2x Stipvisite zum Mitnehmen, bitte!

Karakol Tadschikistan – Sost Pakistan

14.9.2019 – 25.9.2019 davon 5 1/2 Tage am Rad

8935 km total

80.803 hm total

Gefahrene Route / GPS Track (gerade Linie nicht gezählt: Grenztaxi)

Stille umgibt uns als wir bei strahlendem Sonnenschein den kitschig türkisen See mit der schönen Bergkette in der Ferne entlang fahren.

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Die friedliche Ruhe wird einzig und alleine durch eine schnaufende und hustende Sabrina unterbrochen und das obwohl es eben dahin geht. Erste Zweifel kommen auf, ob es nicht doch besser gewesen wäre noch etwas länger zu bleiben und zu warten, wie sich die Verkühlung entwickelt, aber die Hoffnung auf ein paar Grad mehr in Kirgisistan haben uns beide unsere Räder bepacken lassen. Bald geht es auch bergauf zum ersten Pass für heute.

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Als wäre die Luft nicht schon dünn genug, raubt uns auch noch der Ausblick den restlichen Atem. Die Steigung auf den letzten Metern lässt dann für Sabrina keinen Sauerstoff mehr übrig und somit geht Sabrina zu Fuß während Wolfi ihr Rad zum Pass hinauf radelt.

Bei der Abfahrt hinunter auf die Hochebene auf 4000m sehen wir schon in der Ferne was uns die nächsten Kilometer blühen wird. Gegenwind. Der Sand wird aufgewirbelt und in meterhohen Wänden durch die Landschaft geschoben. Diese wäre weiterhin wunderschön und mehrmals zum Ablichten geeignet,

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aber wir haben viel zu viel Sorge um unsere Kamera bei der Sandkonzentration in der Luft. Aber auch das Handy bleibt die meiste Zeit unberührt,

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denn wir sind gut damit beschäftigt uns Meter für Meter gegen den Wind voran zu kämpfen. In Schräglage.

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Der Magen beginnt zu knurren, jedoch kein Windschutz weit und breit. Nach unzähligen Kilometern die erste Möglichkeit. Wir verschanzen uns und stopfen Kalorien in uns hinein.

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Der Wind fegt über uns hinweg und garniert unser Mittagessen im Minutentakt mit einer extra Schicht Sand. Die Stimmung ist ebenfalls stürmisch, denn mittlerweile ist die Verkühlung von Sabrina eindeutig mehr als nur krankenstandpflichtig. Jeder ist auf sich selbst und auf den anderen grantig, dass wir weitergefahren sind, aber jetzt können wir es auch nicht mehr ändern. Also wieder rauf auf die Räder und einfach nur den Tag hinter sich bringen.

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Aber das ist leichter gesagt als getan. Im Schritttempo bahnen wir uns über die Wellblechsandpiste den Weg bis zum Fuße des nächsten Passes. Hier ist wieder Schluss für Sabrina. Selbst schieben geht nicht mehr.

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Sabrina geht also die letzten 3 km zu Fuß hinauf bis zur Grenze. Wolfi radelt 200 Meter mit seinem Rad,

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geht retour zu Sabrinas Rad, radelt 400 Meter,

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geht wieder retour zu seinem, radelt wieder 400Meter, geht wieder retour…. . Für uns beide also wahrlich keine Freude und dennoch schafft es die Landschaft uns zu erfreuen.

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Sabrina kommt nur wenige Minuten vor Wolfi beim Grenzposten auf 4200m an und lässt sich vollkommen fertig in den Straßengraben fallen. Sofort wird sie von Soldaten in einen Container gerufen und mit wärmender Suppe versorgt. Wolfi darf sich kurz darauf auch stärken. Eigentlich wollten wir heute noch weiter, es fehlen auch nur noch lächerlich wenig Höhenmeter bis zum Pass, aber Sabrina ist nicht mehr in der Lage auch nur noch einen Meter zu fahren oder bergauf zu gehen. Den Grenzbeamten brauchen wir nicht lange zu erklären warum wir nicht mehr weiter können, man hört es Sabrina an. Die ach so grimmig wirkenden Männer mit ihren Maschinengewehren um die Schultern werden zu zahmen Lämmchen und hegen und pflegen uns beide mit Essen, Tee in warmen Container, netten Gesprächen und Hausmittelchen gegen Kälte und Verkühlung; Vodka. Der ranghöchste Grenzsoldat erzählt uns, dass es um das Autonomiegebiet Pamir nicht gut steht. Die Regierung investiert hier nichts, obwohl es für den Tourismus die wichtigste Region und der Tourismus wiederum eine der wichtigsten Einnahmequellen des Landes ist. Alles an Steuergeldern, die Gebühren für die Permits für den Pamir, die Straßengebühren die die Fahrzeuge an der Grenze hier bezahlen, usw. verschwindet in den Haushaltskassen der großen Städte. Ohne Hilfe von anderen Ländern (die USA hat ein Grenzgebäude gebaut, das bald eröffnet werden soll, damit nicht mehr alles handschriftlich in unzähligen Listen vermerkt werden muss und die Beamten in den kleinen, tlw. kalten und baufälligen Containern sitzen müssen.) die mit diversen Projekten die Landbevölkerung mit dem notwendigsten unterstützt, wären diese Menschen hier wohl um noch einiges schlechter gestellt, als sie es bereits sind. Das bestätigt was wir im letzten Beitrag erwähnt haben: die vielen Schilder von diversen Hilfsorganisationen. Am Abend bekommen wir dann unseren eigenen Container und der Ofen wird eigens für uns angefeuert. Bei soviel Fürsorge muss man sich ja gleich ein wenig besser fühlen.

In der Früh gibt’s noch Tee, bzw. heißes Wasser in dem Marmelade aufgelöst wird. Schmeckt viel besser als es klingt.

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Wir stempeln offiziell aus Tadschikistan aus und radeln

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die wenigen Höhenmeter bis zum Pass.

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Die folgende Abfahrt ist traumhaft

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und lenkt von den frierenden Händen ab.

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Die Einreise nach Kirgisistan ist schnell erledigt. Mit großer Wehmut verlassen wir hiermit also das Pamirgebirge und radeln mit Blick auf Sary-Tash in der Ferne immer weiter auf der Hochebene dahin.

In Sary-Tash ist es dann auch nicht viel besser als in Karakol.

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Im Gegenteil, die Zimmer sind noch um einiges kälter, wir ziehen unsere Flauschijacke selbst unter der Decke nicht aus, das Wasser für die Dusche müssen wir erst aus dem Fluss holen und ist danach entweder eiskalt oder zum Verbrühen heiß. Also wieder kein Platz zum Erholen. Ausnahmsweise ist das Internet wieder sehr schnell.

Wir bleiben also nur eineinhalb Tage und entscheiden dann wieder weiterzufahren. Monatelang haben wir uns auf Kirgisistan und seine Berge gefreut, aber wir sind zu spät dran. Machbar wäre es noch, aber wegen er Kälte nicht zu genießen. Mit schwerem Herzen haben wir vor rund 1 Monat entschieden, dass wir die geliebten Offroadstrecken hier ein anderes Mal machen. Aber wo sich eine Türe verschließt öffnet sich bekanntlich eine Andere und so haben wir uns entschieden statt durch China mit Zug und Fahrrad Richtung Südostasien zu fahren, gleich nach der ersten Stadt in China nach Pakistan abzubiegen. Seitdem wir das Visum hierfür online bekommen haben, freuen wir uns wahnsinnig auf unsere Zeit dort und es fühlt sich wieder alles gut und richtig an.

Also unbekanntes Kirgisistan, wir machen uns bereits nach 1 ½ Tagen wieder auf um dich zu verlassen… bis zum nächsten Mal!

Eine Hochebene

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und eine schier endlose Front an schneebedecktem Pamirgebirge

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zieht den ganzen Tag an uns entlang.

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Ein wunderschöner Abschied von diesem tollen Gebirge und der Zeit die wir in vollen Zügen genossen haben.

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Die Steigung zum Pass ist kaum spürbar

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und die Abfahrt dahinter rasant

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und ebenfalls wunderschön .

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Unerwartet früh erreichen wir das Grenzdorf und beschließen es heute noch über die Grenze zu versuchen. Wir wissen, dass das Prozedere mehrere Stunden dauert, aber wir wissen auch, dass China Touristen nicht einfach so campen lässt, also müssen sie uns durch den Einreiseprozess bis zum Schluss durchschleusen. Ausreise erledigt, geht es an einer kilometerlangen LKW Schlange zur chinesischen Einreise.

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Für sämtliche Grenzübergänge nach China sollte man vorher brav seine Hausübungen gemacht haben: kein Benzin mit sich führen, Messer und Multitool gut verstecken, Japankarten am Handy ausblenden, VPN herunterladen und verstecken, Fotos die Fragen aufwerfen können ebenfalls verstecken, …. . Es kann losgehen. Wir müssen in den Bodyscan, unsere Taschen in den Röntgenscan und danach wird alles nochmals händisch durchsucht. Das handschriftliche Tagebuch von Sabrina wird mit einer Übersetzungs-App gescannt, gut dass die Klaue auch für die App nicht zu entziffern ist! Also folgen Fragen über Fragen was denn da drin stehe. Warum wir eigentlich nach China möchten. Was auf all den Speicherkarten drauf ist. Die Galerie am Handy wird in alle Richtungen durchgeblättert. … es dauert. Das aberwitzige daran ist, dass der Framebag (Rahmentasche) am Rad niemanden interessiert. Somit kommen Messer und Multitool unbemerkt durch die Kontrolle. Ebenso Wolfis Handy, das wir in einen der Beutel am Lenker gelassen haben. Bei den Medikamenten wird Sabrina gefragt ob sie krank sei …. Nein, das haben wir nur deshalb, weil wir nicht wissen ob man hier alles bekommt was man eventuell braucht ( Sabrina hat sich vor der Grenze nochmal mit allem was wir haben niedergepumpt, um Hustenreiz, rinnende Nase und eventuelles Fieber zu unterdrücken. Die Chinesen kennen da sicher keinen Spaß wenn jemand krank ins Land will).

Irgendwann haben wir es hinter uns und werden entlassen. Bis zum Taxi. Die Kontrolle hier heroben war nur eine Vorkontrolle. Die tatsächliche Einreise nach China und somit der Stempel wird einem erst in 135km Entfernung erteilt. Diese Strecke darf man weder mit dem Fahrrad bewältigen, noch zu Fuß, noch Autostoppen, …. sondern man wird in ein teures Taxi gesteckt, die Fahrräder verzurrt, der Fahrer bekommt unsere Pässe und hat die Aufgabe uns auf direkten Weg zum offiziellen Grenzgebäude zu bringen.

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Unglaublich schade, denn die Berge um uns herum bieten sowohl ein farbliches

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als auch strukturelles Spektakel.

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Hier zu radeln wäre ein Traum. Wir sehen die ersten Dörfer. Wobei Dörfer kann man in dieser Region ja nicht dazu sagen. In der Autonomen Provinz Xinjiang leben vorwiegend Uiguren, eine Minderheitenbevölkerung in China die der Zentralregierung ein Dorn im Auge ist. Dörfer werden eigens von der Regierung gebaut um die Menschen besser kontrollieren und überwachen zu können. Kontrollposten und Stacheldrahtzäune säumen den Weg. In Umerziehungslagern sollen sie ihrer Religion abschwören. Auf genaueres einzugehen würde hier den Rahmen sprengen, das Internet ist voll damit mit Informationen, für diejenigen die mehr über den Xinjiang-Konflikt wissen möchten.

Es ist bereits dunkel als wir in Ulugtschat ankommen. Die Grenzbeamten müssen noch einmal das Gebäude aufsperren, alle Geräte aufdrehen, die Computer hochfahren, … wir warten wieder. Die Einreise geht dann schnell, die Kontrolle ist um einiges lascher als wir in vielen Berichten gelesen haben. Kein Wunder, die Männer wollen wieder nach Hause. Wir checken direkt nebenan in einem Hotel ein und werden umgehend mit der chinesischen Hygiene konfrontiert: die Reinigungsfrau kommt bei uns am Zimmer vorbei und putzt Klo, danach die Klobrille, den Fußboden und zum Abschluss das Waschbecken mit der Klobürste. Danke, wir betreten diesen Raum heute nicht mehr.

89km sind es bis Kashgar/ Kaxgar. Wir versuchen abseits der Hauptstraße zu fahren. Das hat aber nur zur Folge, dass wir noch öfters kontrolliert und registriert werden. Bei jeder Dorfein- und Ausfahrt. Immer das selbe Prozedere. Mittels Handyapp werden wir ausgefragt, minutenlang. Wenn kein Handy zur Verfügung steht dauert es noch länger. Um es abzukürzen wissen wir bereits vorab was Österreich auf chinesisch heißt; Aodili. Das beschleunigt das Prozedere etwas. Dennoch beginnt es zu nerven. Sie fragen das ganze nicht aus Interesse, sondern fürs Protokoll. Die Pässe werden mit einer Handyapp gescannt, und sofort erscheint am Handydisplay ein Foto von uns und unzählige Seiten Geschriebenes. Wahrscheinlich wissen sie sogar unsere Blutgruppe und wann wir das letzte Mal die Toilette aufgesucht haben, scherzen wir, denn wirklich ernst können wir die durchschnittlich alle 8km kommenden Kontrollen nicht nehmen. Wir lassen es jedoch stets geduldig über uns ergehen. Erstens weil die Beamten immer freundlich, wenn auch nicht effizient arbeitend sind, und zweitens weil wir jedes Mal beobachten können wie die selbe Schikane den Uiguren widerfährt. Je nach moderne des Kontrollpostens müssen sie Ausweis und Gesicht scannen lassen, aus dem Auto aussteigen, sich davor hinstellen und fotografieren lassen, das Auto filzen lassen, … . In unseren Augen hat diese Überwachung, diese Kontrollen, diese Absonderung etwas erniedrigendes.

Von den schönen Bergen von gestern

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haben wir heute nur auf den ersten Kilometern noch ein wenig,

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bevor die Landschaft sich öffnet und die Berge verschwinden.

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Jedes Atomkraftwerk in Europa würde sprichwörtlich „vor Neid erblassen“, wenn es die Sicherheitsvorkehrungen bei Tankstellen sieht: Stacheldrahtzaun, Meterhohe dicke Eisentore die stets nur geöffnet werden, wenn sich der Fahrer ausgewiesen hat, alle Mitfahrer ausgestiegen sind, das Auto vom Motorraum bis zum Kofferraum gefilzt wurde, der Unterboden mit Spiegeln abgesucht wurde und der Metalldetektor am Körper des Fahrers nichts gefunden hat.

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Die Absperrungen vor Schulen sehen nicht viel anders aus.

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Wir fahren durch ein 8km langes Dorf und nach dem ersten Kilometer kommen wir uns vor als wären wir im Kreis gefahren und würden den selben Kilometer erneut fahren: jeder Kilometer sieht aus, wie der Kilometer davor. Jedes Haus hat die selbe Farbe, seit der Grenze schon. Die Fassade ist gelb, die Dächer sind rot, alle. Hinein sieht man nie, oftmals säumen dichte Baumreihen den Weg und nehmen uns jegliche Sicht auf die Häuser.

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Sicherlich so gewollt. Wir sind zurückhaltend was das fotografieren betrifft, möchten keine Probleme hier bekommen. 15km vor Kashgar verfolgt uns ein Zivilauto. Bleiben wir stehen, bleibt es auch stehen. Es lässt uns nie aus den Augen und beobachtet genau in welche Richtung wir fotografieren. Die Fahrt in Kashgar selbst ist ziemlich gemütlich, denn wir sollen den Mopedweg nehmen.

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Wir kommen in Kashgar an und beziehen im zwar recht teuren, aber mit seiner Dachterrasse extrem gemütlichen Kashgar Pamir Youth Hostel unser Quartier. Sabrina fällt unvermittelt in einen 15-Stundenschlaf und verlässt auch danach für viele Stunden nicht das Bett. Die Verkühlung fordert ein was schon längst fällig war: (Bett)ruhe. Hier in Kashgar geht das ganz gut. Es ist so warm, dass wir tagsüber in T-shirts herumgehen können, das Essen am Nachtmarkt gegenüber ist so abwechslungsreich und frisch, dass es ein Vergnügen ist und wir uns die Bäuche vollschlagen bis uns schon fast schlecht ist.

Jeden Tag aufs neue wieder. Nur mit der ungewohnten Schärfe müssen wir erst umgehen lernen.

In einem Teeladen lassen wir einen Tee speziell auf Verkühlungssymptome für Sabrina zusammenstellen. Wir wollen gar nicht wissen was alles drinnen ist, denn beim Warten sehen wir neben vielen Kräutern und Gewürzen unzählige getrocknete Kleintiere.

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Hauptsache es wirkt.

Nach 5 Nächten radeln wir aus Kashgar raus. „Same same but different“. Wieder Kontrollen, wieder Fragen ohne Ende, oftmals kein englisch, wieder ein Auto das uns unzählige Kilometer verfolgt, wieder gleichfarbige Häuser an Häuser, …….

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Willkommen in der Provinz Xinjiang.

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Der Tag neigt sich dem Ende, wir passieren ein Dorf in dem es Unterkünfte gibt, wir wollen aber zelten.

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Aus erster Hand wissen wir, dass beim Campen mit chinesischen Polizisten in dieser Provinz nicht zu spaßen ist. Beide Quellen mussten bis Mitternacht radeln, bevor sie kurz vor der Grenzstadt Tashkurgan in einen anderen Polizeidistrikt kamen und dort ihr Zelt aufstellen durften. Einer von beiden hatte zuvor sein Zelt bereits aufgebaut gehabt, wurde aber von der Polizei entdeckt und musste weiter. Wirklich viele Unterkünfte gibt es aber auf dem Weg Richtung pakistanischer Grenze auch nicht, vor allem am letzten Teil zur Grenzstadt. Mit diesem Wissen scannen wir die Landschaft ganz genau ab. Wir haben von einem der Radler den Tip bekommen, dass es viele Brücken auf dem Abschnitt gibt unter denen man schlafen kann. So suchen wir uns eine, schlagen unser Zelt auf und hoffen nicht entdeckt zu werden.

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In der Früh schleichen wir uns wieder retour zur Straße

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und durchfahren den letzten Kontrollposten. Eine neue Straße windet sich hinauf, Gletscher reichen bis fast zur Straße herunter.

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in sanfter Steigung und zwischen Felswänden.

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Wir kommen kaum voran, es zieht sich extrem in die Länge. Eine Snackpause folgt einer Snackpause folgt einer Snackpause.

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Gegen Mittag sind wir dann aber endlich am Cakyragylken See angekommen.

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Die Farbe des Sees wirft uns fast um. (Fotos sind NICHT bearbeitet)

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Unglaublich. Langsam rollen wir am See entlang und genießen ihn bei einer ruhigen Mittagspause am Straßenrand.

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Danach folgen die ersten hohen Berge.

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Sie sehen so unscheinbar aus, aber die mit zig Gletscherzungen verzierten Berge direkt neben uns

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sollen tatsächlich um die 6000 Höhenmeter haben.

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Aber leider folgen jetzt auch Straßenarbeiten. Es wird wieder anstrengend. Wir wollten es heute deutlich weiter schaffen, eigentlich bis hinter den Pass, denn hier ist die Gegend wo der eine Radler erwischt wurde und der andere bei einer Häuseransammlung wo er campen wollte von der Polizei verscheucht wurde. Unsere Augen scannen also noch sorgfältiger die Gegend ab, denn Sabrina kämpft immer noch mit einer Restverkühlung und würde es nicht mehr weit schaffen. Hinter ein paar Hügeln finden wir eine ebene Fläche und warten einen Moment ohne Autos ab um uns und unsere Räder so schnell wie möglich von der Straße zu bekommen. Die Aussicht auf 6-7000m hohe Berge und davor die Sumpflandschaft – der 2.-schönste Zeltplatz den wir bis jetzt auf dieser Tour hatten.

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Was für ein atemberaubendes Panorama hier auf 3650m. Über 10 Gletscherzungen zählen wir, Kamele und Yak stapfen an uns vorbei, die untergehende Sonne färbt den Himmel schön. Ein Traumplatz. Möge uns keiner entdecken. Beim letzten Straßenrestaurant haben wir unsere Thermoskanne mit heißem Wasser auffüllen lassen. Da Ausländern der Zugang zu den Tankstellen in dieser Region verwehrt wird, können wir unseren Kocher nicht anwerfen. Für Instantnudeln reicht das heiße Wasser aber allemal. Als es dunkel ist liegen wir im Zelt und die Stirnlampen sind aus. Wir bleiben unentdeckt.

Der Vormittag ist landschaftlich wunderschön

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Die Gletscher wieder zum Greifen nahe.

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Am späten Vormittag dürfen wir, zu Fuße des letzten Einheitsdorfes

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hinauf zum Pass.

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Eine wahre Freude bei der Aussicht.

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Oben ein Passfoto

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und wir rollen auf Waschbrettpiste bis zu einer wichtigen Straßenkreuzung. Hier geht es in wenigen Kilometern nach Tadschikistan. Man wäre in 1 bis 2 Tagen in Murghab wo wir vor rund 2 Wochen waren. Wir möchten aber keinen der Tage dazwischen missen, auch nicht die Erfahrung hier in der streng kontrollierten Provinz Xinjiang.

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Am späten Nachmittag kommen wir in Tashkurgan an und beziehen in einem der wenigen Hotels (K2) die Ausländer aufnehmen dürfen, unser Zimmer.

Am Vormittag der Ausreise heißt es noch Busticket kaufen. Da gibt es 2 Varianten; chinesischer Reisebus oder pakistanischer Minivan. Denn hier ist Schluss mit Radeln, hier bekommt man den Ausreisestempel und danach ist es wieder verboten selbst zu fahren. Wieder liegt die geographische Grenze unzählige Kilometer weiter weg. Bei der Ausreise werden uns noch einmal genaue Fragen zu unserem Aufenthalt in China gestellt, bevor wir mit einem etwas mulmigen Gefühl unsere Räder mit dem ganzen Gepäck und den Einkäufen der Pakistanis auf einen Kleinbus verzurren lassen.

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Das ganze dauert mehrere Stunden, ein einziges Durcheinander hier. Zum Lachen und gefrustet sein gleichzeitig. Wir wollten nämlich versuchen, dass uns der Fahrer am Pass aussteigen lässt, so dass wir hinunter radeln können bis zum Immigrationsgebäude auf pakistanischer Seite. Aber mit jeder Stunde die wir hier vertrödeln sinken unsere Chancen, dass wir rechtzeitig am Pass und somit auf der geographischen Grenze ankommen um es noch bei Tageslicht ins Grenzdorf Sost in Pakistan radelnd zu schaffen.

Am späten Nachmittag erst durchfahren wir das Tor am Pass. Aber wir dürfen nicht mal aussteigen um ein Foto zu machen. Der Fahrer ist streng, er hat die Anweisung alle Passagiere direkt nach Sost zu bringen, ohne Unterbrechung. So das Abkommen zwischen China und Pakistan. Na gut, dann haben wir so oder so keine Wahl.

Die Einreise in Pakistan ist gemütlich und schnell erledigt. Mit einem breiten Lächeln, nachdem vom einzigen Angestellten endlich ein funktionierender Computer gefunden wurde, werden wir empfangen. Wir beladen unsere Räder und rollen auf die Straße. Gleichzeitig werden wir förmlich überrollt. Überrollt von den ersten Eindrücken; Gehupe, Männer, Linksverkehr, Männer, gehupe, es wird gestarrt, Männer, Männer, überladene bunte LKWs, es wird gestarrt, Männer, Männer, gehupe, es wird …. . Wir sind überfordert. Heillos überfordert mit der so ganz anderen Welt in die wir hier gespült werden. Hinzukommt, dass wir extremen Hunger haben und kein Bankomat Geld ausspuckt. Die Unterkunft die wir beziehen, um einfach unsere Räder wo abzustellen ist so ekelig, dass wir wahrscheinlich lieber im stehen schlafen werden, …. oh mein Gott, wo sind wir hier bitte gelandet.

NEIN!!! Nein, nein, nein, das können und wollen wir nicht als ersten Eindruck von Pakistan abspeichern. Wir drücken also die Reset-Taste, gehen essen, tauschen unter der Hand ein wenig Geld (zu einem recht guten Kurs), schnappen unsere Räder und beziehen eine andere Unterkunft. Durchatmen, morgen sieht die Welt sicher gleich anders aus.

 

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