Frühaufsteher sind im Vorteil

Mashhad / Iran – Turkmenistan – Grenze Usbekistan

5.8.2019 – 11.8.2019 davon 7 Tage am Rad

6444 km km total

58710 hm hm total

Route / GPS Track, bitte hier klicken

 

Ein braunes Band an Wüstenlandschaft zieht an unserem Busfenster vorbei. Obwohl wir eine Woche Radpause hatten, fühlen wir uns nicht erholt. Wir sind müde. Zwischenmenschlich müde. Diese Reise ist anstrengender als die Letzte. Nicht für unsere Beine, diese können sich stets erholen. In Südamerika gab es mehr Landschaft als Kontakte. Landschaft bedarf aber keiner besonderen Aufmerksamkeit, keiner Unterhaltungen, kein erklären, kein zuhören bis spät in die Nacht. Sie kann ebenfalls Geschichten über menschliche Beeinflussung erzählen, aber keine direkte Lebensgeschichten, die tagtäglich auf uns einströmen. Ungefiltert. Wir sind von unserem Beruf her sicher vieles gewohnt was Lebens- und Leidensgeschichten betrifft, aber auf dieser Reise sind wir diesem Faktor gefühlt 24 Stunden, 7 Tage die Woche ausgesetzt. Wir hätten es machen können wie andere Radler, die bewusst vor den Städten essen, durchrasen durch jedes Dorf, Konversationen auf ein Minimum beschränken und ständig nur wildcampen, aber das fühlte sich auch nicht richtig an für uns. Das Fahrrad haben wir wieder bewusst gewählt, weil wir so mehr Kontakt zu den Einheimischen haben können, aber zu viel ist zu viel. Seit der Türkei haben wir vom Empfinden her bereits mehr Menschen kennen gelernt, als auf unserer gesamten 14-monatigen letzten Reise. All die Einladungen haben auch ihre Schattenseiten: wir hatten in den letzten Wochen kaum Zeit für uns zu zweit, nie eine Türe die wir hinter uns schließen konnten, … wir hatten einfach zu wenig Zeit um all die Eindrücke zu verarbeiten. All das laugt weit mehr aus, als man es sich vorstellen kann. Noch dazu viel zu wenig Natur und ruhige Straßen um durchzuatmen. Die Batterien sind leer. Und dann auch noch das: Wie immer kurz vor der Grenze recherchieren wir für das nächste Land. Da wir in Turkmenistan kein Internet haben werden, lesen wir uns schon mal für die ersten Tage in Usbekistan ein. Vorfreude stellt sich keine ein. Autobahnähnlicher Verkehr, Tristesse der Landschaft, … . Wir fallen beide in eine Sinnkrise. Uns fehlt die Natur, uns fehlen einsame Straßen, uns fehlen zwischenmenschliche Kontakte in normaler Dosis, uns fehlt schlichtweg das Abenteuer. Plötzlich stellen wir alles in Frage und fragen uns vor allem was mit uns los ist. Sabrina greift auf eine Whatsappsupervision zurück (vielen Dank nochmal Dorli und Sophie) und am Ende sehen wir es beide ein: Diese Reise ist anders. Das wussten wir von Anfang an, aber jetzt spüren wir es am eigenen Leib. Sie lebt nicht wegen ihrer Landschaft, sondern sie hinterlässt Erinnerungen an all die Erfahrungen die wir mit den Menschen gemacht haben. Das ist anders. Anders gut. Hat halt nur ein paar Wochen gebraucht diese Erkenntnis ;-)

Nach einer unruhigen Nacht kommen wir mit dem Bus in Mashad an. Ein Sattel ist stark zerkratzt und ein mega tiefes Katt im Rahmen – man kann uns glauben, Radler überbrücken Distanzen mit dem Bus nicht aus Spaß. Wir rollen zu unserem Warmshowerhost. Mashhad ist aufgrund seines Heiligen Schreins eine Pilgerstätte.

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Dieses Areal ist noch größer als alles was wir bisher gesehen haben,

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die Menschenansammlung ist unglaublich.

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Es funkelt wieder überall.

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Die Geschlechtertrennung trifft ihren Höhepunkt: sogar die Trinkbrunnen sind getrennt.

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Am nächsten Tag hat das turkmenische Konsulat offen. Unsere Herzen wissen nicht ob sie vor Aufregung schneller schlagen sollen oder vor Angst gar stehen bleiben, als wir durch das Minifenster unsere Bearbeitungsnummer und die Pässe durchreichen.

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Noch einmal alles ausfüllen, noch einmal Fotos abgeben und dann haben wir es tatsächlich. 5 Tage Transitvisum, mehr gibt es nicht als Individualreisender in Turkmenistan. Wer mehr sehen will, wird im nordkoreanischen Stiel auf Schritt und Tritt von einem Guide begleitet, der entscheidet was man sieht und erfährt. 5 Tage, 520km, challenge accepted. Darauf stoßen wir an. Mit der iranischen Antwort auf Bier: Malzgetränk mit Fruchtgeschmack.

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Seit langem haben wir also wieder einmal ein Date. Nämlich mit der turkmenischen Grenze. Das Visum ist datumsgebunden, also läuft der Countdown: 2 Tage noch bis zur Einreise.

Wir satteln unsere Räder und strampeln bis zum Mittagessen 110km runter.

DSC04111Und das bei 49,3 Grad die auf uns einwirken.

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Kaum bleiben wir stehen um etwas zu trinken, steigt die Zahl auf über 50. Grenzerfahrung.

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In Mazdavand suchen wir im Park erstmal ein wenig Schatten, der erste seit 60 km.

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Am späten Nachmittag rollen wir Richtung neuer Moschee am Ortseingang und werden am Weg dorthin von einem Feuerwehrmann angesprochen. Sabrina starrt sehnsüchtig auf die Klimaanlage die man von außen sieht. Ob wir denn nicht reinkommen möchten? Überaus gerne. Der Bauch ist voll mit diversen Melonen als die Einladung zum duschen und schlafen folgt. Nichts lieber als das. Heute Nacht soll es 30 Grad haben, da ist ein etwas heruntergekühltes Zimmer natürlich herzlich willkommen.

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Ein Fensterladen knallt gegen die Hausmauer. Wir schrecken mitten in der Nacht auf und stellen fest, dass es draußen heftigst stürmt. Türen knallen zu, das rauschen der Blätter ist zu hören, unser Schlaf wird unruhig. Als der Wecker um 5:30 läutet hat sich nichts verändert. Die Bäume biegen sich, die Fahnen flattern wie wild, der Sturm ist immer noch da. Natürlich aus der Richtung aus der wir ihn nicht gebrauchen können. So schaffen wir es nie im Leben bis an die Grenze. Wir überlegen lange hin und her was wir tun, aber es bleibt uns wohl nichts anderes übrig als es zu fahren. Hinter Mazdavand geht es kurz bergauf, gefolgt von einem schönen Tal.

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Aber so wirklich Augen haben wir keine dafür, die Verwirbelungen sind groß, die Windböen kommen immer von einer anderen Seite. Und dann auch noch eine 52km lange gerade Strecke.

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Sand wird aufgewirbelt, der Staub kommt von vorne, Sabrina verkriecht sich hinter Wolfi. Na das kann ja spannend werden in Turkmenistan. Denn die Windvorhersage für die nächsten zwei Tage sieht noch schlechter aus. Es ist heiß, anstrengend, eintönig, …. aber irgendwann ist es geschafft und wir fallen in den klimatisierten Raum eines Restaurants wo wir auf unsere Warmshowerhost warten. Allmählich normalisiert sich unser Puls wieder und wir können etwas entspannen. Den Rest der Erholung gibt’s dann bei einem Nickerchen bei Mujtaba und Avsane zu Hause bevor wir zu ihrer Familie auf Tee fahren.

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Noch einmal ein wunderschöner Abend, in einer Runde wissbegieriger Iraner, von denen die Hälfte gerade daran arbeitet nach Europa zu kommen. Noch einmal ein Abend, den wir ganz bewusst und in vollen Zügen genießen, auch wenn wir gerade so stark merken, dass jede weitere Geschichte unsere Kapazität sprengt. Wieder ein Abend voller strahlender Gesichter, voller Herzlichkeit und Offenheit. Ein Abend als Warmshowergast in einem Land in dem es illegal ist Ausländer zu beherbergen.

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Vor dem schlafen gehen dürfen wir noch sein selbstgemachtes Bier kosten. Ja genau, selbstgemachtes Bier im Iran.

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Wir werden nach unserer ehrlichen Meinung gefragt und müssen zuerst eine Gegenfrage stellen: ob er denn jemals in seinem Leben schon echtes Bier getrunken hat. Ja einmal, vor 10 Jahren. Tja, das erklärt einiges. Wir erklären ihm, dass es uns schmeckt, wir würden davon mehrere Gläser trinken, aber es hat überhaupt nichts mit Bier zu tun. Eher mit Sturm mit leichtem Malzaroma. Er versteht nicht ganz was wir meinen, alle anderen Radler fanden es bis jetzt gut. Er sieht uns an und sagt: ihr seid anders, so ganz anders als alle anderen Radler bis jetzt. Ihr seid ehrlich, höflich und offen und das nicht nur wegen dem Bier. Jetzt verstehen wir ihn nicht, wir verhalten uns doch nur so, wie wir finden, dass man sich als Gast verhält. Nicht mehr und nicht weniger. Wir richten ein letztes Mal im Iran die typischen 3cm dicken Stoffmatratzen her und hoffen insgeheim jetzt schon, dass wir diese in Österreich irgendwo zu kaufen finden. Noch nie in unserem Leben haben wir zuvor so gut geschlafen, wie wir es seit Anfang an im Iran am Boden liegend erleben.

Der Sturm hat wie vorhergesagt die ganze Nacht angehalten, unser Host schaut uns mitleidig an, weil er ungewöhnlich stark ist. Er bläst bereits in der Früh auf voller Stufe. Volle Stufe heißt Windstärke 7-8 ( 50 – 74 km/h). Das blüht uns für die nächsten 48 Stunden, gespickt mit Böen bis zu 80 km/h. Noch schnell den VPN kündigen ( viele Seiten sind im Iran blockiert, ohne VPN auf Handy und Co geht also so gut wie nichts), ein letztes Mal noch das Kopftuch unter dem Helm zurechtbinden,….

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Die Grenze sperrt erst um 8 Uhr auf. Wir sind auf diesen Grenzübergang vorbereitet, alle auch nur annähernd und im entferntesten Sinne anzüglichen Fotos sind gelöscht, die iranischen Kontakte wo anders zwischengespeichert und unser überraschtes Gesicht auf die Frage ob wir mal bei Iranern zu Hause geschlafen haben, ist einstudiert. Wir hoffen, dass wir nicht gefragt werden, wo wir denn letzte Nacht verbracht haben, denn wildcampen ist ebenfalls verboten und im einzigen Hotel in der Stadt kann man schnell mal anrufen und die Richtigkeit unserer Angaben hinterfragen. Das Kabarett kann also losgehen, wir sind bereit. Es dauert auch nicht lange, und die Fragen kommen auf uns zu: Habt ihr Freunde im Iran? Nein. Habt ihr bei Iranern zu Hause geschlafen? Nein. Habt ihr eine iranische SimKarte? Nein. Der Grenzbeamte ist sichtbar enttäuscht und fragt alle Fragen sicherheitshalber noch einmal. Danach will er beide Kameras sehen. Er blättert vor, zurück, und wieder vor und wieder zurück: wo ist das? Georgien. Wow, das ist schön. Ja, dort ist es schön. Wo ist das? Auch noch Georgien. Wer ist das? Wissen wir nicht. Wie heißt sie? Wissen wir nicht. Warum habt ihr sie fotografiert? Naja, sie stand halt leider im Weg, aber wir wissen nicht wie dieses iranische Mädchen heißt, wir haben nicht mit ihr gesprochen. Was ist das? Eine Fabrik. Warum habt ihr sie fotografiert? (Sch***** ) Mein Opa hat auch in einer Fabrik gearbeitet, wir wollten ihm zeigen wie groß Fabriken im Iran sind. Okay.

Er nimmt unsere Pässe und geht. 10 Minuten später kommt er wieder: warum wir die Fabrik fotografiert haben und wo war diese? Irgendwo hinter Mashhad. Er geht wieder. 10 Minuten später: hat ihr Opa für die Regierung gearbeitet. Nein. Arbeiten sie für die Regierung. Nein. Diese Fabrik ist nicht bei Mashhad, sie ist bei Tehran ( sch*** wirklich?? wir sind verwirrt und es dämmert uns. Wir haben sie aufgenommen, weil wir zeigen wollten wie fad die Strecke war die wir nach Tehran mit dem Bus überbrückt haben).

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Wir spielen dieses Frage-Antworte-Spiel noch ein wenig mit ihm und schlagen ihm vor, dass wir das Foto auch löschen können. Er kommt und geht immer wieder. Nach einer Stunde ist er es dann Leid, dass er nichts brauchbares aus uns herausbekommt und lässt uns gehen. Wir werden das Gefühl nicht los, dass alle Beteiligten wissen, dass wir lügen.

Es geht weiter zur turkmenischen Grenze. Dort soll es nicht minder anstrengend werden. Wir müssen für die Registrierung der Pässe zahlen, unsere Fingerabdrücke hinterlassen und die Fieberpistole die lustlos und ohne hinzusehen an unsere heiße Stirn geknallt wird, über uns ergehen lassen. Am Ende kostet uns also dieser 5 tägige Transitspaß 79 Dollar Visa/Einreisegebühr. Wir müssen warten bis die Röntgengeräte aufgedreht sind, das bedarf sage und schreibe 5 Leute und 20 Minuten. Aber uns wird nicht fad, denn auf 15 Meter die wir von der Türe bis zu den Geräten unsere Räder schieben, werden wir 4 mal aufgefordert unsere Pässe zu zeigen. Alles junge Männer, wahrscheinlich gerade beim Grundwehrdienst. Germany?? No, Austria. Ah, Australia. No, Austria. Oh yes, right. Beim zweiten das selbe Spiel. Beim dritten können wir nicht anders als auf die Frage: Germany? Yes zu antworten. Er blättert mehrmals den Pass durch und nickt. Tief durchatmen ist das einzige was einem da noch übrig bleibt. Und warten. Während wir warten, stellt Wolfi fest, dass die Metalldetektoren durch die man durch geht nicht an den Strom angeschlossen sind: jetzt müssen wir wirklich tief durchatmen um nicht lauthals loszulachen. Es ist so was von lächerlich. Sabrina muss aufs Klo, aber sie darf nicht. Nicht solange das Gepäck nicht durchleuchtet ist. Dann ist es soweit. Wir wollen unsere Räder wieder beladen, aber nichts da:“you have wappon. Do you have wappon?“ „No.“ „You have a wappon. Do you have a wappon?“ „No.“ „You have a ….“ Wolfi verliert die Geduld. „Where should I have a wappon.“ „In your bag.“ „Which bag.“ „In your bag.“ „But …“ Sabrina hält Wolfi zurück, es bringt nichts hier einen Aufstand zu machen. Also öffnen wir brav alle Taschen. Wozu sie ein Röntgengerät haben würden wir gerne wissen. Immer wieder macht der Grenzbeamte eine imaginäres Maschinengewähr nach und wir verneinen. Am Ende wird er lauter als er die Zeltstangen in der Hand hat. Was das denn sei. Durchatmen…. Ja, wir sind uns ganz sicher, dass wir die ersten Radler mit Zeltstangen sind und er sowas noch nie zuvor gesehen hat. So ein Kasperltheater hier. Durchatmen. Seine Suche nach dem Maschinengewehr gibt er nach 10 Minuten auf und übergibt an seine Kollegin. Diese filzt dann unsere Medikamente und ist auch sichtlich grantig nichts gefunden zu haben. Man muss dazu sagen, dass wir bereits den Einreisestempel vor über 30 Minuten, nach bezahlen der Gebühr, bekommen haben, also wozu dann all das Prozedere? Der Framebag wird ignoriert. Ach was lieben wir Grenzübergänge. 3 weitere junge Burschen dürfen sich unser Bilderbuch alias Reisepass auch noch einmal anschauen, denn mehr als das ist es für sie bestimmt nicht. Der Dritte findet den Einreisestempel auch nach dem 5. Mal nicht: „everything okay, you can go.“ 2 Stunden hat das ganze gedauert und das Schauspiel hat uns so gut abgelenkt, dass wir für einen Bruchteil einer Sekunde regelrecht überrascht werden, als uns der Sturm die Türe fast aus der Hand reißt, als wir endlich das Gebäude verlassen. Aja, da war ja noch was!!

Zu einem schlechten Kurs tauschen wir 10 Dollar gegen 130 Manad. Das sollte reichen um uns die kommenden zwei Tage mit Cola und Zuckersachen bis Mary zu versorgen, so es die Möglichkeit gibt. Und dann geht er los. Der Kampf gegen den Wind.

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Schnell knirscht der Sand zwischen unseren Zähnen,

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die Augen brennen, der Mund ist trocken, die Kehle schmerzt. Schnell verlieren wir jeglichen Bezug zu Raum und Zeit.

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5 Km oder doch schon 15?? 30 Minuten oder doch erst drei? Wir haben keine Ahnung. Die Landschaft verschwindet in eine ewige Weite, hir und da mal eine Sanddüne und sonst nichts. Sabrina darf im Windschatten fahren, Wolfi tut dies nicht gerne. Mit durchschnittlich 9km/h fräsen wir uns mit gesenktem Kopf durch diese surreale Gegend. Ein Endlosschleife an Landschaft zieht an uns vorbei. Km für Km arbeitet sich diese Monotonie und die Anstrengung in unseren Körper. Physisch wie mental. Bald stoppen wir jeden Km und stopfen im Stehen neben einem verlassenen Häuschen im Windschatten kurz das nötigste an Motivationskalorien in uns hinein. Dann heißt es wieder weitertreten. Das erste Dorf in Turkmenistan welches wir durchradeln, fügt sich farblich perfekt in die umliegende Landschaft ein.

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Wolfi kann bald nicht mehr. Die Sinnkrise von vor paar Tagen, der kräfteraubende Wind, die Hitze, die Monotonie und dann auch noch Rückenschmerzen. Seine Stimmung sinkt dramatisch. 15 km sind es noch bis zur Abzweigung, bis aus dem frontalen Gegenwind ein fieser Seitenwind wird. Aber selbst auf den kann man sich freuen. Wir stehen mal wieder am Straßenrand und drehen uns weg vom Wind um in Ruhe trinken zu können, als ein Bus anhält und uns der Fahrer fragend anschaut. Sabrina kann sich gar nicht mehr umdrehen zu Wolfi um ihn zu fragen ob wir ihn nehmen oder nicht, hat Wolfi schon sein Rad die ersten Stufen hochgetragen. Gut, das ist eindeutig. Bunte Gewänder, schöne Gesichter, … alle im Bus lächeln uns an. Wir würden auch gerne lächeln, aber unser Gesicht fühlt sich an wie an einem eisigen Wintertag – der Wind und die 15% Luftfeuchtigkeit spannen unsere Haut so sehr, wir können kaum noch lächeln.

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Nach 15 km lassen wir uns an der Kreuzung bereits wieder abladen und verkriechen uns im Schatten eines Laden.

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Den plündern wir gleich dreimal bevor wir das Gefühl haben uns mental wieder ein wenig gestärkt zu haben. Bevor wir aber wieder los können, öffnet sich die Ladentüre hinter uns und die Besitzerin reicht uns zwei gekochte Maiskolben. Wir freuen uns wie kleine Kinder.

Ab hier ist es eine Querfeldeinstraße zur Hauptstraße die nach Mary führt. Der Belag variiert von vorhanden, über mit viel Phantasie vorhanden, bis hin zu unasphaltiert. Neben uns Feldwirtschaft und Gebüsche.

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Eine Wüste haben wir uns nicht so grün vorgestellt. Aber es hat den Vorteil, dass der Wind hier ein wenig gebrochen wird und uns somit nicht mehr ganz so stark trifft. Die schönsten Vögel die wir jemals gesehen haben,

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mit einem strahlend grünen Federkleid, lassen uns des öfteren stoppen.

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Ein Auto fährt an uns vorbei und dessen Beifahrer reicht uns insgesamt 8 Paradeiser aus dem fahrenden Auto heraus. Keine Zeit sich zu bedanken, denn sie rasen davon.

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Als wir wieder auf die Hauptstraße stoßen entdecken wir Honigverkäufer. Wir dürfen kosten und entscheiden uns für eine kleine Flasche flüssiges Gold.

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Eines der wenigen Lebensmittel, die bei der Hitze in unseren Taschen nicht verderben.

Gleich gegenüber gibt es eine Raststelle. Wir spülen weitere Liter Flüssigkeit in uns hinunter, plaudern ein wenig mit dem Besitzer der uns stolz seine Outdoorküche zeigt

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und wollen den nun für uns Rückenwind trotz später Stunde und extremer Müdigkeit noch nutzen. Aber wir werden noch von 3 Truckfahrern auf ein Energiegetränk eingeladen.

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Wir haben uns geschworen, eher ein Fahrzeug anzuhalten falls wir es in den 5 Tagen nicht schaffen sollten, als auch nur eine Möglichkeit mit den Leuten in Kontakt zu kommen, auszuschlagen. Denn die 5 Tage Transitvisum gibt es ja nicht umsonst. Es soll den Touristen keine bis kaum eine Möglichkeit gegeben werden mit Einheimischen in Kontakt zu kommen. Wer weiß was wir denen alles von der bösen anderen Welt da draußen erzählen könnten, oder keine Ahnung wovor hier der „wichtigste Mann“ Angst hat. Nicht mit uns. Wir möchten soviel Einblick bekommen wie man nur kriegen kann, obwohl das scheinbar gar nicht so leicht ist. Denn wir haben keinen einzigen Blog gefunden in dem großartig viel über Kontakte mit den Menschen beschrieben war. Alle handeln sie nur von der tickenden Sanduhr und dem fiesen Wind. Daher haben uns die drei Geschenke innerhalb von 6 Stunden so überrascht, dass wir noch neugieriger sind, trotz leerer Batterien.

Gerade finden wir den Wind nicht fies, denn er schiebt uns förmlich über den Asphalt. 29Km/h mit treten ohne Anstrengung, was für eine Wohltat. Diese Männer sind am Heimweg von den Feldern. Auch sie nutzen die gesperrte Fahrspur um dem Schwerverkehr aus dem Weg zu gehen.

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Die Sonne geht unter und wir haben kein Wasser.

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Der Polizeiposten schöpft uns aus einem Kübel mühevoll einen Liter ab, mehr hat er auch nicht. Also kein Wildcampen. Die Behausungen sind rar und wir uns zu unsicher, denn schließlich ist auch in Turkmenistan das Beherbergen von Ausländern verboten. Also steuern wir eine Tankstelle an. Dort dürfen wir im Windschatten einer Wand unser Zelt aufstellen und sogar duschen. Wie neue Menschen fühlen wir uns danach und wie neu geboren, als der 11.Liter Wasser pro Person, dieses mal aber schön gekühlt, die Kehlen für heute runter fließt. Das war einer der anstrengendsten Tage die wir jemals am Rad verbracht haben. Wir sind fix und fertig und lassen uns ohne großen Widerstand von den Gelsen zerfressen. Keine Kraft mehr zum zerschlagen.

Die Nacht war unruhig, trotz Windschatten flatterte unser Zelt hin und her und hielt uns somit immer wieder mal wach.

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Auch heute soll der Wind noch unnatürlich stark sein. Unspektakulär sind die KM bis Mary. Felder links und rechts,

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steppenähnliche Landschaft

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und sonst nicht viel. Ja natürlich, Wind. Starker Wind von schräg vorne, was sonst. Auch bereits bekannt: winkende Hände aus hupenden Autos.

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Ein Stopp auf halber Strecke im einzigen Kaffee/Restaurant ist daher Pflicht.

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Schon auf der Einfahrt in die Stadt die ersten Protzgebäude. Natürlich in weiß. Der Lieblingsfarbe des amtierenden Präsidenten.

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In Mary essen wir köstlich,

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besuchen den Markt

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und können uns an all den schönen Gewändern nicht satt sehen.

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Die Frauen hier sind stolze Frauen. Alle gehen extrem aufrecht, es wirkt fast als würden sie über den Boden schweben.

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Die Kleider sind teilweise sehr figurbetont,

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die Frisur sitzt, … .

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Immer wieder werden wir in ein Gespräch verwickelt.

Ein Mann möchte uns gar nicht mehr gehen lassen und beschenkt uns mit köstlichem ayranähnlichen Getränk,

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Teigtaschen und Hochprozentigem.

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Noch schnell tauschen wir weitere Dollar zu einem besseren Kurs bei den Schmuckladies vor dem Bazareingang (17:1).

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Abrupt verändert sich das Bild von Mary, nämlich nur wenige Meter nach dem Bazar.

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Auf Hochglanz polierte Gebäude,

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deren Weiß jede Perlweiß-Werbung in den Schatten stellt.

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Keine Menschenseele weit und breit.

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Es wirkt wie eine andere Welt, eine künstliche Welt. Turkmenistan ist bekannt für seine schöne Fassaden, hinter deren sich nichts verbirgt. Leerstehende Gebäude, die nur für den Schein gebaut wurden, aber nie irgendeine Funktion erlangten. (Buchempfehlung: „Sowjetistan“) .

Erst am späten Nachmittag verlassen wir Mary. In Bayramaly

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werden wir von einem Verkäufer in seinen Kiosk gerufen. Er führt uns direkt zur Klimaanlage. Der gute Mann weiß was wir brauchen.

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Wir rollen an der alten Stadtmauer vorbei

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und wollen gerade die Stadt verlassen, als wir zu Tee eingeladen werden. Ein wunderschöner, gemütlicher Innenhof wartet auf uns, Wolfi darf Weintrauben pflücken,

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und schnell wird aus dem Tee ein reich gedeckter „Tisch“. Unser Gastgeber ist sehr wissbegierig, es macht viel Spaß mit ihm und seinem Freund zu reden, auch deshalb weil sie sich mit ihrem russisch wirklich auf das einfachste beschränken.

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Irgendwann sind wir bei der Politik gelandet und sie zählen die Präsidenten der umliegenden Länder auf und der Daumen wandert entweder nach oben oder nach unten. Nur Turkmenistan selbst lassen sie aus. Wir fragen nach. Beide sehen sich an, beginnen zu lachen und sagen:“Of course, very good.“ Und lachen kurz weiter. Danach ist das Gespräch beendet. Ganz im Gegensatz zum Iran wird hier scheinbar nicht über die eigenen Politik geredet.

Unser Wissen darüber ist sehr gering. Aber die Kuriositätenliste ist endlos: Der Präsident Gurbanguly Berdimuhamedow hat ein Gesetz erlassen, welches die Gründung einer politischen Partei ohne seiner Zustimmung verbietet. Kein Wunder also, dass es keine Opposition gibt. Praktisch, oder? Bei einer unwirklichen Wahlbeteiligungen von knapp 100 Prozent wird das narzisstische Oberhaupt stets mit über 97 Prozent wiedergewählt. Aber das scheint ihm nicht zu reichen. Er arbeitet daran, die Gesetze so zu biegen, dass er auf Lebzeiten im Amt bleiben darf. In den Grundschulen wurden diverse Unterrichtsgegenstände gestrichen. Der vorherige Präsident Nijasow selbst , welcher unerwartet 2006 gestorben ist, hat ein Buch geschrieben, das Ruhnama-Buch, dessen Inhalt die einzige Grundlage in den Schulen bildet. Dieses Buch ist überall präsent –

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sogar im Weltall, wo er eines mittels Rakete hinbefördert hat. Minderheiten werden von den Universitäten abgelehnt, schwarze Auto sind verboten weil dem Herrn diese Farbe nicht gefällt, Turkmenistan bildet weltweit stets das Schlusslicht was Pressefreiheit betrifft, …. .

Die Sonne geht bald unter und wir möchten noch gerne ein paar Kilometer machen, aber die Einladung, dass wir hier im Hof schlafen dürfen, klingt dann doch zu verlockend. So betten wir uns wieder auf den uns so geliebten Matten und schlafen unter dem Sternenhimmel perfekt. Um 6 Uhr sitzen wir auf den Rädern. Heute dürfen wir laut Windvorhersage also mal einen klassischen Turkmenistan – Radtag erleben: früh aufstehen um bei wenig Wind viele KM zu machen um zu Mittag so gut wie fertig mit der Tagesetappe zu sein. So der Plan. Aber wir stoppen oft. Die Straße ist streckenweise in einem miesen Zustand und die Einladung zum Melonenessen können wir auch nicht ausschlagen.

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Leider hat unsere neue SD-Karte in der Kamera den Geist aufgegeben, daher haben wir von den nächsten zwei Tagen nur wenige (Handy)Fotos.

Dann tauchen wir ein in die wirkliche Wüste.

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Auf den nächsten 180km gibt es nichts bis auf ein paar wenige Restaurants und ein paar wenige Häuseransammlungen abseits der Straße.

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Viel nichts also für die nächsten 3 Tage. Ab 8 Uhr merkt man den Wind, ab 9 Uhr sieht man ihn am Tacho, ab 10 Uhr wird es anstrengend, ab 11 Uhr nervt er nur noch.

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Streckenweise bremst uns auch der Asphalt aus. (andere Beweisfotos sind leider mit der defekten SDKarte verschwunden)

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Noch nie sind wir mit Kopfhörern in den Ohren geradelt, eigentlich hören wir gerne was so um uns herum passiert, aber ab 9 Uhr hört man außer lautem Rauschen gar nichts mehr. Bereits aus Patagonien wissen wir wie zermürbend dieses Geräusch sein kann, und wir hatten es die letzten 48 Stunden kontinuierlich.

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Daher der Test: die Kopfhörer wandern in Sabrina Ohren und siehe da, es verleiht unbekannte Kräfte.Was für ein Gefühl. Die Landschaft zieht an einem vorbei wie in einem Vorspann zu einem Kinofilm mit grandioser Filmmusik dazu. Die müden Beine sind schnell vergessen. Sabrina grinst über beide Ohren und saust singend an Wolfi vorbei.

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Wir haben nur ein Paar Kopfhörer und somit versucht Wolfi über den Handylautsprecher ein wenig externe Motivation zu bekommen, aber der Wind verbläst so gut wie alles.

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Nach 36 km der erste Stopp bei einem Restaurant. Aber man darf es sich nicht allzu bequem machen, denn sonst kommt man nicht mehr los. Noch ist nicht Mittag, daher möchten wir noch weiter.

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25km weiter das nächste Restaurant.

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Wir okkupieren es für die nächsten 5 Stunden. Essen gut,

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unterhalten uns viel

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und schlafen eine Runde.

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Jedesmal wenn wir diese mit dicken Vorhängen von außen abgeschottete kleine Welt zum Klogehen verlassen, schlägt uns ein trockener, heißer Wind entgegen und die grelle Sonne blendet uns. Eine wirklich unwirkliche Welt hier heraußen.

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Aber faszinierend zu gleich. Um 17 Uhr machen wir uns wieder auf den Weg, wir möchten ins nächste Dorf.

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Der Wind ist nach wie vor stark

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und der Kopf mittlerweile genauso müde wie die Beine.

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In 19km gibt es zwar ein Hotel, aber wir haben keine Lust dutzende Dollar auszugeben. Daher rollen wir wieder raus, aber nicht ohne vorher noch einmal in einem kleinen Shop etwas Süßes einzukaufen. Wir kommen mit dem Besitzer ins Gespräch und schieben keine 5 Minuten später unsere Räder hinter sein Haus und sitzen in seinem Wohnzimmer. Er lädt uns ein bei sich zu schlafen. Wir sind überwältigt von all der Offenheit in diesem Land. Wir wissen auch nicht warum, aber wir sind von einer viel größeren Distanz und Skepsis ausgegangen. Aber was gibt es schöneres, als seine eigenen Vorstellungen positiv über den Haufen werfen zu müssen. Drei junge Burschen helfen ihm in seinem Shop, in dem man auch 2 Gerichte zu Essen kaufen kann. Wir bestellen auch, denn das Hähnchen sieht köstlich aus. Zahlen dürfen wir auch nach mehrmaligen bitten und betteln nicht. Hätten wir das gewusst, hätten wir natürlich selbst gekocht. Wir sitzen lange bei Bier und Käsekügelchen zusammen und knabbern Sonnenblumenkerne.

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Gadam wäre gerne nach Europa gegangen, aber seine Frau ist nach einer Fehlgeburt des dritten Kindes Invalidin und auf die Unterstützung ihrer Mutter angewiesen. Sie möchte nicht nach Europa. So sitzt uns also unser Gastgeber gegenüber und wir merken wie er durch all seine Fragen an uns ein wenig und für kurze Zeit nach Europa entfliehen kann. Die Nacht wird, wie kann es anders sein am Boden liegend, erholsam.

Zum Sonnenaufgang sitzen wir wieder auf den Rädern.

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Täglich grüßt das Murmeltier: wir strampeln, der imaginäre Ventilator vor einem wird immer höher gedreht, die Autos hupen alle und wir winken überschwänglich und mit einem Strahlen zurück: man hat ja sonst nichts zu tun.

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Hier und da taucht eine Polizeikontrolle auf: ein einzelner Mann in Uniform mitten im Nirgendwo, unbewaffnet, sein Zivilauto im Busch geparkt, … das nennt man dann wohl Strafversetzung.

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Der Wind, der Sand, die Hitze, die Anstrengung, … seit Beginn des Irans addieren sich diese Faktoren täglich zu einer latenten Grundgereiztheit, die sich mehrmals am Tag in kurze aber heftige Auseinandersetzungen entladen. Zum Glück verbläst der Wind das ein oder andere Wort, denn wirklich ernstgemeint sind sie nie.

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Trotz all dieser Gefechte fragen wir uns, wie man solche Extremsituationen in solchen Gegenden alleine meistert. Soloradler verdienen in diesen Ländern großen Respekt finden wir und sind dann doch wieder schnell dankbar über die Anwesenheit des Anderen.

Wieder rund 62km bis zum ersten Halt. Dieses Mal muss es aber ein Nickerchen sein.

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Ein Stromausfall schaltet auch die Klimaanalge aus, daher wird es wirklich nur ein Powernap. Wieder rauf auf die Räder, Ohrenstöpsel wieder ins Ohr und weiter treten.

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Die Vegetation verändert sich nur unmerklich, das Gebüsch am Wegesrand wird etwas höher.

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Die Karakumwüste macht 90 Prozent des Landes aus. Wir sehen Füchse, Eidechsen und unzählige Erdhörnchen. Wir radeln an Dromedaren vorbei.

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Um ein Foto mit ihnen zu bekommen, drehen wir sogar um. Rückenwind!!!

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„Drink when it’s cool“….naja, das geschenkt bekommen Energiegetränk gleicht zwar schon mehr einem Tee, aber man nimmt was man kriegen kann hier heraußen.

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Nach insgesamt 90 Kilometer erreichen wir das letzte Restaurant vor Turkmenabad . Die Dame des Hauses hält zwar gerade ein Nickerchen, aber wir bekommen trotzdem zu Essen. Die Eingangstüre wird danach wieder mit einem Stuhl verbarrikadiert und wir schließen uns ihr beim Nickerchen an.

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Zwei Trucker kommen vorbei und wir bekommen eine Wassermelonen und Paradeiser geschenkt.

Es reicht. Wir dachten wir hätten mit dem Iran all diese Großzügigkeit hinter uns gelassen, aber nichts da. Die letzten Wochen und Monate brechen förmlich über uns herein. All diese vielen Menschen, Tag ein Tag aus all diese Großzügigkeit ohne jegliche Gegenleistung zu verlangen, ohne Skepsis und Vorurteile. Es ist zu viel für uns, das Fass ist mehr als voll, es ist am übergehen. Verdammt nochmal es geht uns zu Hause einfach viel zu gut. Es wird genörgelt am laufenden Band, sich über jede Kleinigkeit beschwert, mit dem Nachbarn nicht geredet sondern die Polizei gerufen, beschweren und herumsudern gehört zum guten Ton. Manchmal schämen wir uns recht, wenn wir merken wie Menschen aus dieser Region Zentraleuropa als den Traum ihrer Träume ansehen. Finanziell möge das ja vielleicht stimmen, aber zwischenmenschlich ist die Kälte und die Distanz in der wir leben, mit Sicherheit nicht leicht für Menschen von hier. Oft werden wir gefragt ob Zentraleuropäische Länder gastfreundlich sind. Stets haben wir bis jetzt ja gesagt, aber nun müssen wir umdenken. Das Wort gastfreundlich hat für uns eine neue Bedeutung bekommen. Ja, du erfährst Gastfreundschaft: wenn du dafür zahlst. Außerhalb des Tourismus ist es jedoch eine andere Welt. Die Zentraleuropäische, geschäftige, ich-bezogene-Welt, die sich nur in ihren bekannten Kreisen bewegt. Ihr entschuldigt diese harte Kritik, sie richtet sich ja auch gegen uns selbst, aber wenn man jeden Tag den Spiegel vorgehalten bekommt kann man nicht anders.

Auch hier werden wir eingeladen über Nacht zu bleiben. Sabrina hilft mit großer Freude beim Kochen,

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der Sohn des Hauses freut sich über die Möglichkeit englisch zu sprechen

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und wir entspannen einfach nur.

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Geschlafen wird, wo gegessen wird, wir sind es gewöhnt.

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In der Früh schleichen wir uns hinaus und sitzen noch vor dem Sonnenaufgang am Rad. Eine ganz eigene Stimmung.

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Dieses Schild dient wahrscheinlich einzig und alleine Radfahrer zum lachen zu bringen. Von Steigung keine Spur.

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Schon vor Turkmenabad beginnt ein langgezogenes Industriegebiet. Sorry, aber nach dem Irangrenzverhör fotografieren wir so schnell keine Fabriken mehr.

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In der Stadt dann das selbe Bild wie in Mary: künstlich wirkende Gebäude, aufgereiht auf einer Protzstraße, ohne jegliches Leben.

Wir verwandeln unser letztes Geld in Brot

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Samsa und Kaffee und suchen uns, nachdem wir nochmal ein ausgiebiges Schwätzchen halten,

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über Nebenstraßen den Weg Richtung Grenze.

 

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Genau zur heißen Mittagszeit dürfen wir in dem klimatisierten Gebäuden das Ausreiseprozedere über uns ergehen lassen. Dieses Mal braucht’s nur eine Stunde lang. Usbekistan, unser 13. Land auf dieser Reise. Auch hier hat natürlich niemand den Off-Schalter für den Wind gepachtet, somit suchen wir Schatten und Erholung unter einem Baum an einem Kanal.

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Wir lassen unsere kurze Zeit in dem Land, das uns bis jetzt am meisten überrascht hat, Revue passieren und blicken gespannt auf unsere Zeit in Usebkistan und danach: die Natur ist nicht mehr weit, nur noch ein paar Tage Hauptstraße fahren entfernt.

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