uns erstmal in einem Restaurant bei einer heißen Schokolade auf. Danach ist Geduld gefragt, in dem verschlafenen kleinen Ort dauert es lange bis wir was zum Schlafen finden (teuer oder mit Straßenarbeitern belegt). Nach einer heißen Dusche und den Sachen trocknend über dem Kamin fühlen wir uns in den kuscheligen Betten pudelwohl. Praktisch, dass der Minisupermarkt direkt nebenan ist, denn es schüttet den ganzen Abend lang und wir brauchen aber noch ein Bier und Chips zum Filmschauen.

In der Früh ist das Wetter besser. Wir befinden uns in einem Nationalpark und wollen diesen erkunden. Es soll in ein paar Km eine tolle Unterkunft in den Bäumen hineingearbeitet geben, dort wollen wir hin. Leider ist alles mit einer Schulklasse ausgebucht als wir ankommen, der Himmel zieht wieder zu, es beginnt zu nieseln und die ganzen Wanderungen dauern ewig lange. Na toll, so haben wir uns das nicht vorgestellt. Gut dass es eine Brauerei (hier im nirgendwo mitten in einem Nationalpark!! Uns wundert schon gar nichts mehr ;-) ) gegenüber gibt. Wir genehmigen uns einfach mal ein Bier und machen uns dann noch auf, auf einen kleinen Spaziergang durch den Nationalpark und in ein Museum.

Ganze 13km sind es heute insgesamt gewesen, als wir um 16 Uhr endlich unser Mittagsessen am Hafen von Puerto Fuy zu uns nehmen. Danach fragen wir uns durch das Dorf nach Ferwehrmänner durch, denn die Station ist unbesetzt. Wir finden einen Zuständigen von dem wir die Erlaubnis bekommen in der Station zu schlafen. Er ruft jemanden an der uns aufsperrt. Nach knapp einer Stunde warten kommt dann jemand im Auto, lässt das Fenster runter und deutet uns, dass der Schlüssel in der Nähe der Türe versteckt ist. Na das wäre auch wesentlich leichter und schneller für uns gegangen, aber okay.

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Die ganze Station ist aus Holz gemacht, wir fühlen uns auf Anhieb wohl und sind fasziniert, dass sie uns die ganze Station komplett alleine überlassen. Scheinbar sind wir nicht die einzigen die hier einen Schlafplatz gesucht und gefunden haben: bitte haltet unsere Station sauber,

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steht auf einem Zettel vor dem wunderschönen Holzstiegenhaus.

Schon seit langem heißt unsere Mission wenn wir zurück sind in Österreich: bei der Feuerwehr fragen ob wir schlafen können, wenn wir mit dem Rad unterwegs sind. Wir sind schon sehr gespannt auf deren Reaktion ;-) !! Und schon gar nicht würden sie einem eine ganze Station überlassen! Das ist Südamerika!

Wenn bloß immer die Brotsuche soche Abendstimmungen zaubern würde.

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In der Früh verstecken wir brav wieder den Schlüssel und rollen um 7:30 zum Hafen hinunter.

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Wir sind nämlich auf den Weg nach Argentinien und hierfür muss man über den See Pirihueico eine Fähre nehmen, da es keine Straßen gibt. Juhu!!! Heute sehen wir den Vulkan!

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Pünktlich um 8 legt die Fähre ab und wir haben eineinhalb Stunden Zeit die schönen Berge, die Klippen und die einzigartige Stimmung einzusaugen. Klug wie wir waren, haben wir uns noch Wasser aufgekocht und können somit einen Kaffee genießen. Ach, manchmal können so kleine Dinge so schön sein.

Wieder an Land geht es 11 Km auf unbefestigten Straßen zur Grenze. Vielleicht kreuzen wir so oft zwischen Chile und Argentinien hin und her weil uns diese alten Grenzmarkierungen  so gut gefallen ;-)

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Hier zeigt sich wieder deutlich ein Wort, das so oft sinnbildlich für uns für Zentral- und Südamerika steht: Arbeitsplatzbeschaffung. Jeder hier ist wichtig, jeder darf einen Stempel auf einen Zettel geben und jeder stellt uns die selben Fragen. Jeder = 8 Leute. 8 Leute an der Grenze und wir wissen nicht was sie voneinander unterscheidet. Aber wir werden stets wenn einer fertig ist, zum nächsten weitergeschickt. Bis am Schluss der Zettel voller Stempel ist. Haben wir jetzt was gewonnen, wollen wir schon scherzhaft fragen. Aber lieber nicht auffallen ist die Devise, denn es geht an die Taschenkontrolle. Da wir erst morgen Abend wieder in einer Stadt sein werden, haben wir das ein oder andere dabei was eigentlich nicht über die Grenze soll/darf. Aber gut verstaut findet ein Beamter nur die Marmelade und lässt sich davon überzeugen, dass sie nicht hausgemacht ist (seguro ;-) ), sondern wir sie einem Supermarkt gekauft haben. Glück gehabt, wir dürfen fahren. Aber bereits nach 2 Kilometern biegen wir von der eigentlichen Straße wieder ab und fahren weitere 3 Km zu einem kostenlosen Campingplatz – hallo Argentinien!! Eigentlich ist es ein offizieller Wildcampingplatz, denn es gibt keinerlei Versorgung, Klo oder Wasser. Dafür aber einen traumhaften See mit noch traumhafteren Buchten und Wiesen. Wie in der Karibik nur mit Bergen und Wiesen, findet Sabrina ;-) !

16km waren es heute, unsere Tagesleistungen sind zur Zeit echt der Hit ;-) . So suchen wir uns also um 12 Uhr ein Plätzchen und wie der restliche Tag aussieht könnt ihr euch wohl schon denken ;-) !

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Einzig zu dem üblichen Kaffeejausenprozedere, lesen, genießen, … kommt, dass wir eine Gruppe die zum Fischen hier ist kennen lernen, bzw. einen der Organisatoren. Als wir einen Spaziergang machen kommen wir mit ihm ins Gespräch. Dass wir keinen Griller am Fahrrad mitschleppen, können sie nicht so ganz verstehen. Aber wir sollten uns doch einfach einen von den selbstgemachten hier nehmen, denn sie schenken uns eine frisch gefangene Forelle!! Wow, das wird ein Festmahl zum Abendessen. Dazu gibt’s noch drei Nektarinen! Juhuu: Obst hatten wir keines illegal mit ;-) . Das Feuerholz ist schnell gesammelt und so freuen wir uns schon aufs Abendessen. Während wir einfach nur die Umgebung genießen kommt dann der Organisator der Gruppe bei uns vorbei, bevor er fährt und gibt uns selbstgemachtes Brot, zwei Avocados und eine Tomate. Wir sind geplättet! Mit dem Blick auf den See sitzen wir da und Wolfi murmelt nur noch so was wie : uns geht’s gut. Oh ja, uns geht’s so gut. Wie gut’s uns hier geht!! … vor sich hin ;-) ! Und das ist das unverhofft, köstliche Mahl.

Man fährt die ganze Zeit am See entlang – theoretisch – auf der Karte gesehen. Wir sehen aber außer dichten Mischwald und vielen kleinen Bächlein nichts. Und dann ist es wieder da, dieses komische Gefühl, dass uns seit wenigen Wochen immer wieder einholt. Gibt es so etwas wie ein Radreiseburnout?? Wenn es etwas schönes zu sehen gibt erfreuen wir uns und genießen es, aber kaum wird es eintöniger oder gar anstrengend, dann werfen wir schnell den Hut und sudern nur noch vor uns hin. Wollen wir wirklich immer noch nach Ushuaia fragen wir uns des öftern?? Macht das wirklich noch Sinn weiter zu radeln wenn wir so denken?? Wir beschließen  bei nächster Gelegenheit uns ein Plätzchen in der Nähe  über die Plattform helpx zu suchen (arbeiten gegen Kost und Logis) um mal vom Rad für paar Tage runter zu kommen und was anderes zu machen. Seit nun fast 12 Monaten dreht sich 24 Stunden alles ums Radreisen. Selbst an freien Tagen. Nicht so wie bei einem 8-16 Uhr Job. Das fordert einem mehr als man es sich vorher vorstellen kann. Wir wussten, dass es mal zu so einer Phase (?) kommen wird, dass sie so spät erst kommt ist eh schon verwunderlich. Aber jetzt so kurz vor Schluss ist es umso bedauerlicher, dass sich solche negativen Gedanken über die Reise legen. Aber von anderen Radlern wissen wir, dass viele hier in dieser Gegend (bzw. davor) (oder liegt es eher an der Reisedauer) etwas ins schwanken kommen.  Mit dem gefassten Gedanken bezüglich helpx geht es uns bereits etwas besser.

Es geht weiter unter schönen Wolken dahin.

Noch immer lassen wir uns viiiiel Zeit. Gibt es sonst noch wo ein Cafe in dem man im liegen auf seinen Muntermacher wartet ;-) .

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Den ganzen Tag schon stoppen wir immer wieder um Luft in Sabrinas Hinterrad zu Pumpen: Sickerpatschen, wir sind jedoch zu faul zum Flicken.

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Kurz vor San Martin de los Andes werden die Intervalle des aufpumpen immer kürzer (1km) aber wir haben eine grandiose Sicht auf die kleine Stadt, und endlich auch wieder auf den See. Gibt es hier einen Grido??

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Ja gibt es ;-) !

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Vorräte werden eingekauft und man zahlt in diesem ziemlich künstlich wirkenden, schon etwas „versnobten“ Örtchen das Wort Patagonien, sogar im Supermarkt mit. Puh, das sind Preise!

Am 24.12. radeln wir erst um 11 Uhr los. In der Früh dachten wir angestrengt nach, ob wir nicht was vergessen haben ;-) . ooops da war ja noch was: der Patschen!!!

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Die Schwalbemäntel sind ja gut und schön, aber sauschwer wieder auf die Felgen zu kriegen. Wolfi kämpft unendlich lange. Und weil wir vermuten dass ein Produktionsfehler (Welle auf der Innenseite des Mantels) Schuld an den vielen Patschen in letzter Zeit ist, gibt es zu Weihnachten einen neuen Pneu.

Am See geht es noch ein kleines Stückchen voran, bevor wir uns in vielen Kurven hinauf auf den Berg winden. Sabrinas kleiner Hunger hat ein gutes Timing: perfekte Aussicht fürs 2. Frühstück.

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Die Landschaft gefällt uns – erinnert uns ein bisschen an zu Hause. Immer noch erfreuen wir uns an dem vielen Grün. Eine Infotafel fasziniert uns sehr: hier kommt ein Minibächlein vom Berg herunter, und aufgrund von ein paar Steinen teilt es sich. Links fließt es bis zum Atlantik, rechts bis zum Pazifik. Also einmal quer durch den Kontinent.

Altbekanntes zeigt sich uns auch wieder.

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Hügelig geht es weiter dahin, an den ersten Seen vorbei. Manche sehen wir nur durch die Bäume hindurch. Route der sieben Seen heißt diese Rute hier. Die altbekannte Ruta40 – gaaaaanz anders als im Norden ;-) ! Es sind aber weit mehr als nur 7 Seen.

Es wird stürmisch, der Himmel zieht zu und es ist eisigst kalt. Wir erreichen den Lago Villarino . Hier wollen wir den 24. verbringen. Perfekt wie wir finden. Schnell suchen wir uns ein einigermaßen windgeschütztes Plätzchen, auch wenn das leider bedeutet, dass es nicht mit direktem Blick auf den See ist. Aber so halb ;-) .

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Unser Spätnachmittagsprogramm brauchen wir ja nicht mehr erläutern. Weil in einer Whatsappgruppe zum „Ich-schicke-ein-Bild-meines-Christbaumes“ Contest aufgerufen wurde, machen wir uns den Spaß und schmücken mit leckeren Süßigkeiten auch mal unseren „Weihnachtsstrauch“.

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Zur Feier des Tages, auch wenn wir Weihnachten eigentlich nicht wirklich feiern, gibt es einen Christstollen ( danke an die vielen deutschen Einwanderer in den Jahren um 1850 in Chile, deren Nachfahren Bäckereien aufmachen.).

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Unser Festtagesschmaus am Abend ist Tortellini (danke an die ausgewanderten Italiener in Argentinien), heute gepimpt mit Oliven, Grünzeug vom Jungzwiebel und Parmesan. Dazu ein Rotwein aus dem Tetrapack (einen Liter zu haben war uns wichtiger als edel aus der Flasche und nur 0,75 ;-) ).

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Dann noch ein Film und Chips dazu. Der perfekte Weihnachtsabend wie wir finden.

Es regnet fast die ganze Nacht durch, ebenso auch noch in der Früh. Der Himmel sieht noch nicht so gut aus, aber wir beginnen zusammenzupacken als der Regen nachlässt. Alles bis auf das Zelt ist verstaut als uns ein deutsches Paar mit einem Camper anspricht. Schnell werden wir zu ihnen hinein ins Warme eingeladen. So plaudern wir und die Zeit vergeht, zwei Regenschauer können wir somit von drinnen beobachten. Als wir uns verabschieden ist es bereits 14 Uhr. Kurz überlegen wir hin und her und entschließen uns dann doch einfach noch hier zu bleiben. Der Himmel klart etwas auf, aber der Wind weht so stark, dass Sabrina nicht mehr losfahren möchte. Also üben wir uns wieder im nicht-viel-tun-und-Kaffee-trinken. Schön langsam werden wir Perfektionisten.

Sabrinas Finger jucken wieder: also bastelt sie sich eine Blume für ihr Rad aus ihrem gelben Hemd. Ja genau, es ist immer noch nicht entsorgt, so sehr hängt sie daran.

Auch heute sieht der Himmel nicht viiiel besser aus, aber viel länger reicht das Essen nicht mehr, also machen wir uns auf den Weiterweg. Entlang von großen und kleinen Bächlein, durch Wälder hindurch, umschwärmt von Papagein, beobachtet von einem Fuchs,

an Seen entlang und dran vorbei machen wir uns auf 45km weit zum Lago Espejo zu radeln. Sieht von oben schon schön aus,

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aber unten finden wir ihn an dem kleinen Strand einfach toll. Ein bisschen „Notversorgungsnahrungsmittel“ haben wir noch, also beschließen wir hier zu bleiben. Anderer Ort, selbe Gewohnheiten. Ach Herrlich!!!

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Unsere Tagesleistungen der letzten Wochen von durchschnittlich 30km pro Tag sind wirklich der Hammer – in dem Tempo sind wir im nächsten argentinischen Sommer in Ushuaia! Aber wir haben diesen Müßiggang notwendig und die Gegend der letzten Wochen lädt einfach dazu ein.

In der Früh zeigt er dann warum er Lago Espejo (Spiegelsee) heißt.

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Die 5km bis zur Kreuzung sind schnell gemacht. Eigentlich wollen wir jetzt nach rechts abbiegen – Richtung Chile. Aber leider haben wir nichts mehr zu Essen – so leer war die Essenstasche noch nie. Also müssen wir nach links – 11 km bis Villa Angostura und die selben 11km wieder retour. Für Sabrina leere Kilometer. Daher stellt sie sich mit der leeren Essenstasche und dem Rucksack bewaffnet an den Straßenrand und sitzt 5 Minuten später in einem Auto Richtung Supermarkt . Dort werden beide Behälter bis zum überquellen befüllt und nach weiteren 15 Minuten warten hat sie wieder Glück und wird erneut mitgenommen. SO kann man sich unnötige Kilometer und vor allem unnötige Anstrengung sparen, resümiert Sabrina als sie wieder retour ist.

Also …. rechts abbiegen und wir fahren mit einer erneuten grandiosen Aussicht auf den riesigen Espejosee

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in einen Wald hinein. Nach nur 15 Km erreichen wir den Lago Pireco . Keine Menschenseele hier. Klar, dieser gehört ja auch nicht zu DEN Seen der Seenstraße wie in allen Reiseführern zu lesen ist. Wir finden ihn aber mindestens genauso schön wie alle anderen davor auch. Schöne Plätzchen zum Wildcampen gibt es auch, einen kleinen Bach für frisches Wasser, … es ist 13 Uhr, wir haben heute sage und schreibe 26,3km gemacht. Fertig!

Sabrina macht einen auf Argentinierin und legt sich für eine ausgiebige Siesta mit Blick auf den See nieder. Um 15 Uhr ist Kaffeezeit. Aber bitte wo ist unser Filter. Die Hirnzellen arbeiten auf Hochtouren: er muss wohl noch beim Espejo liegen. Scheinbar sind Wolfi die letzten Tage zu kurz gewesen, er ist nicht ausgepowert genug, denn anders kann man es sich nicht erklären dass er sich freiwillig für einen Filter noch einmal 40 km aufs Rad setzt. Sabrina hat im Gedanken schon aus ihrem gelben Hemd einen neuen Filter gebaut (ja, genau, das Hemd ist immer noch da; zerschnitten aber noch vorhanden ;-) ) , aber Wolfi will „seinen“ Filter. Knapp über 2 Stunden später (man merkt dass er ohne Gepäck gefahren ist) rollt ein freudestrahlender Wolfi wieder zu unserem Plätzchen und kann endlich einen Kaffee kochen.

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Wieder mit Rotwein ausgestattet können wir bei Sonnenuntergang

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auf unser Jubiläum anstoßen: vor genau einem Jahr sind wir aus San Jose rausgeradelt! Wahnsinn! 13.500km haben wir am 26.12. auf unserem Tacho gezählt.

In der Früh gehen wir es wie die letzten Tage schon sehr langsam an. Wolfi fährt nur kurz einen Kilometer zur Grenzstation – unser Laptop und unsere externe Batterie sind aufgrund des vielen Campen bereits ohne Strom. Während wir warten, dass sie aufladen, genießen wir mit viel Kaffee den See. Wir haben ihn nach wie vor für uns alleine.

Um 10Uhr30 erst holen wir uns den Ausreisestempel und machen uns auf den Weg zum Paso Cardinal Samore. Über den muss man nämlich drüber um dann etliche KM danach den Einreisestempel zu bekommen. Immer noch finden wir es etwas schräg, dass die Grenzstationen oftmals soweit auseinander liegen. Die Landschaft die uns umgibt ist wunderschön, aber wie so oft in letzter Zeit, leider nichts für die Kamera sondern mehr fürs Auge. Die Steigung ist okay, der Verkehr ebenso, und trotzdem kommen wir so richtig ins Schwitzen. Es geht heute kein Wind und daher ist es drückend heiß. Bei einem Stop finden wir ein Sackerl voller Etiketten – da war wohl wer groß shoppen und will es nicht deklarieren ;-) . Wir finden zwei reflektierende Anhänger, ideal wie wir finden für graue Regentage um besser gesehen zu werden.

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Nach gut 20 km ist es geschafft, wir sehen wieder die hübschen Grenzmarkierungen – wir haben die geographische Grenze erreicht. Danke an alle Fahrer die hier oben drauf kommen, dass sie illegale Nahrungsmittel haben – wir freuen uns über die zusätzlichen Vitaminen und Zucker.

Bei der Abfahrt bekommen wir einen ersten Blick auf den Vulkan Puyehue .(links unten: unsere Schlaflagune wie sich im nachhinein herausstellt ;-) )

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Diese witzige Felsformation war ebenfalls mal ein Vulkan wie uns eine Informationstafel erklärt:

Und die Landschaft ändert sich schlagartig. So weit das Auge reicht sehen wir nur abgestorbene Bäume. Alle grauweiß-tot.

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Einzig eine Bambusart kämpft sich empor und sorgt für etwas grün. Einerseits traurig, aber irgendwas faszinierendes hat es auch. Nach wenigen KM sehen wir auf der rechten Seite eine Lagune. Umgeben von den grauen Bäumen, mit Blick auf den Vulkan finden wir es so schön hier, dass wir abermals nach 26km beschließen den Tag zu beenden. Kaffee, Kuchen, Wein und Nudeln sind noch vorhanden, also … ;-) . Wird schon keine Probleme geben wenn wir uns erst morgen den Einreisestempel holen. Der See hat eine angenehme Temperatur und ist so gut wie uneinsehbar von der Straße. Also, wozu dann Unterwäsche zum Baden anziehen ;-) !

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In der Früh bekommen wir noch einmal den Vulkan zu sehen und merken dass direkt um ihn herum alles grün ist. Also war der Grund für die toten Bäume gestern und heute evtl. doch Waldbrand und nicht der Vulkan? (eingeholte Information danach: alle Bäume in der Ferne sind tot aufgrund der dort abgesunkenen heißen Vulkanasche)

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Bei einer Kurve sehen wir eine riiiiiesen Wolkendecke vor uns – genau in dem Tal in das wir müssen (aber nicht wollen bei dem Anblick ;-) ).

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Heute haben wir nichts illegales mit (was, Chia sind Samen ;-) ) , denn es ist ein großer Grenzübergang und hier kann man nicht mal nett über Wetter und Gegend und unsere Reise zur Ablenkung plaudern. Beim Schlangestehen für den Einreisestempel können wir schon einmal beobachten wie jeweils zu zweit die Autos gefilzt werden. Einmal vom Zoll wegen Schmuggelware und eine zweite Person wegen Lebensmittel.

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Kurz darauf kommen wir durch durch die Kontrolle und radeln auf der mit Wald gesäumten Straße unter der bedrohlichen Wolkendecke dahin.

Bei der Mittagspause findet Wolfi endlich den Grund für eine Druckstelle am Fuß. Ein gigantisch großer und harter Dorn!! Ein paar Milimeter daneben und er wäre in die Ferse gerammt, denn er ist länger als die Sandale dick ist.

Am See Puyehue reißen die Wolken etwas auf und wir erhaschen mehrmals beeindruckende Aussichten auf 3 Vulkane um uns herum.

Am Nachmittag radeln wir in Entre Lagos ein. Bei den Bomberos werden wir wieder einer Herberge fündig und so genießen wir den Abend, bei dem üblichen chilenischen Fastfood inkl. Bier, am See.

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Heute Früh ist es wieder bewölkt. Aber als sich der Himmel lichtet sehen wir sie wieder: wie auf einer Perlenschnur sind hier 5 Vulkane innerhalb von wenigen km aufgereiht. Es gibt Dinge von denn können wir einfach nicht genug kriegen, und dazu gehören eindeutig Vulkane mit Schneehäubchen!!!

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Selbst der Straßenrand lädt hier zu einem Kaffeepäuschen ein.

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Achja, dürfen wir unseren neusten Begleiter vorstellen:

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Ziemlich rasch erreichen wir Puerto Octay. Bzw. „zu Hause“ ;-) so unser Gedanke als wir das Dorf von oben sehen. Süß!!!

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Hier sind wir mit Claudia, unserem Warmshowerhost verabredet. Gemeinsam mit ihrem Mann Fernando verbringen wir unterhaltsame Stunden am Abend und beschließen, dass wir über Silvester hier bleiben. Kleiner Vorteil: Claudia hat eine niedliche Pension, und wir haben ein Zimmer zum vergünstigten Preis inklusive Frühstück bekommen.

Silvester feiern wir dann mit zwei weiteren Radlern und einer Familie die hier Urlaub macht.

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Wir helfen viel und sehr gerne in der Küche und zaubern um Mitternacht einen Kaiserschmarrn mit Apfelkompott für alle.

So machen wir uns zu Mittag erst auf, auf die letzten KM dieser wunderschönenen Seenrute. Fazit der letzten 5 Wochen in den Seen von Argentinien und Chile: es war wunderschön. Es hat uns geholfen unsere Batterien  wieder voll auf zu laden. Der Verkehr war viel viel weniger als befürchtet (nach Silvester ist hier überall die Hölle los weil Ferienezeit) und die Nationalparks waren zusätzliche Highlights zu den vielen schönen Seen und Vulkanen. Die kurzen Etappen von See zu See waren perfekt. Das mit helpx hat leider nicht geklappt, macht aber nichts wie wir zur Zeit finden. Wir schmieden Pläne für weitere Radreisen, also ist das Tief scheinbar überwunden ;-)

Eine kurze Pause in Frutillar am See

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an ein paar wunderschönen Häusern vorbei,

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und schwups landen wir bei den nächsten Warmshowern in Puerto Varas, wo wir enspannte Tage bei einer extrem herzlichen Familie verbringen und uns auf ein Sahnestückchen von Chile vorbereiten – die Careetera Austral.

P.S.: Juhu!!! Der laaaaange Bericht hat sich gelohnt, nach Monaten sind wir endlich wieder up-to-date mit dem Blog!!!

P.P.S.: unter „gefahrene Route“ kann man sich nun unsere Strecke in Peru, Bolivien sowie Chile und Argentinien ansehen.