Schnee, Matsch, Steine und Gras…mongolischer Offroadspaß

Von Tsetserleg nach Charchorin

September 2018

195 km davon 0,2 km auf Asphalt

1500hm

Der angekündigte Schnee kommt. Uns erreicht dieses Bild aus Ulaanbaatar.

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Bei uns in Tsetserleg ist es zum Glück nicht ganz so schlimm, aber auch hier fallen dicke Flocken den ganzen Tag vom Himmel herab und bleiben auf den umliegenden Bergen liegen. Mit einer Tasse gutem Kaffee oder vergraben unter einer dicken Decke lässt sich dies aber ganz gut beobachten und aushalten.

Gut dass wir am Tag zuvor bei strahlendem Sonnenschein, aber trotzdem eisigen Temperaturen, uns noch ein wenig in der Kleinstadt umgesehen haben.

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Aber auch bei Schneefall trauen wir uns des Öfteren hinaus, denn obwohl uns die mongolische Küche, mit ihrer fettigen und ziegenfleischlastigen Küche nicht besonders zusagt, gehen wir 2 Mal täglich in das selbe kleine Lokal, indem sich Polizeioberkommandant und Automechaniker ein Stelldichein geben. Für uns bleiben Teile der Speisekarte ein Mysterium,

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aber zumindest hier zahlt es sich aus, dass wir die kyrillische Schrift lesen können. So finden wir auf der Speisekarte Schnitzel,

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Gulasch,

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Buuz

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wieder und natürlich unseren geliebten Suutei Tsai (typisch mong. Milchtee). Was wir nach wie vor nicht finden sind Haferflocken. Keiner der vielen Miniläden hat es. So bleiben wir also bei Gries zum Frühstück. Aufgegossen mit kochendem Wasser lassen wir ihn über Nacht quellen. Wiedererwartend funktioniert das ganz gut. Dafür gibt es das erste Obst seit Ulaanbaator: zwei Äpfel kosten mehr als zwei Hauptspeisen mit Tee in unserem lokalen Restaurant. Ja, Obst ist defintiv Luxusware in diesem Land.

Es bleibt auch Zeit sich über das neue Setup unserer Räder Gedanken zu machen. Wir haben bezüglich der Kleidung genau dasselbe mit wie in Südamerika, wo wir weit tiefere Temperaturen in der Nacht erlebt haben, und oftmals ähnliche tagsüber. Warum ist dann hier die Kälte für uns so unerträglich?? Eine Tatsache ist sicher, dass wir nach einem extrem heißen Sommer, direkt ins 9 Grad kalte Ulaanbaatar gebeamt wurden. Um diese Jahreszeit ist die Kälte noch dazu eine feuchte Kälte und der Wind gibt dann noch eines oben drauf. In Südamerika konnten wir uns an kalte Regionen langsam akklimatisieren, weil wir uns ihnen dementsprechend auch langsam genähert und heran geradelt sind. Das, und dass es bis auf das chilenische Patagonien, stets eine trockene Kälte war machte wohl den Unterschied. Die Sonne hat uns auf der Südhalbkugel fast immer gewärmt und somit waren selbst die Minus 15 Grad kalten Morgen in Peru anders als das hier. Fazit: das neue Setup am Fahrrad darf bleiben, wir haben nach wie vor alles mit was wir brauchen – nur das beamen müssen wir beim nächsten Mal weglassen ;-)

Wolfi hat aus dem kalten Khangaigebirge ein unerwünschtes Souvenir mitgenommen – komplett taube Großzehen, die Kälte fordert ihre ersten Tribute, denn die Schuhe und Socken sind dieselben wie in Südamerika, daran kann es also nicht liegen. Auch deshalb waren wir in den Pausentagen ziemlich hin und hergerissen, ob und wie wir denn weiterradeln sollen. Aber die Aussicht auf das schöne Orchon – Valley haben uns dazu motiviert noch ein letztes Mal in die mongolische Natur einzutauchen. Wir haben lange noch nicht genug. Also werden wieder die Karten studiert und erneut berechnet wie viel wir an Nahrungsmittel mit brauchen.

 

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Nach 3 1/ 2 Pausentagen machen wir uns auf den Weiterweg. Der Besitzer des Hostel versichert uns, dass die Flusspegel nach solch einem Schneefall nicht übermäßig gestiegen sind und auf den Pässen selbst sicher alles bereits wieder weggeschmolzen sei. Denn dieser verfrühte Wintereinbruch ist zwar nicht ganz ungewöhnlich für diese Jahreszeit, jedoch immer nur von kurzer Dauer und stets gefolgt von warmen Tagen. Zum Trost bestätigt er unseren Verdacht, dass es für die Mongolei keine wirklich ideale Reisezeit gibt. Juli und August gelten zwar als die „wärmsten“ Monate, dafür ist der Himmel fast täglich mit dicken, schwarzen Wolken bedeckt. Kein Wunder, denn diese zwei Monate sind die Niederschlagsreichsten des Jahres und auch hier können einem Hagelschauer ereilen. Die Flüsse sind bei mehr Niederschlag sicher auch nicht lustiger als jetzt, da können dann die paar Grad mehr auch nicht drüber hinweghelfen. Daher gelten Juni und September, sofern man Glück hat und nicht noch oder schon Schnee kommt, als am idealsten.

 

Piste, Steigung, Wind, Glasscherben und Matsch … sind für uns, kurzum, der Inbegriff der Mongolei, welcher nicht lange auf sich warten lässt. Aber auch ein Traum von einem Panorama gehört für uns zur Mongolei dazu,

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auch wenn der Wind einem wiedermal das Rad umwirft.

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Haben wir was vergessen? Ach ja, da war ja noch was. Flüsse ;-) . Das Procedere ist bekannt, die Schmerzen ebenfalls, Augen zu und durch. Kaum sitzen wir wieder auf den Rädern, kreuzt wieder in Seitenarm unseren Weg. Wenn etwas nervt, dann das, dass man gerade seine Beine wieder trocken gebracht und in Schuhe verpackt hat und unmittelbar danach wieder raus muss, nur weil man den Fluss nicht gesehen hat. Vielleicht sind wir auch deshalb etwas übermütig und versuchen den Fluss zu durchradeln, obwohl er ziemlich breit und tief ist. Wolfi macht vor, Sabrina nach. Naja, fast. Sie bleibt knapp einen Meter vor dem Ufer an einem Stein mit ihrem Vorderrad hängen und kippt zur Seite. Zum Glück nicht komplett, aber es reicht dafür, dass sie mit einem Schuh ins Wasser kommt. Wenn das Rad mal steckt, dann steckt es und somit muss der Fuß abermals ins kalte Nass. Na toll!!! Genau das galt es zu vermeiden, den bekommen wir niemals wieder trocken. Improvisieren ist gefragt. Der Fuß wird warm und trocken gerubbelt und dann mit ein Plastiksackerl überzogen. Zum Abschluss noch einen trockenen Fetzen drüber und hinein in den klammen Schuh. Eine andere Idee haben wir nicht. Eine andere Möglichkeit auch nicht.

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Kurz danach geht es bergauf zu einem kleinen Pass. Märchenhaft, traumhaft, kitschig, …. fällt uns zu der verschneiten Landschaft um uns herum ein.

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Anfangs ausgebremst von etwas Matsch

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können wir kurz vor dem höchsten Punkt wieder gut fahren – griffiger Schnee sei Dank. Die Rückseite des Berges ist jedoch südseitig. Wir schlittern knappe 2 Kilometer in knöcheltiefen Schlamm hinunter und nicht selten überholt das Hinterrad beinahe das Vorderrad. Um ehrlich zu sein, wir wünschen uns gerade wieder in das Bett von heute Morgen zurück.

Der Kampf gegen den Matsch wird nahtlos vom Kampf gegen den Wind abgelöst. Wir frieren somit wieder, denn hinzu kommt, dass die Sonne nur ein kurzes Gastspiel hatte. Nach 12 Uhr erreichen wir die heißen Quellen in denen man baden kann. Vom Anblick und den Ausmaßen rundherum sind wir überrascht und schockiert. Mitten in diese schöne unberührte Natur sind mehrere Betonbauten gestellt worden, umgeben von unzähligen kleinen Häuschen, alles irgendwie wahllos zusammengewürfelt um Touristen Unterkünfte zur Verfügung zu stellen. Ein Schandfleck finden wir und erinnern uns da lieber an die heißen Quellen im Norden von Bolivien die wir für uns alleine hatten. Zurück in der Realität brauchen wir jedoch dringend Nahrungszufuhr und verschanzen uns somit hinter einem der Häuschen. So ist es zumindest für etwas gut in unseren Augen. Unser Tee bringt wieder etwas Wärme zurück und das zweite Frühstück etwas an Energie. Unsere geliebte Thermoskanne blieb im letzten Blog unerwähnt, obwohl sie täglich im Einsatz ist, manchmal sogar nachts. Sie ist wahrscheinlich mit ein Grund, dass wir uns, ganz zu unserer Verwunderung, noch keine Verkühlung zugezogen haben.

Zur weiteren Erholung folgen leichtes Gefälle und Rückenwind. Da rollen wir dahin! Zuckerbrot und Peitsche, kann man das Radeln in der Mongolei auch nennen, denn nicht anders als zu erwarten, wartet wieder ein Fluss auf uns. Dieser sah schon bei den Recherchen zu der Route auf den Satellitenfotos sehr breit aus. Die dunklen Wolken die sich oberhalb von uns drohend aufbauen sind gerade unser geringstes Problem. Es dauert eine gefühlte Ewigkeit bis wir uns einig sind wo wir denn am besten durch den Strom stapfen

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und obwohl unsere Füße fast mit den Sandalen zusammenfrieren, lassen wir sie gleich an, denn dieses Mal sehen wir schon den Seitenarm etwa 150m vor uns queren. Wieder alles gut verstaut biegen wir in das nächste Tal ein und fahren den Fluss stromaufwärts. Die Hagelwolke drohend im Nacken schauen wir lieber nur nach vorne. Obwohl es vielleicht auf den Fotos nur nach einer kleinen Variation der mongolischen Landschaftsvielfalt aussieht,

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finden wir dennoch die Unterschiede beeindruckend. So staunen wir uns also den Weg durch diesen Abschnitt und blenden gekonnt den Matsch unter unseren Rädern aus.

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Auch die Vogelwelt zeigt sich heute abwechslungsreich.

 

Die Erschöpfung stellt sich aber bald ein und wir halten Ausschau nach einem Ger. Wie so oft in den letzten Wochen haben wir wieder Glück und es taucht bald eines auf.

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Diese Familie holt sich ihr Wasser vom nahe gelegenen Fluss auf eine Art und weiße wie wir es bis jetzt noch nicht gesehen haben.  Bis jetzt konnten wir immer nur beobachten, wie das Wasser eimerweiße zu den Gers getragen wurde.

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Eine junge Frau nimmt uns in Empfang und bittet uns sofort herein. Dankbar wie immer nehmen wir den warmen Platz beim Ofen an, denn mittlerweile stürmt der Wind so stark, dass wir unsere Räder im Schutz des Ger geparkt haben damit sie nicht umgeblasen werden. Es folgt ein Kommen und ein Gehen diverser Männern in der nächsten Stunde.

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Ebenso werden Milchtee, Kefir und selbstgemachtes Brot mit unserem geliebten fettigen Rahm stets herum gereicht.

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Wie es sich gehört nehmen wir alles mit der rechten Hand an und führen gleichzeitig die linke Hand zum rechten Ellenbogen. Eine Geste der Höflichkeit. Wir finden heraus, dass die junge Frau die einzige Frau hier in den drei Gers ist. Abgesehen vom Ehemann sind einige der Männer ihre Schwäger und der Rest ein paar „Nachbarn“. Unsere Landkarte wird mit großem Interesse studiert, die Köpfe geschüttelt als wir ihnen zeigen wo wir gestartet sind. Selbst unsere Brillen werden reihum gereicht und mit großer Faszination ausgiebigst getestet.

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Ansonsten unterhalten wir uns mal wieder köstlich ohne auch nur ein mongolisches Wort. Die Frau fordert uns auf im Ger zu kochen und somit ist natürlich unser Benzinkocher eine Attraktion. Die Zeit vergeht und so merken wir nicht dass es bereits dunkel ist. Also raus in den Wind und im Dunkeln das Zelt aufstellen. Es stürmt nach wie vor und Sabrina fragt die Dame des Hauses ob wir uns hinter dem Pritschenwagen aufbauen dürfen. Es wird wild gestikuliert, aber wir verstehen nicht so recht was sie will. Sie gibt auf, packt Sabrina an der Hand, zerrt sie in ein anderes Ger und deutet auf eines der zwei Betten die darin stehen. Wie jetzt??? Wir dürfen im Ger schlafen? Sie schlägt die Arme um die Brust und macht das Zeichen für „kalt“ und deutet nach draußen. Wir sind überwältigt und dankbar zu gleich. Noch sprachloser macht es uns aber als wir merken, dass das junge Ehepaar im Bett neben uns schläft. In Südamerika sind wir auch des Öfteren eingeladen worden drinnen zu schlafen, aber dass mit uns gemeinsam ein Raum geteilt wird, finden wir noch einmal ganz anders speziell. Der restliche Abend wird dann auch noch mal lustig, denn die gesamte Verwandtschaft schart sich um den 30x40cm großen Fernseher und schaut eine BBC Dokumentation die sogar ins mongolische Übersetz wurde. Couchsurfen oder Warmshower ist nichts gegen DIESE authentische Erfahrung.

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Um sieben kriecht der junge Mann aus seinem Bett und gibt uns zu verstehen, dass wir liegen bleiben sollen bis es wieder schön warm im Ger ist. Sehr gerne befolgen wir diese Anweisung und warten wie seine Ehefrau auch, geduldig darauf, dass der Ofen das 16qm großen Ger wieder etwas wohlig warm heizt. Als wir fertig zur Abfahrt sind ist die Frau bereits beim melken und der Mann schwingt sich schon aufs Moped. Nicht zum ersten Mal wissen wir mal wieder nicht wie wir uns für diese einmalige Offenherzigkeit und dieses Vertrauen das uns Fremden geschenkt wird, bedanken können. Wahrscheinlich braucht es auch nichts, nicht umsonst wird uns oft in der Früh, wenn wir wieder losradeln, aus der Ferne gewunken, weil jeder wieder seiner Arbeit nachgeht. Diese bedingungslose Hilfsbereitschaft, das Handeln der Menschen ohne irgendwelche Erwartungen von seinem Gegenüber zu haben, ist eines der vielen Dinge die sich so manch einer aus Zentraleuropa zu Herzen nehmen kann. Dennoch ist es uns heute wieder ein Bedürfnis uns irgendwie erkenntlich zu zeigen und überreichen Schokolade. In den Augen des Mannes erkennen wir einerseits die Freude über das Geschenk, aber auch die Anerkennung, dass wir so weit in die Kultur eingetaucht sind, dass wir wissen, dass man Dinge von Wert mit beiden Händen überreicht. Eine Geste die wir schon aus Vietnam und Kambodscha kennen.

Im Gedanken über die vielen Begegnungen der letzten Wochen versunken radeln wir Höhenmeter für Höhenmeter nach oben. Bis wir auf ein Schneefeld stoßen.

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Stellenweise lässt es sich wieder gut befahren,

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dann stecken wir im Matsch fest und sind endlos damit beschäftigt den wie Beton wirkendenden Dreck

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von unseren Rädern zu entfernen um diese wieder zum Drehen zu bringen. Kälte hat auch seinen Vorteil, denn so sind die Minibäche zugefroren und wir können sie trockenen Fußes überqueren.

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Streckenweise treffen wir aber auch auf Eisfelder die so alles andere als leicht zu bewältigen sind. Wie war das nochmal, lieber Hostelbesitzer?? Der Schnee ist ganz sicher schon weg?? Von wegen! Schieben,

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radeln, schlittern, stapfen, putzen, schieben, radeln, …. Uns wird auf den letzten 2 Kilometern nicht langweilig.

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Sabrinas Sorge, wie sie mit einer Bremse auf der anderen Seite des Berges eventuelle Eisfelder bewältigen soll ist zum Glück unbegründet, denn uns erwartet eine komplett schneefreie Abfahrt. Wir rollen wieder traumhaft dahin. Die zweite Steigung des heutigen Tages zieht sich dann aber sowas von in die Länge und ist streckenweise auch ziemlich steil.

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Kein Wunder also dass kurz vor dem höchsten Punkt ein bereits gewohntes Bild sich zeigt: „wer sein Fahrrad liebt, der schiebt.“ Sabrina liebt es scheinbar in der Mongolei abgöttisch ;-)

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Zu allem Übel ist auch noch unser GPS ausgefallen, daher wissen wir nicht ob wir den richtigen Spuren über den richtigen der drei Berge vor uns folgen. Bekanntlich führen ja alle Wege nach Rom, irgendwo hin wird er uns schon bringen und mit Bauchgefühl und Himmelsrichtung liegen wir dann auch goldrichtig, als sich das Handy am Gipfel wieder dazu entschließt seine Arbeit aufzunehmen. Für uns selbst ist es einfach unglaublich und wir wiederholen uns, aber die Vielfallt der doch gleichen Landschaft macht uns nach wie vor sprachlos. In einem kitschigen Tal,

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umgeben von Kühen, Jacks,

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eingekesselt von kleinen Hügeln, gespickt mit lichtem Wald, verschanzen wir uns wieder hinter unseren Rädern und speisen zu Mittag. Wunderschön hier!!

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Die Energie reicht dann aber leider auch nicht für die 14 Prozent Steigung die uns auf den letzten 1,5 Kilometer zum nächsten Pass alles kosten. Selbst Musik macht es nicht besser. Sabrina schiebt schon wieder, die Arme werden schwer wie Blei und Wolfi gesellt sich aus Solidarität schiebend dazu. Ein atemberaubender Ausblick ist die Belohnung dieser Schufterei. Wir sehen hinunter auf den Orchon Fluss und genießen diesen Fernblick. Gut so, denn zum Leidwesen von Sabrina, muss sie auch die ersten 500 Meter bergab schieben. Zu steil, zu rutschiger Untergrund, einfach nicht machbar mit einer Bremse. Dann aber können wir beide die nächsten Kilometer an Abfahrt genießen. Freud und Leid,… Zuckerbrot und Peitsche, …. Mongolei, du bist einzigartig.

Einzigartig auch die nicht gerade vertrauenserweckende Konstruktion dieser Brücke.

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Sie führt uns auf die andere Seite des Flusses, der mit seiner türkisen Farbe einen tollen Kontrast zu roten Fels und grünem Gras bildet.

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In der Landschaft erstreckt sich ein erkalteter Lavagesteinsfluss und zu allen Seiten führen unzähligen schmalen Pfaden fort. Bitte wo kommen diese Brocken her? Bis heute wissen wir es leider nicht. Auch wenn es jetzt eben ist, der Wind uns etwas anschiebt und das radeln auf diesen oftmals einspurigen, keinen Meter geradeaus gehenden Pfaden Spaß macht,

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sind wir verdammt müde. Wieder sind wir seit bereits über 9 Stunden auf den Rädern. Liebes Universum, es wird Zeit für ein Ger. Bis die Bestellung ankommt dauert es dieses Mal etwas länger. So machen wir noch fleißig Kilometer und kreuzen eine Stelle die für uns aussieht wie eine kleine Oase.

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Ein letztes Mal bauen wir unser Zelt unter neugierigen Blicken und mit tatkräftiger Unterstützung auf

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und hoffen, dass keine der Hunderten Ziegen über unsere Behausung herfällt. Ein letztes Mal wird staunend unser kleines, aber feines Solarpanel betrachtet, obwohl oder vielleicht auch gerade deshalb, sie selbst wie so viele andere Gers auch eines im größeren Format haben. Ein weiteres neues und überaus nützliches Utensil, welches wir auf dieser Tour ausprobiert und lieben gelernt haben. Sich komplett selbst mit Strom versorgen zu können, hat schon was. Der Nabendynamo ist ja ganz okay, sofern man auf Asphalt und in der Ebene fährt. Offroad haben wir in Südamerika nie eine dauerhafte Geschwindigkeit aufgebracht, die hoch genug gewesen wäre um ausreichend Strom zu erzeugen um all unsere Elektrogeräte damit aufzuladen. Da lassen wir lieber ab sofort die Sonne für uns arbeiten.

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Morgen werden wir in Charchorin ankommen und unsere Tour beenden. Wir sind auf die Hauptstraße angewiesen, denn wir brauchen wieder einen Bus der uns nach Ulaanbaatar retour bringt. Die nächste Stadt nach Charchorin würden wir offroad in Pi mal Daumen 4 Tagen erreichen, zu spät um uns ohne viel Stress auf den Rückflug vorzubereiten. Mit den Gedanken, dass heute das letztes Mal Nudelpampe am Programm steht, genießen wir den Abend. Wir verpacken noch einmal unseren Frühstücksgries in eine Jacke um ihn vor dem einfrieren zu bewahren,

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mummeln uns noch einmal in unsere Schlafsäck, zurren diese fest zu und schlummern ganz gut.

Eine Mischung aus endloser Ebene,

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Wegen zwischen Fluss und Felswänden,

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durch angefrorene Flüsse durch,

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über kleine aber steile Erhebungen, oder in der Ebene querfeldein

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hinein in kleine Täler,

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gefolgt von Hügeln, wechselnder Untergrund

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und tollen Aussichten,

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… bringen uns heute Kilometer für Kilometer durch dieses faszinierende Orchon Valley immer näher zurück zur Zivilisation. Der ein oder andere Touri-wagen kreuzt heute unseren Weg und wir werden wieder zum Fotomotiv. Ein bisschen Kultur liegt dann auch noch auf unserem Weg.

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Bizarre Felsformationen begleiten uns

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und hinter einer dieser Felswände finden wir Schutz vor dem Wind und können so heute zum 3. Mal auf dieser Tour das Mittagessen genießen.

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Wohlig warm, ruhig weil kein Wind um unsere Ohren rauscht, mit schöner Aussicht und mit Wildkräutern als kulinarische Verfeinerung für den Brotaufstrich,

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sitzen wir da. Jetzt merken wir auch so richtig was uns bis jetzt gefehlt hat. GENIESSEN. Die Kälte und der Wind haben dies in den letzten Wochen einfach so gut wie unmöglich gemacht. Das ist der Grund warum wir ein wenig im Zwiespalt mit dem Land liegen. Die Landschaft ein Traum, die Begegnungen nicht zu realisieren und dennoch ein etwas fahler Geschmack im Mund, wenn wir auf unsere Reise zurück blicken. Dadurch werden wir uns aber zum ersten Mal bewusst, wie viele kleine Komponenten ein großes ganzes Ausmachen. Wenn dann ein wichtiger Faktor wie die Mittgaspause zur Erholung zu haben und genießen zu können, von reiner Nahrungsaufnahme im Rekordtempo, geduckt hinterm Fahrrad verschanzt, mehrmals abgelöst wird, dann macht das in Summe scheinbar für uns viel aus. Die Kälte beim radeln und in der Nacht und die vielen Flüsse sind das eine, aber dass wir in der kurzen Zeitspanne zu Mittag nicht unsere Batterien wieder aufladen können, nagt körperlich und geistig ganz schön an der Substanz, wie wir merken.

Kein Wunder also, dass die Mittagspause heute mit einer deutlichen Überlänge von statten geht. Wir packen die letzten Reste wieder ein, füllen unseren Abfallsack mit noch mehr Verpackungsmaterial und schwingen uns wieder auf unsere Räder. Wir sind nicht die einzigen auf dem Weg Richtung Stadt.

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Der letzte Hügel vor Charchorin hat es so richtig in sich. Nochmal geht es knackig steil und sandig nach oben. Aber dieses Mal erradeln wir beide den Pass ohne einen Meter zu schieben. Der letzte Ovoo auf dieser Reise ist erreicht.

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Charchorin

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mit seinem berühmten Tempel Erdene Dsuu

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zu unseren Füßen. Eine Kleinstadt auf einer asphaltierten Hauptstraße und dennoch  ohne fließend Wasser

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und mit Dorfdusche.

Hier stehen wir also, am Ende unseres Mongoleiabenteuers.  Freud und Leid liegen wieder nahe beieinander. Das lachende Auge über die Begegnungen, Erfahrungen und Spaß der vergangen Wochen, liegt neben dem weinenden Auge, dass dies der letzten Kilometer auf mongolischen Boden für uns ist. Trotz Strapazen, trotz vieler Flüche, trotz so manchen körperlichen Blessuren, wenn wir könnten, würden wir weiterradeln. WAS FÜR EINE TOUR, WAS FÜR EIN LAND!!!!

 

P.S.: Aber wir wären nicht wir, würden wir nicht schon die nächsten Pläne haben. Der Virus die Welt per Rad zu entdecken steckt nach wie vor in uns. Wer es noch nicht weiß, erfährt es jetzt: ab ca Mitte März 2019 beladen wir unsere Räder erneut für eine längere Tour. Dieses Mal starten wir von zu Hause und rollen immer weiter in Richtung aufgehenden Sonne. Wohin?? So recht wissen wir das selbst noch nicht. Es gibt wie so oft Ideen, Länder die uns interessieren, Gegenden die wir entdecken möchten, Kulturen von denen wir lernen wollen, …. – ein Plan ist mal wieder Fehlanzeige. Aber bereits in Südamerika hat dies ja ganz gut funktioniert, 3-4 Anhaltspunkte zu haben und den Weg dazwischen offen zu lassen. Unterschied zum letzten Mal: Visavorschriften in Zentralasien werden uns sowohl Zeit als auch Weg ein wenig vorgeben, End-Ziel gibt es keines und wenn es uns freut, dann haben wir bis zu 2 Jahre Zeit.

Die Kapazität dieser Bloghomepage ist  allerdings wie bereits erwähnt an seinem Limit, wir können ab sofort keine Bilder mehr hochladen. Auf der einen Seite wissen wir ihn heute mehr denn je zu schätzen, denn wir selbst begeben uns immer wieder mal auf Teilabschnitte unserer Reise in Südamerika, indem wir ihn gemütlich am Sofa oder im Zug lesen. Aber er ist mit durchschnittlich 10-12 Stunden Zeitaufwand (je nach Internetverbindung und Anzahl der Fotos die es auszusortieren gibt) pro Blogeintrag auch einfach eine wiederkehrende Art von Belastung und kostet nicht selten auch viel Nerven. Diese Diskrepanz bzw „Hass-Liebe“ kann uns keiner abnehmen, das wissen wir. Zur Weiterführung dieser Seite, also um mehr Datenvolumen zu bekommen, müssten wir monatlich bis an unser Lebensende „Miete“ dafür zahlen. Aufgeben wollen wir ihn eigentlich nicht, aber ob wir ihn zu „kaufen“ bereit sind wissen wir allerdings auch noch nicht …. .

 

Eure W O S A O N T O U R