Routenneuberechnung

am

Mumbai – Alappuzha/Allepey

24.12.2019 – 25.01.2020, davon 22 Radtage

13.311 km total

103.601 hm total

GPS Daten sind zu groß von diesem Abschnitt, daher gestückelt:

Route / GPS Mumbai – Armabol/Goa bitte hier klicken

Route/ GPS Arambol – Gokarna bitte hier klicken

Route / GPS Gokarna – Alappuzha bitte hier klicken

Mumbai – auf Kulturprogramm haben wir keine Lust, wir genießen die Vorzüge des Colaba – Viertels und verbringen den ganzen Tag in verschiedenen klimatisierten Kaffees. Heilig Abend sind wir um 8 Uhr im Bett, Sabrina geht es mal wieder nicht gut. Eigentlich wollten wir nur einen Tag in dieser Großstadt bleiben, aber seit Wochen quält sich Sabrina mit mysteriösen Bauchschmerzen und Übelkeit. Es wird Zeit es abklären zu lassen. Wir klappern mehrere Ärzte ab, aber entweder haben sie zu, oder sie können uns nicht helfen. Also landen wir am Schluss im „Bombai Krankenhaus“ und Sabrina am nächsten Tag am Untersuchungstisch. Die Wartezeit bis dahin verkürzen wir uns mit dem lesen der verschiedenen Formulierungen auf all den Plakaten die an allen Ecken im Krankenhaus hängen und alle die selbe Botschaft haben: Die Geschlechterbestimmung des Babys während der Schwangerschaft ist strafbar. Das Gesetz gibt es, weil in Indien die Anzahl an Abtreibungen aufgrund des „falschen Geschlechtes“ (Mädchen) sehr hoch ist.

Bei uns geht’s aber nicht darum ob wir zu dritt sind, sondern ob Sabrina ein bestimmtes Bakterium im Magen hat, daher die Gastroskopie.

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Test negativ, Diagnose unbekannt, Behandlung symptomatisch und die Empfehlung des Arztes nicht fettig und würzig zu Essen. Der Gute hat Humor, wie soll das in Indien möglich sein.

Um uns den Verkehr in der 18,5 Millionenstadt zu ersparen, verlassen wir Mumbai vom Gate of India mit der Fähre und setzen nach Mandawa über. Es sind Ferien und es ist die Hölle los.

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Sowohl am Fährhafen als auch auf den Stränden und  auf der von 2 anderen Radlern angepriesenen ruhigen, idyllischen Straße.

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Aber wir erkennen sofort einen Unterschied zum Norden von Indien: Frauen! Endlich sieht man wieder deutlich mehr Frauen auf den Straßen und auch hinter so manchem Verkaufsstand.

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Ja sogar Mädchen am Schulweg auf Fahrrädern begegnen uns.

Am ersten Abend suchen wir in einem Dorf eine Stunde lang einen Platz zum Schlafen, alles ist ausgebucht oder so teuer wie in Österreich. So etwas haben wir noch nie erlebt. Die Strandpromenade zieren unzählige Essensstände, Kinderkarusselle, der Strand ist voll mit Kamelen und Pferden zum Reiten, … bitte wo sind wir hier gelandet??

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Wir sind extrem frustriert. Soll das jetzt so weitergehen?? Wir sind extra hierher, weil wir die ruhige Küste erleben wollten

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und jetzt haben wir es so blöd getimed, dass wir in den Ferien hier landen. Wieder drehen sich unsere Gedanken endlos im Kreis: was tun wir hier, warum sind wir, warum sind wir nicht, was machen wir jetzt, wohin können wir jetzt, sollen wir weiter oder retour, wohin retour, warum sind wir nicht gleich, … die Stimmung sinkt, die Kraft ist am Ende. Wir sind diese Überlegungen sowas von Leid und dennoch können wir sie nicht stoppen. Obwohl erst einen Tag am Rad und in einem Indien-Touridorf wie es schrecklicher für uns gerade nicht mehr geht, bleiben wir einen Tag und versuchen unsere Gedanken wieder zu strukturieren. Dies geht für uns am Besten, wenn wir authentisches, tägliche Leben beobachten können. Keine 100 Meter abseits der  Inder-Tourimeile finden wir es:

Fischer bringen ihren Fang ans Land,

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deren Frauen verkaufen die Fische direkt noch am Strand

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oder an weitere HändlerFrauen,

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die dann wiederum keine 100 Meter entfernt auf einem Fischmarkt den frischen

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oder getrockneten Fisch

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unter die Leute bringen. Egal welche Arbeit sie verrichten, die Frauen sind selbst für den Fisch(verk)kauf wunderschön hergerichtet.

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Bereits in Ecuador hat es uns fasziniert, dass die Frauen die Feldarbeit immer in wunderschönen, bunten Trachten erledigten, die selbst nach Stunden harter Arbeit immer noch sauber waren.

Tagsüber,

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zum Sonnenuntergang

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und auch abends

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schlendern wir durch das Dorf, das uns mit seinen Seitengasssen einen unerwartet unverfälschten Einblick in das Küstenleben bietet.

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Unsere Gemüter beruhigen sich wieder, wir finden, dass die Küste noch eine Chance verdient hat, wir wollen uns vom ersten Eindruck von gestern nicht abschrecken lassen.

Unsere Entscheidung wird belohnt. Je weiter wir uns von Mumbai entfernen, umso weniger ist los. Bereits am Nachmittag des zweiten Tages können wir durchatmen und verstehen wovon die anderen Radler so geschwärmt haben.

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Silvester verbringen wir unspektakulär in einem kleinen Touridorf mit 10 Häusern mit nur Indern um uns herum.

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Ein kleiner Kiosk verkauft heimlich Bier (Alkohol und Indien ist so eine Sache, je nach Region leichter, schwerer, oder gar nicht zu bekommen), ein paar Lagerfeuer am Strand, die ein oder andere Rakete und ansonsten sehr ruhig.

Acht Tage lang sind wir bis Goa unterwegs. Acht Tage die bis auf zweimal immer den selben Rhythmus haben.

Wir wachen an einem Traumplatz am Strand auf

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(manchmal muss man leider die Unmengen an Müll ausblenden können um es hier schön finden zu können)

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und zelebrieren mit Blick aufs Meer unser Frühstück bis zum späten Vormittag.

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Es geht rauf und runter, meist an der Küste entlang. Immer wieder folgen wir auch zick-zack den Flüssen die ins Meer münden und queren unzählige Mangrovengebiete.

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Kein Dorf gleicht dem anderen. Manche nomieren sich als Postkartenmotive,

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andere sind uns ein wenig suspekt, oder aber vor lauter Grün merkt man kaum, dass man ein Dorf durchfährt.

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Die meisten Häuseransammlungen haben einen kleinen Kiosk  (oder  aber gar nichts)  mit dem Notwendigsten: Chips, Kekse und Erfrischungsgetränke. Selten, dass es mehr Auswahl gibt.

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Improvisieren beim Einkaufen fürs Abendessen sind wir gewohnt. Gemüse gibt es manchmal, aber oftmals scheitert selbständiges Kochen für uns an nicht vorhanden Nudeln (Reis kocht Wolfi auf unserem Kocher nicht sooo gerne).  Man nimmt also was man kriegt in jedem Dorf, dass mehr als die Standartkioske hat.

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… aber alle sind sie bunt.

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Jedes Dorf lässt uns anders an seinem Alltag teilhaben.

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Tempel, Kirche und Mosche … nicht selten befinden sich alle drei Gotteshäuser in einem Dorf. Uns ziehen besonders die (bunten) Tempeln an.

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Es gibt immer neues zu entdecken, wir lieben es.

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Vor allem aber in die farbenfrohen Fischerboote aus Holz haben wir uns verliebt.

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Die Küste ist so intensiv und reich an verschiedenen Farben, der Himmel smogfrei (aber oft diesig) …. also eine Wohltat in mehrerlei Hinsicht fürs Auge.

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Manchmal folgt unsere geplante Route einer eher trockenen Hochebene,

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bevor wir wieder in die Nähe des erfrischenden Nass kommen. Die kurzen, aber oftmals knackigen Anstiege werden immer mit einem grandiosen Ausblick belohnt.

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Idyllische und oftmals komplett einsame, maximal von einer handvoll Indern besuchten Buchten warten auf uns. Der Sand spielt alle Facetten: von weiß, über rot bis braun, von Puderzucker bis Schmirglpapier.

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Eine Woche lang Traumstrände nur für uns alleine. Die Straßen sind kaum bis gar nicht befahren, wir fahren stundenlang nebeneinander und unsere Ohren erholen sich immer mehr von den Hupkonzerten aus Punjab. Kein Wunder, dass die Mundwinkeln stets nach oben zeigen.

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Gebadet wird als Frau natürlich stilecht indisch: in dem, was man gerade anhat.

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Anstrengend ist es ab 11 Uhr (also kurz nachdem wir losradeln, aber die Gemütlichkeit in der Früh siegt), denn dann kommt die Hitze und Feuchtigkeit dazu, aber wir kommen besser damit zurecht als wir gedacht haben. Kurz nach Mittag findet sich immer irgendwo etwas zu Essen, nur einmal haben wir wortwörtlich eine stundenlange Durststrecke hinter uns, bis wir endlich unsere Mägen füllen können. Fast täglich müssen wir Flüsse oder weitreichende Buchten mit Fähren überbrücken.

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Wie viele Kilometer wir pro Tag schaffen, lässt sich hier an der Küste so schwer einschätzen wie schon lange nicht mehr. Verpassen wir eine Fähre, heißt es meistens eine Stunde warten.

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Manchmal segeln wir über besten Asphalt, dann rütteln wir wieder im Schneckentempo über Schlaglöcher bergab. Es gibt Tage da machen wir an die 150 Fotos, was hochgerechnet gut und gerne mal 1-2 Stunden reine Fotozeit ist.

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Dann gibt es Zeiten wo wir nicht stoppen wollen, obwohl es ein tolles Motiv wäre und eine schöne Erinnerung. Einfach weil wir zu faul sind zu stoppen, es zu heiß und dampfig ist sobald man steht, es zu diesig ist um die wahre Schönheit ablichten zu können, oder einfach nur, weil wir das Radeln in der Ruhe so sehr genießen und den Moment ungestört für uns erleben möchten. Apropos Kilometer … wir feiern unser 12.000km Jubiläum. Das macht in Summe weit über 30.000 Radtourenkilomter weltweit.

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Soweit zu unseren typischen Tagen an der Küste: same, same but totaly different jeden Tag. Am späten Nachmittag füllen wir dann immer unsere Wassersäcke und Flaschen noch einmal randvoll und suchen uns einen Traumplatz für unser Zelt.

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Fast immer sieht man uns, aber nie kommt jemand her und gafft uns an. Hier herunten sind die Menschen anders als im Norden Indiens, wir genießen um Welten mehr Privatsphäre. Kurz bevor die Sonne den Horizont küsst, packen wir die mobile Dusche aus: 1 Liter pro Person, 2 wenn Haarewaschen am Programm steht. Mit der richtigen Technik vollkommen ausreichend.

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An der Westküste zu radeln bedeutet jeden Abend zusehen zu können, wie die Sonne ins Meer eintaucht. Vom Zelt aus. Kitsch, kitschiger, am kitschigsten.

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Wir kochen nach langer Zeit mal wieder Nudeln, oder füllen unsere Tupperware im letzten Dorf mit Reis und Gemüse in einem „Restaurant“ auf, je nachdem ob wir in den Dörfern Nudeln und Sauce zum Kochen finden oder nicht. Aber bei dem Ambiente und dem guten indischen Mittagessen, sind wir abends nicht wählerisch womit wir unsere Bäuche füllen.

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Abends wird es frisch. So frisch, dass wir langärmlig die Sterne betrachten und uns vom Meeresrauschen in den Schlaf lullen lassen.

Diese Tage sind die besten Tage seit langem. Jeden Abend schwärmen wir von dem vorangegangenen Tag, jeden Morgen freuen wir uns aufs Losradeln und sind gespannt was wir heute entdecken. Nein es sind keine offroad-Abenteuer, nein es ist auch kein einsames, schroffes Gebirge, … und dennoch sind wir nach den langen, intensiven letzten Wochen so glücklich über diese Strecke zwischen Mumbai und Goa, dass wir merken wie sich unsere Batterien wieder aufladen und wir mit unserer Reise wieder ins Reine kommen. Am Ende dieser heilen, kleinen 8 TagesBlase ohne westliche Touristen, mit authentischen, wunderschönen Fischerdörfern, treffen wir in Arambol, dem nördlichsten Dorf in Goa ein und betreten ein „Disneyland“ für Backpacker und Yogis. Soviel nackte Haut haben wir schon seit Monaten nicht mehr gesehen, die westliche Musik die aus den Lautsprechern dröhnt und das Überangebot an Restaurants am Strand sind mehr als gewöhnungsbedürftig für uns.

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Aber es lässt sich wider erwartend gut aushalten hier, vor allem auch weil wir eines wissen:

Indien geht auch anders!!!!

Zwei Tage brauchen wir durch den kleinsten aller Bundesstaaten Indiens. Goa ist alles andere als ein Hippiezentrum. An zwei Hauptstränden findet man Europäer, an den meisten Stränden unzählige Russen mit ihren Familien und zwischendrin dann noch ein paar Strände mit Indern. Hippieflair war wohl mal. Goa ist wieder dichtbevölkert. Uns kommt es fast so vor, als wäre der Bundesstaat eine große Stadt. Auf viel zu engen Straßen, neuen Highways, über Baustellen, durch Gassen, … die zwei Tage ist für uns alles dabei. Wir sind nicht traurig als wir Goa verlassen und wieder einen weitläufigen Strand mit nur Indern und ohne Restaurants am Strand finden.

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Einen weiteren Tag folgen wir noch dem Highway, bevor wir in Gokarna alle Viere von uns strecken und von Tag zu Tag unseren Aufenthalt verlängern. Das nennt man sanften Tourismus. In das Dorfleben eingebettet, kleine Unterkünfte für Touristen, die Feldarbeit hat Vorrang, der Weg zum Strand führt durch Hinterhöfe und an Kühen vorbei,

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die Restaurants am Strand verstecken sich unter den Palmen, keine Musik, bei Sonnenuntergang sitzen die Yogis am Strand und meditieren während die Inder in ihrer Kleidung Abkühlung suchen, im Dorfzentrum findet man authentisches Essen zu authentischen Preisen in authentischen Lokalen, ein Pilgertempel der Scharen von Indern täglich hinströmen lässt, … und dennoch den ein oder anderen Vorteil den ein Touridorf mit sich bringt: richtigen Kaffee und Service ;-) .

Von hier bis Kerala soll es hauptsächlich am Highway inklusive Baustellen weitergehen, wir haben aber keine Lust darauf, dass unsere frische Liebe zu Indien wieder durch Gehupe und Staub zerstört wird. So haben wir uns einen Umweg über das Landesinnere, in dem Fall über die sogenannten Western Ghats, einem mittelhohen„Gebirgszug“ im Süden Indiens entschieden. Was uns dort erwartet wird haben wir absolut keine Ahnung. Die Routenplanung ist alles andere als einfach. Was auf der Papierkarte wie eine Nebenstraße eingezeichnet ist, kann auf Google Maps ein Highway sein, was auf der Handykarte eine Bundesstraße ist, entpuppt sich in Indien auch schnell als Feldweg….alles schon erlebt hier.

Bevor wir aber einen absolut neuen Landstrich entdecken, müssen wir erstmal hinauf in die Western Ghats. Die Küste hat unsere Beine trainiert und an dem Tag sind es bereits 90km Wegstrecke, bevor wir den Anstieg zur Hochebene in Angriff nehmen.

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Aber die süßen 530hm auf 8,5km, bei 34 Grad und gefühlten 90 Prozent Luftfeuchtigkeit sind anstrengender als so mancher Andenpass. Auf dem Weg nach oben füllen wir 2 Liter Wasser pro Person in uns hinein, und schwitzen gefühlt 20 wieder hinaus. Nach umarmen ist uns nicht zu mute und das soll was heißen.

Die Western Ghats sind bekannt für ihre Nationalparks,

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ihre Kaffee-

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und Teeplantagen,

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ihre Tiervielfalt

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und ein sattes Grün.

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Was sollen wir sagen, wir werden nicht enttäuscht. Im Gegenteil, der Flecken auf unserem Herzen der für Indien schlägt, wächst von Tag zu Tag. Zuerst die Küste und jetzt noch dieses Sahnehäubchen. Jeder Tag ist ein Traum.

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Wenn wir durch Nationalparks fahren umgibt uns ein schönes Grün, in den Dörfern

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in denen wir die heißfeuchte Mittagszeit in kleinen Straßenlokalen – verwirrenderweiße Hotels genannt in Teilen Südindiens –

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überbrücken, erwartet uns ein angenehmes Gewusel und stets köstliches Essen.

Es geht oftmals knackig nach oben,

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dann wieder gemütlich dahin

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und oft auch spaßig rasant bergab.

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Auf perfektem Asphalt, oder wie an der Küste auch schon, über mieseste Straßen die einen durchrütteln, sodass man beinahe den Verstand verliert. Was aber gleich bleibt ist die wunderschöne Umgebung an der wir uns nicht sattsehen können. Unser Glücklichkeitsbarometer steht am Anschlag.

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Von Tag zu Tag werden die Kaffeeplantagen mehr. Wir fahren durch eine andauernde Durfwolke von Kaffeeblüten. Ein Fuhrpark diverser Räder zu Hause zeigt unsere Leidenschaft und ähnlich verhält es sich auch mit Kaffee: so manche Freunde schmunzeln nur noch, wenn Wolfi eine seiner unzähligen Zubereitungsmöglichkeiten zelebriert. So ist es also nicht verwunderlich, dass wir seit einem Besuch in einer Rösterei mit schwereren Gepäck durch die Gegend rollen. Adios verhasster Instantkaffe der letzten Monate, herzlich willkommen frisch gemahlener, lokaler Kaffee!

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Als uns dann ein Kaffeebauer

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auch noch von der Straße zu sich winkt und wir stundenlang mit ihm durch seine Kaffeeplantage ziehen,

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bei der Ernte zusehen dürfen, (3000Rupees = 35 Euro für 50kg Robusta, 4000Rupees für 50kg Arabica bekommen die Bauern zur Zeit von den Zwischenhänderln die ihnen die Bohnen abkaufen.)

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noch mehr Wissen aufsaugen

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und auch unzählige andere Früchte und Gemüsesorten gezeigt bekommen, sind wir beide im 7. Himmel und happy über unsere Route. Diese stellt sich nämlich als perfekt heraus, und dennoch liegen wir jeden Abend im Zelt und planen sie neu.

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Immer länger in den Western Ghats und immer kleinere Wege suchen wir uns. Sechs Tage führt uns am Schluss unsere Route durch diese Region. Sechs Tage mit einem durchschnittlichen Verkehrsaufkommen von sage und schreibe einem Auto pro Stunde. Ja, das stellt sogar die Küste mit drei Autos pro Stunde in den Schatten. Die berechtigte Frage ob wir denn tatsächlich noch in Indien sind, so ruhig und einsam ist es hier, stellen wir uns merhmals täglich kopfschüttelnd. Gefolgt von einem „das glaubt uns doch keiner!“

Im Süden Indiens versagen unsere openstreetmaps Karten zum ersten Mal und das  gleich mehrmals. Durch die Steppe ohne offizielle Straßen in der Mongolei haben sie uns gebracht, tausende Kilometer durch die Anden, aber hier in Indien sehen die OSM Karten Straßen wo es keine gibt. Einmal heißt es unzählige extrem steile Höhenmeter mehr, dafür in einer skuril traumhaften Gegend, dass uns sogar egal ist, dass es bereits dunkel wird und wir nicht wissen wo wir sind bzw. wo wir „wieder rauskommen“ .

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Und die Räder durch Dickicht zu schieben, oder über Wiesen rollen zu lassen in der guten Hoffnung, dass irgendwann mal wieder eine Straße kommt, ist ein klitzekleines Abenteuer das uns einfach nur strahlen lässt.

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Abends stellen wir unser Zelt am Volleyballplatz eines 10 Häuserdorfes auf,

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neben einer Kirche,

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oder aber gleich Mitten am Dorfplatz

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mit gemütlichem Familienanschluss.

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Die Menschen hier sind so ganz anders als noch im Norden. Der Hype um und das Interesse an uns hat wieder ein für uns erträgliches Level erreicht. Die täglichen Stunden ohne einer Menschenseele tun uns gut und das unsere Bedürfnisse bei Einladungen wieder gewahrt werden bzw es akzeptiert wird, dass wir wieder weiterfahren möchten wenn wir es wollen, verdutzt uns manchmal ein wenig, hatten wir es doch im Flachland von Pakistan und im Norden von Indien komplett konträr erlebt.

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Neben Kaffe-und Teeplantagen gibt es noch vieles andere zu entdecken, die Kilometer vergehen wie im Flug.

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Auch wenn wir schon genügend Tempeln gesehen haben, finden wir die Farben und die kleinen Details nach wie vor so faszinierend, dass wir regelmäßig stoppen.

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Seit Mumbai schon stoppen wir auch gerne für die Blumenvielfallt.

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Nach sechs Tagen müssen wir uns entscheiden, retour zur Küste oder zu einer Großstadt um von dort mit dem Zug in den Norden zu fahren. Kerala als Ziel ist in den letzten Wochen immer weiter in den Hintergrund geraten, nachdem wir so unerwartet schöne Teile Indiens entdeckt haben, befürchten wir hier zu hohe Erwartungen zu haben und enttäuscht zu werden. Aber die Frage wie das berühmte Kerala denn so ist würden wir uns trotzdem immer wieder stellen, deshalb verlängern wir noch um ein paar Kilometer in den Western Ghats

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und machen uns dann auf einer rasanten kilometerlangen Abfahrt wieder hinunter in den Dunst der Küste. Diese hunderte Kilometer langen Western Ghats stehen nur wenige Kilometer vom Meer entfernt da wie eine Mauer. Meer – Flachland- zack, Mauer, Whestern Ghats. Sehr beeindruckender Anblick (allerdings wegen des Dunstes nichts für die Kamrea).

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Das ist es also: Kerala. Here we are. Rund 10 Wochen und 3000 km nachdem wir uns in der ersten Stadt in Indien entschieden haben, dieses Land doch entdecken zu wollen.

Ein dichtbebauter Bundesstaat in dem man anhand von Villen, Plakaten mit Werbung für Schönheitschirugie und Hochzeitsausstatter an allen Ecken deutlich die höhere Bildungs- und somit Einkommensschicht erkennt. Durch Siedlungen,

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am Strand,

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aber auch viel auf Hauptstraßen, bahnen wir uns noch 2 Tage lang den Weg, schlendern durch die Touristadt Kochi mit ihren schönen Gassen und guten Kaffees, aber ohne jegliches authentisches Essen, um einen halben Tag später in Alappuzha anzukommen. Unser selbsterklärtes Ende in Indien, südlicher wollen wir nicht mehr, viel mehr gibt’s eh nicht mehr.

Kerala ist bekannt für seine backwaters und die Teeplantagen in den Wester Ghats. Wir haben aber keine Lust darauf uns diese anzusehen, der Tourismus ist hier zwar gering (wie generell dieses Jahr in Indien), aber wir hatten unsere Teeplantagen und die Kanäle durch Städte und Dörfer….

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ganz für uns alleine. Deshalb verweilen wir Tag für Tag in unserer Unterkunft auf unserer Terrasse mit Blick aufs Meer und philosophieren vor uns hin.

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Indien, ach Indien…. auch wenn wir es so nie für möglich gehalten hätten, aber wir sind EXTREM GLÜCKLICH, dass wir hier waren. Und zwar mit dem Fahrrad. Das sind wir eigentlich immer, weil wir überzeugt davon sind, dass man so authentische Flecken entdecken kann und das Land von einer ganz anderen Seite kennen lernt als die meisten Menschen die es bereisen. Aber in noch keinem Land hat sich dies sosehr bewahrheitet wie in Indien. Obwohl der Verkehr im Norden mörderisch sein kann, aber alles südlich von Punjab ist ein absoluter Traum um das wahre Indien zu entdecken:

Indien kann leise sein, es kann einsam sein, es gibt nicht-befahrene Straßen, hunderte Kilometer einsame Strände, Städte ohne übertriebendes Gehupe, ohne dass dich sofort dutzende Menschen umzingeln und belagern, ein knallgrünes Hochland mit Dörfern die erst seit kurzem eine befestigte Straße haben, … . Indien kann soviel anders sein als man es sich vorstellt, als man es erwartet, so ganz anders als es uns jeder einzelne Rucksackreisende bis jetzt berichtet hat und ganz anders als es uns in Medien und Filmen suggeriert wird und Klischees sich in den Köpfen einnisten. Indien hat uns so überrascht, so sehr, dass wir es bis heute (3 Monate danach) noch nicht ganz glauben können WIE anders Indien sein kann. Ein riesen Schatz an Informationen, Eindrücken und Erfahrungen hat sich in unseren Köpfen angereichert und zu einem etwas klareren Bild über Indien verschafft. Indien ist so riesig, dass man es getrost als Kontinent betrachten könnte: jede Überquerung eines Bundesstaates kommt einer Grenzüberquerung zweier Länder gleich, so unterschiedlich können sie sein.

Unsere kleine Radlerwelt ist vollends in Ordnung, wir sind froh darüber dass sich all die Zweifel im Norden von Indien ausgezahlt haben, dass wir durchgehalten haben in den ersten anstrengenden Tagen in diesem Land nicht das Handtuch geschmissen haben… es hat sich gelohnt. Sosehr gelohnt!!!!! Nur ein kleiner Störfaktor flammt immer wieder auf, einer der seit Mumbai in einer Gehirnwindung sitzt und sich immer wieder meldet: wie weiter wenn wir ganz unten in Indien sind.(die Ostküste wieder hoch ist für uns keine attraktive Variante, zu viel Industrie, zu bevölkert für die vielen Wochen die wir wieder hoch bräuchten) Dieses „Problem“ haben wir gekonnt ignoriert, diskutiert, besprochen, darüber gerätselt, gegrübelt, entschieden, umentschieden, es aufgeschoben, … wir hatten die letzten Wochen alles durch. „Sackgasse“ Südindien …. nach 5 Tagen aufs Meer schauen und Delphine beobachten, nach unzähligen Litern frischen Kaffee aus den Western Ghats und köstlichen Mangos, nach Stunden schweigen und schwärmen weil die Überraschung Indien erst verarbeitet werden muss, … müssen wir uns dennoch mit dem wie und wohin weiter beschäftigen. Listen werden angefertigt, Varianten durchgegangen, Bedenken geäußert, Klimatabellen gecheckt… und am Ende können wir uns einfach nicht entscheiden. Nichts fühlt sich 100 Prozent richtig an. Ja sogar die Variante in Gokarna uns für 1 Monat einzuquartieren ziehen wir in Erwägung. Am Ende ist es eine Whatsapp die uns von unserer Schwägerin aus der Schweiz erreicht, die eine neue Lösung beinhaltet, sich auf Anhieb richtig und gut anfühlt, unsere gesamten restlichen Pläne auf den Kopf stellt und uns innerhalb von zwei Tagen spontan einen Flug buchen lässt…

Familytime we are coming!!!!!!!