Ehrenrunde(n) im kleinen Kaukasus

Kutaisi – Ninotsminda

28.6.2019 – 4.7.2019 davon 6 am Rad

4592 km total

42052 hm total

GPS Tracks / Route hier klicken

Die Hitze und die Gewitter haben uns im Griff. Wir bewegen uns in Kutaisi nur langsam und von Schatten zu Schatten vorwärts. Selbst auch die Georgier verlangsamen manchmal leicht, kaum merkbar, ihre Schritte.

Eben genau dann, wenn sie an einer Kirche oder einem Kreuz vorbei gehen. Sie bekreuzigen sich dann schnell, teilweise bis zu dreimal. Dies kann man auch beobachten wenn sie aus Bussen ein- oder aussteigen. Das erinnert uns an die Taxifahrt zum Flughafen in Tbilisi, wo unser Fahrer mehr damit beschäftigt war sich zu bekreuzigen, als in den Seitenspiegel zu schauen.

Der freie Tag ist mal wieder keiner, denn Wolfis Rad gibt seit Swanetien Geräusche von sich, die wir nicht zuordnen können. Definitiv ist ein Pedal (mal wieder) defekt, aber das alleine kann es auch nicht sein. Die Auswahl an Pedalen ist spärlich, aber wir kaufen sicherheitshalber welche. Sonst wird alles geölt, nachgezogen und gehofft, dass es das jetzt war.

Die Wettervorhersage der nächsten Tage ist ungewiss, aber wir sind das Thema schön langsam leid. Bei bedeckten Himmel machen wir uns zeitig auf den Weg Richtung kleiner Kaukasus.

Ein oft gesehenes Bild: Mitarbeiter bei der Straßenmeisterei zu sein, gleicht mit den Arbeitsgeräten hier einer Sisyphusarbeit.

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Bereits um 8 Uhr in der Früh schwitzen wir. Die Luft ist zum Schneiden dick und es dauert nicht lange bis es zu Nieseln beginnt. Aus dem Nieseln wird schnell ein Regen und der erste Donner lässt auch nicht lange auf sich warten. Die letzten 25 km bis Sairme fahren wir in einem Mix aus Sonne, Regen, Niesel, Sonne, … an einem schönen Fluss

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in einer schönen kleinen Schlucht.

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Temperaturen wie heute fragen wir uns immer ob die Regenkleidung überhaupt sinnvoll ist, denn wir sind nachher vom Schwitzen genauso nass als hätten wir den teuren wasserdichten Zwirn weggelassen. Wolfi entwickelt daher für mäßigen Regen seine eigene Variante und schlüpft mit den Armen durch die Belüftlungsöffnungen wieder raus.

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Sairme ist bekannt für sein Thermalwasser. Die ein oder anderen kleinen Thermalbäder

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reihen sich hier an teure Hotels und dazwischen befinden sich diverse Abfüllbrunnen für das Thermaltrinkwasser. Unsere Flaschen füllen wir mit herkömmlichen Leitungswasser auf, denn die Beschreibungen des sehr eisenhaltigen Thermalwassers haben uns gereicht um zu wissen, dass wir es nicht kosten wollen.

Sairme ist das Ende des schmalen Tales, ab hier heißt es auf einer unbefestigten Straße hinauf zum Zekaripass. Mittlerweile knallt die Sonne auf uns herunter, da kommen die vielen Bäume als Schattenspender genau richtig.

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Der Weg schlängelt sich gemächlich nach oben, Autos begegnen uns so gut wie keine und so machen wir Höhenmeter für Höhenmeter.

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Ein Nachteil wenn die Berge so nahe beieinander sind: man merkt erst ziemlich spät, wenn sich ein Gewitter zusammenbraut. Unsere Augen scannen die Landschaft nach einem Zeltplatz, aber wir werden nicht fündig. Erst auf 1800hm finden wir eine Wiese und noch viel besser, ein leerstehendes Häuschen. Darin 4 alte Bettgestelle, das Dach scheint nicht ganz dicht zu sein, das Fenster hat kein Glas, … aber allemal besser als sein Zelt in eine kniehohe Wiese zu stellen. Wir können unsere Klamotten noch für ein paar wenige Minuten zum trocknen hängen,

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bevor sich der Himmel komplett verdunkelt und ein schweres Gewitter nach dem anderem über uns hereinbricht. Bei einem wärmenden Kaffee kann man das Ganze am besten genießen, auch weil es zwischendurch immer wieder kurz aufreisst. Zum Glück haben wir auf dieser Reise kein Tunnelzelt mit, denn das würde hier nicht hineinpassen.

 

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Wir wachen am nächsten Morgen bei dichtem Nebel und Nieselregen auf. Aber selbst nach dem wir uns zum Packen Zeit gelassen haben, sehen wir von den umliegenden Bergen kaum etwas. So holen wir kurzerhand noch einmal einen Schlafsack und den Unterboden raus und dösen noch einmal für eine Stunde. Viel verändert hat sich danach auch nicht. Naja, bis zum Pass ist es ja noch ein Stück, also fahren wir einfach los. Aber wir kommen keine 300 Meter weit als es zu schütten beginnt. Na gut, dann wieder retour. Der dritte Startversuch gelingt dann und wir schrauben uns immer höher.

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Von Meter zu Meter wird der Nebel immer dichter.

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Manchmal beträgt die Sicht keine 5 Meter und Nieselregen kommt und geht, aber was bleibt ist die Enttäuschung. Das ist der Nachteil wenn man andere Blogs liest: man weiß wie es hier aussehen würde. Wunderschöne grüne, zum Teil noch schneebedeckte, schroffe Bergspitzen des niedrigen Kaukasus sollten uns jetzt umgeben. Aber was sehen wir?? Regentropfen auf der Brille, Matsch unter den Rädern und eine graue Nebelwand. Am Pass können wir uns nur ein müdes Lächeln abgewinnen,

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obwohl uns so gar nicht danach ist. So schnell wie möglich hinunter,das ist das einzige was wir jetzt wollen. 9 Grad zeigt der Tacho an und der Wind fegt uns fast von den Rädern. Der Regen wird immer stärker und die Straße eine einzige rutschige Matschpartie.

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Die 20km bis hinunter nach Abastumani wo wir wieder auf Asphalt treffen ziehen sich endlos in die Länge. Unter einer Bauarbeiterplane finden wir zumindest soviel Regenschutz, dass wir ein wenig Kalorien in uns hineinstopfen können.

 

Wir haben keine Lust uns im Regen auch noch lange eine Unterkunft in Akhaltsikhe zu suchen, daher buchen wir kurzerhand ein Zimmer übers Internet. So eine lokale Sim-Karte hat auch seine Vorteile. Komplett frustriert darüber, dass wir vom schönen kleinen Kaukasus nichts gesehen haben, schieben wir unsere Räder in die Unterkunft. Irgendwie macht es uns Georgien mit seinem Wetter und den Bergen nicht gerade leicht. Der Besitzer muss wohl Gedanken lesen können, denn es sind noch nicht einmal alle Sachen im Zimmer bringt er uns einen Dekanter mit seinem Hauswein. Genau das richtige jetzt. Nach einer warmen Dusche, mit einem kugelrunden Bauch, gefüllt mit gutem georgischen Essen und genanntem Rotwein, liegen wir im flauschigen Bett und streamen einen Tatort. Was bleibt ist der Galgenhumor für den heutigen Tag: schade um die gute Sonnencreme die wir heute Früh unnötig aufgetragen haben.

Von dem gestrigen Regenfiasko, dem Frust über die verpasste Landschaft und dem leichten Kater müssen wir uns erholen und legen einen Pausentag ein. Wir schauen uns die beeindruckende Festung

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in der eine Mosche, eine Kirche und in der Nähe eine Synagoge befindet.

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Wolfi stattet dem Barber einen Besuch ab.

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Bei dem Retro-Interieur konnten wir auch schwer vorbeigehen.

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Das Georgien gerne zur EU gehören möchte, sieht man fast jeden Tag anhand von Flaggen, Plakaten oder wie hier, Wandmalereien vor einer Schule.

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Nach weiterem köstlichen Essen, kommen wir über ein, dass wir weiterhin der bikepacking.com-Strecke folgen möchten.

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Über eine wunderschöne Nebenstraße

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mit keinem Verkehr, süßen Dörfern,

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mit bewirtschafteten, grünen Gärten

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und schöner Landschaft

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erreichen wir zu Mittag den leichten downhill nach Aspindza.

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Die Landschaft ändert sich schlagartig. Plötzlich sind kaum noch Bäume vorhanden und es wirkt alles viel trockener.

In der Kleinstadt füllen wir unsere Mägen und Taschen und verlassen die Straße um uns auf den Weg zu einem namenlosen Pass zu machen. Das schöne Wetter und die tollen Aussichten

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mobilisieren ungeahnte Kräfte in uns und wir schaffen selbst steile Passagen radelnd.

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Wir haben unsere Freude wieder retour. Ein Grinsen überzieht unser Gesicht und wir genießen wieder.

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Eine mächtige Kuhherde umfahren wir im Slalom, sonst begegnen wir hier heroben niemanden. Auch nicht, als wir das so gut wie verlassene Dorf Ekota erreichen. 5 Häuser, 3 davon komplett verfallen, ein Kuhstall, eine Kirche

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und eine Wasserquelle.

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Flaschen aufgefüllt, mehr angezogen weil der Wind extrem weht und weiter geht es.

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Als wir die ersten Bäume seit Beginn des Anstieges erreichen, entscheiden wir, dass wir uns hier etwas suchen um windgeschützt zu sein. Prompt kommt ein Auto vorbei. Das erste seit dem wir vor 3 Stunden in Aspindzs los sind. Zwei Männer steigen aus und fragen wohin wir wollen. Vardzia ist unser Ziel für morgen. Blankes Entsetzen steht ihnen ins Gesicht. Wir wären hier falsch, hier würde es nur Richtung Türkei gehen, aber ohne Grenzübergang. Wir sollen retour zur Hauptstraße, da gäbe es Asphalt und auch keine Steigung. Mehrfach versuchen wir ihnen zu erklären, dass wir wissen was wir hier tun. Ihre extreme Besorgtheit bringt uns zum Lächeln und sie sehen ein, dass sie uns nicht umstimmen können. Also zucken sie mit den Schultern, lächeln ebenfalls und steigen mit einem Blick „ na dann lass sie doch die zwei Verrückten“ wieder in ihr Auto ein. Bevor sie aber losfahren wandern noch eine handvoll Pfirsiche durch das Fenster heraus und mit einem Kopfschütteln wünschen sie uns viel Glück. Danke ;-)

Es dauert ein paar Minuten bis wir eine einigermaßen akzeptable Stelle für unser Zelt gefunden habe. Alles andere als optimal, denn die Wiese ist schief und knietief. Also feucht und mit Spinnen übersät. Nachdem wir bis zu 8 verschiedene Arten von diesen Insekten auf kleinem Raum entdeckt haben, hören wir auf zu zählen – so genau wollen wir gar nicht wissen was hier so kreucht und fleucht. Aber der Waldabschnitt ist laut unserer Karte klein und bei dem starken Wind nehmen wir die Unannehmlichkeiten in Kauf um im Windschatten liegen zu können. Bei einem Kaffee entspannen wir

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und lassen unsere Blicke in die Ferne schweifen.

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Abends verschwinden wir schnell in unser Zelt, denn es wird ziemlich frisch. Das Wetter scheint wirklich verrückt zu spielen: vor einer Woche hatte es hier tagsüber noch weit über 30 Grad, wir konnten heute bei angenehmen 23 fahren. Uns soll es so recht sein.

In der Früh ist außen und auch zum Teil innen alles feucht, aber die Sonne und der schon in der Früh wieder einsetzende Wind trocknen alles.

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Auch die Spinnen sind wieder früh aktiv und so werden die Socken wieder über die Hosenbeine gezogen. In einem auf und ab geht es tendenziell weiter bergauf.

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Der Untergrund hat alles zu bieten, wir sind oftmals gefordert.

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Aber es gibt genügend Gründe um stehen zu bleiben und zu staunen. Zum Beispiel als sich plötzlich eine Hochebene auf der anderen Flussseite auftut. So etwas haben wir noch nie gesehen. Welch ein Anblick!

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Ein wunderschöner Canyon, die Hochebene und im Hintergrund hohe Berge. Eine tolle Kombination, welche einzig und alleine das diesige Licht etwas mindert. Wir passieren ein Gebiet in dem Halbnomaden leben.

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Wie auf der Alm leben sie hier heroben im Sommer mit ihren Kühen und im Winter in der Stadt. Weit verstreut wohnen hier in diesem Bergkessel 20 Familien. Mit einem Hirten halten wir ein kurzes Schwätzchen. Er lädt uns in seine Hütte ein. Wir lehnen aber dankend ab. Erstens sind wir heute bereits dreimal so lange unterwegs wie gedacht und zweitens liegt sein Holzverschlag ziemlich weit oben am Hang. Und wer weiß wieviel Chacha da wieder im Spiel wäre. Auch er versteht nicht was wir hier machen. Aber immerhin deutet er in die richtige Richtung als wir ihm sagen, dass wir Richtung Vardzia unterwegs sind.

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Oftmals sehen wir die (Hirten)hunde deutlich später als sie uns. In Georgien sind diese im Vergleich zu anderen Ländern ein ganz anderes Kaliber. Auf all unseren Touren haben wir mit ihnen umgehen gelernt, aber die Hunde in Georgien flößen uns dennoch ziemlichen Respekt ein.

Kneipkuren gibt es gleich zweimal.

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Je weiter wir hinauf radeln

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desto mehr verläuft der Weg.

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Irgendwann sind wir weit entfernt von unserem Track am Handy und fahren Ewigkeiten querfeldein.

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Wunderschön durch Blumenwiesen hindurch,

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aber auch anstrengend weil noch unwegsamer und manchmal unerwartet matschig.

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Kurz vor dem Pass auf 2100 hm gibt es dann wieder einen eindeutigen Weg und wir verspeisen mit knurrendem Magen um 14:30 endlich unser Mittagessen. Ja, Höhenmeter und Kilometer alleine sagen nichts aus: wenn der Weg so unwegsam ist und es soviel zu fotografieren gibt, dann kann man auch mal 3 Stunden länger brauchen als am Abend zuvor hochgerechnet.

Auf der Abfahrt passieren wir ein Dörfchen. Unsere Karte hat uns neugierig gemacht, denn sie zeigt Tunnel „ohne Namen“ hier an. Sabrina findet eine Dame im Dorf die uns den Weg zu einem Häuschen weist. Leider sind die Tunnel verschüttet, aber man kann noch die Eingänge erkunden.

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Wenn wir sie richtig verstanden haben, war dieser Eingang früher mit anderen verknüpft und bildetet so ein komplexes unterirdisches System das vor Angreifern schützte. Leider konnten wir nicht herausfinden, wann diese gebaut bzw. benutzt wurden.

Die Landschaft erinnert uns stark an die Mongolei. Nur mit vielen Blumen.

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Im nächsten Dorf eines der ersten grasbedeckten Häuser.

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Dieses hier fungierte wohl früher als Stall.

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Die nächsten 7 km sind dann alles andere als toll. Riesengroße Steine wohin das Auge reicht.

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Schnell schmerzen unsere Handgelenke und auch der Rest des Körpers ist angestrengt, obwohl es ja nur bergab geht. In der Ferne sehen wir bereits die Höhlenklosterfestung Vardiza auf der linken Flussseite in der Felswand und gegenüber die Serpentinen für morgen Früh.

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Nach einer gefühlten Ewigkeit und zwei Eis, Cola und Chips als Stärkung besichtigen wir diese dann auch. 500 Meter hoch erhebt sich die Höhlenstadt über dem Kura Flusstal, eine Grenzfestung gegen Türken und Perser. Ein Wirrwarr aus Stufen bringt einem in diverse Ebenen.

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Aber uns hat vor allem beeindruckt, dass hinter den Höhlen, also im Felsen drinnen, ebenfalls Gänge sind,

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welche einzelne Ebenen verbindet. Heute leben noch eine handvoll Mönche in den Höhlen, in einem für den Tourismus abgetrennten Bereich.

Wir schlagen unsere Zelt gegenüber den Höhlen auf der anderen Flussseite auf,

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machen Katzenwäsche auf einer Restauranttoilette und schlafen nach solch einem langen Tag tief und fest.

Nach dem Frühstück gibt es unser Lieblingsfrühstück: Serpentinen. Es gibt für uns wirklich nichts schöneres, als sich in der Früh Kehre um Kehre einen Berghang hochzuarbeiten (hoffentlich bereuen wir diese Aussage nicht irgendwann einmal). Von hier ist die Aussicht auf Vardzia noch einmal sehr eindrucksvoll.

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Die Ruhe die uns umgibt ist Seelenbalsam und die gnädige Steigung angenehm.

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Uns wurde zwar gesagt, dass die Straße wegen eines Hangrutsches gesperrt ist und auf die Frage ob wir die Räder schieben können, bekamen wir nur ein Schulterzucken, aber wir möchten es selber wissen. Der Umweg auf Asphalt und Hauptstraße schmerzt uns mehr, als evtl. unnötig 500 hm offraod zu fahren. Denn der Hangrutsch befindet sich erst in der letzten Kehre. Bei dem Anblick des Hangrutsches hat dieser aus der Ferne und am Fotoapparat doch deutlich kleiner ausgesehen.

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Wir laden unsere Taschen sicherheitshalber ab und tragen unsere Räder einzeln über den gut 30 Meter breiten Steinhaufen. Ein mulmiges Gefühl haben wir dabei schon, schließlich ist alles hier Hanglage. Aber es ist erledigt und wir können die letzte Kehre in Angriff nehmen. Oben erwartet uns ein Hochplateau, das wahrscheinlich schon zum Rand des vulkanischen armenischen Hochlandes gehört. Ein ungewohnter Anblick so einen weite Ebene nach so vielen Tagen in den Bergen. Aber nicht minder spektakulär wie wir finden, vor allem weil auf einer Seite immer noch Berge die Ebene begrenzen.

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Ein alter Mann, der gerade einen Haufen Kuhdung zu akkuraten gleichen Quadern aussticht

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und aufschichtet,

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damit es trocknen kann und später zum heizen verwendet wird, ruft uns zu sich. Wir werden auf Kaffee eingeladen. Seine Tochter spricht ein gutes, langsames und einfaches russisch und so ergibt sich schon fast so etwas wie ein richtiges Gespräch zwischen ihr und Sabrina. Aus dem Kaffee wird vorerst nichts, denn der Tisch wird reichlich gedeckt.

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Irgendwann hören wir auf abzulehnen und ergeben uns unserem Schicksal. Gibt schlimmeres als einen reich gedeckten Tisch mit hausgemachten Lebensmitteln ;-) . Beim Eierkochen wird Sabrina gleich mit an den Herd gerufen

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und nachdem wir quasi eine reichhaltige Vorspeise hatten, kommen die Schwiegertochter samt Urenkelin auch noch zu Tisch. 4 Generationen, von der 2 jährigen zum 85 Uropa leben hier zusammen. Selbst das Eis ist selbstgemacht und eines der köstlichsten die wir jemals gegessen haben. Zum Abschluss gibt es dann auch den Kaffee, auf den wir eigentlich eingewilligt haben.

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Ein bisschen schwerfällig dank vollem Magen und natürlich zwei Runden (bestem georgischen) Chacha treten wir weiter in die Pedale.

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In Akhalkalaki, einer Kleinstadt dann wieder die Frage wie wir weiterfahren. Wir könnten von hier in einem Tag in Armenien sein. Aber irgendwie sind wir noch nicht ganz fertig mit Georgien. Noch möchten wir nicht raus und vor allem wissen wir überhaupt nicht wo wir im Nachbarland langfahren möchten. Also verschanzen wir uns erstmal im Park und recherchieren ein wenig für Armenien, bevor wir uns noch einmal für einen kleinen Umweg offroad entscheiden.

Auf der Suche nach Essbarem wird in den TanteEmmaLäden stets mit dem Abakus gerechnet

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und uns begegnen wieder viele Autos aus Deutschland bzw Österreich. Firmenwägen, die bei uns ausgedient haben, dürfen hier weiterleben. Es vergeht kein Tag, an dem keine Fliesenleger-, Reinigungs-, oder Sanitärfirma an uns vorbeifährt.

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Im nächsten Dorf füllen wir gerade unsere Wasserflaschen auf, als wir erneut auf Kaffee eingeladen werden. Na da sind wir aber gespannt, was am Nachmittag aus solch einer Einladung wird. Selbstgemachter Kuchen, Marillen, Wassermelone und Zuckerln werden uns gereicht. Wir erfahren, dass wir uns in einem Teil Georgiens befinden, der Samtskhe-Javakehti Region, in dem ethnische Armenier die Mehrheit bilden (54Prozent) und dies schon seit mehreren Generationen. Sie sprechen kaum bis gar kein Georgisch, das erklärt auch warum so vieles auf Russisch angeschrieben ist. Dies ist dann nämlich die einzige Sprache die sie mit dem restlichen Georgien verbindet. Zwei große Einwanderungswellen gab es, die größere nach dem Völkermord an den Armeniern und er damit einhergehenden Vertreibung der Armenier aus dem Osmanischen Reich 1915. Leider reichen die russisch Kenntnisse nicht aus, um mehr aus erster Hand zu erfahren.

Weiter geht es einem steilen Weg folgend. Gegenwind bläst uns ins Gesicht und es wird allmählich spät. Weit und breit kein Baum, weit und breit nichts anderes um sichtgeschützt zu zelten.

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So kommt es, dass wir nach Abuli reinrollen

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und für verdutzte Gesichter sorgen. Einfachste Steinhäuser, schlammige, steinige Gassen, Innenhöfe aus Lehm,… wieder einmal eine kleine Zeitreise. Uns spricht ein Mann an und lädt uns zu sich nach Hause ein. Alle guten Dinge sind bekanntlich drei, also nehmen wir dankend an. Im Vorraum befindet sich die Küche, im ersten Raum ein Ehebett für die Großeltern, dahinter das Wohnzimmer mit zwei Einzelbetten und einem Sofa für die drei Kinder, gefolgt vom Elternschlafzimmer.

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Alles nur durch Vorhänge getrennt. Das Plumpsklo befindet sich neben dem Stall,

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auf der gegenüberliegenden Seite der Gasse. Waschmöglichkeit gibt es im „Keller“, bestehend aus Kübeln die am Duschtag mit unterschiedlich warmen Wasser gefüllt werden.

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Aber sie haben Wlan, wenn auch mit sehr magerem Empfang. So ganz können wir diese Prioritätenverschiebung nicht nachvollziehen. Der Abend wir lustig und lange.

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Sie sind sehr an Wien und Österreich interessiert, dafür schleppt die Oma Sabrina zum Melken in den Stall ohne Licht mit und die zweitjüngste Tochter ist ganz happy als Sabrina nach mehrmaligen ablehnen sich doch von ihr die Nägel lackieren lässt.

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Die ganze Familie ist also eingespannt uns zu bespaßen, uns Dinge zu zeigen, uns kulinarisch zu versorgen, …. ein sehr schöner Abend. Auch sie sind ursprünglich aus Armenien. Die Kinder lernen somit vier Sprachen: in der Schule wird hauptsächlich armenisch gesprochen, weiters wird georgisch unterrichtet. Ebenso russisch und englisch. Wir staunen nicht schlecht. Vor dem zu Bettgehen gibt es noch ein kollektives Füßewaschen in den Plastikwannen die dann in der Nacht als Bettpfanne verwendet werden.

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Unter großen Protest unsererseits überlassen uns die Großeltern ihr Bett und übersiedeln zu den Kindern bzw. in den Keller. Manchmal sind wir an dem Punkt, an dem wir keine Einladungen mehr annehmen möchten, weil ständig solche für uns unangenehmen Situationen entstehen.

Auch dieser Tag war wieder lange und intensiv. Nicht wegen seinen Kilometern, sondern wegen all seinen Begegnungen.

In der Früh schieben wir unser Rad die ersten 200 hm nach oben. Es geht steil und steinig aus dem Dorf hinaus und hinauf.

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Wieder fühlen wir uns wie in der Mongolei. Diese grünen Berghänge,

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die Schafherden in der Ferne, die Nomadenbehausungen,

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der starke Wind, …. .

Aber immer noch viel viel mehr Blumen.

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Uns gefällt es hier besonders.

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Wir kommen am Paravanisee an.

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Er ist der größte See Georgiens und liegt auf 2073 hm. Seit Tagen befinden wir uns die meiste Zeit auf über 1500hm. Der See ist bekannt dafür, dass es hier noch am meisten Häuser geben soll, die zwecks Isolierung, Grasdächer haben.

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Drei Dörfer reihen sich an das Westufer, eines davon komplett verlassen. Auch sonst sind es mehr Ruinen als noch bewohnte Gebäude.

 

Aber in manchen wohnen noch Menschen. Langsam kommen wir voran. Die Berge die uns umgeben sind malerisch schön, die Bauweise der Häuser interessant, … und es sind die letzten Kilometer offraod in Georgien.

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Denn wir erreichen die Straße und somit rollen wir am Ostufer mit grandioser Aussicht, inkl Essenspause den See wieder Richtung Süden hinunter.

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Trotz einzigartiger Anpreisung am Straßenrand, kaufen wir keinen Fisch. Viel zu grün ist das Wasser des Sees, als dass wir hieraus freiwillig einen Fisch essen möchten.

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Schön war die (Offroad)Zeit in Georgien. Länger als Gedacht.

Wunderschönes Gebirge, schöne Täler, unerwartete Landschaften, offenherzige, trinkfreudige Menschen, köstliches Essen, … und dennoch, irgendetwas fehlt. Das Land ist so klein, wir waren so lange da und haben dennoch das Gefühl nicht genug gesehen zu haben. So richtig können wir (noch) kein Resümee über unser Top1 Da-Wollen-Wir-Hin Land ziehen. Jetzt heißt es aber erst mal ab nach Ninotsminda, die letzte Stadt vor Armenien, und ab unter die Dusche. Schließlich wollen wir mit sauberen Haaren und gewaschenem Gewand ins Nachbarland.

P.S.: Danke an die treuesten Leser für’s drücken des Spende/Donate-Buttons während der letzten Monate. Eure Unterstützung fließt ausschließlich in den Erhalt dieses Blogs – und vielleicht ein wenig in Nervennahrung für Sabrina beim Erstellen dieser Beiträge ;-) .

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