Pamirfreude wohin das Auge reicht

Khorugh – Karakul

4.9. bis 12.9.2019, davon 9 Radtage

8271 km total

75.841 hm total

Route /GPS Track bitte hier klicken

Wegbeschaffenheit, Wasserversorgung, Windrichtung, Steigung, Lebensmittelnachschub, Hello-Kinder, Passüberquerung, … uns geht der Gesprächsstoff mit den anderen 4 Radlern in der Pamir Lodge nicht aus. Neben uns sitzt eine Rucksackreisende und starrt uns fassungslos an: „Ich dachte an einer Radreise sei nur das Radfahren an sich anstrengend, aber das ganze rundherum klingt ja mindestens genauso ermüdend. Ich muss nur wissen von wo der nächste Bus wegfährt.“ Ja, da hat sie gar nicht so unrecht ;-)

Unsere zwei Köpfe sind aber vor allem mit dem Ausbrüten der Routenplanung und -gestaltung beschäftigt. Wir möchten so viel wie möglich vom Pamirgebirge mitnehmen und abwechslungsreich sollte es auch werden. Eigentlich dachten wir immer, dass wir durch das Whakan Valley fahren werden, da es das am wenigsten bereiste Tal unter den Pamirvalleys sei. Die Berichte der paar Radler die uns die letzten Wochen entgegen gekommen sind, erzählen aber eine andere Geschichte: scheinbar radelt zur Zeit jeder das Tal das weiterhin der afghanischen Grenze folgt. Hinzu kommen unzählige Overländer (Langzeit Gelände/Wohnmobilreisende) die rücksichtslos an einem vorbeirasen und man unter dem Sandstaub verschwindet. Darauf haben wir keine Lust.

Durch das Pamir Gebirge führt der sogenannte Pamir Highway – eine Straße welche in mehreren Abschnitten ab den 30er Jahren von russischen Soldaten errichtet wurde. Jedoch ist dieser weit entfernt von einem Highway wie der Name suggeriert. Einspurig pro Richtung, Asphalt, Schotterpiste, Asphaltreste, sandig-steinig,… bahnt sich der Highway in Anbindung an die alte Seidenstraße ihren Weg. Die Straße ist die 2 höchst gelegene „befestigte“ Fernstraßen der Welt, einst mit einer militärische Bedeutung, dient sie heute vor allem für den Warenverkehr zwischen China und Tadschikistan. Sollen wir also wirklich diese Route nehmen die eigentlich für uns nie in Frage kam, weil sie die Hauptroute und viel zu leicht ist??? Am Ende aller Überlegungen steht unser individueller Reiseplan: unbenannte Täler, möglichst viele Pässe, so viel unbefestigte Straße wie möglich, wenig Zivilisation und den ein oder anderen Umweg. Genau das was wir schon so lange suchen und dringend brauchen. Die Vorfreude ist riesig und wir genehmigen uns noch einmal mit den anderen Radlern ein paar extra Portionen beim „Inder“ in Khorugh.

Das erste Highlight unserer Strecke soll das Shakhdara Tal sein. Ein Tal über das wir, im Gegensatz zum Pamir Highway und zum Whakan Valley, nur einen Radbericht gefunden haben. 3 – 5 Tage werden wir in etwa brauchen bis zum nächsten größeren Dorf, also haben wir auch Nahrungsmittel für diesen Zeitraum mit an Board. Die Sonne scheint, Rückblickend die letzten high-fives in Tadjikistan gibt es auch,

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es ist ziemlich warm und Rückenwind schiebt uns das schmale, grüne Tal immer weiter nach oben. Unzählige kleine Dörfer säumen den Weg und auch noch der ein oder andere kleine Shop. Der Fluss ist meist reißend,

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die Berghänge schroff

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und das grün der Dörfer ein schöner Farbtupfen.

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Bereits jetzt sind wir begeistert. Als dann am späten Nachmittag auch noch der Asphalt verschwindet strahlen wir über beide Ohren. Wir sind so gut abgelenkt, dass wir komplett die Zeit übersehen und bei Sonnenuntergang

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in einem Dorf landen. Das Glück liegt anfangs nicht auf unserer Seite, wir bekommen keine Zeltplatzerlaubnis. Also doch wieder raus aus dem Dorf und hoffen, dass wir im folgenden, auf der Karte extrem schmalen Tal, doch etwas finden. Kurz vor der Dorfausfahrt repariert ein Mann seinen Traktor und wir versuchen noch einmal unser Glück und fragen ob er vielleicht Platz in seinem Garten für uns hat. Mit einem Lächeln werden wir durchgewunken und sein Sohn zeigt uns den Weg hinauf, über viele kleine Wasserkanäle im Lehmboden, vorbei an Steinmauern und terrassenförmig angelegten Gärten, zu deren Haus. Der ganze Garten ist bewirtschaftet, wir fragen wo wir denn unser Zelt aufstellen sollen. Nichts da im Zelt schlafen, drinnen wird geschlafen, lacht uns der Hausherr an, der seine Arbeit beendet hat um uns in sein Reich zu bitten. Nodirsho ist Direktor in der Dorfschule und lebt in einem 200 Jahr alten, traditionellen Pamirhaus. Schon am Tag vor Khorugh durften wir die Architektur so eines Domizils bewundern, heute aber bekommen wir die Bedeutung dahinter erklärt. Jedes dieser Häuser hat ein Flachdach, auf dem Marillen, Stroh und andere Dinge trocknen können. Gebaut sind die Häuser aus Lehm und Steinen. Ein Vorraum der aus Sitz bzw. Schlafmöglichkeiten (für den Sommer) besteht, grenzt an einen größeren Raum im dem sich das restliche Leben abspielt: Wohn- und Schlafzimmer sowie Küche. Diesen Raum betritt man durch einen kleinen, vom großen Raum abgetrennten Korridor, dessen linke und rechte Seite zur Aufbewahrung von Kleidung zum Beispiel dient. 5 Holzsäulen stützen diesen größten Raum, 2 davon sind durch einen weiteren Holzbalken zu einem Tor verbunden.

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Jede Säule steht für einen der 5 Familienmitglieder der Familie Ali (4. und letzter Imam für die Sunniten) Ein Ofen darf natürlich auch nicht fehlen. Im Gegensatz zu all den anderen Ländern auf unserer Reise in denen man am Boden schläft, sind hier alle vier Seiten des Raumes erhöht um sich dort gemütlich niederlassen zu können. In der Mitte der Decke befindet sich ein Fenster und die Holzdecke rundherum besteht aus 4 versetzen Rechtecken die die 4 Elemente Wasser, Feuer, Wind und Erde symbolisieren.

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Über das Fenster in der Decke, welches wie ein Spitzdach konstruiert ist, sollen alle schlechten „Geister“ den Raum verlassen können.

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Eine Fusion der muslimischen und prä-islamischen Kultur, wir sind fasziniert.

Allmählich werden die Gespräche auf russisch etwas leichter – Wolfi versteht durch die intensiven letzten Wochen jetzt schon einiges, das reden, bis auf ein paar Phrasen, überlässt er dann aber doch lieber Sabrina. Wir haben also beide unseren Gefallen an dieser Sprache gefunden.

In der Früh verlassen wir mit gefüllten Bäuchen, aber leeren Trinkflaschen die Familie. Suchen noch einmal das Dorfplumpsklo auf

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und machen uns auf den Weg Wasser zu finden. Uns wurde nämlich nur Bachwasser angeboten. Da sich aber noch einige Dörfer flussaufwärts befinden und die Land- und Viehwirtschaft doch recht stark ist, verzichten wir dankend darauf. Am Dorfende versuchen wir noch einmal unser Glück und fragen an einem Haus nach. Es wird genickt, ein Eimer geholt, zum Fluss gegangen und unsere Flaschen damit aufgefüllt. Na gut, was soll’s, denken wir uns, wenn es kein anderes Wasser hier gibt, dann trinken wir halt auch dieses. Wir bedanken uns und drehen uns gerade zum gehen um, als die Mutter des Hauses noch einmal aus dem Haus kommt und uns ein typisches rundes Brot, in der Größe eines Lenkrades, überreicht. Um Wasser haben wir gefragt, den Aufwand, dass die Tochter deshalb zum Fluss gehen muss haben wir dadurch ungewollt ausgelöst und am Schluss bekommen wir ungefragt noch ein frisch gebackenes Brot. Beide stehen wir da und starren fassungslos auf dieses Brot und in die lächelnden Gesichter. Auch nach so langer Zeit und den unzähligen Beschenkungen die wir erhalten durften, ist es nach wie vor alles andere als eine Selbstverständlichkeit für uns etwas geschenkt zu bekommen. Ein jedes einzelnes Geschenk löst nach wie vor bei uns tiefe Dankbarkeit aus und wir hoffen, dass wir diesbezüglich nie abstumpfen werden. Unsere rechte Hand wandert zum Herz, wir deuten eine Verbeugung an und bedanken uns auf „pamirski“ ( die Leute im Pamir haben ihre eigenen Sprache) mit einem „cholor!“ mehrfach, bevor wir wieder unsere Räder besteigen und weiter den Fluss stromaufwärts fahren.

Die Häuseransammlungen

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werden immer seltener,

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jede Stunde ein Auto,

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die Landschaft ändert sich allmählich,

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wir kosten jede Minute aus. So auch die Einladung auf Tee, Brot und Butter, garniert mit lächelnden Kopfschütteln weil wir hierher mit den Rädern gekommen sind.

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In Savetobod finden wir dann doch noch eine Quelle in der Dorfmitte und tauschen unser Wasser sicherheitshalber aus. Dabei werden wir von Sabrina (ein typisch tadschikischer und usbekischer Name) beobachtet die uns zu sich in ihr Haus bittet. Ein wunderschöner Blumenvorgarten vor dem traditionellen Haus empfängt uns.

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Wir können mit unserem Wissen über die Architektur punkten und obwohl wir wirklich sehr vehement ablehnen, steht kurz darauf vor uns ein Teller mit Nudeln und Fleisch.

Dank immensen Rückenwind

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fliegen wir den ganzen Nachmittag förmlich Richtung Javshangoz.

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Ein grenzgeniales Gefühl so hinweg zu schweben.

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Wolfi findet auch, dass es einzigartig aussieht wenn jemand anders von einem Sandwirbelsturm, der sich zu einem formschönen kleinen Tornado formt, verschluckt wird. Sabrina, die mittendrin war und danach gefühlt einen halben Kilo Sand aus den Ohren holen muss, kann dies nicht ganz bestätigen.

Haben wir schon erwähnt, dass wir es einfach nur wunderschön hier finden?

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Eine Hochebene empfängt uns.

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Hier auf 3500hm wird tatsächlich noch Weizen angebaut.

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Hinter Javshangoz nützt all der Rückenwind nichts mehr. Der Weg gleicht schon fast einem Flussbett,

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wir müssen also wieder selber strampeln. Heute finden wir auf 3540m ein Traumplätzchen was die Aussicht betrifft. Vor unserer mobilen zu Hause thront der 6510m hohe Engels Peak,

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gleich neben Karl Marx, 6726m. Nur leider bilden die Hügel um uns herum kaum Windschutz und somit muss unser Zelt mal wieder beweisen, wie standhaft es ist. Alle Sturmleinen werden abgespannt und trotzdem schauen wir während wir bei zunehmender Kälte kochen, immer wieder besorgt zum Zelt wie es sich vor allem unter den Windböen verbiegt. Die Nudeln in Tadschikistan sind eine Katastrophe – wir würgen eine grenzwertig schmeckende, klebrige Pampe runter. Da kann selbst uns nicht einmal mehr das Bergpanorama ablenken.

Es dauert nicht lange in der Früh bis wir zum Beginn des Anstieges zum Pass kommen. Nun folgen wir einem kleineren Fluss, der sich kitschig schön den Weg hinunter sucht.

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Die Steigung ist traumhaft, abgesehen von ein paar kurzen, steilen oder „gerölligen“ Abschnitten. Aber selbst schieben macht hier Spaß.

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Seit gestern Nachmittag haben wir kein Fahrzeug mehr gesehen, da winken wir natürlich überschwänglich zurück, als uns ein Versorgungslastwagen begegnet. Wem wir hier heroben aber immer noch begegnen sind Hirten mit ihren unzähligen Tieren.

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Gegen Mittag erreichen wir den Pass,

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der uns mit einem schönen See und Sturm empfängt.

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Trotz Sonne ist es auf 4235m ganz schön eisig. Wir schießen also ein paar Fotos

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und machen uns auf den Weg hinunter. Irgendwann finden wir endlich ein schönes Plätzchen um uns ein wenig zu stärken.

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Die Aussicht ist einzigartig und in der Ferne können wir schon den nächsten Pass erkennen. Wir sind uns einig, dass das Shakhdara Tal eine überaus gute Idee war und ein toller Start für den Ostpamir.

Zu faul um noch weitere hundert Meter den Fluss entlang bis zur Brücke zu rumpeln – die Abfahrt war eine einzige steinige Katastrophe, beschließt Sabrina querfeldein durch den Fluss sich den Weg zur Straße zu suchen. Eisig kalt und knietief hin oder her, die Füße gehören gewaschen und seit der Mongolei wissen wir, dass selbst totgeglaubte Füße irgendwann wieder zum Leben erwachen. Wolfi schaut zuerst skeptisch zu, aber der Mensch ist ein Herdentier, somit folgt Wolfi tapfer hinterher.

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Unsere Zeit durch das Shakhdara Tal ist hiermit also vorbei, wir sind nun auf dem Pamir Highway M41 für die nächsten 2 Tage etwa und strampeln den nächsten Pass entgegen.

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Allmählich werden wir müde und der starke Wind der immer von einer anderen Seite kommt macht es nicht leichter. Ebenso wenig, dass sich die letzten Kilometer fast flach in die Länge ziehen.

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Passfoto Nummer zwei für heute auf 4270m

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und jetzt bitte schnell einen Zeltplatz. Aber wir müssen uns in Geduld üben. Eine langgezogene Abfahrt mit nicht wirklich guten Wildcampingmöglichkeiten liegt vor uns.

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Obwohl es wirklich schon verdammt spät ist, können wir nicht anders als diese neue Umgebung zu genießen und mittels Kamera festzuhalten. Sabrina entdeckt eine kleine Wiese die einigermaßen sicht- und windgeschützt ist und wir bauen mit klammen Fingern gemeinsam das Zelt auf. Was normalerweise Sabrinas Arbeit ist, während Wolfi schon mal den Kocher anwirft, geht in den letzten Tagen aufgrund des starken Windes fast nur noch zu zweit.

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Das kalte Wasser braucht auf 4020m ewig bis es kocht, aber der Tee abends und für in der Früh in der Thermoskanne ist bei den Temperaturen Pflicht. Es ist bereits lange dunkel als wir eingemummelt um 19:30 Uhr in unserem Zelt sitzen und uns die Instant-Nudelsuppe von innen wärmt. Den harten, weil es auch tagsüber kalt ist, Schokoriegel gibt es noch hinterher und dann versuchen wir das Geraschel unseres Plastikzuhauses auszublenden und zu schlafen.

In der Früh sind alle Wasserflaschen durchgefroren, Sabrina erledigt den Abwasch im teils gefroren Bach und weil der Wind auch schon munter ist, trocknen die Schüsseln nicht, sondern bilden ebenfalls eine kleine Eisschicht. Na das kann ja noch spannend werden die nächsten Tage.

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Die Kilometer

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bis zu einer Anhöhe sind schnell gemacht.

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Der Ausblick dahinter lässt uns dafür dann umso langsamer radeln. Die Ebene mit ihrem See und die hohen Berge die diesen umschließen, alle schroff, jeder in einer anderen Farbe.

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Wir haben einen Fernblick wie schon lange nicht mehr. Alle 10 Meter bleiben wir stehen, weil wir finden dass es JETZT am besten aussieht und unbedingt noch einmal die Kamera gezückt werden muss, nur um 10 Meter weiter erneut eines zu machen.

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Am Ende geben wir auf und sitzen bei Honig (der ebenfalls so gut wie festgefroren ist in der Flasche) und Brotresten staunend am Straßenrand.

Aus der sitzenden Perspektive kann man auch die vielen verschiedenen Bodengewächse und ihre schönen Blüten bestens bewundern.

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Über 3 endlos wirkende Hügel bahnen wir uns den Weg nach Alichur.

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Das erste Dorf seit 3 1/2 Tagen, alles im Shakhdara Tal kann man als solches kaum bezeichnen. Tja, oftmals sagt die Größe aber nichts über die Quantität der Lebensmittelversorgung aus, denn bis wir unsere Essenstasche wieder gefüllt haben, klopfen wir an so manche Türe, damit die 3 Miniläden die es gibt, aufgesperrt werden. Und selbst dann ist Improvisieren angesagt. Instant-Nudeln sind ab sofort unsere Favoriten fürs Abendessen. Unser Haferflockenvorrat für’s Frühstück reicht evtl. auch nicht für die nächste Etappe, daher wandern Kekse und Kondensmilch in die Taschen und für zu Mittag ergattern wir die einzige Konservendose die es gibt: eine Kuh ist darauf abgebildet und nach längerem betrachten tippen, oder besser gesagt hoffen wir einfach mal auf so etwas wie Streichwurst. Man darf gespannt bleiben. Ein wenig Mayonnaise haben wir noch als Brotbelag. Ja, Tadschikistan ist wahrlich ein kulinarisches Eldorado was die Selbstversorgung betrifft. NICHT! Brot gibt es auch hier keines zu kaufen, aber schnell findet sich jemand im Dorf der für uns welches übrig hat. Zahlen verboten. Im letzten Laden werden wir dann auch noch zum Mittagessen eingeladen,

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bevor wir am Dorfbrunnen unsere Flaschen noch einmal befüllen.

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Während wir pumpen betrachten wir die Häuser um den riesigen, einsamen Dorfplatz.

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Einfachst gehalten, aus Lehmwänden, mit einfach-verglasten Fenstern, weißen Häuserfronten die zum blauen Himmel und der schneebedeckten Bergreihe einen einmaligen Kontrast bilden. Kinder rollen Bälle durch die Gassen oder rasen mit ihren Rädern um die Ecke. Es dampft aus den Ofenrohren der Häusern raus, die Kühe stapfen scheinbar ziellos umher. Alles wirkt hier heroben auf 3880m ein wenig anders und doch können wir es nicht dingfest machen. Wie es hier im Winter wohl sein muss zu leben? Am Weg aus dem Dorf werden fleißig Teppiche gewaschen,

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dahinter beginnt die sogenannte Alichurhochebene.

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Wieder ist seit ca. 10 Uhr Rückenwind da, der jetzt am Nachmittag wieder alles gibt.

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Alles bedeutet, dass ein deutscher Radler der uns entgegen kommt völlig fertig ist, da er seit Tagen kaum mehr als 8 Kilometer in der Stunde schafft, selbst beim Bergab fahren wird es nicht mehr.

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Um kein Geld der Welt würden wir das Pamirgebirge von Ost nach West durchfahren, wir haben Mitleid mit ihm. Er selbst zuckt mit den Schultern und wartet auf den nächsten LKW der ihn wieder für ein Stück mitnehmen kann.

Bei einem Haus mit Jurtenunterkunft erstehen wir köstliche Yakbutter, bevor wir mit Blick auf unser nächstes Tal, 38km hinter Alichur, einen Platz für unser Zelt finden. In Alichur haben wir eine Zahnbürste gekauft. Wegen des vielen Sandes in den letzten Wochen und jetzt auch noch wegen der Kälte, machen die Reißverschlüsse an unserem Zelt allmählich Probleme. Um schlimmeres vorzubeugen bekommen sie heute alle eine gründliche Reinigung. Morgen werden sie zwar wieder eingesandet sein, aber wir haben zumindest für heute ein besseres Gefühl.

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Bei unserer Recherche haben wir einen Nationalpark gefunden, den wir uns unbedingt ansehen wollen, der sich aber mit dem Shakhdara Tal nur schwer kombinieren ließe. Aber nach eingehender Betrachtung der Karte haben wir dann doch noch ein Tal gefunden, das uns von hier, auf der M41 zum Zorkul Nationalpark bringt. Keine genauen Infos im Netz, ein Umweg nach Murghab von 3-5 Tagen statt einem und noch dazu ein Teil davon als „Sackgasse“, aber das ist uns hier heroben im Pamir „so was von egal“. Wir verlassen also wieder den Pamir Highway, der mit dem überraschend kaum vorhandenen Verkehr den Namen Highway sich wahrscheinlich erkauft hat und tauschen somit Asphalt gegen Geröll.

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Es dauert nicht lange und unser Wortschatz schrumpft mal wieder auf ein Minimum: wow; genial; wahnsinn; unglaublich; ich pack’s ned; … ist alles was wir für die nächsten Stunden von uns geben.

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Wir haben das wahrscheinlich schon öfters gesagt, aber dieses mal sind wir uns ganz sicher: DAS ist das allerallerallerschönste Tal das wir jemals gesehen haben.

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Wir lieben einfach schroffe Berge und wenn es sie dann noch in so einer Vielfalt gibt.

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Ach Herz was willst du mehr. Der strahlend blaue Himmel ist das Tüpfelchen auf dem „i“.

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Unsere Herzen schlagen einen Ticken schneller und das nicht nur wegen der Höhe.

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Wir strahlen wie ein Hutschepferdchen.

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Auch heute bläst uns der Wind fast um.

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Fotos machen wird anstrengend, denn selbst breitbeinig stehend schwanken wir im Wind. Die Räder müssen stets festgehalten werden.

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Obwohl der Sturm von schräg hinten kommt, kommen wir kaum voran. Es ist einfach viel zu schön hier. Daher machen wir uns auch erst beim dritten ausgetrockneten Flussbett ein wenig sorgen was unseren Wasservorrat betrifft. Aber aufgrund der einstelligen Temperaturen tagsüber trinken wir so oder so viel zu wenig, daher haben wir noch ein bisschen Reserve. Und weil es eben so grandios schön hier ist, können wir trotz Kälte unsere 2. Frühstückspause im Windschatten unserer Räder genießen. Ein alter Friedhof

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zieht ebenso unsere Aufmerksamkeit auf sich.

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Erst zu Mittag stoßen wir wieder auf einen Fluss und können unsere Flaschen wieder auffüllen. So können wir zu Mittag bei einer leerstehenden Jurte und einem Steinhaus auch einen Kaffee kochen.

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Jetzt ist auch die Stunde der Wahrheit, wir öffnen die Konservendose mit der vielversprechenden Kuh drauf und siehe da: Schmalz, Bradlfettn und gutes Fleisch. Gar nicht mal so schlecht und eine willkommene Abwechslung.

Abwechslungsreich bleibt auch nach wie vor dieses Tal. Wir müssen es noch einmal loswerden: WOW!!!!!!

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Manchmal wundern wir uns für einen Bruchteil einer Sekunde warum es, trotz so angenehmen Steigungen, anstrengend ist. Dann erinnern wir uns wieder, dass wir den ganzen Tag schon auf über 4000 spazieren fahren.

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Ein Blick auf unsere Karte verrät uns, dass wir es zwar noch bis zum Pass schaffen würden, aber wir sind froh als wir aus der Ferne Jurten sehen, aus denen es heraus raucht.

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Wir möchten unbedingt herausfinden wie hier die Jurten von innen aussehen und hoffen, wie in der Mongolei auch schon, diesem extrem starken und eisigen Wind auf 4300hm in der Nacht im Windschatten einer Jurte aus dem Weg gehen zu können. Mit strahlende Gesichter winken uns Kinder zu und schwupps heben wir den schweren Stoffvorhang zur Seite um dahinter die Türe in die Jurte zu öffnen – wir sind auf Tee eingeladen.

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Unsere Augen wandern von links nach rechts,

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von rechts nach links,

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von oben nach unten und wieder retour. Jurten und das einfache Leben darin haben eine magische Faszination auf uns. Die Holzverstrebungen sind die gleichen wie in der Mongolei. Aber hier finden wir keine Betten, die Menschen schlafen auf den bekannten dünnen Stoff“-matratzen“ am Boden. Der Ofen in der Mitte zum Heizen und Kochen ist der selbe. Die wenigen Habseligkeiten werden hier in schönen Stofftüchern (dieses für Kleidung)

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an der Holzkonstruktion aufgehängt. Während das Kleinkind in der Holzwiege hin und her geschaukelt wird,

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erfahren wir, dass die Menschen hier in den Tälern kirgisischer Abstammung sind. Im Durchschnitt leben sie 4 Monate hier heroben mit ihren Tieren, bevor sie in kleine Städte tiefer ziehen. Hunderte von Ziegen und Schafen,

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unzählige Yaks, ein paar Esel und Pferde kann diese Familie ihr Eigen nennen. Wir trauen unseren Augen kaum,

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als uns die getrockneten „Käsebällchen“ gezeigt werden und der Geschmack eins zu eins an den in der Mongolei erinnert.

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Wir zeigen ihnen am Handy Fotos von den Jurten aus der Mongolei und sie müssen lachen. Nein, nein, kirgisische Jurten sind besser lachen sie.

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Als die Sonne verschwindet und immer noch der Sturm geht, fragen wir ob wir hinter einen der zwei kleinen Häuschen unser Zelt aufbauen können. Im Zelt würden wir erfrieren protestieren sie. Widerspruch zwecklos, die Nachbarin zieht zur Schwester in die Jurte und uns wird nochmals Kuhdung nach gebracht, damit wir es lange schön warm haben.

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So sitzen wir also heute in einer kirgisischen Jurte in Tadschikistan und löffeln unser Abendessen. Neugierde zahlt sich aus. Nachdem der Ofen aus ist, sinkt die Temperatur rapide nach unten und die Decken wandern noch weiter über die Ohren.

Der Zorkul Nationalpark ist ost-west ausgerichtet und weil wir ihn heute Richtung Westen fahren werden, rechnen wir mit dem brutalen Gegenwind der uns die letzten Tage stets von hinten verzückt hat. Deshalb sind wir bereits kurz nach Sonnenaufgang unterwegs, auch wenn es mit knapp über null Grad noch viel zu kalt ist. Aber nicht nur wir sitzen in den Sätteln, auch die Männer der Familie treiben auf den Pferden das Vieh wieder die Berge hoch, die Frauen sind mit dem melken bereits längst fertig. Weil es so kalt ist, lässt die Kreativität des Passfotos zu so früher Stunde auch noch zu wünschen übrig.

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Schnell sind wir unten am nächsten Fluss den wir wieder nach oben zum nächsten Pass folgen. Bevor wir noch im Zorkul Tal sind, versüßt uns schon diese Aussicht den Vormittag.

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Der Wind, wie kann es anders sein, lässt nicht lange auf sich warten und bläst uns ins Gesicht.

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Der Pass mit 4430m liegt hinter uns

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und vor uns eine Hochebene

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die links von uns mit einer endlos wirkenden Front an Schneebergen begrenzt ist.

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Mehrere Seen gibt es hier heroben.

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Unser Permit das wir in Khorugh erstanden haben möchte keiner sehen, aber wer würde es hier auch schon kontrollieren, hier ist ja keine Menschenseele.

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Hügelig kämpfen wir uns Kilometer für Kilometer dem Wind entgegen

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bis wir kurz nach Mittag auf 4200hm beschließen, dass es genug für heute ist. Ein kleiner Hügel fängt das gröbste vom Wind ab (denken wir noch zu dieser Zeit) , der Ausblick ist der reinste Hammer

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und jeden Kilometer den wir weiter fahren würden, müssten wir morgen wieder retour.

Also warum nicht hier alle Viere von sich strecken,

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eine „Suizide“-Katzenwäsche bei 7 Grad Außentemperatur neben dem See nehmen,

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die Wäsche waschen und sie dank des Sturmes nach einer Stunde trocken abnehmen können und sonst einfach nur die Umgebung genießen.

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Am Ende des Tages

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heißt es dann aber doch noch ein wenig arbeiten, denn der Wind hat nochmal an Stärke zugenommen und wir haben Bedenken, dass wir auf 4260hm mit unserem 3 Jahreszeitenzelt und den Schlafsäcken die mittlerweile 21 Monate in Summe on tour waren, bei dem Wind frösteln werden. Deshalb schleppen wir Steine an und machen unser Zelt winddichter.

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Eine weise Entscheidung wie sich zeigt, denn wiedereinmal bläst der Wind die gesamte Nacht durch.

In der Früh

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gehen wir einem neuen Ritual nach: wir liegen wie jeden Tag in der letzten Woche noch ein paar Minuten eingemummelt in unseren Schlafsäcken, erwärmen unsere Radkleidung im Schlafsack und erzählen uns währenddessen von unseren schrägen, wirren und lustigen Träumen. Keine Ahnung ob es an der Höhe liegt, aber die Inhalte und Themen unserer Träume der letzten Nächte lassen uns bereits zu früher Stunde Tränen lachen.

Seit gestern früher Nachmittag sind wir nun an diesem See und stets wirkt die Umgebung anders auf uns. Je nach Sonnenstand können wir entweder das magische blau des Himmels kaum begreifen, dann wiederum die Rottöne der vorher grünen Gräser oder so wie jetzt in der Früh der Kontrast von allen Farben.

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Ein und die selbe Landschaf mit so vielen unterschiedlichen Gesichtern.

Die 15km hinaus aus dem Tal

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vergehen wie im Flug.

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Kein Wunder, wir werden ja wieder von hinten angeschoben. Selber Pass nur andere Richtung und weil der Himmel heute überwiegend bedeckt ist, um einiges kälter.

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Auf unsere 10 Euro Sportdiscounter Thermoskanne singen wir seit Tagen Lobgesänge, auch wenn wir sie monatelang unbenutzt spazieren geführt haben, so möchten wir sie an solchen Tagen keine Sekunde lang missen.

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Hier soll es Marko Polo Schafe geben, deren Hörner wir immer wieder am Straßenrand gesehen haben.

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Wir bilden uns ein diese gestern auch gesichtet zu haben. Die Jagd auf sie beginnt bald und wir kehren in eines der 3 Jagdhäuser ein um unsere Thermoskanne aufzufüllen und Brot zu kaufen. Von hier aus nehmen wir ein anderes Tal retour zum Pamir Highway. Ein nicht minder spektakuläres wie sich zeigt.

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Jedes Tal ist hier einzigartig

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und unterscheidet sich von dem davor.

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Wir wussten es, wir werden den Pamir lieben.

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Wir lieben ihn selbst dann noch wenn es wieder anstrengend wird.

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Der Wind kommt jetzt wieder von vorne

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und der Anstieg zum 4300m hohen Pass zieht sich ins Unendliche.

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Ebenso die Abfahrt.

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Waschbrettpiste vom Feinsten und Gegenwind

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lassen uns selbst bergab strampeln. Berge hinter Berge türmen sich vor uns.

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Im diesigen Licht des späten Nachmittags sieht es regelrecht mystisch aus. Nebenbei erwähnt, Tadschikistan besteht zu über 80Prozent aus Gebirge und fast die Hälfte des gesamten Landes liegt auf über 3000hm.

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Die Luft ist raus, wir können nicht mehr, aber es gibt nicht mal annähernd eine vernünftige Möglichkeit unser Zelt aufzustellen. Also bleibt uns nichts übrig als weiter zu treten, Süßes in uns hineinzustopfen, regelmäßig entsetzt feststellen, dass man erst einen Kilometer gefahren ist seit dem letzten Stop und sich gegenseitig zu motivieren, dass man es ganz ganz sicher bis zum Sonnenuntergang schafft das Zelt aufgestellt zu haben.

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Erst als wir bereits den Pamir Highway wieder in Sichtweite haben finden wir hinter einem Felsen Schutz.

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Zelt gemeinsam aufbauen, Sabrina kümmert sich um die Inneneinrichtung, Wolfi um das leibliche Wohl. Es ist dunkel, Reißverschluss zu, Essen und gute Nacht. Es ist 19 Uhr.

In der Früh fordert die anhaltende Kälte erneut ein Opfer: der zweite Plastikteil an der Frontaufhängung ist gebrochen. Generell beginnt die Kälte an mehrere Stellen zu nagen: Sabrinas Lippen sind bereits seit mehreren Tagen wieder auf Botoxniveau angeschwollen inklusive vielen offenen, schmerzenden Stellen. Ebenso zieren unsere Hände viele blutige Risse. Wolfis Laune verhält sich wie unsere Wasserflaschen: sie friert über Nacht ein, erreicht den Tiefstpunkt in der Früh und taut erst mit den ersten wärmenden Sonnenstrahlen im laufe der frühen Morgenstunden wieder auf. Die schnellen Essenspausen in der Kälte tagsüber können wir beide nicht genießen. Ja, wir alle haben so unsere Problemchen mit den Temperaturen hier. Aber seit der Mongolei (ja dieser Trip hat uns geprägt) sind wir uns dessen mehr bewusst und lassen uns davon all die andere Eindrücke nicht vermiesen.

Die Männer hier begegnen der Kälte und der Sonneneinstrahlung mit einer Sturmmaske – an den Anblick muss man sich erst mal gewöhnen, dass er einem nicht verstört wenn man sich mit einem umhäkelten Gesicht unterhält. Eigentlich ist das nur das Dependant zu den Frauen in den Baumwollfeldern in Usbekistan, deren Gesicht, bis auf einen Augenschlitz, in mehreren Schichten Stoff gehüllt ist. Wir sehen in den ersten Stunden des Tages ähnlich aus.

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Am späten Vormittag erreichen wir Murghab,

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gehen tanken

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und laufen zick-zack

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auf seinem berühmten Containermarkt

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um unsere Vorräte aufzustocken. Mühsam!!! Manchmal wünschen wir uns in einen heimischen Supermarkt, in dem man alles was man braucht an einem Ort findet und wo die einzige Herausforderung daraus besteht, den richtigen Gang zu finden. Wobei, wir erinnern uns nur ungerne an unsere ersten Monate nach unserer ersten Tour in Südamerika. Die Wiedereingewöhnung hat uns in vielen Dingen zu schaffen gemacht, aber was waren wir damals überfordert mit der Auswahl in heimischen Supermärkten. Nicht nur einmal haben wir diese fluchtartig und nur mit der Hälfte die wir wollten wieder verlassen, weil wir diese Reizüberflutung nicht aushielten. Also lieber doch mehrmals hin und her um herauszufinden welcher Container was hat. Am Ende findet sich zwischen Container 27 und 32 der bestsortierteste Laden. Inklusive Haferflocken. Und weil es mittlerweile Mittag ist, essen wir auch gleich köstlich

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bevor wir uns auf den Weg Richtung Kirgisistan machen. Von hier aus gibt es nur noch einen Weg, den Pamir Highway. Überaus glücklich über unsere letzten Tage schiebt uns wieder der Wind von hinten an und wir machen, inklusive Kaffeepause mit unromantischem Windschatten,

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aber toller Aussicht, noch 47km. Und wieder ist die Landschaft so ganz anders als die letzten Tage.

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Dieses Pamirgebirge bietet eine Variation die man sich kaum vorstellen kann. Auf rote Berge stehen wir es uns besonders.

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In einer verlassenen Caravanserei

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aus dem Jahre 1899

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passt unser Zelt perfekt hinein.

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Die Nacht wird aber wider erwartend unruhig. Wir schlafen kaum bis gar nicht. Erstens brütet Sabrina eine Verkühlung aus und zweitens haben wir kurz nachdem wir eingeschlafen sind Schritte gehört. Wolfi ist zwar danach schauen gegangen und konnte niemanden ausfindig machen, aber wenn man einmal beim Wildcampen Schritte hört, dann hört sich danach jedes rascheln vom Zelt, von einem Plastiksackerl oder einem Vogel an, als ob erneut Gefahr lauert. Kein Wunder also, dass wir bereits vor Sonnenaufgang beschließen, dass uns hier so und so nichts mehr hält und wir den Tag schon mal beginnen können. Eine dumme Entscheidung, denn obwohl die Sonne bereits heraußen ist bis wir alles fertig gepackt haben ist es kalt. Sehr kalt. 0,9 Grad.

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Wir machen uns selbst einen Schatten beim fahren und somit frieren unsere Zähen ein. Nach wenigen Kilometern müssen wir stoppen und sie warmrubbeln da uns die Schmerzen schon fast Tränen in die Augen treiben.

Am Weg

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zum höchsten Pass im Pamir begleitet uns ein mehr oder weniger ernst gemeinter Grenzzaun zu China.

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Dahinter befindet sich zwar noch Tadschikisches Gebiet wie wir später erfahren, aber es gilt als Neutralzone.

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Die letzten 3km zum Pass erhöht sich die Steigung noch einmal. Wir kommen ordentlich ins Schnaufen.

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Wie so oft ist das Gefühl dann oben umso überwältigender.

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4655hm, zwar immer noch um 343hm unterhalb des von uns bis jetzt höchsten beradelten Passes in Peru, aber trotzdem für uns immer noch ein Grund zum Kopf schütteln. So weit oben, aus eigenen Kräften, mit dem Fahrrad. Wir genießen den Moment in vollen Zügen, auch wenn es bedeutet, das ein voller Atemzug hier heroben nur noch halb so viel Effekt hat wie auf Meereshöhe.

Die darauffolgenden Kilometer möchte man dafür am liebsten vergessen.

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Eine 20km lange Waschbrettabfahrt nach solch einem Pass macht noch weniger Spaß als es sonst schon macht.

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Uns schmerzen die Handgelenke, der Nacken und von den quälenden Versuchen das Fahrrad halbwegs kontrolliert über die Folterpiste zu manövrieren,

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werden wir ständig unliebsam durchgeschüttelt und unsere Laune sinkt immer weiter.

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Da kommt eine alte Caravanserei erneut wie gerufen. Heute aber nur um im Windschatten die wärmende Sonnen genießen zu können und um ein paar wenige Minuten ein Powernäppchen halten zu können.

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In der Zwischenzeit wirft der Wind Wolfis Rad um und wir sind ab sofort, dank einer gebrochenen Stelle, auf der Suche nach einem neuen Helm.

Weil uns mittlerweile wieder der Wind wie eine Wand gegenüber steht, füllen wir an einem Fluss nochmals Wasser auf, wer weiß wie weit wir heute noch kommen. Aber bereits als wir durch eine enge Bergschlucht hindurch sind

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dreht sich der Wind zu unseren Gunsten und wir werden Richtung Karakul hineingeblasen – sehr ungewöhnlich für diesen Abschnitt.

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Uns freut es und so stoppen wir wieder einmal alle paar Minuten

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weil die Aussicht auf den Karakulsee

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mit seinen 5-6000m hohen Bergen rundherum einfach nur unbeschreiblich kitschig schön ist

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und immer schöner wird.

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Im Dorf angekommen beziehen wir bei Frau Sadat (Guesthouse) unser Quartier.

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Nach 9 Radtagen müssen Ruhetage her. Auch weil sich mittlerweile die Verkühlung von Sabrina verschlechtert hat. In Karakul bekommt man zur Unterkunft auch noch eine Zeitreise inklusive. 2 Stunden Generatorstrom am Abend, sonst ist Funkstille im Dorf.

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Warmes Wasser und somit eine Dusche gibt es nur bei genügend zahlenden Gäste, denn der Wasserkessel muss mit Brennholz erhitzt werden. In einem großen Häferl mischt man sich dann die gewünschte Wassertemperatur selbst zusammen.

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Der Raum wirkt wie eine kleine Dampfsauna – eine Wohltat nach so vielen Tage Kälte. Um die Wäsche zu waschen (was mehr als dringend notwendig ist),

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muss zuerst Wasser vom Dorfbrunnen geholt werden.

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Wir schlendern im Dorf herum, bestaunen erneut den See

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und staunen nicht schlecht über die extrem schlecht bestückten Regale in den 2 kleinen Miniläden. Die Dame des Ladens lässt uns lieber hinter die Theke als mit uns zu reden. Uns soll’s recht sein, so können wir die unverpackten Kekse und Waffeln genauer auf Zuckerlaunensteigerungsqualität begutachten.

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Außer Kondensmilch, Waffeln und Nudeln gibt es nichts brauchbares. Selbst die entlegensten Dörfer in Bolivien hatten mehr und dort war die Auswahl schon extrem bescheiden.

Abends sitzen wir zusammen und lassen die Zeit im Pamir Revue passieren. Unsere zusammengebastelte Route hat uns täglich superglücklich gemacht, wir haben uns die Sahnestücke von allen Gebieten herausgepickt, unsere Batterien sind wieder aufgeladen, wir strahlen über beide Ohren, sind tief zufrieden und auch wenn wir das schon über manche Teile in Südamerika gesagt haben, so wissen wir es über den Pamir definitiv: wir kommen wieder. In unseren Köpfen ist bereits die nächste Tour hier festgelegt, denn zwei Täler und zwei Loops gibt es noch, die sich dieses Mal nicht kombinieren ließen.

Weil es hier in Karakul aber viel zu kalt zum Gesund werden ist, entscheiden wir uns bereits nach einem Tag, doch wieder weiter zufahren. Wir hoffen im etwas tiefer gelegenen Sary-Tash vielleicht eine warme Unterkunft zu bekommen. Ob das so klug war?

 

 

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